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WIR
WERDEN VON IHNEN AUSGEQUETSCHT WIE ZITRONEN
„They
squeeze us and squeeze us, and no juice comes out of us“
von
Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Kommunisten-Online,
19. Juni 2010. – Naive, anders gesagt, nur sehr einfältige
Menschen dachten in diesen Tagen, dass die Herrschaften jener paar
hundert Familien, die weltweit das Finanzkapital darstellen, es beim
Raubzug auf mindestens 700 - 1000 Milliarden Euro belassen würden, die
da derzeit bereits den Völkern der EU-Mitgliedsländer auf wahrlich
dreistest zu nennende Art und Weise abgepresst werden. Aufgeklärte und
halbwegs informierte und denkfähige Menschen hingegen sind sich einig,
dass wir es bei der Hochfinanz mit Nimmersatten zu tun haben. Karl Marx
formulierte seine wegweisende, richtige und vielfach sich bestätigende
Erkenntnis im Grunde noch sehr bescheiden, dass Kapital bei
entsprechendem Profit kühn bis verbrecherisch wird. Wir können dieser
Erkenntnis mittlerweile hinzufügen, dass allein die Profiterwartungen
von 1000 oder 2000 Milliarden Euro aus der Aneignung von Rohstoffen des
Mittleren Ostens zu verbrecherischsten imperialistischen Raubkriegen des
Finanzkapitals führen, wie wir sie in Irak und Afghanistan, in der
gesteigerten Aggressionsbereitschaft der imperialistischen Hauptmächte
gegenüber Iran, Venezuela, Bolivien, Ekuador und Brasilien sowie in
solchen Namen schlimmster imperialistischer Verbrechen wie Guantánamo
Bay, Abu Ghraib, Gaza usw. tagtäglich miterleben. Oder nehmen wir die
gigantische „Ölpest“ im Golf von Mexiko, die auf die extreme
Profitgier der großen Finanzkapital-Clans zurückzuführen ist, welche
dicke Aktienpakete an den US-Erdölkonzernen halten.
Im
Englisch-Schulbuch für die 8. Klasse der allgemeinbildenden
polytechnischen Oberschulen in der DDR der 70er Jahre ging es in einer
Lektion darum, wie sich englische Arbeiter über den „rent collector“
und „landlord“ als „lemonsqueezer“, also den Vermieter äußern:
„They squeeze us and squeeze us, and no juice comes out of us“, auf
deutsch: Wir werden von ihnen ausgequetscht wie Zitronen, nur kommt kein
Saft aus uns raus. In einem Land wie der sozialistischen DDR mit 40
Jahre lang eingefrorenen lächerlich geringen Mietpreisen für Wohnraum
war es sehr angebracht, die Schuljugend auf die Alltagsprobleme der
Arbeiter in den kapitalistischen Ländern aufzuklären. Mittlerweile hat
sich die westdeutsche Bourgeoisie ca. 90% der Immobilien im Osten
Deutschlands angeeignet, hat die Obdachlosigkeit neben anderen Segnungen
der „Marktwirtschaft“ die Menschen dort längst erreicht. Und nicht
wenige „Ossis“ warfen sich in ihrer unvorstellbaren Naivität und
Einfältigkeit schon Ende 1989 dem Finanzkapital in Gestalt der
„D-Mark“ an den Hals. Viele ernüchterten bald wieder in den „blühenden
Landschaften“ voller hunderttausender vernichteter Arbeitsplätze. Und
innerhalb weniger Jahre flüchteten mit einer Gesamtzahl von ca. 3
Millionen weitaus mehr „Ossis“ vor der Massenarbeitslosigkeit und
dem Elend im Osten Richtung Westen, als in 40 Jahren zuvor aus der
sozialistischen DDR in den Westen übergesiedelt waren. Niemand soll was
Anstößiges daran finden, denn Massenarbeitslosigkeit und Armut sind ja
nun mal weltweit Selbstverständlichkeiten, die aber auch gar nichts mit
einem „Unrechtsregime“ zu tun haben könnten. So jedenfalls bemühen
sich alle Sprachrohre der Bourgeoisie unsereins dies weiszumachen.
LISSABONVERTRAG
DER EU SCHAFFT MENSCHENRECHTE AB
Wir
Kommunisten sehen da allerdings völlig klar. Für uns gehört es nicht
zu den Menschenrechten, aus Angst vor irgendwelchen zu Schreckgespenster
mit der Bezeichnung „Terroristen“ hochstilisierten Attentätern mit
Foltercamps wie Guantánamo Bay oder Abu Ghraib im Namen irgendeiner
„Demokratie“ zu reagieren. Wir sehen es nicht als Menschen- oder
Volksrecht einer „Selbstverteidigung Deutschlands am Hindukusch“ an,
dass die Bundeswehr am imperialistischen Raubkrieg zur kolonialen
Unterwerfung des afghanischen Volkes unter Kommando der USA teilnimmt.
Für
uns sind Menschenrechte in erster Linie soziale Menschenrechte zur
unbedingten Gewährleistung der Befriedigung der elementaren Grundbedürfnisse
von Menschen:
-
Recht auf Leben in Frieden
-
Recht auf gesundheitliche / medizinische / ärztliche Betreuung
-
Recht auf ausreichende Ernährung
-
Recht auf menschenwürdige Wohnverhältnisse
-
Recht auf Arbeit
-
Recht auf Bildung
-
Recht auf Kultur
-
Recht auf menschenwürdige Kleidung
-
Recht auf menschenwürdiges Leben im Alter
usw.
Alle
diese elementaren sozialen Menschenrechte werden der Mehrheit der
Menschen im flächenmäßig größten und bevölkerungsreichsten Teil
der Welt, der sog. „3. Welt“ auf den Kontinenten Asien, Afrika und
Lateinamerika vom weltweit herrschenden imperialistischen Ausbeutungs-
und Unterdrückungsregime vorenthalten. Gerade in der EU haben viele
Naivlinge und Einfältige gedacht, dass ihnen ein auskömmliches
Lebensniveau garantiert bleibt, weil das Finanzkapital sich in seinem
eigenen Lebensmittelpunkt allzeit relativ sozial geben würde. Jetzt
merken immer mehr Menschen in den Völkern der EU, dass ihre durch
einstige Generationen hart erkämpften sozialen Errungenschaften immer
rascher den Raubzügen des Finanzkapitals in Gestalt von drastischen Kürzungen
und Streichungen sozialer Leistungen zum Opfer fallen. Immer mehr
Menschen erkennen, dass der Imperialismus nicht fähig ist, die sozialen
Menschenrechte wenn auch nur in seinen entwickeltesten Ländern für
alle zu gewährleisten.
-
Recht auf Frieden?
Imperialistischer
Raubkrieg wird alltäglich, nur Profite zählen!
-
Gesundheitswesen?
Ärzte,
Pharma-Aktionäre, Klinik-Aktionäre, - nur Profit zählt!
-
Ernährung?
Nahrungsmittel
sind Waren, da zählt nur der Profit!
-
Wohnen?
Auf
dem Wohnungsmarkt zählt der Profit allein!
-
Arbeit?
Dumping-
und Hungerlöhne, Arbeitshetze und Mobbing, nur Profit zählt!
-
Bildung?
Offen
für diejenigen, die zahlen können, denn nur der Profit zählt!
-
Kultur?
Verblödung
durch BILD und Glotze fürs Volk, um mehr Profit aus ihm zu rauszuholen.
-
Kleidung?
Markenbewusstsein,
denn nur der Profit zählt.
-
Altenteil?
Begehrlichst
schielt das Finanzkapital auf die letzten vorhandenen Rententöpfe!
usw.
LISSABONVERTRAG:
ABSCHAFFUNG VON ALLEM SOZIALEM
Nehmen
wir mal die Sozialpolitik der reaktionären deutschen Regierungen in den
letzten 20 Jahren. Immerhin hatten so gut wie die Hälfte aller
arbeitsamen Menschen im Exportweltmeister-Land BRD seit den 50er Jahren
bis 1990 relativ abgesicherte Arbeitsplätze und konnten sich auf eine
hinreichende selbsterarbeitete Altersrente freuen. Die Rede ist da von
den Männern, denn bei den Frauen sah es zumeist ganz anders aus. Denn
vielen Frauen blieb im Alter oft nur die viel zu kleine Witwenrente, so
dass sie nicht selten als Sozialfälle in ärmlichen Lebensverhältnissen
endeten.
Gravierendste
Änderungen gab es in den letzten 20 Jahren für Arbeitslose in
Deutschland. Vorbei jene Zeiten mit Arbeitslosengeld für vorübergehende
Arbeitslosigkeit, Arbeitslosenhilfe bei Langzeitarbeitslosigkeit und
Sozialhilfe bei Arbeitsunfähigkeit.
Erst
musste der „Aufbau Ost“ in Form des hochprofitablen Verhökerns der
volkseigenen Betriebe der DDR dafür herhalten, aus vor allem der
Arbeiterklasse heraus gequetschte öffentliche Steuermittel den
Subventionsschwindlern namens „Investoren“ via Treuhandgesellschaft
zuzuschanzen. Als dies nicht reichte, wurden die Arbeitslosenleistungen
erheblich gekürzt und bis zum Jahr 2000 bereits dem mittlerweile bis
zum Überdruss ausgereizten Dumping- und Hungerlohnsystem der Arbeitskräfte-Überlassungs-
und Leih- und Zeitarbeitsfirmen Tür und Tor seitens der reaktionären bürgerlichen
und opportunistischen Regierenden geöffnet. Die opportunistischen
Gewerkschaften des DGB mit seinen korrupten Bonzen an der Spitze hielten
still, dafür gab es EU- und andere einträgliche Pöstchen von
„Politik und Wirtschaft“. Man sehe sich da mal die Biografie von
Monika Wulf-Mathies an, zum Beispiel bei Wikipedia.
Wir
können festhalten, dass zwischen 1990 und 2000 der Lohnraub des
Finanzkapitals an der Arbeiterklasse in Deutschland seinen Rekord für
die gesamte Periode seit 1950 erreichte. Ermöglicht wurde dies auch
sehr wohl dadurch, dass die Arbeiterklasse keine bzw. nur sehr
unzureichende Abwehrkämpfe führte. Verheerend wirkt sich das Fehlen
einer in den proletarischen Massen verwurzelten kommunistischen Partei
in Deutschland aus.
Den
demagogischen Politiker-Singsang von den ach so drückenden „Lasten
aus der deutschen Teilung“ nimmt seit 2000 auch der naivste und einfältigste
Dummkopf den Regierenden nicht mehr ab. Der ungehemmte Generalangriff
des Finanzkapitals auf die inzwischen zu Cents gewordenen Groschen der
Arbeiterklasse in Deutschland bedurfte einer öffentlichkeitswirksamen
neu zu erfindenden Begründung für Zwangsmaßnahmen der
opportunistischen Schröder-Regierung bzw. des reaktionären
Merkel-Regimes. Schröders „Agenda 2010“ wurde mit dem Zwang begründet,
dass die „Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands“ gegenüber
wirtschaftlich aufstrebenden Drittweltländern wie China
„verbessert“ werden müsste. Die weitere Senkung der „Lohn-Stück-Kosten“
und „Lohn-Nebenkosten“ sollte die Ware Arbeitskraft für das
Finanzkapital billiger machen. Die Renten wurden von der Lohnentwicklung
entkoppelt, so dass sie in Deutschland real seit Jahren sinken. Die
Reallöhne sanken ebenfalls weiter ab. Und die Arbeiterklasse wurde mit
einem Dauer-Feuerwerk eingelullt, dass „das scheue Reh“ namens
Kapital alle Betriebe schließen und nach China verlegen würde, wenn
die Arbeiterklasse gegen diesen Lohn- und Rentenraub aufmucken würde.
Die
Arbeiter- und Volksbewegung reagierte protestierend mit
„Montagsdemonstrationen“. Dies jedoch viel zu vereinzelt und eher
spontan. Die opportunistischen Gewerkschaften beteiligten sich gar nicht
bis äußerst zögerlich an diesen Protesten, so dass vom reaktionären
bürgerlichen Staat gehätschelte antikommunistische pseudolinke
Politsekten und kleinbürgerliche Revoluzzer sich an die Spitze dieser
„Montagsdemonstrationen“ stellten und die letzten klassenbewussten
Arbeiter von der Teilnahme an diesen nun lächerlich wirkenden
Veranstaltungen verprellten. Der Widerstand der Massen in Deutschland
gegen die „Agenda 2010“ brach bis 2005 weitestgehend zusammen. Die
imperialistische Hochburg Deutschland wurde zum beispielgebenden Lohn-
und Sozialräuber für alle EU-Mitgliedsländer. Die nicht wenigen
Naivlinge und Einfältigen gingen weiterhin dem herrschenden
Finanzkapital auf den Leim. Andere sahen zähneknirschend, wie trotz in
Deutschland weitverbreiteten übelsten massivsten Lohndumpings mit
„zur Rettung der Arbeitsplätze“ in vielen privatkapitalistischen
Firmen geübtem Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld usw. usf. ganze
Industriebereiche zwecks Profitmaximierung vom Finanzkapital nach China
und in andere „Billiglohnländer“ verlagert wurden.
Massenarbeitslosigkeit und Massenverelendung erfassen seit 2000 auch
sehr zunehmend den einst wirtschaftlich relativ stabil prosperierenden
Westen Deutschlands.
Während
im vorigen Jahrhundert in der Bundesrepublik Deutschland gezahlte
relativ hohe Löhne Arbeiter und Angestellte aus aller Welt anlockten,
um in Deutschland Lohnarbeit zu verrichten, veränderte sich in den
letzten 10 Jahren dieser Trend in sein Gegenteil: Immer mehr Ost- und
auch Westdeutsche suchen Lohn und Brot in den Nachbarländern
Deutschlands, weil sie so der Massenarbeitslosigkeit, den Dumping- und
Hungerlöhnen sowie der grassierenden Massenverelendung in Deutschland
entrinnen wollen. Das ohne öffentliches Achselzucken offenbar vom Volk
hingenommene Heraufsetzen des Rentenalters von 65 auf 67 in Deutschland
ließ sich in den westlichen, südlichen und nördlichen Nachbarländern
keinesfalls so kampflos vom profitlüsternen Finanzkapital durchsetzen.
In Belgien gab es schon den Generalstreik, als der gesetzliche
Vorruhestand von 58 auf 60 angehoben wurde. In Frankreich wird um jede
verlagerte Arbeitsstelle hart gekämpft, stehen die Arbeiter auf
Barrikaden vor besetzten und mit explosiven Gasflaschen gesicherten
Betrieben im Kampf um die Durchsetzung hoher Abfindungssummen. Nur in
Deutschland kommen die Finanzkapitalisten auf die billigste Tour davon,
wenn sie „dichtmachen“, massiv entlassen und Produktions- und
Dienstleistungsbereiche in Billiglohnländer verlegen. Und die naivsten
und einfältigsten Arbeiter und Angestellten entblöden sich bei all dem
in Deutschland nicht, sich „zu teuer“ vorzukommen und das
profitgeile Ausbeuterkomplott aus Finanzkapital und dessen politisch
Deutschland verwaltenden Anhang auch noch zu „verstehen“, für die
Profitgelüste des Klassengegner „Verständnis“ aufzubringen.
Es
hat aber auch in letzter Zeit erste Anzeichen für spontan aufflammenden
heißen Klassenkampf in Deutschland gegeben. Die Beschäftigten der
Firma Karmann griffen gar zum „Bossnapping“, sprachen also sehr wohl
„französisch“ mit ihrem Boss und ließen sich nicht kampflos um
Lohn und Brot bringen. Aber noch immer ist Deutschland weit entfernt von
einer Kampffront gewerkschaftlich organisierter klassenbewusster
Arbeiter, die kämpferisch ihre Rechte bewusst und gemeinsam
verteidigen. Noch immer fehlt der Arbeiterklasse in Deutschland ihre stärkste
Waffe, die kommunistische Partei.
In
Gestalt der Weltwirtschafts- und Finanzkrise verstärkte das
international organisierte Finanzkapital seine seit 1990 eingeleitete
Großoffensive im Klassenkampf gegen die Arbeiterklasse in Gestalt der
Massen der ausgebeuteten und unterdrückten Völker. Der Profitgier des
Finanzkapitals sind bereits viele hunderte Milliarden Euro und Dollar
aus öffentlichen Haushalten und Staatskassen zum Opfer gefallen, so
dass nun die ultimativen Plünderungen der Altersrenten und aller
Sozialversicherungssysteme auf der unmittelbaren Tagesordnung des
Diktats der nimmersatten Hochfinanz stehen.
FÜR
WEN UND WOFÜR MERKEL UND WESTERWELLE ZU LASCH SIND
Unser
Bundesengelchen Merkel hat sich etwas schwer getan und spürbar gezögert,
das vor einigen Tagen verkündete drastische „Sparpaket“ mit einem
Umfang von 80 Milliarden Euro an Sozialkürzungen zu verkünden. Das
Finanzkapital besteht da auf einer schnelleren Gangart beim Enteignen
des Volkes hinsichtlich Altersrente, Reallohn, Kaufkraft und Sozialzuschüssen
in Notlagen. Der Lissabon-Vertrag der EU sieht nichts Soziales mehr vor
und ist nun Gesetz innerhalb des reaktionären Bollwerkes namens Europäische
Union.
Unsereins
fiel auf, dass es in den letzten Wochen immer mehr „öffentliche
Kritik“ am Bundesengelchen Merkel und Bundesbengelchen Westerwelle
hagelte. Dabei wurde nicht etwa thematisiert, dass zunehmend Hungerlöhner
in Deutschland in ihrem Elend verzweifeln. Nein, die „öffentliche
Kritik“ ist reinster Medienzauber von BILD bis ZEIT. Wer dahinter
steckt, verrät bestens die deutsche Ausgabe der Financial Times vom 16.
Juni 2010: „... 92 Prozent der Führungskräfte aus Wirtschaft,
Politik und Verwaltung sind von Schwarz-Gelb enttäuscht ... Mehr als
drei Viertel der 530 Befragten - darunter 79 Vorstände von Großkonzernen
und 21 Minister und Ministerpräsidenten - halten die Regierung für zu
schwach, um die anstehenden Probleme zu meistern ...“. (1)
Fettgedruckt
ist dann von „dramatischem Vertrauensverlust“ die Rede. Um wessen
Vertrauen muss es wohl bei denen gehen, die vom Zentralorgan des
Finanzkapitals „Elite“ genannt werden? Das Vertrauen der 30-40%
Nichtwähler in Deutschland ist da gewiss nicht gemeint. Den Wortführern
und Propagandisten der Reaktion geht es um das „Vertrauen der Finanzmärkte“,
der Gewinnler und Profitmacher auf Gebieten wie Ausquetschen überschuldeter
Staatshaushalte, Ausplündern der Renten- und Gesundheitskassengelder,
Entwertung von Dollar und Euro und jeglichem Geld. Die Financial Times
stellt einen „tiefen Riss zwischen der bürgerlichen Koalition und
ihrer Klientel“ fest. Das ist Klartext!
49%
jener „Elite“ halten unser Bundesengelchen Merkel für eine
„schwache Kanzlerin“, 89% jener „Elite“ halten Bundesbengelchen
Westerwelle für „keinen guten Außenminister“. Einfältige und
Naivlinge mögen da ja meinen, dies hinge mit der Wirtschaftskrise
zusammen, die den „Führungskräften“ ach so sehr zu schaffen machen
würde. Aber nein! Laut Financial Times sehen 59% dieser „Führungskräfte“
die Konjunkturaussichten „optimistisch“. Was nichts weiter heißt,
als dass die Profite und Einkünfte bestens für diese
Finanzkapitalisten und deren managenden und verwaltenden Anhang stimmen
und somit deren Luxus blüht. 81%
der „Topmanager“ bezeichnen die „Auftragslage in den
Unternehmen“ als „gut oder sehr gut“. Was heißt, dass das
Krisengefasel allerbestens noch dazu herhält, die Menschen im Volke
einzuschüchtern, niederzuhalten und fernzuhalten vom aktiven
Klassenkampf.
EU-WEITER
LOHN- UND SOZIALRAUB BIS 2020 ZU VOLLENDEN
Am
Ende des besagten Artikels in der Financial Times kommen dann die Gelüste
des Finanzkapitals zum Vorschein. Da ist von „ehrgeizigeren
Sparvorschlägen“ die Rede, die „die Entscheider sich wünschen“:
„So sollen Steuervorteile bei Schicht- und Nachtarbeit gestrichen
(86%) , der ermäßigte Satz bei der Mehrwertsteuer abgeschafft (80%)
und der Spitzensteuersatz angehoben werden (66%). Zustimmung erhält die
Bundesregierung lediglich für ihren Kurs in der
Griechenland-Krise...“
Klartext:
Bei Schicht- und Nachtarbeit soll es weniger Nettolohn für den Arbeiter
und weniger Kosten für den ausbeutenden Kapitalisten geben. Die
Mehrwertsteuererhöhung trifft zu 90% die Arbeiterklasse, die einen Großteil
ihres geschrumpften Lohnes in Nahrung steckt. Über Spitzensteuersatz
macht sich keine Gedanken, wer die Steuerschlupflöcher nutzen kann und
Steuerberater bezahlt, Der diskrete Charme der Bourgeoisie zeigt sich
darin, etwas Augenauswischerei durchaus „zuzugestehen“. Aber im
Grunde wünschen sich die Herrschaften vom Finanzkapital so etwas wie
einen „Führer“ im Kanzleramt des Regierungschefs, welcher
engagierter, eiserner, diktatorischer, „führungsstärker“ deutsches
Kanonenfutter nach Afghanistan liefert und dafür weitaus mehr Gelder
aus der Arbeiterklasse rausquetscht.
Die
belgische Metrotime schildert, dass unser Bundesengelchen Merkel auch in
der EU derzeit „Spießruten laufen“ musste. Deutschland ist nach
Meinung der EU-Politiker zu sehr mit dem Absichern seiner eigenen
„Wettbewerbsposition“ beschäftigt, anstatt sich „solidarisch“
zu verhalten gegenüber anderen EU-Mitgliedsländern. Süffisant wird
zitiert, dass 86% der Deutschen „unzufrieden mit der Regierung“
sind. Dabei formuliert das Finanzkapital schon mal die
„EU-2020“-Strategie, den EU-weiten Lohn- und Sozialleistungsraub an
der Arbeiterklasse und den Volksmassen. (2)
Klartext:
Noch mehr Hunderte von Milliarden Euro sollen auch von Deutschlands
Staatshaushalt „für den Schuldendienst der EU-Länder“
bereitgestellt werden äh dem Finanzkapital in den nimmersatten Rachen
geworfen werden. Denn wenn die Inflation kommt, dann trifft sie eben die
Völker. Großaktionäre, Führungskräfte und politisch-militärisch-administrativer
Anhang profitieren auch bei verschärfter Verelendung der Völker in der
EU bestens weiter. Die Staatenpleite wird ohnehin zur EU-Pleite, und
zahlen muss nach Logik der Herrschaften die ausgebeutete und unterdrückte
Arbeiterklasse.
Auch
in Frankreich geht die Großoffensive des Finanzkapitals unvermindert
weiter. Das Rentenalter soll von 60 auf 62 erhöht werden, so verkündete
es die reaktionäre Regierung des CIA-Günstlings Sarkozy dort. „Länger
arbeiten ist nun mal unvermeidlich“, verkündete der französische
Arbeitsminister Woerth sein „Naturgesetz aus heiterem Himmel“, wie
ich es mal nenne. Aber er führt auch einen „Grund“ an, wohl mit
Blick auf die viel zuviel hinnehmenden Volksmassen in Deutschland.
„Auch verweist er auf das Ausland, um seinen Plänen
Durchsetzungskraft zu verleihen“, so Metrotime, ihn wörtlich
zitierend: „Hier ist keine Magie möglich. Alle unsere europäischen
Partner haben das getan. Es ist nicht möglich, außerhalb der Bewegung
zu bleiben.“ (3) Ist es wirklich nur Zufall, dass diese Bemerkung
unsereins an „die Bewegung“ der Hitlerfaschisten erinnert, welche
Deutschland von 1933-45 politisch beherrschte und die offene,
terroristische Diktatur der am meisten imperialistischen, am meisten
chauvinistischen und reaktionärsten Kreise des Finanzkapitals ausübte?
Auf die Aktualität von Dimitroffs Faschismusdefinition sei hier
hingewiesen.
Derselben
Quelle zufolge kündigten die französischen Gewerkschaften Streiks und
Protestaktionen für September 2010 an. Wie ergänzend die Financial
Times berichtet, kündigten die spanischen großen opportunistischen
Gewerkschaften offenbar unter dem Druck der rebellierenden Basis, der
Arbeiterklasse, einen Generalstreik für den 29. September 2010 gegen
die „Arbeitsmarktreform“ genannte „Lockerung des Kündigungsschutzes“
in Spanien an.
Laut
EU-Kommissionpräsident Barroso ist die EU-Kommission „die
Wirtschaftsregierung Europas“. EU-Währungskommissar Olli Rehn lobte
die in Spanien, Italien, Portugal und Deutschland angekündigten
Sparprogramme als „angemessen, um das Ziel zu erreichen“ und „den
Vorgaben der EU entsprechend“. Gegen nun mehr 20 der 27 EU-Länder
laufen „Defizitverfahren“, seit am 15. Juni 2010 auch gegen Dänemark,
Finnland und Zypern solche Verfahren eingeleitet wurden und Bulgarien
demnächst damit bedacht werden soll. In der Eurozone hält sich nur
Luxemburg an die 3%-Maastricht-Grenze. Außerhalb der Eurozone in der EU
schaffen dies bisher noch Schweden und Estland.
Klartext:
Wir erleben den EU-weiten stark forcierten Generalangriff des außer
sich geratenden Finanzkapitals auf die Arbeiterklasse, wobei die
reaktionären bürgerlichen Regierungen direkt dem Diktat des
Finanzkapitals zu folgen haben. Wir haben es in der EU mit einer klaren
Diktatur des Finanzkapitals zu tun. Die Plünderungen der Mittel für
Soziales erreichen derzeit ein nie gekanntes Ausmaß in der EU, wobei
allein das Finanzkapital Nutznießer dieses Raubzuges an der
Arbeiterklasse, an den Völkern ist. Fast alle EU-Staatshaushalte
befinden sich bereits im festen Würgegriff des Finanzkapitals.
WAS
KÖNNEN UND MÜSSEN WIR TUN
Für
die Arbeiterklasse kommt es darauf an, die Vielfalt der Formen des
Klassenkampfes endlich in vollem Umfang zu nutzen. Der Klassenkampf hat
alle Ebenen erreicht und muss somit auch seitens der Arbeiterklasse überall
und auf allen Ebenen bewusst und beharrlich geführt werden. Für die
Gewerkschaften wird es immer zwingender zur Notwendigkeit, EU-weit
koordinierte Protestaktionen zu organisieren, um überhaupt noch Erfolge
bei der Abwehr der forcierten Großoffensive des Finanzkapitals zu
erzielen. Daneben muss durch die antiimperialistisch-demokratischen Kräfte
massiv unter den Volksmassen Aufklärungsarbeit geleistet werden, damit
der Klassenkampf seitens der Arbeiterklasse und Volksmassen sich nicht
auf reine Abwehrschlachten erschöpft, sondern zunehmend auch in
revolutionäres Kämpfen für die Überwindung des selbst zerstörerischen
und unmenschlichen Imperialismus als Gesellschaftsordnung einmündet.
Wir
stehen vor heißen zugespitzten Klassenkämpfen in der EU und weltweit.
Wir Kommunisten bereiten uns darauf vor, an diesen Klassenkämpfen sehr
aktiv teilzunehmen. Wir werden nicht zulassen, dass kommunistische
Parteien und Organisationen verboten werden und zu verschwinden haben.
Wir werden die revolutionäre politische Massenarbeit entwickeln und die
kommunistische Partei sein, welche die Arbeiterklasse und die Völker
Europas und der Welt dringend nötig haben. Ohne uns, ohne
kommunistische Partei, kann weder die bürgerliche Ordnung endgültig
und konsequent zerschlagen werden, noch die Diktatur des Proletariats
durch die Arbeiterklasse errichtet werden. Es ist an der Zeit, dass wir
uns auf heiße zugespitzte Klassenkämpfe in der EU und weltweit
vorbereiten.
Quellen:
(1)
Claudio de Luco, Berlin, Elite verzweifelt an Schwarz-Gelb, in
Financial Times vom 16. Juni 2010
(2)
Merkel moet spitsroeten lopen op EU-top, in Metrotime (Belgien)
vom 17. Juni 2010
(3)
Frankrijk verhoogd pensioenleeftijd, in Metrotime (Belgien) vom
17. Juni 2010, gestützt auf www.lefigaro.fr
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