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Belgien

Streikwelle der Bahngewerkschaften gestartet

NEIN ZUR PRIVATISIERUNG DES GÜTERVERKEHRS

von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

Exklusiv für K-Online, 4. November 2009.-   Belgiens Eisenbahner gehörten schon immer zu den kämpferischsten Teilen des Proletariats in diesem kleinen Königreich. Unter den Gewerkschaftern anderer Branchen heißt es dazu nur schmunzelnd: „Fängst du bei der Bahn an, dann unterschreibst du im Personalbüro den Arbeitsvertrag. Kaum kommst du da raus, winkt dich eine Tür weiter schon die Gewerkschaft zu sich herein.“ Dies ist eine Anspielung auf den außergewöhnlich hohen Grad gewerkschaftlicher Organisiertheit bei den Beschäftigten der belgischen Staatsbahn. Eine angedrohte Kündigung kann rasch einen spontanen Streik der Eisenbahner mit Lahmlegung des Flughafens Zaventem auslösen. Solche Aktionen geschehen mehrfach im Jahr und dauern meistens nur wenige Stunden, denn die Bahndirektion lenkt dann doch zumeist rasch ein.

Im September 2009 wurden Pläne lauter, wonach der belgische Staat im Zeichen der Liberalisierungs- und Privatisierungsdiktate der EU-Verträge die gesamte Gütersparte B-Cargo der belgischen Staatsbahn vom staatlichen Bahnkonzern erst abtrennen und anschließend rasch privatisieren will. Die Bahngewerkschaften wittern bei dieser „Umstrukturierung“ Massenentlassungen für über 500 Eisenbahner und sind keinesfalls bereit, dies kampflos hinzunehmen. Sie riefen die Eisenbahner zu einer Protestkundgebung vor dem Hauptsitz von B-Cargo in Brüssel auf, welche am 2. Oktober 2009 stattfand. Die Geschäftsleitung der Bahn empfing eine Delegation aus Verhandlungsführern beider Bahngewerkschaften. Allerdings platzten nach nur wenigen Tagen die Gespräche zwischen Gewerkschaften und Direktion, weil es nicht zur gewerkschaftlich geforderten Lohn- und Beschäftigungsgarantie für die Arbeiter und Angestellten von B-Cargo kam.

Laut Website der belgischen Bahn wird das Unternehmen landesweit vom 4. November 2009 ab 22 Uhr bis 5. November 2009 22 Uhr bestreikt. Auch die profitable Thalys-Sparte ist davon betroffen, wie vermeldet wird. Die Fluggesellschaften setzen Busse ein, um einen Teil ihres Geschäftes zu retten.

Sollte die Bahndirektion nicht nachgeben oder zumindest einen für die Gewerkschaften akzeptablen Kompromiss anbieten, drohen die Gewerkschaften mit Ausweitung der Streikaktion auf auch die nächsten Donnerstage und weiteren Eskalationen. Die Eisenbahner sind sich bewusst, dass die gesamte belgische Staatsbahn als Staatsbetrieb gefährdet ist, wenn B-Cargo an eine private Gesellschaft verkauft und weitgehend kaputt rationalisiert wird.

Sie verweisen auf das englische Beispiel. Wo Eisenbahner zu Niedriglöhnen malochen und schwere Bahnunglücke zum Alltagsleben gehören. Dies jedoch erst, seitdem das Bahnwesen dort vor wenigen Jahrzehnten völlig privatisiert worden ist. Mit den belgischen Eisenbahnern soll das nicht zu machen sein.

Auch Umweltfolgen werden von den Gewerkschaften angeführt. Eine teure Privatbahn führt zur Verlagerung des Verkehrs auf die Straßen und gefährdet die Zukunft des Planeten, seiner Natur und der Menschheit. Öffentliches Eigentum muss also mit allen Kräften verteidigt werden. Belgien wolle sich doch wohl an das Kyoto-Protokoll halten, so Etienne Libert, Gewerkschaftssekretär von ACOD-Bahn in Charleroi in einem Interview mit „solidair“. Und sie macht deutlich, dass es im Interesse aller Belgier ist, den öffentlichen Dienst des Landes gegen EU-Privatisierungspläne aktiv zu verteidigen.

Dass die Partei der Arbeit Belgiens (PvdA/PTB) diesem Thema viel Platz einräumt, zeigt die solidarische Unterstützung der belgischen Kommunisten für das Anliegen der kämpfenden 

Fotos vom Streik in Belgien:

Fotos ©   J.T. Bohlke

Hauptbahnhof Leuven:
Wo sonst  viele Menschen sind - 
jetzt Leere

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Hauptbahnhof Leuven:
Nichts geht mehr

Hauptbahnhof Leuven (Streikende):
ein Gewerkschaftssekretär und TV-Team

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