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Hungern gegen Coca-Cola

Kolumbien:

Konzern verfügte Massenentlassungen. Gewerkschafter setzten neue Verhandlungen durch

Von Harald Neuber

Elf Tage hielten 30 Arbeiterinnen und Arbeiter an acht Standorten des Coca-Cola-Konzerns in Kolumbien einen Hungerstreik durch. Von Beginn an wurde die verzweifelte Aktion der in der Lebensmittelgewerkschaft SINALTRAINAL Organisierten durch die Leitung von Panamco-Colombia, einem Subunternehmen des Getränkeriesen, ignoriert. Erst durch den wachsenden internationalen Druck lenkte die Panamco-Führung Anfang der Woche ein, um mit einer Delegation von Gewerkschaftsvertretern zu Verhandlungen zusammenzutreffen.

Hintergrund des seit geraumer Zeit schwelenden Konfliktes ist die andauernde massive Verletzung internationaler Arbeits- und Gewerkschaftsrechte durch den Coca-Cola-Konzern und seine Tochterunternehmen in Lateinamerika. In der Region hat der Mutterkonzern aus Atlanta in den vergangenen Jahrzehnten ein wahres Netzwerk von Abfüllfabriken errichtet. Das Geschäft, so scheint es, ist rentabel: Südlich des Rio Bravo wird weniger Lohn bezahlt, und die Rechte der Arbeiter zählen noch weniger als in den USA. Es wird geheuert und gefeuert nach Gutdünken, und also war sich die Leitung des Coca-Cola-Subunternehmens Panamco ihrer Sache sicher, als sie im vergangenen Jahr in vierzehn Standorten Kolumbiens Abfüllanlagen schließen ließ. Die Gewerkschaften bekamen zunächst nichts davon mit. Erst nach der Schließung der Produktionsstätten beantragte Panamco beim zuständigen Sozialministerium die Entlassung von 92 Arbeitern. »Diese Erlaubnis haben sie bekommen«, sagt William Mendoza, Vorsitzender der kleinen, aber kämpferischen SINALTRAINAL, »tatsächlich waren von den Maßnahmen aber fast 600 Arbeiter betroffen.« Die Mehrzahl der Kollegen sei durch Erpressung und Bedrohung zum Verzicht auf den Arbeitsplatz gebracht worden.

Fast zwei Wochen lang fanden an acht der betroffenen Abfüllanlagen daher Gewerkschaftsproteste statt. Bei der Konzernleitung reagierte man mit Arroganz: SINALTRAINAL sei nur eine von elf Einzelgewerkschaften, von denen die Arbeiter vertreten würden, hieß es. »Die Strukturanpassungen tragen zudem dazu bei, daß der kolumbianische Markt für den internationalen Wettbewerb fitgemacht wird«, sagte Unternehmenssprecher Juan Carlos Domínguez. Das klang nicht sehr überzeugend, beachtet man, daß der Coca-Cola-Konzern pro Quartal einen Reingewinn von über eine Milliarde US-Dollar erzielt, während in Kolumbien über die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt.

Der Kampf ging weiter. Nach dem fast zweiwöchigen Hungerstreik lenkte die Konzernführung nun also ein. Die Zukunft der entlassenen 92 Arbeiter werde neu verhandelt, hieß es nun in Bogotá. Die Panamco-Führung sicherte den Gewerkschaftsvertretern zudem zu, die Unterstützer des Streikes unbehelligt zu lassen. Solche Garantien waren den Verhandlungsführern von der Gewerkschaft wichtig, denn während der Proteste wurden die Arbeiter mehrmals bedroht. Allein bei SINALTRAINAL waren in den vergangenen Jahren neun Kollegen Mordanschlägen zum Opfer gefallen. Fast 70 Gewerkschaftsaktivisten wurden anonym bedroht.

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