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Wir haben gewonnen, aber nur an Erfahrung!

Von Uwe Krug GDL-Mitglied Lokführer

Quelle: Labournet Germany

Der Tarifvertrag ist unterschrieben, aber mit dem „Blut“ der Zugbegleiter, der Rangierlokführer und der Lokrangierführer. So positiv die gewonnene Eigenständigkeit für die GDL ist, so traurig ist der Preis dafür.

So wurde in den letzten Stunden vor dem angedrohten Streik viel schwerwiegendere Kompromisse gemacht, als in dem ganzen Arbeitskampf. Es wird als Erfolg verkauft, dass eine Gewerkschaft das Recht zugesprochen bekommen hat, Arbeitnehmer in einem Unternehmen zu vertreten. Die Lokführer von DB Service (Tochterunternehmen von DB Zeitarbeit) können sich freuen, dass sie zukünftig von einer Gewerkschaft vertreten werden. Doch in den „Genuss“ des Lokführertarifvertrag (LfTV) kommen sie nicht. Daher bleibt abzuwarten, zu welchen Konditionen sie zukünftig arbeiten werden. Wenn die Lokführer des LfTV keine Verbesserungen ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen erfahren werden, was kommt dann für die unterbezahlten Lokführer von DB Service heraus?

Die persönliche Zusage des (noch) GDL-Vorsitzenden, dass in den nächsten Tarifverhandlungen wieder um die Zugbegleiter gekämpft wird, war leider nur eine Seifenblase. Ebenso die Aussage vom zukünftigen GDL-Vorsitzenden, die Zugbegleiter noch stärker zu werben. Dass die GDL in den Kompromissverhandlungen selber auf die Vertretung anderer Berufsbereiche bis 2014 verzichtet hat, zeugt von keinem großen Interesse an den Zugbegleitern. Nicht dass diese Fahrpersonale schon einmal im Arbeitskampf geopfert wurden, nein sie wurden ein zweites Mal geopfert. Bis 2014 wird kein Zugbegleiter auf die Interessenvertretung durch die GDL warten. Dieser Kuhhandel durch die GDL wird sich nicht wiederholen.

Dank des Einsatz der Transnet während des letzten Verhandlungswochenende, bekommen alle Lokführer einen Lohnzuwachs von 1600 € bis zum 31.01.09 zugesichert. Diese Regelung wurde aus dem Tarifvertrag der Tarifgemeinschaft 1:1 übernommen. Gerade die Lokführer mit einem tatsächlichen Lohnzuwachs aus dem LfTV von gerade mal 20 - 25 €, wird es freuen. Da werden sich gerade diese Kollegen keine Gedanken darüber machen, dass es keine einzige Verbesserung der Arbeitsbedingungen geben wird. Alles bleibt beim alten. Allein die für Feb. 2009 zugesagte Absenkung der Arbeitszeit auf 40 Stunden/Woche lässt etwas positives erkennen. Wenn dann noch die tatsächliche Arbeitszeit pro Woche für die Lokführer gesenkt wird, haben viele Lokführer etwas davon. Denn tatsächlich arbeiten sehr viele Lokführer über 50 Stunden in der Woche. Da kann auch eine 30 Stunden/Woche vereinbart werden, wenn die Lokführer tatsächlich mehr als 50 Stunden arbeiten müssen.

Es bleibt nur ein Fazit übrig:

Die Stärke in der GDL liegt bei der geschickten Lenkung der Mitglieder. So haben alle Fahrpersonale eine deutliche Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen gefordert (FPTV) und viele Fahrpersonale wurden damit gelockt. Sehr viele Fahrpersonale sind auf diesen Geisterzug aufgesprungen und haben geschlossen für ihre Interessen gekämpft. Die Eigenständigkeit war für fast alle genauso wichtig, wie die Verbesserungen im Arbeitsalltag. Jedoch bleiben nun viele Fahrpersonale außen vor und die verbliebenen Lokführer können sich bei der Transnet bedanken, dass sie wenigstens einen Lohnzuwachs von 1600 € bis zum Jan. 2009 garantiert bekommen, wenn es schon keine verbesserten Arbeitsbedingungen geben wird.

Ein deutliches und von mir schon zeitig betontes Ergebnis gibt es aus diesem Arbeitskampf. Die Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer wollte und hat, mit dem Mittel des Rattenfang ihrer eigenen Mitglieder, die Eigenständigkeit erkämpft. Klare Verbesserungen für die Fahrpersonale wird es nicht geben.

Die Eigenständigkeit steht nur auf dem Papier, was für die GDL-Spitzen entscheidend war und ist, denn die Existenz wurde mit allen Mitteln und vielen Opfern gesichert. Fakt ist, in den nächsten Tarifrunden darf die GDL Forderungen aufstellen, wenn die konzerneigene Gewerkschaft Transnet dem zustimmt. Die GDL darf für diese gemeinsam mit der Trasnsnet aufgestellten Forderungen dann auch kämpfen. Bevor sie jedoch einen Tarifvertrag abschliessen kann, braucht sie wieder die Unterschriften der Transnet und GDBA. Für diese Kompromisse haben die Fahrpersonale nicht gekämpft, gelitten und geblutet !

Uwe Krug GDL-Mitglied Lokführer

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