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Die fast symbiotische
Verbindung zwischen der neoliberal ausgerichteten
Sozialdemokratie und den Gewerkschaftsbossen funktioniert,
abgesehen von ein paar verbalen Scharmützeln, nahezu
reibungslos. Die Aufkündigung dieser Verbindung seitens der
Basis könnte einer der entscheidenden Hebel für die
Entwicklung einer wirklich machtvollen Gegenbewegung werden. |
Familientreffen P Wie der
DGB seine Kapitulation beschönigt
Von Rainer Balcerowiak
Quelle:
jungeWelt
Es gibt Menschen, deren
Urteilsvermögen nicht einmal zur korrekten Beschreibung des Wetters
taugt. Zu dieser Kategorie zählt offensichtlich auch der Vorsitzende
der Eisenbahnergewerkschaft Transnet, Norbert Hansen. Nach dem »Gewerkschaftsrat«
genannten sozialdemokratischen Familientreffen in der Berliner
SPD-Zentrale am Montag abend, vermeinte Hansen bemerkt zu haben: »Der
kalte Regen hat aufgehört«. Auch DGB-Chef Michael Sommer lobte,
das Treffen sei »klimatisch sehr gut« verlaufen und man habe
sich »wechselseitig gut zugehört«. Dabei sei vereinbart
worden, daß man auch in Zukunft »gegenseitig sehr ernsthaft über
die Kritikpunkte spricht und sie prüft«. Bei so viel
Gut-Wetter-Gefasel wollte natürlich auch der neue SPD-Chef Franz Müntefering
nicht abseits stehen und konstatierte »breite Gemeinsamkeiten in
vielen Punkten«.
Nahezu generös präsentierte
sich SPD-Generalsekretär Klaus-Uwe Benneter, indem er der Parteibasis
versprach, daß die Teilnahme von Parteimitgliedern an den großen
Protestdemonstrationen am kommenden Wochende von der Parteispitze »geduldet«
werde.
Doch wenn man einen Blick
hinter diese blumigen Worthülsen riskiert, kommt man zu einer eher ernüchternden,
wenn auch nicht unerwarteten Bilanz des Gipfeltreffens. Die
SPD-Spitze hat den Gewerkschaftsbossen nämlich unmißverständlich
klargemacht, daß man nicht bereit ist, von den Kernvorhaben der »Agenda
2010« auch nur einen Millimeter abzuweichen. Das gilt auch ausdrücklich
für die in den letzten Tagen von Gewerkschaftsseite fast schon ungewöhnlich
scharf kritisierten neuen Zumutbarkeitsregeln für Langzeiterwerbslose.
Nicht zu Unrecht hatten führende Gewerkschafter darauf hingewiesen, daß
dieses Vorhaben eine endlose Lohndumpingspirale in Gang setzen würde,
die in Bälde auch alle noch tariflich abgesicherten, regulären
Arbeitsplätze beträfe.
Gegen die einzig sinnvolle
Schlußfolgerung aus dieser Erkenntnis wehrt man sich bei den
Gewerkschaftspitzen jedoch mit Händen und Füßen. Statt
endlich seine zwar bereits deutlich geschwächte, aber immer noch
gesellschaftspolitisch relevante Organisationsmacht in die Waagschale zu
werfen und dem geplanten Sozialmassaker mit größtmöglicher
Mobilisierung in den Betrieben und auf der Straße entgegenzutreten,
redet man diese und andere soziale Schicksalsfragen zum kleinen
sozialdemokratischen Familienzwist klein. Die fast symbiotische
Verbindung zwischen der neoliberal ausgerichteten Sozialdemokratie und
den Gewerkschaftsbossen funktioniert, abgesehen von ein paar verbalen
Scharmützeln, nahezu reibungslos. Die Aufkündigung dieser Verbindung
seitens der Basis könnte einer der entscheidenden Hebel für die
Entwicklung einer wirklich machtvollen Gegenbewegung werden.
Aus: http://www.jungewelt.de/2004/03-31/012.php |