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Rache
der Konzernchefs an Kollegen bei FIAT in Brüssel-Evere ging voll
daneben
DIE
RACHE DES BOSSES UND DIE GEGENWEHR
von
Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
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unten:
Belgische Gewerkschafter bei einer Protestaktion vor dem
belgischen Arbeitsministerium in Brüssel

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Exklusiv
für K-Online, 18. Juni 2009.-
Wie alle Welt weiß und alltäglich mitbekommt, schließen
die großen transnationalen Konzerne unentwegt Werke und
Niederlassungen, um sich mit Massenentlassungen zugunsten der
Profitsicherung und ganz allein im Interesse der Monopolkapitalisten aus
der Weltwirtschaftskrise hinauszumanövrieren. Auch in Belgien greift
das Management dieser transnationalen Konzerne zu teils drakonischen Maßnahmen
und in einigen Fällen zu übelsten juristischen Tricks, um sich auf
billigste Art und Weise von Teilen der Belegschaft zu trennen. Was in
Jahrzehnten harten Klassenkampfes durch die Arbeiterklasse und kämpferische
Gewerkschaften an Sozialstandards in den Betriebskollektiv- und
Branchenkollektivverträgen den Arbeitern und Angestellten zugestanden
werden musste, soll auf ein Mal „unbezahlbar“ sein, den betroffenen
kalt geschassten Kolleginnen und Kollegen vorenthalten werden oder mit
juristischen Tricks und Winkelzügen umgangen und ausgehebelt werden. So
jedenfalls sieht derzeit das Verhalten von immer mehr Konzernleitungen
gegenüber den Belegschaften aus.
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FIAT
im Brüsseler Stadtteil Evere liefert dafür ein Beispiel der ganz
besonderen Art. Das große dortige Werk wird auf eifriges Betreiben der
Konzernleitung seit Monaten „filetiert“, d.h. aus einem Werk
strukturiert die Konzernleitung kurzerhand per „Umstrukturierung“
etliche kleine „selbständige Betriebseinheiten“. Infolge dessen
werden dann die Mandate der Gewerkschaftsdelegierten nicht mehr
anerkannt, Betriebsräte zerschlagen, Sozialpläne mit ausgehandelten
Abfindungen im Falle von Massenentlassungen abgeschafft. All dies ist
der Inhalt der Kapitaloffensive namens „Krisenmanagement“ gegen die
Arbeiterklasse vor Ort im Betrieb.
Die
belgische Arbeiterklasse weiß jedoch zu gut, dass Rechte nicht von Gott
oder Kaiser oder Tribun als Gnadenakt zugestanden werden, sondern erkämpft
und anschließend verteidigt werden müssen. So herrscht weitverbreitet
tiefes Misstrauen gegenüber den Bossen und der Regierung. Bei FIAT in
Brüssel-Evere organisierten die rote Gewerkschaft sowie der frankophone
Flügel der grünen Gewerkschaft eine Aktion nach der anderen, um gegen
diese „Umstrukturierung“ anzukämpfen. Die Aktionen eskalierten bis
hin zu einem Fall von Bossnapping bei FIAT, denn die Arbeiter wurden
immer wütender über die Entscheidungen der Konzernführung.
Die
FIAT-Konzernleitung betrachtet jedoch die Zerstückelung des Werks in
mehrere Einzelbetriebe nach ein paar Federstrichen auf Papier als
hinreichend abgeschlossen und ging nun dieser Tage daran,
Gewerkschaftsdelegierte und aktive Gewerkschafter in einer ersten
Entlassungswelle kalt rauszuschmeißen. Dies führte unmittelbar in
diesen Tagen zu einer spontanen Protestdemonstration von hunderten
Gewerkschaftern der roten und grünen Gewerkschaft vor den von der
Polizei abgeriegelten und gesicherten Zugängen zum FIAT-Werk in
Brüssel-Evere.
Lautstark forderten die Protestierenden, dass jener FIAT-Manager
rauskommen solle und sich stellen solle, der da Gewerkschaftsdelegierte
und Gewerkschafter kalt geschasst hatte. Doch jener FIAT-Manager ließ
sich nicht blicken.
Die
protestierenden Gewerkschafter wurden immer wütender. Sie ließen sich
aber nicht durch die Polizeiverstärkungen provozieren, sondern äußerten
lediglich laut und friedlich ihren Protest. Sie wollten einfach nicht
aufgeben. Darum fuhren sie dann in einem Autokorso und in einem öffentlichen
Bus in einer Stärke von gut 150 Gewerkschaftsaktiven in das 40 km
entfernte Dorf zum privaten Wohnhaus jenes FIAT-Managers.
Die
belgische Polizei hatte diesen Verlauf der Protestaktion mitbekommen und
kam den im Dorf eintreffenden Gewerkschaftern mit einem Aufgebot von
bewaffneten Polizisten zuvor. Diese Polizisten sicherten das private
Haus jenes FIAT-Managers vor den aufgebrachten Gewerkschaftern, welche
sich jedoch nicht zu strafrechtlich relevanten Handlungen provozieren
ließen. Lautstark machten sie sich in dem kleinen Dorf bemerkbar. Dies
vor allem in der Straße, wo jener FIAT-Manager wohnte.
Wie
in solchen ruhigen Siedlungen üblich, fühlen sich die Einwohner dort
sehr wohl in ihrer Ruhe und Beschaulichkeit. Wie in Belgien üblich,
haben sie aber auch offene Ohren und Augen für berechtigten Protest
einer nennenswert großen Masse von noch dazu organisiert auftretenden
Protestierenden. Somit konnte die Polizei nicht verhindern, dass die
Dorfbewohner eine sehr schlechte Meinung von jenem FIAT-Manager bekamen.
Was in aller Regel zu Versammlungen in der Wohnsiedlung führt, wo dann
so einem unliebsam gewordenen Mitbürger deutlich erklärt wird, dass
sich die Dorfgemeinschaft so einen Vorfall nicht nochmals wünscht. Denn
alle wollen doch bitte in Frieden und Ruhe dort leben!
Es
begab sich bei jenem lauten Protest im Dorfe auch, dass eine Bewohnerin
eines Hauses in jener Straße an ihrem Grundstück parkte und einige Fässer
Bier aus ihrem Auto entlud. Eine Gruppe roter Gewerkschafter hatte
daraufhin ihren Spaß daran, einen bekannten französischsprachigen
Sprechchor aus kommunistischer Tradition zu veranstalten, in welchem
gefordert wird, dass es kein Eigentum mehr gibt und alles in der
Gemeinschaft aufzuteilen ist. Die Frau in jener gutbürgerlichen
Siedlung sah sich bemüßigt, die Gemüter dadurch zu beruhigen, dass
sie zwei Fässer Bier an die Protestierenden abgab. Was nun auch wieder
typisch für die Mentalität in Belgien ist: der Kompromiss aus gesundem
Menschenverstand gepaart mit auch viel Herzlichkeit bis hin zu einem
guten Schuss von Humor!
Die
hier geschilderten Vorfälle stehen in keiner Zeitung. Kein Fernseh-
oder Radiosender berichtet darüber. Die bürgerlichen Medien sehen
Werksschließungen, Umstrukturierungen und Massenentlassungen
mittlerweile als völlig normal angesichts der Weltwirtschaftskrise an.
Anders ist dies bei unsereins, die wir zur Arbeiterklasse gehören. Als
Kommunisten schauen wir sehr genau hin, zu welchen Mitteln beide große
Klassen im Klassenkampf unmittelbar vor Ort im Betrieb greifen. Und auch
wenn die Kapitalisten und ihr Anhang aus Bossen und Managern die Macht
in dieser heute hier bestehenden Gesellschaft haben, so sammelt die
Arbeiterklasse immer wieder neue und mehr Erfahrungen im Klassenkampf,
die wir Kommunisten gerne dokumentieren und weitergeben. |