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Attac-Frankfurt
am Main mauschelt mit Rechtsradikalen |
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von
Gerd Höhne
In
Frankfurt/M. sitzt im Stadtrat eine Gruppe, die sich Bürgerbündnis
für Frankfurt - Freie Wähler (BFF). Dieses BFF setzt sich zum
Beispiel dafür ein, dass "Viele Deutsche der jungen Generation
sind willens zu fröhlicher und positiver Bezugnahme auf ihre nationalen
Symbole – ein Meer schwarz-rot-goldener Fahnen hat es dokumentiert."
Sie fordern daher, dass alle Feiern zum Einheiztag am 3. Oktober mit
einem fröhlichen Liedchen zu enden hat. Nicht am Brunnen vor dem Tore,
auch nicht die Wacht am Rhein und schon garnicht der Lorelei (das stammt
ja von einem Juden), sondern das fröhliche Liedchen eines Herr Hoffmann
aus Fallerleben, das von der Maas bis an die Memel, dem Etsch und dem
Belt, dem teutonischen Liedgut, den deutschen Frauen, der teutonischen
Treue und dem deutschen Wein und nicht zuletzt von der Einigkeit, dem
Recht und der Freiheit, die sich logisch aus obigen ergibt, handelt (ich
hoffe, das ist keine Verunglimpfung der Nationalhymne, denn das wäre
strafbar).
Attac-Frankfurt
ist dabei, ein Bündnis für eine Volksabstimmung zustande zu bringen,
bei bei dem es gegen ein
Cross-Border-Leasing der U-Bahn geht. Diesem Bündnis hat
sich auch jene ominöse BFF angeschlossen.
Der
Forderung nach Ausschluss der BFF aus dem Bündnis hat sich bisher Attac
verwehrt. Auch gibt es keine Stellungnahme der Frankfurter
Attac-Zentrale hierzu.
Das
ist zumindest verwunderlich. Sonst gibt Attac zu alles und jeden seinen
Senf ab, sogar die Friedensbewegung will Attac, lt. Äußerung eines
seiner Spitzenmänner Sven Giegold,
übernehmen (siehe auch)
Allerdings wollen die nicht so recht.
Das
Schweigen der Attac-Lämmer zum Bündnis mit den rechtsradikalen BFF-Wölfen
kann somit auch so ausgelegt werden, dass ihnen diese zweifelhaften
Verbündeten gerate recht kommen oder ddort sind die rechtsradikalen
Wölfe Vegetarier.
Wir
haben hier schon immer eine kritische Haltung zu Attac eingenommen. Wir
haben offengelegt, dass die Vorfrau von Attac-France, die Amerikanerin
Susanne George, Bush gegenüber den Afghanistan-Krieg begrüßte ("Ich möchte
George Bush danken. Er hat gezeigt, dass es möglich war, die Terroristen und
ihre Basen zu erreichen." ) (siehe
auch) Das alles wundert uns nicht.
Bei
positiver Würdigung von Attac, bekämpft sie die Symptome des
Kapitalismus, nicht aber die Krankheit selbst. Da sind natürlich alle
recht, die ebenfalls diese Symptome bekämpfen, also auch die Rechten.
Es
gab schon immer Versuche die Symptome zu bekämpfen. Meist stellte sich
heraus, dass diese Personen und Gruppen nicht nur die Krankheit - den
Kapitalismus - nicht bekämpfen wollten, sondnern auch nicht die
Symptome.
Aber
selbst die Gutmenschen á la Zeiss in Jena entpuppten sich bei genaueren
Hinsehen nur als sehr geschickte Ausbeuter.
Bei
Attac ist das ebenso. Attac ist keine Alternative zu nichts, Attac ist
überflüssig. Was wir brauchen sind keine ominöse Organisationen, deren
Struktur und Finanzen im Dunkeln liegen, sondern kämpferische
antiimperialistische Bündnisse, Aktionseinheit gegen die Pläne der
imperialistischen Regierungen zum Abbau der demokratischen und sozialen
Rechte und gegen imperialistischen Krieg. Und wir brauchen eine
einheitliches Vorgehen der Kommunisten aller Organisationen.
Rechtsradikale
haben da keine Chancen durch die Hintertür sich einzuschleichen, denn
wir haben ein festes Fundament. Attac ist ein prinzipienloser Haufen,
bei dem Tür und Tor offen stehen für dubiose Gestalten aller
Richtungen.
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Mitglieder
von Attac-Frankfurt im Bündnis mit rechtsradikaler Wählerinitiative
– medico international fordert umgehend Konsequenzen |
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Mehrfach
schon musste sich Attac mit rechten Tendenzen innerhalb des Netzwerks
oder mit versuchten Einflussnahmen rechter und rechtsradikaler Gruppen
auseinandersetzen. „Globalisierungskritik“ ist nicht per se und
nicht allein ein emanzipatorisch-demokratisches Projekt, sondern auch
ein Feld, auf dem nationalistische und rassistische Kräfte versuchen,
die sozialen Proteste gegen neoliberale Politik für ihre Ziele
einzuspannen. Jüngstes Beispiel dafür ist die Teilnahme des
rechtsradikalen und rassistischen Bürgerbündnis für Frankfurt -
Freie Wähler (BFF) an dem von Attac initiierten Bürgerbegehren
gegen Cross-Border-Leasing in Frankfurt. Keineswegs zufällig kommen
im Widerstand gegen das Cross-Border-Leasing die radikal
unterschiedlichen Motive einer auf die Verteidigung und Durchsetzung
demokratischer Rechte und soziale Gerechtigkeit gerichteten
Globalisierungskritik und einer rechten und deshalb auch primär
antiamerikanischen „Globalisierungskritik“ zusammen. Dass die
„Freien Wähler“ sich dem Bürgerbegehren überhaupt anschließen
konnten, war ein schwerer politischer Fehler nicht nur von
Attac-Frankfurt, sondern auch aller anderen Beteiligten; die
Jungsozialisten haben sich deshalb vom Bündnis zurückgezogen, andere
Gruppen sich ihm gar nicht erst angeschlossen.
Seit Wochen fordern viele
Mitglieder von Attac-Frankfurt und die Mehrheit des Koordinierungs- und
Sprecherkreises deshalb den sofortigen Ausschluss des BFF aus dem Bürgerbegehren
gegen Cross-Boarder-Leasing bzw. alternativ den Rückzug von
Attac-Frankfurt aus dem Bündnis. Als Mitbegründer des Attac-Netzwerks
in Deutschland und im Attac-Rat vertretene Mitgliedsorganisation mit
Sitz in Frankfurt schließt sich medico international dieser Forderung
nachdrücklich an. Weil nun aber andere Mitglieder des Koordinierungs-
und Sprecherkreises von Attac-Frankfurt den längst überfälligen Bruch
mit dem BFF bis jetzt verhindern konnten, sehen wir uns gezwungen, uns
in gebotener Ausführlichkeit an das gesamte Netzwerk zu wenden. Wir
berufen uns dabei auf das Selbstverständnis von Attac, in dem es unter
Punkt 1 ausdrücklich heißt:
„Für Rassismus, Antisemitismus,
Fremdenfeindlichkeit, Chauvinismus und verwandte Ideologien gibt es
keinen Platz.“
Die
rassistische und chauvinistische Ausrichtung der „Freien Wähler“
ist ihrem Programm wie den Anträgen und Äußerungen ihres
Stadtverordneten Hübner deutlich zu entnehmen, auch wenn sie im
Unterschied zu offenen Rassisten Wert auf einen eher bürgerlich-konservativen
Auftritt legen. Deshalb fordert das BFF nicht umstandslos „Ausländer
raus!“, sondern reicht im Römer scheinbar gänzlich anderen Sinnes am
16. 07. 2002 einen Antrag ein, der mit dem Satz „Frankfurt braucht ein
Amt für Integration und Zuwanderung“ überschrieben ist. Ziel des
Antrags ist aber nicht dessen Einrichtung, sondern die entsprechende
Umbenennung des schon seit Jahren existierenden „Amts für
multikulturelle Angelegenheiten“. Mit dem Namenswechsel soll sich
Frankfurt – so wörtlich im Antrag – von „ideologischen Projekten
und Wunschvorstellungen“ verabschieden, die sich die „deutsche Stadt
mit dem höchsten Ausländeranteil“ nicht leisten könne: „Auch
das neue Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vermeidet nicht
grundlos den theoretisch wie praktisch nicht länger haltbaren Begriff
des ‚Multikulturalismus’“ (http://www.bff-im-roemer.de/Andere_NR_688.pdf).
Wohin die Reise geht ist einem am selben Tag eingegangenen zweiten
Antrag zu entnehmen, mit dem sich die „Freien Wähler“ für eine
angemessene Würdigung des deutschen Nationalfeiertags einsetzen: „Der
überwältigende Empfang der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (...)
hat gezeigt: Viele Deutsche der jungen Generation sind willens zu fröhlicher
und positiver Bezugnahme auf ihre nationalen Symbole – ein Meer
schwarz-rot-goldener Fahnen hat es dokumentiert“. Doch soll das
„Bewusstsein nationaler Verbundenheit (...) nicht nur bei sportlichen
Erfolgen“, sondern „ebenso bei Daten und Ereignissen von
geschichtlich-symbolischer Bedeutung“ gefeiert werden. Denn:
„Das ist auch der Integration von Zuwanderern dienlich. Denn gerade
diese sollen an diesem Tag von dem Zusammengehörigkeitsgefühl in
Deutschland erfahren und sich in ihre neue Heimat eingebunden fühlen.“
Der Antrag schließt mit dem Satz: „Alle Feierlichkeiten eines 3.
Oktober enden mit dem Absingen der deutschen Nationalhymne“
(siehe

Die
Herstellung eines nationalen „Zusammengehörigkeitsgefühls“ durch
Pflege des nationalen Liedguts fügt sich in eine Lokalpolitik, deren
Kern ganz analog „die Stärkung des städtischen
Gemeinschaftsgeistes“ ist, „auch bei und zwischen
unterschiedlichen sozialen Gruppen. Weder die Leistungsfähigen noch die
Bedürftigen dürfen aus der Pflicht für die Gemeinschaft entlassen
werden.“ Bei wem das BFF da anfangen will, verrät schon der nächste
Passus des Wahlprogramms: „Der trügerischen, lediglich zu
unkontrollierbaren finanziellen Verpflichtungen führenden Parole von
der ‚Sozialen Stadt’ stellen wir unsere Vorstellung von der ‚Schützenden
Stadt’ entgegen. Ihren Bewohnern Schutz vor äußeren und inneren Gefährdungen
zu geben – das war und bleibt die wichtigste Aufgabe des Gemeinwesens.
Diesen Schutz zu organisieren und zu gewährleisten – das ist die
wichtigste Aufgabe der Politik auch in Frankfurt.“ Deshalb sollen „alle
freiwillig gewährten, also nicht rechtlich vorgeschriebenen Unterstützungsleistungen
der Stadt (...) auf den Prüfstand“. Auf den gehören
konsequenterweise dann auch die Bezieher solcher Unterstützungsleistungen:
„Als Maßnahme gegen den Missbrauch von Unterstützungsleistungen
wie auch gegen die Korruptionsgefahr in den Sozialbehörden (!) wird
eine mit besonderen Vollmachten ausgestattete Abteilung
‚Sozialkontrolle’ eingerichtet.“ Unter deren Zuständigkeit fällt
dann auch die Überwachung der Umsetzung des nächsten Ziels der „Schützenden
Stadt“: „Bei arbeitsfähigen Unterstützungsempfängern, die keine
Kinder betreuen oder Kranke pflegen, ist die gesetzlich verankerte
Arbeitspflicht unter dem bereits in Frankfurt geltenden Motto ‚Arbeit
vor Sozialhilfe’ durchzusetzen.“ Geht es doch darum, „nahezu
jeden Unterstützungsempfänger in geeigneter Weise einzusetzen.“
Mit den im Rückgriff auf die sozialkontrolliert durchgesetzte
Arbeitspflicht eingesparten Gelder kann dann wiederum der städtische
Schutz verstärkt werden: „Um die Sicherheit der Bürgerschaft auch
außerhalb personell oder technisch ausreichend überwachter Stadtzonen
zu erhöhen, sind verstärkt hilfspolizeiliche Fuß- und Fahrradstreifen
einzusetzen. Enge Kontakte zu den Bewohnern ihrer Bezirke sollen die
Probleme im Ansatz erkennen lassen, damit rechtzeitig vorbeugend agiert
werden kann. Für je 25.000 Einwohner sollten je zwei
‚Ortsteilpolizisten’ eingesetzt werden, die ständig einen
bestimmten Bezirk betreuen und dort vertraut sind.“ Auch das dient
– ein Schelm, wer Böses dabei denkt – der Integration, der
Zuwanderer wie der Unterstützungsempfänger. Und weil „Frankfurts
Zukunft Wurzeln braucht“, muss „der Gebrauch, die Pflege und der
Schutz der deutschen Sprache in der Stadt Goethes höchsten Rang haben.
Magistrat und Stadtverwaltung haben dafür eine besondere Verantwortung
und müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Der inflationäre Gebrauch
unsinniger Anglizismen in öffentlichen Schriftstücken der
Stadtverwaltung und des Magistrats ist zu beenden.“ (http://www.bff-im-roemer.de/Wahlprogramm_2001.pdf).
Hier
wird trotz aller taktischen Manöver deutlich, wie nationalistische
Politik sich „globalisierungskritisch“ stilisieren kann. Sichtbar
wird allerdings auch, und darauf kommt es uns an, wie sich eine reaktionäre
und eine emanzipatorisch-demokratische Globalisierungskritik
unterscheiden: zuerst in der Wahrnehmung dessen, was an der gegenwärtigen
Form der Globalisierung eigentlich problematisch ist, und dann in der
Art und Weise, das jeweilige Problem anzugehen: Stellen wir die soziale,
stellt das BFF die nationale Frage. Dazwischen aber – das ist
jedenfalls unsere Position - gibt es keine Vermittlung. Im Grundsatz
nicht, und in keinem einzelnen Fall. Denn am Cross-Border-Leasing, um
den Einzelfall aufzugreifen, besteht das Problem nicht darin, dass die
Stadt mit einem amerikanischen Konzern handelseinig werden will, sondern
dass überhaupt ein öffentliches Gut – die U-Bahn – privatisiert
und vermarktet werden soll.
Sagen
wir es offen und unmissverständlich: Gerichtsverwertbare Nachweise von
manifestem Rassismus und Chauvinismus liefert das hier in seinen
entscheidenden Zügen zitierte Programm der „Freien Wählern“ nicht
- zu sehr ähnelt es Positionen, die sich zunehmend auch in der sog.
„politischen Mitte“ durchsetzen. Attac aber entscheidet nicht als
juristisches Gremium, sondern allein auf der Grundlage des eigenen
politischen Selbstverständnisses als Netzwerk für globale Demokratie
und globale soziale Gerechtigkeit. Gerade die besondere Bedeutung der
Initiative gegen das Cross-Border-Leasing als einer Möglichkeit,
demokratische Globalisierungskritik auch im lokalen Raum erfahrbar und
durchsetzbar zu machen, verlangt jetzt die klare und unmissverständliche
Verteidigung und Umsetzung des Grundkonsenses, auf dem die
unterschiedlichen Mitglieder und Mitgliedsorganisationen von Attac ihre
Gemeinsamkeit gründen. Und von dort her ist der Ausschluss des BFF aus
dem Bürgerbegehren gegen Cross-Border-Leasing bzw. alternativ der Rückzug
von Attac-Frankfurt aus diesem Bündnis zwingend geboten. |
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