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Anmerkung Roter Webmaster:

Französisch lernen ist gut – Russisch lernen besser

Französisch lernen, also gegen Lohn- und Sozialraub auf die Straße gehen und kämpfen, sich nichts mehr gefallen lassen, dem Kapital die Macht des Proletariats zeigen usw. ist gut und  ist richtig.

Aber es reicht nicht aus. Das Kapital wird jede Schwäche ausnutzen und wird dann, erneut offensiv, die Lebensbedingungen  zu verschlechtern versuchen, also Löhne drücken, Arbeitszeit verlängern, Sozialabbau usw.

Aus dem Dilemma kommen wir letztlich nur raus, wenn wir russisch lernen. Russisch wie 1917, als die russischen Arbeiter mit der Oktoberrevolution 1917 mit Lenin an der Spitze die Macht ergriffen und unter Stalins Führung den Sozialismus aufbauten.

Die UdSSR siegte über alle Feinde, auch über die deutschen Faschisten.

Durch inneren Verrat von Chruschtschow und seine Nachfolger wurde die UdSSR dem Imperialismus dann in die Arme getrieben und ging 1991 schließlich unter.

Trotzdem ist das richtig, was Peter Wolter in der jW schreibt. Offensiver Klassenkampf, sich nicht mehr auf die Sozialpartnerei einlassen, sind eine gute Schule der Revolution. Und sie verbessern, zumindest vorübergehend, die Lebensbedingungen des Proletariats. Das ist ja auch was.

Aber eben, bei allem Lernen von Französisch, darf Russisch für uns Kommunisten nicht verlernt werden. Wir müssen die Erfahrungen des Oktober 1917 in die Massen tragen.

G.A.

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Französisch lernen!

Sozialpartnerei ist nicht verschwunden

Von Peter Wolter

Quelle: jungeWelt vom 30. September 2006

Mittlerweile müßten auch dem letzten, der noch an Sozialpartnerschaft und das Gute im Unternehmer glaubt, die Augen aufgegangen sein. Beschäftigte, die durch ihre Arbeit Riesengewinne für ihre jeweiligen Firmen mit erwirtschaftet haben, werden anschließend heraussaniert; ganze Branchen werden mal eben ins Ausland verlagert; Firmen werden von Finanzkonsortien aufgekauft, zerstückelt und häppchenweise zu Maximalpreisen verscherbelt. Zurück bleiben zerstörte Existenzen, Menschen ohne Hoffnung, zerfallende Familien.

Das jüngste und vielleicht empörendste Beispiel ist die deutsche Handysparte von Siemens. Etwa 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben für das Versprechen, daß ihre Arbeitsplätze erhalten bleiben, kostenlos fünf Stunden pro Woche länger gearbeitet und auch noch auf 20 bis 30 Prozent ihres bisherigen Einkommens verzichtet. Und jetzt stehen sie auf der Straße ­ kurz nachdem der Siemens-Vorstand seine Bezüge mal eben um 30 Prozent aufgebessert hat.

Es ist zwar unfaßbar, wie Firmen wie Siemens mit ihren Arbeitern und Angestellten umgehen ­ aber: Ist das nicht der ganz normale Kapitalismus? Haben wir Linken nicht immer wieder die Versprechungen von Konzernbossen und Politikern als das bezeichnet, was sie meistens sind ­ als Lügen?

Und dennoch fallen immer noch Menschen auf solche Roßtäuscherei herein. Es gibt sie immer noch, die Gewerkschaftsfunktionäre und Betriebsräte, die sich von sozialdemokratischem Gesäusel und christdemokratischen Beschwichtigungen täuschen lassen. Die es für bare Münze nehmen, was Pressestellen von Firmen, Wirtschaftsverbänden und Parteien von sich geben. Die treuherzig auf jeden Beschiß hereinfallen.

Die Sozialpartnerei, mit der wir seit Jahrzehnten betrogen werden, ist immer noch nicht aus den Köpfen verschwunden. Es ist daher an Peinlichkeit kaum zu überbieten, wenn vom Rausschmiß bedrohte Beschäftigte auf Transparenten untertänigst darum bitten, wieder in die Siemens-»Familie« aufgenommen zu werden. So geschehen bei der Protestdemonstration am Freitag in München.

Wenn es um den Profit geht, setzen sich Unternehmen schamlos über Versprechungen und menschlichen Anstand hinweg. Auch über Gesetze: Dem Betriebsrat der Bosch Siemens Hausgeräte GmbH, deren Belegschaft sich ebenfalls gegen den Rausschmiß wehrt, wurde am Freitag vom Werksschutz mal eben der Zutritt ins Betriebsratsbüro verwehrt.

Wer dem Kapital den kleinen Finger reicht, sollte sich nicht wundern, wenn anschließend die ganze Hand fehlt. Spätestens nach der Ankündigung, daß die Handyfertigung bei Siemens eingestellt wird, sollte klar sein: Liebsein ist out. Wir sollten alle französisch lernen.

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