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Ist Kapitalismus – aber etwas menschlicher – die Alternative zum Kapitalismus?

Kritische Anmerkungen zur BüSGM-Erklärung 09.36 Berlin, den 15.08.2009

Von Günter Ackermann

Kommunisten-online vom 20. August 2009 – Der Text des „Bündnis für Soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde e.V. (BüSG)“ bringen wir unter ungekürzt. Er enthält wichtige Enthüllungen über den Machenschaften des Herrschenden um das wahre Maß der Krise zu verschleiern. Das Volk soll so die Möglichkeit genommen werden, sich in einem Votum zur Bundestagswahl den Parteien des Kapitals einen Denkzettel zu geben.

Wir stimmen auch zum wenn die Genossen erklären: „Ein Gegenentwurf zur bestehenden Gesellschaftsordnung ist nötiger denn je!“ Den gibt es allerdings schon lange – nachzulesen bei den sozialistischen/kommunistischen Klassikern, so z, B, im Kommunistischen Manifest. Was aber denn die Genossen des BüSG als „Gegenentwurf“ zum Kapitalismus anpreisen ist – Kapitalismus mal anders. Sie berufen sich dabei auf einen Reformisten als der Gewerkschaft, den ver.di-Geschäftsführer in Stuttgart Bernd Riexinger.

Der fordert:

1. Massive Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von oben nach unten.

Grundsätzlich ist das richtig. Welcher Kommunist ist der Meinung, dass die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer werden? Natürlich keiner, denn so einer wäre kein Kommunist.

Aber wir wollen die Abschaffung der Arbeitslosigkeit überhaupt, also die Aufhebung des Privateigentums an Produktionsmitteln, die Arbeiterklasse allein soll über die großen Werke bestimmen. Wir brauchen die Reichen überhaupt nicht. Ursache der Massenarbeitslosigkeit sind nicht einzelne böse Kapitalisten, die nicht teilen wollen, sondern sie liegt im kapitalistischen System.

2. Ausbau des öffentlichen und gemeinwohlorientierten Sektors.

Was das der Kollege von ver.di aus Stuttgart meint, ist mir nicht ganz klar. Natürlich sind auch wir gegen die Privatisierung der Müllabfuhr, der Wasser- und Energieversorgung usw. Wir wollen  auch keine Privatisierung von kindergärten, Verkehrsbetriebe, der Bahn usw. Wir sind gegen das Verschleudern von Volkseigentum an private Geschäftemacher, wie es z.B. in Dresden (Mit Zustimmung der Partei die Linke), mit den städtischen Wohnungen geschah. Da stimmen wir überein und das ist richtig z fordern. Aber richtige Forderungen sind die ein Sache, eine andere st, dass man sie auch kämpferisch durchsetzen muss.

3. Regulierung und Verstaatlichung der Finanzwirtschaft.

Mit anderen Worten: Enteignung der Banken. Schön und gut, aber, wie die jüngste Krise zeigte, waren alle staatlichen Landesbanken und viele Sparkassen bis über beide Ohren in die Immobilienspekulationen der Banken verwickelt. Banken – private oder staatliche – versorgen die Wirtschaft mit dem notwendigen Geld. Solange aber die kapitalistische Wirtschaftsform Bestand hat, würden und werden auch staatliche Banken dese Geschäfte mit machen müssten. Und entsprechen sich auch verhalten müssten. Verbrechen, Raub, Erpressung, Vernichtung von Leben und Eigentum, bis hin zum anstiften zum Krieg und Massenord, das alles ist das Alltagsgeschäft von Banken. "Was ist schon das Ausrauben einer Bank gegen die Gründung einer solchen!" schrieb schon Brecht und das gilt noch immer. Sind das alles aber keine Verbrechen mehr, wenn de Banken staatlich wären? Natürlich sind es dann noch Verbrechen.

Hinzu kommt das Wesendliche: Wir leben im imperialistischen Stadium des Kapitalismus. Mit der Konzentration der Industrie auf wenige, marktbeherrschende Monopolen, bedurfte es eines riesigen Finanzbedarfs. Die Finanzen aber hatten die Banken und sie bekamen die Kontrolle über die gesamte monopolkapitalisische Wirtschaft.

Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie - das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.“ schreibt Lenin in §Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“. Banken sind das Herz unserer Gesellschaftsordnung. Banken verstaatlichen? Nun, das ging bei der Hypo Real Estate, die war pleite. Hier greift des Staat ein und verwendet Volksvermögen und die Bank wieder in gute Geschälte zubringen, dann wird sie wieder privatisiert. Das ist auch kein Geheimnis, es wird offiziell zugegeben. Die Verstaatlichung dieser Bank war im Interesse der Banken.

Banken und produzierende Monopole sind im Stadium des Imperialismus eine Einheit und sind nicht zu trennen, sie sind zum Finanzkapital verschmolzen. Was also will der Kollege Bernd Riexinger verstaatlichen und regulieren? Will er den Kapitalismus ganz abschaffen oder was? Wollte er das, dann muss er auch den gewaltsamen Sturz und die revolutionäre Beseitigung des Staats des Kapitals wollen und anstreben. Aber davon steht nichts, weder bei Bernd Riexinger noch beim BüSG.

4. Demokratisierung von Wirtschaft und Gesellschaft.

Wieder so ein Algemeinplatz. Wir alle kennen die Forderungen der DGB-Gewerkschaften, unterstützt auch von der DKP nach Mitbestimmung. Ich halte davon nichts. Alles, was wir bisher an Mitbestimmung erlebten, ist negativ für die Arbeiter der Betriebe. Man denke nur an den bekanntesten Mitbestimmer der Nation, Peter Hertz. Der war als mitbestimmender Personalvorstand in der Zentrale des VW-Konzerns. Er nutzte seine Tätigkeit zum Lohnabbau und bekam dann auch noch Beifall de Presse. Das Stillschweigen des Betriebsrates erkaufte er sich mittels Korruption. Hartz ist nur ein Beispiel. Ich kenne weitere, habe e ins selbst erlebt, als ich in einem Hüttenwerk im Ruhrgebiet arbeitete. Wenn ein Arbeitsdirektor sich wirklich als Interessensvertreter der Lohnabhängigen versteht, kommt er nicht nur mit dem Gesetz in  Konflikt – er hat bekanntlich die Interessen des Unternehmens zu vertretenen – man wird ihn auch sehr schnell von seinem Posten entbinden.

Es kann keine Demokratie in einem System geben, das auf dm Privatbesitz an Produktionsmitteln und der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruht. Es kann allerdings eine effektive gewerkschaftliche Interessensvertretung der in den Betrieben  Beschäftigten geben. Voraus gesetzt, es gibt kämpferische Gewerkschaften (oder Teile von Gewerkschaften) und kämpferische Belegschaften. Aber das ist Klassenkampf –  Mitbestimmung ist da genau Gegenteil, nämlich das Verwischen von Klassenunterschieden und der  Betrug an den Arbeitern.

5. Kollektive Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich

 Dagegen kann nichts einzuwenden seien. Aber das erreicht man nicht durch Mitbestimmung oder ähnliches, sondern nur durch Klassenkampf.

Aber machen wir uns nichts vor: Alle Verbesserungen der Lebenslage der Arbeiterklasse müssen immer neu erkämpft werden, sie werden nicht wegen der Anständigkeit der Konzernherrn vergeben, sondern sind das Ergebnis von Kämpfen. Ändert sich die Situation, dann versucht das Kapital sie zurück zu drehen. Bei diesen Abwehrkämpfen sind Gewerkschaften gefragt – kämpferische Gewerkschaften. Die aber gibt es i Deutschland kaum. Das Ergebnis ist dann massiver Lohnverlust. Deutschland steht keineswegs in der Spitzenklasse der Einkommen von lohnabhängig Beschäftigten, sondern weit hinter vergleichbaren Ländern.

Der Kampf für soziale Verbesserungen und gegen jegliche Verschlechterung der sozialen Lage ist notwendig und richtig. Aber wir dürfen da nicht stehen bleiben. Der muss weiter entwickelt werden zum Kampf gegen die Herrschaft des Kapitals, für den Stur des Kapitalismus und für die Errichtung der Diktatur des Proletariats.

Das ist die Alternative zum Kapitalismus und nicht die Augenwischerei von einem menschlichen Kapitalismus. Das ist und bleibt Illusion. Wir Kommunisten verbreien aber keine Illusionen.

G.A.

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BüSGM-Erklärung 09.36 Berlin, den 15.08.2009

Ende 2010 mindestens fünf Millionen registrierte Erwerbslose?

Selbst wenn die Arbeitslosigkeit in den Ferienmonaten Juli/August saisonal stark zugenommen hat, wird die statistisch auszuweisende Marke von vier Millionen bis zum 27. September aus wahltaktischen Gründen verschleiert werden. Durch Kurzarbeit werden die Beschäftigten in den Betrieben gehalten der Bevölkerung vorgegaukelt, dass alles noch nicht so schlimm ist. Dass dabei erhebliche Mitnahmeeffekte von Unternehmen und Betrieben in scharfem Kontrast zur Überwachungspraxis von Erwerbslosen nahezu unkontrolliert in Kauf genommen wurde, ist systemimmanent. Damit versuchen die Regierungsparteien, eine Wahlschlappe verhindern.

Die Erwerbslosenzahl wird weiter geschönt

Die Erwerbslosenzahl ist entgegen der von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Statistik längst bei 4,5 Millionen angekommen. Sie liegt ca. eine Million über der Zahl der gemeldeten 3,41 Millionen Erwerbslosen. Aus der offiziellen Zahl sind auch die Personen heraus gerechnet, die an entlastenden Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik teilnehmen oder zeitweise arbeitsunfähig erkrankt sind. (Bundesagentur für Arbeit: Monatsbericht Juni 2009, Nürnberg, S. 17).

Statistische Tricks, wie z.B. die Aussonderung älterer Hartz-IV-Empfänger und Hartz-IV-Empfängerinnen sollen das Fiasko verschleiern. Wer 58 Jahre alt ist und in zwölf Monaten keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten bekommen hat, wird aus der Erwerbslosenstatistik gestrichen. Im Juni 2009 waren das knapp 30.000 Erwerbslose. 68.00 Erwerbslose, die im Juni und Juli 2009 bei privaten Vermittlern an den neu geschaffenen Maßnahmen zur „Aktivierung und beruflichen Eingliederung“ teilnahmen, wurden im Unterschied zur vorherigen Regelung aus der Statistik der Erwerbslosen gestrichen. 48.300 Erwerbslose, die im Juni 2009 in kurzfristigen Eignungsfeststellungs- und Trainingsmaßnahmen steckten, tauchen in den monatlichen Arbeitslosenzahlen nicht auf.

Die Verschleierung der Prekarisierung der Arbeitsverhältnisseals statistischer Trick

Die durch knapp 330.000 sogenannten Arbeitsgelegenheiten, (1-Euro-Jobs) Beschäftigten sind mit Abstand die billigste Art, zu einem erheblichen Teil öffentliche Aufgaben zu erledigen und die Arbeitslosenstatistik zu „bereinigen“. Berücksichtigt man noch die Effekte von Gründungszuschüssen (124.758) und auslaufendem Vorruhestand (94.378), errechnet sich eine Unterbeschäftigung von 4,5 Millionen.

Nach der Wahl wird die offizielle Zahl der Erwerbslosen auf mindestens 5 Millionen steigen

Wenn die Entlastungseffekte der Kurzarbeit in die Gesamtrechnung eingehen, wird das Jammertal der Beschäftigungspolitik seinen Höhepunkt erreichen. Im März 2009 erhielt jeder 20. Beschäftigte (1,258 Millionen) Kurzarbeitergeld. Der durchschnittliche Arbeitszeitausfall betrug 35%. Für die Vollzeitberechnung ergab das eine „Entlastung“ der Arbeitsmarktstatistik um 435.000. Dies in Rechnung gestellt, kommt die BA zu dem um saisonale Einflüsse bereinigten Ergebnis: Einschließlich der Kurzarbeiterinnen und –arbeiter betrug die Erwerbslosenzahl 5,021 Mio. (Bundesagentur für Arbeit: Monatsbericht Juni 2009, Nürnberg, S. 17. Ebd., S. 18).

Die finanzielle Ausstattung der Arbeitsagenturen wird vorsätzlich ruiniert.

Die Bundesregierung hat zwei zentrale arbeitsmarktpolitische Weichen gestellt. Die erste betrifft die ruinöse finanzielle Ausstattung der BA: Nach der irrwitzigen Senkung des Beitragssatzes auf 2,8% werden die Rücklagen im Schnellverfahren abgeschmolzen und die BA steuert auf ihre Pleite zu. Das Defizit gleicht der Bund durch ein trickreiches Verfahren aus: Die Ausgleichszahlung erfolgt nicht als verlorener Bundeszuschuss, sondern als Kredit, wodurch die BA in die Verschuldung getrieben wird. Die zweite Weichenstellung sind Ausgabenkürzungen. Die FDP und Teile der Unionsparteien haben die Kürzung des Arbeitslosengeldes bereits angekündigt.

Den Skandal gilt es öffentlich zu machen

Der Verlust des Arbeitsplatzes steht oben auf der Skala der Alltagsnöte unserer Kolleginnen und Kollegen. Die Zeit bis zu den Wahlen ist von den DGB-Gewerkschaften und Sozialverbänden zu nutzen, um diese Politik ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Eine Umfrage der IG Metall unter 450.000 Kolleginnen und Kollegen belegt, was 89 % der Befragten für „gute Arbeit“ und „gute Sozialpolitik halten. [Frankfurter Rundschau vom 4.7.2009]. Wir zitieren das Vorstandsmitglied der IG Metall Hans-Jürgen Urban: „Arbeiten bis zum Umfallen muss als Motto der Krisenbewältigung geächtet werden. Was die Betriebe heute beim Schutz von Gesundheit und Arbeitsvermögen kurzfristig sparen, wird in Zukunft die Gesellschaft in Form von Arbeitslosigkeit, Erwerbsminderung und Kosten durch psychische Erkrankungen zu zahlen haben.“

Ein Gegenentwurf zur bestehenden Gesellschaftsordnung ist nötiger denn je!

Wir unterstützen die vom ver.di-Geschäftsführer in Stuttgart Bernd Riexinger veröffentlichten Forderungen:

- Massive Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von oben nach unten,

- Ausbau des öffentlichen und gemeinwohlorientierten Sektors,

- Regulierung und Verstaatlichung der Finanzwirtschaft,

- Demokratisierung von Wirtschaft und Gesellschaft,

- Kollektive Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich

Der Kampf um Existenzsicherung ist Klassenkampf!

Den bisherigen Sozialisierungen der Verluste und den weiterhin ungehindert laufenden Privatisierungen der Gewinne muss schnellstmöglich Einhalt geboten werden. Da reichen jährlich einmalige „Samstagsdemonstrationen“ nicht aus. Gewerkschaften sind keine „dummen“ Sozialpartner, um Unternehmen zur Profitmaximierung zu verhelfen. Die Gewerkschaften haben das politische Mandat, die Bevölkerung vor den Folgen der milliardenschweren „Rettungsprogramme“ zu schützen. Die kommenden Tarifauseinandersetzungen müssen hierzu beitragen und die Option des politischen Streiks (Generalstreik) darf nicht länger tabu sein.

Bündnis für Soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde e.V. (BüSG), Domnauer Str. 14, 12105 Berlin, Telefon und Fax: 030/75 65 22 09,

V.i.S.d.P Gert Julius

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