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Belgien:

Gewerkschaftskraft zwang CARREFOUR zum Nachgeben

STREIK UND BLOCKADEN, WENN ES NICHT GÜTLICH GEHT

von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

Brüssel, 18. November 2008. – Beim sozialistischen Gewerkschaftsverband Flanderns (BBTK) stimmte eine große Mehrheit der Mitglieder bei CARREFOUR dem Entwurf für eine kollektive Betriebsvereinbarung zu, welcher in der vorigen Woche nach einem Verhandlungsmarathon und dreiwöchigen wiederholten Blockaden von CARREFOUR-Märkten durch Mitglieder beider großer Gewerkschaften ausgehandelt worden war und anschließend den Beschäftigten der neuen CARREFOUR-Märkte zur Abstimmung vorgelegt worden ist. Damit ist verhindert worden, dass beispielsweise die Beschäftigten des neuen CARREFOUR-Marktes in Brügge für einen vergleichsweise um ein Drittel schlechteren Lohn dieselbe Arbeit machen werden wie jene in den bisherigen CARREFOUR-Märkten. Damit hatte CARREFOUR die Neubeschäftigten und die Gewerkschaften schwer herausgefordert. Um die Aktionen zu unterbinden, schaltete das Unternehmen Gerichte und Gerichtsvollzieher ein und bediente sich dabei irgendwelcher Lügenkonstrukte, was die Belegschaft und die Gewerkschaften zusätzlich provozierte. Den in Brügge und drei weiteren Orten neuen Beschäftigten wurde Sonntagsarbeit ohne Lohnzuschlag sowie die 6-Tage-Arbeitswoche ebenso zugemutet im Herangehen der Direktion, wie alle sonstigen Extraleistungen von CARREFOUR ihnen mit einem juristischen Schachzug vorenthalten werden sollten.

Mit der jetzigen kollektiven Betriebsvereinbarung sind beide große Gewerkschaftsverbände sehr zufrieden. Die Beschäftigten aller CARREFOUR-Märkte werden danach zu denselben Bedingungen beschäftigt. Es gilt die 35-Stunden-Woche, ohne unterbrochene Schichtzeiten. Es gibt für alle CARREFOUR-Beschäftigten Abendarbeits- und Sonntagszuschläge. Den Gewerkschaften wurde von der Direktion schriftlich zugesichert, dass sich Vorfälle wie jene in Brügge nicht wiederholen werden und Versuche künftig unterbleiben werden, neu zu eröffnende Filialen anderen Paritair-Comitees und somit anderen Regelungen der Arbeits- und Vergütungsbedingungen zuzuschlagen.

Zugleich betonten die Gewerkschaftsvertreter, dass die Verhandlungen sehr schwierig verliefen. Die Direktion von CARREFOUR war demzufolge ständig bestrebt, an einem Ende wegzunehmen, was ihr am anderen Ende als Zugeständnis abgerungen wurde.

90% der CARREFOUR-Beschäftigten beteiligten sich aktiv an den Gewerkschaftsaktionen und legten die Arbeit nieder. Die Gewerkschaftsvertreter dankten den Kolleginnen und Kollegen, die dies taten, ohne dafür Lohnausgleich zu bekommen. CARREFOUR brachte diverse Angestellte und Manager in die Märkte, um einen Notbetrieb aufrechtzuerhalten. Damit gebrauchte CARREFOUR Mittel, die bisher bei solchen Auseinandersetzungen nicht gebraucht wurden. Normalerweise bevorzugt die Unternehmerseite in Belgien Vermittlung. Bei CARREFOUR wurden sofort Richter und Gerichtsvollzieher bemüht. Die rechtlichen Auseinandersetzungen drohen immer noch bis zum Europäischen Gerichtshof in Strasbourg zu eskalieren. Der zuständige grüne Gewerkschaftssekretär Chris Van Droogenbroeck von der LBC nannte CARREFOUR daher ein „asoziales Unternehmen“.

Quellen: Indymedia Belgien, LBC Flandern

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