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Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) - eine gelbe Gewerkschaft?

Eigentlich sollte man sich nicht mehr wundern über Maßnahmen und Handlungen von Gewerkschaftsführern. Ex-IGM-Chef Zwickel steckt bis zu den Ohren im Mannesmann-Skandal und verriet offen die Metallerstreiks im Osten vor zwei Jahren, sein Vorgänger Steinkühler machte Kasse durch Insidergeschäfte an der Börse, DGB-Chef Sommer scharwenzelt um Schröder und macht, außer Maulheldentum, nichts gegen dessen Kahlschlagspolitik. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Verdi mach zwar in manchem hier eine Ausnahme und ist zumindest gegen die Agenda 2010 und Harz IV, was ja schon ein Lichtblick ist.

Den Vogel aber schießt die Berg- und Chemiearbeiter-Gewerkschaft IGBCE. Hubertus Schmoldt, seines Zeichens Vorsitzender der IGBCE stimmt allen Schweinereien der Regierung zu, meist setzt er noch eins drauf.

Zur Globalisierung z.B. schreibt die IGBCE:

„Gewerkschaften sind dabei keine Globalisierungsgegner, sie sollten es zumindest aus Sicht der IG BCE nicht sein. Insbesondere eine Gewerkschaft wie die IG BCE mit Branchen, die teilweise in extremen Maße vom Export ihrer Produkte abhängig ist, wäre schlecht beraten, wenn sie nicht die Vorteile offener Weltmärkte für die Sicherung der Arbeitsplätze würdigen würde.“ (siehe: Online Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

Die IGBCE bekennt sich auch offen zum Kapitalistischen System: „... bekennt sich zur sozialen Marktwirtschaft und will dieses Wirtschaftssystem im Sinne ihrer sozialen, ökonomischen und ökologischen Ziele mitgestalten und zu einem Modell auch für Europa entwickeln.“ (siehe online-IGBCE).

Wenn die kapitalistischen Medien eine „moderne“ Gewerkschaft lobend hervor heben, ist es die IGBCE, der beliebteste Gewerkschaftsführer der Neoliberalen ist Hubertus Schmoldt.

Dass das nicht im Interesse der Mehrheit der Arbeiterklasse sein kann – auch nicht der Chemie- und Bergarbeiter – liegt auf der Hand. Schmoldt ist der Rechtsausleger unter den Gewerkschaftsführern.

Man sagt, der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Also wundert es niemand, wenn IGBCE- Betriebsräte eine Todsünde für Betriebsräte begehen, nämlich einer Entlassung – schon gar nicht einer fristlosen – zustimmen. Das aber ist bei der Firma Cinram[1] in Alsdorf bei Aachen geschehen. Dort bekam der Kollege Marc Treude die fristlose Kündigung ist Haus – der IGBCE-Betriebsrat hatte zugestimmt.

Mehr noch: Der entlassene Kollege ist Vertrauensmann der IGBCE im Betrieb. Was er tat war, öffentlich gegen die geplanten Entlassungen von 350 Beschäftigten, das sind etwas 25 % seiner Kollegen, zu protestieren.

Es sollen noch weitere Maßnahmen der Unternehmensleitung zur Senkung des Einkommensniveaus folgen. Die Regionalzeitung „Aachener Zeitung“ schreibt am 11. Oktober zu den Maßnahmen von Cinram:

„Ziel ist den Informationen zufolge eine Änderung des Haustarifvertrags, die eine Anhebung der Wochenarbeitszeit von derzeit 37,5 auf 40 Stunden ab Anfang nächsten Jahres ohne Lohnausgleich vorsieht. Zudem soll die Jahresleistung, das Weihnachtsgeld, auf 50 Prozent in 2005 reduziert werden, wobei dieser Betrag bis 2007 wieder auf 70 Prozent angehoben werden soll.“

Auch das hatte Kollege Marc Treude öffentlich angeprangert: „Jetzt sollen 350 von insgesamt rund 1 300 Beschäftigten entlassen und ab Januar die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich eingeführt werden. Von 2005 bis 2007 soll das Weihnachtsgeld von jetzt 95 Prozent auf 50, dann 60 und 70 Prozent gesenkt werden. Diesem Abschluß stimmte der Betriebsrat mit der Gewerkschaft zu, obwohl es massiven Unmut auf Belegschaftsversammlungen gab. Einige Kollegen sammelten Unterschriften gegen weitere Kürzungen und für die Einberufung einer Betriebsversammlung, um über Kampfmaßnahmen diskutieren zu können“

Freie Meinungsäußerung, meint jeder. Nicht so die Alsdorfer IGBCE und die Cinram-Geschäftsührung.

Wir solidarisieren uns mit Kollegen Marc Treude. Die Geschäftsleitung von Cinram versucht hier im trautem Verein mit gelben, verräterischen Betriebsratsfürsten aus der IGBCE einen unbequemen Kritiker zu maßregeln. Dass sie dabei die Normen der bürgerlich-demokratischen Rechte – hier das der verfassungsrechtlich abgesicherten Meinungsfreiheit – verletzen, kümmert sie nicht.


[1]  Cinram produziert CDs und DVDs.

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Protesterklärung

An die Cinram GmbH
Geschäftsleitung
Herrn John Fitzgerald
D-52475 Alsdorf
Fax: 02404/58-111

Protesterklärung

Für die sofortige Wiedereinstellung des Kollegen Marc Treude!
Nein zu den Kürzungsplänen und Entlassungen!

Sehr geehrter Herr Fitzgerald,
Mit Entrüstung haben wir/ habe ich von der Entlassung von Marc Treude gehört. Der angebliche Anlass war ein Artikel der die Kürzungspläne der Geschäftsleitung kritisierte.

Mit Erstaunen stellen wir/stelle ich fest wie die Geschäftsleitung von Cinram mit kritischen Kollegen umgeht. Wie kann es sein, das Kolleginnen und Kollegen, die ihre Meinung und Kritik frei kund tun, fristlos entlassen werden?

Der Kollege Treude hat mit seinem Protest gegen das konzerneigene Sparpaket den Unmut vieler Kolleginnen und Kollegen ausgedrückt. Die Geschäftsleitung droht damit das 350 Kolleginnen und Kollegen entlassen und weitere Lohneinbussen hingenommen werden sollen, insgesamt sollen auf dem Rücken der Cinram-Beschäftigten 30 Millionen Euro eingespart werden. Damit bereichert sich die Konzernleitung weiter auf Kosten der Kolleginnen und Kollegen und ihrer Familien.

Aus Angst vor Widerstand gegen dieses Sparpaket im Betrieb ist Marc Treude entlassen worden. Das soll nicht nur Marc Treude mundtot machen sondern auch andere kritische Kolleginnen und Kollegen einschüchtern.

Wir wenden uns gegen die Sparpläne auf Kosten der KollegInnen bei Cinram und werden die Kolleginnen und Kollegen offensiv auffordern weiter Widerstand zu leisten!

Der Kündigungsgrund von Marc Treude ist haltlos und nicht hinzunehmen. Wir/ich werde/n öffentlich gegen die Kündigung von Marc Treude protestieren und Ihr willkürliches Verhalten offen legen!

Wir/Ich fordere/n die sofortige Widereinstellung von Marc Treude!
Wir/ich fordere/n die Rücknahme des Sparpaketes bei Cinram!

Wir/Ich werde/n die Kolleginnen und Kollegen bei Cinram und ganz besonders Marc Treude im Widerstand gegen das Sparpaket und die Kündigung in jeder Hinsicht unterstützen!

Mit freundlichem Gruß

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Beglückt doch mal seine Mailbox!

Schreibt Protestmails an

Andreas Zwingmann

Firma :

Cinram GmbH

Strasse :

Max-Planck-Str. 1-9

PLZ :

D-52477

Ort :

Alsdorf

Land :

Germany

Branche :

Duplizierer, Replikator

Funktion :

Sales Manager Europe

Postfach :

1312

Telefon :

+49(0)2404-58-5 80

Fax :

+49(0)2404-58-2 03

Handy :

+49(0)160-90 90 47 90

E-Mail :

andreaszwingmann@cinram.com

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Lob des Revolutionärs 

von Bertolt Brecht (1898-1956)

 

Viele sind zuviel
Wenn sie fort sind, ist es besser.
Aber wenn er fort ist, fehlt er.

Er organisiert seinen Kampf
Um den Lohngroschen,
Um das Teewasser
Und um die Macht im Staat.
Er fragt das Eigentum:
Woher kommst du?
Er fragt die Ansichten:
Wem nützt ihr?

Wo immer geschwiegen wird
Dort wird er sprechen
Und wo Unterdrückung herrscht
und von Schicksal die Rede ist
Wird er die Namen nennen.

Wo er sich zu Tisch setzt
Setzt sich die Unzufriedenheit zu Tisch
Das Essen wird schlecht
Und als eng wird erkannt die Kammer.

Wohin sie ihn jagen, dorthin
Geht der Aufruhr, und wo er verjagt ist
Bleibt die Unruhe doch.

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Meinungsfreiheit passé

Stadtrat und Gewerkschafter bei Firma Cinram fristlos entlassen  

von Sascha Stanicic

Quelle: jungeWelt

Am vergangenen Freitag wurde der Aktivist und Vertrauensmann der Chemiegewerkschaft IG BCE Marc Treude bei der Firma Cinram im nordrhein-westfälischen Alsdorf fristlos gekündigt. Die Begründung: Treude, erst vor zwei Wochen für das Wahlbündnis »Gemeinsam gegen Sozialkahlschlag« in den Rat der Stadt Aachen gewählt, hatte als Mitglied der Sozialistischen Alternative (SAV) auf deren Website www.sozialismus.info einen Artikel veröffentlicht, in dem er geplante Entlassungen kritisierte.

Was hatte Treude geschrieben? »Jetzt sollen 350 von insgesamt rund 1 300 Beschäftigten entlassen und ab Januar die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich eingeführt werden. Von 2005 bis 2007 soll das Weihnachtsgeld von jetzt 95 Prozent auf 50, dann 60 und 70 Prozent gesenkt werden. Diesem Abschluß stimmte der Betriebsrat mit der Gewerkschaft zu, obwohl es massiven Unmut auf Belegschaftsversammlungen gab. Einige Kollegen sammelten Unterschriften gegen weitere Kürzungen und für die Einberufung einer Betriebsversammlung, um über Kampfmaßnahmen diskutieren zu können.« Und: »Die angesprochenen KollegInnen wollen jetzt versuchen, an der Basis und im Vertrauenskörper weiter Druck zu machen. Der Aufbau einer innerbetrieblichen Opposition zum Betriebsrat muß hier ein wichtiger Schritt sein zum Aufbau einer Opposition in der IG BCE. Denn diese Gewerkschaft ist für ihre unternehmerfreundliche Haltung bestens bekannt. Was aber nötig ist, ist eine kämpferische Interessenvertretung, die gegen die Angriffe von Unternehmern mobilisiert.«

Diese offenen Worte waren offenbar auch für den IG-BCE-Betriebsrat bei Cinram zuviel – er stimmte der fristlosen Kündigung zu. Diese wurde ohne schriftliche Begründung ausgesprochen. Gegenüber junge Welt sagte der Entlassene: »Es erinnert an frühkapitalistische Verhältnisse, wenn Gewerkschafter fristlos gekündigt werden, weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen.« Aber Geschäftsleitung und Betriebsrat würden ihn »nicht mundtot kriegen«. Er werde »gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen gegen meine und alle anderen geplanten Entlassungen kämpfen«, kündigte Treude an. Die sofortige Wiedereinstellung des kritischen Gewerkschafters will auch eine unmittelbar nach der Entlassung begonnene Solidaritätskampagne erreichen. Diese ruft dazu auf, Protestschreiben an Cinram GmbH, z. Hd. John Fitzgerald, Max-Planck-Str. 1–9, 52477 Alsdorf bzw. Fax 0 24 04/ 5 81 11, zu richten.

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