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Radiobeitrag
Metalltarifrunde
2010
Gewerkschaft
fordert Arbeitsplätze statt Löhne und Jobgarantie qua Kurzarbeit
Quelle:
GegenStandpunkt
Marburg
Auf
Kommunisten-online am 30. März 2010
siehe
auch mehr
I.
Man
musste aufpassen, sie nicht zu verpassen, die diesjährige
Metall-Tarifrunde. Es sollte eine „Blitzaktion“
sein, „ganz ohne Rituale“
und „geräuschlos“. Und so
war es dann auch. Auf „informeller
Ebene“ sind sich Gewerkschafter und Arbeitgebervertreter
ganz schnell „ziemlich nahe gekommen.“
Die IG-Metall stellte – erstmals – keine Lohnzahl auf und bot
stattdessen Lohnverzicht durch nochmalige Erweiterung der sog.
tariflichen Kurzarbeit an. Mit großem Verständnis für die
„gebeutelte Metallbranche“ verfolgt die IG-Metall ihr Ziel, die
Rettung von Arbeitsplätzen, egal, was das für Lohn und Leben der
Lohnabhängigen bedeutet.
Gewerkschaftschef
Huber verkündete vorab die Marschrichtung der Tarifrunde: „Wenn
wir unserer bisherigen Linie treu bleiben wollen, dass die Beschäftigung
ganz oben steht, dann sollten wir in die Gespräche mit den Arbeitgebern
ohne Konditionen
hineingehen“ (welt-online, 07.02.10). Zum Einstieg in die
diesjährige Tarifrunde trat die IG-Metall – zur Verwunderung mancher
Gazetten – ohne Lohnforderung an und wollte sich erklärtermaßen mit
den Arbeitgebern ausschließlich darüber einig werden, „wie
möglichst viele Arbeitsplätze in der kriselnden Branche gerettet
werden können.“ Der Kern der Tarifrunde – nichts
fordern, um Arbeitsplätze zu retten – ist aus Sicht der Gewerkschaft „die
logische Konsequenz aus der jetzigen Krisensituation“
(Huber). Wir meinen, dass es in der Tat nicht verwunderlich ist, dass
die Gewerkschaft zu dieser „logischen Konsequenz“ kommt: Arbeitsplätze
retten - ganz bedingungslos! Denn mit dieser Tarifrunde spitzt sie zu,
was ihr Standpunkt nicht erst seit heute ist: Der Hammer, den
Unternehmern – diesmal ganz umstandslos – anzubieten, im Umgang mit
ihren Beschäftigten alle Freiheiten zu lassen, wenn sie nur weiter
beschäftigt werden.
Das
klingt so selbstverständlich, dass man für den Erhalt von Arbeitsplätzen
sein soll. Aber: Was ist das überhaupt für ein Ziel
„Arbeitsplätze
retten“? Und warum ist das für die Gewerkschaft die
„logische Konsequenz aus der Krisensituation“?
Der
Gewerkschaft ist nichts selbstverständlicher, als dass die Unternehmen
in der Krise ihre Bilanzen auf Kosten der Belegschaft sanieren. Es
leuchtet ihr total ein, dass quasi
automatisch Entlassungswellen anstehen, wenn sich die
Arbeit für das Kapital nicht mehr lohnt. So rechnet die Gewerkschaft
mit unternehmerischem Sachverstand schon mal selber aus, wie viele
Hunderttausend Arbeitsplätze in den nächsten zwei Jahren auf der Kippe
stehen. Dass es einzig darum zu gehen hat, dass die Arbeitsplätze
rentabel sind, dass sie lohnend sind für die Anwender, die sie nur
einrichten, um damit einen Gewinn zu erwirtschaften, das ist auch für
die Gewerkschaft die fraglos gültige ökonomische Rechnungsweise. –
Und die geht folgendermaßen: Der kapitalistische Nutzen der Arbeit ist
der Gewinn. Arbeit, die keinen Gewinn bringt, ist kapitalistisch gesehen
nichts wert, sie ist unnütz. Dann wird sie nicht gekauft, nicht
angewendet, also gibt es auch keinen Lohn, denn Gewinn
ist die Bedingung,
damit überhaupt ein Lohn bezahlt wird. Das heißt: Die Arbeit muss mehr
Geld bringen als sie dem Unternehmer kostet, die Leistung der Arbeiter
muss also dieses Plus
erwirtschaften für ihre „Anwender“. Genau auf diese
Differenz kommt es an. Deshalb ist der Lohn immer zu
hoch und die Arbeit kann gar nicht intensiv genug sein. Schädlich
ist die Lohnarbeit für die Lohnabhängigen immer
– nicht erst, wenn die Arbeit gar nicht stattfindet, weil sie nicht
rentabel ist, sondern auch wenn Arbeit stattfindet, wenn sie den gewünschten
Überschuss für die andere Seite erbringt, also nach deren Rechnung
rentabel ist.
Das
Lohnarbeitsverhältnis hat für die Beschäftigten folgenden Haken: Ob
und wie viel Lohn die Leute bekommen, darüber entscheidet sich das
Leben der lohnabhängigen Menschheit. Und ob die vom Lohn auch leben
kann, das ist nicht
Bestandteil der ökonomischen Kalkulation der Unternehmen. Darum geht es
eben nicht. Für Unternehmer ist der Lohn– und damit das Leben der
Leute – ein leidiger Kostenfaktor:
Lohn fällt ab, wenn die Firma die Arbeitskräfte brauchen kann, wenn
nicht, dann nicht. Das ist marktwirtschaftlich sachgerecht.
Da
stellt sich die Frage: Wie sieht das die Gewerkschaft?
Sie
weiß, dass das Leben, die Existenz ihrer Klientel total abhängig
ist von dieser kapitalistischen Rechnungsweise. Und welchen Schluss
zieht sie daraus? Um den Lohn, also das Lebensmittel der Lohnabhängigen
zu erhalten,
verzichtet sie immer mehr auf das, was ihn erst zum Lebensmittel macht.
Sie setzt sich für das Gelingen der Gewinnproduktion, also für die Fortsetzung
dieser Rechnungsweise ein! Und dafür stellt sie den leidigen
Kostenfaktor Lohn, also das Lebensmittel der Arbeiter zur Disposition,
um – die Unternehmen wieder aus der Krise zu bringen.
Ganz
selbstverständlich leuchtet jedermann ein: Arbeitsplätze sind ein
„hohes Gut“, eine Wohltat für ihre „Besitzer“. Was ist davon zu
halten? Sicher: Sich nicht krumm legen dürfen für die Gewinnrechnung
der anderen Seite, das ist für die Betroffenen eine Katastrophe, denn
wenn ihre einzige Einkommensquelle versagt, ist ihre Existenz schnell
zerstört. Doch wäre dann hier mal ein Urteil fällig, was das für
eine beschissene Einkommensquelle ist, dieser Arbeitsplatz: Es ist
nichts als ein Ausbeutungsplatz, den die Firma in ihrem
Interesse einrichtet, ein Mittel mit dem ein Plus erzeugt werden soll.
Sie wollen möglichst viel Leistung der Arbeitskräfte mit möglichst
wenig Lohn bezahlen, damit es am Schluss möglichst viel Überschuss in
den Bilanzen gibt. Das ist der Arbeitsplatz, eine Profitquelle, eine
Zusammenfassung all der Ansprüche, die das Kapital an die Arbeitskräfte
hat. Und wenn die mit diesen Arbeitsplätzen kalkulierten Gewinne nicht
rausspringen, ist er futsch – mitsamt dem Lebensunterhalt der Lohnabhängigen.
Arbeitsplätze fordern heißt so viel wie: Wir sind so abhängig von
euch, also nutzt uns bitte aus – nur so können wir leben. Dafür
nehmen wir hin, dass der Arbeitsplatz für uns
immer weniger taugt, und das unsere Abhängigkeit
von euch immer mehr zunimmt.
Fazit:
Eine Parteinahme für Arbeitsplätze ist nichts als eine Parteinahme für
die Unternehmen, für die Fortsetzung der Schädigung der Arbeiter.
Die
Unternehmer verheimlichen ihre Kalkulationen mit den Arbeitsplätzen
nicht, sie verkünden diese täglich – und die Arbeiter kriegen es ein
Leben lang zu spüren, was es heißt, als dieser leidige Kostenfaktor
der Gewinnproduktion mit dieser immer unsicheren Einkommensquelle
benutzt oder auch nicht benutzt zu werden. Während das Kapital ständig
den unversöhnlichen Gegensatz
von Geschäftsinteressen und Existenznotwendigkeiten der Lohnabhängigen
präsentiert, besteht die Gewerkschaft auf deren Vereinbarkeit
und macht sich selber zum Agenten
dieser geglaubten Vereinbarkeit mit lauter konstruktiven
Vorschlägen.
Die
Gewerkschaft arbeitet sich also daran ab, das Unvereinbare dennoch
vereinbar zu machen, Geschäftsinteresse der Unternehmen und
Existenznotwendigkeiten der Lohnabhängigen in Einklang zu bringen. Von
diesem Standpunkt aus hat die Gewerkschaft sich gefragt: Was braucht der
Arbeitsmann in der Krise? – Und sie ist auch fündig geworden: Er
braucht, dass die Wirtschaft
aus der Krise kommt. Und dafür braucht die Wirtschaft vor allem was von
ihm.
„Die
Krise ist weder vorbei, noch ist sie überwunden! Erst recht nicht mit
Blick auf die Beschäftigungsrisiken! Wer jetzt vom Ende der Krise
faselt, hat nichts verstanden!“ (IG-Metall-Bezirksleiter
A. Schild, WamS, 22.11.09). „Die
IG-Metall kann ein baldiges Ende der Krise nicht erkennen!“
(Bezirksleiter Neugebauer, Nürnberger Nachrichten, 16.01.10).
Während
es sonst üblich ist, dass die Unternehmer
auf ihre schwierige
Wirtschaftslage verweisen, warnt hier die Metallgewerkschaft selber vor
„Schönfärberei“ der wirtschaftlichen „Notlage“ der
Unternehmen. Für deren „Notlage“ in der Krise zeigt die Gewerkschaft
volles Verständnis. Schon im Vorfeld der Tarifverhandlungen zeigt sie
sich so einfühlsam für die Situation der so geplagten Kapitalisten,
dass sie am Verhältnis von Lohn und Leistung und an der Höhe des Lohns
gar nicht korrigierend eingreifen will. Bisher stand die Tarifrunde
immer dafür, dass die Arbeiter eine Kompensation für die
Verschlechterungen brauchen, die ihnen die Unternehmen zufügen. Schließlich
gehört es zur wichtigsten Aufgabe des Unternehmers, den jeweiligen
Tarifabschluss zum Anlass zu nehmen, das Verhältnis von Lohn und
Leistung zu seinen Gunsten zu verändern, ganz abgesehen davon, dass
sich die Kaufkraft des Lohns wie von selbst immer zu Ungunsten der
Arbeiterschaft verändert. Angesichts der Krise kommt die Gewerkschaft
gar nicht mehr auf die Idee, dafür eine Kompensation zu verlangen, wie
sie überhaupt ihre frühere Methode, mit Warnstreiks und Demos die
Tarifrunde zu flankieren, in der Krisenlage selbst für überflüssigen
Theaterdonner hält. Den bei früheren Tarifrunden üblicherweise eröffneten
Streit eröffnet sie
in diesem Jahr gleich gar nicht und erledigt ihn mit dem Hinweis, es
handle sich dabei doch nur um überflüssige „Tarifrituale!“.
Das ist genau die Vokabel, mit der ansonsten Arbeitgebervertreter und Öffentlichkeit
Tarifauseinandersetzungen als unsinniges und schädliches Produkt
gewerkschaftlicher Borniertheit bloßstellen.
Der
IG-Metall-Bezirksleiter Hofmann drückt das mit seinen Worten so aus: „Die
Krise lässt uns keine Zeit für taktische Spielereien!“
– „Taktische Spielereien“ nennt der Gewerkschafter also frühere
Tarifauseinandersetzungen seines Vereins! So was soll nicht mehr sein,
in der Krise soll alles schnell abgewickelt werden, da will die
Metallgewerkschaft den Unternehmern keine Lohnerhöhung zumuten. Und
ganz konsequent war
dann das Ergebnis an der Lohnfront:
Eine Vereinbarung für zwei Jahre, so lange „stört“ dann keine
Lohndebatte mehr den normalen Gang der kapitalistischen Nutzung der
Arbeit. Schnell und ohne viel Aufhebens wurde vereinbart, dass im ersten
Jahr eine Einmalzahlung von 320 Euro erfolgt, was überall als Nullrunde
verstanden und gelobt wird. Und ab April 2011 gibt es dann 2,7 % . Dabei
entwickelt die Gewerkschaft selbst im Detail so viel Rücksicht und
Verständnis für die „Not“ der Unternehmer, dass sie ihnen
gestattet, diese 320 Euro im Jahr 2010 nicht auf einmal, sondern in zwei
Raten auszubezahlen. Im übrigen ist es kein Geheimnis, dass das fürs
Unternehmerkalkül so Schöne an Einmalzahlungen darin besteht, dass
diese für spätere Tariferhöhungen nicht ‚sockelwirksam‘ sind . Es
handelt sich eben um Almosen.
II.
Aber
diese Rücksichtnahme auf die „Notlage“ der Unternehmerschaft bei
der Lohnhöhe war nur das Eine. Hauptsächlich ging es der
Metallgewerkschaft in dieser Tarifrunde um ein umfassendes Kurzarbeitsprogramm,
mit dem sie die von allen Seiten an die Wand gemalte Gefahr von
Massenentlassungen entschärfen will. Die Gewerkschaft setzt sich
deshalb zum einen für eine Verlängerung der staatlich geförderten
Kurzarbeit ein und zum anderen soll der Ausbau der sog. tariflichen
Kurzarbeit stattfinden.
An
ihrer Stellungnahme zur Kurzarbeit wird deutlich, dass der Gewerkschaft wie
ein Naturgesetz einleuchtet: Wenn das Kapital in der
Krise keine rentable Arbeit hat, müssen Entlassungen sein! Heuern und
Feuern sind als ganz selbstverständliche und auch nachvollziehbare Maßnahmen
der Unternehmerschaft unterstellt. - Aber, so meint die Gewerkschaft,
das muss gar nicht sein! Man müsse nur dafür sorgen, dass die Rechnung
der Unternehmer, die sie mit den wahrscheinlich
anstehenden Entlassungen verfolgen, anders
aufgeht. So fragt sie gewissermaßen mit dieser
Tarifrunde bei der Unternehmerschaft an, ob sie sich nicht darauf
einlassen möchte, die knappe rentable Arbeit unter den Arbeitern zu verteilen.
Sie, die Gewerkschaft im Namen der Arbeiterschaft, würde dafür den Preis
übernehmen, nämlich den
Schaden unter sich aufteilen! So ließen sich doch
Belegschaftskosten sparen – ohne Entlassungen. Die IG-Metall erklärt
sich also dazu bereit, und das hat sie auch unterschrieben, dass sie
bereit ist, den Verzicht auf umstandsloses Heuern und Feuern mit
Lohnverzicht zu erkaufen, den die Arbeiter mit Kurzarbeit hinnehmen müssen.
Die Unternehmer sollen jedenfalls nicht über Gebühr belastet werden,
damit sich die Anwendung von Kurzarbeit für sie auf jeden Fall lohnt.
IG-Metall-Vorsitzender Huber betont: „Den
Preis für Kurzarbeit zahlen wir!“
Deshalb
stellt sich die Frage, ob die Kurzarbeit denn diesen hohen Preis wert
ist? Verdient sie den guten Ruf, den sie allenthalben nicht bloß bei
der Gewerkschaft genießt?
Zunächst
mal ein paar grundsätzliche Überlegungen zur Kurzarbeit: Kurzarbeit
ist der Beleg dafür, dass der Lohn nicht am Lebensbedürfnis
des Arbeitsvolks ausgerichtet ist, sondern am Geschäftskalkül
des Unternehmers. Aus seiner
Kalkulation kommt raus, was für die Lohnabhängigen als Lebensunterhalt
bleibt. Das Prinzip der unternehmerischen Kalkulation heißt: Gezahlt
wird nur die Arbeit, die gebraucht wird, weil und insofern sie sich für
sein Geschäft lohnt. Und wenn sich nur die Anwendung von weniger Arbeit
lohnt, dann verkürzt das eben den Lebensunterhalt der Beschäftigten.
Kurz-Arbeit bedeutet also gewissermaßen „verkürzte“ Bedürfnisbefriedigung.
Klar ist dabei, dass der gezahlte Lohn nicht am Bedarf
der Arbeiter Maß nimmt, sondern am Bedarf des Betriebs
nach Arbeit. Für den ist es selbstverständlich, dass
er für weniger Stunden entsprechend weniger Geld für die Bedürfnisse
der Arbeiter rausrückt. Dummerweise können die Betroffenen nicht dem
gekürzten Lohn entsprechend "Kurz-Preise" und
"Kurz-Mieten " geltend machen. Rein marktwirtschaftlich
gesehen ist das aber auch aus Sicht der Gewerkschaft völlig korrekt und
sonnenklar: Was für Arbeiter überhaupt an Leben abfällt, ist die abhängige
Variable vom Geschäft des Kapitals.
Damit
dürfte klar sein, dass Kurzarbeit nichts Schönes ist – und zwar
nicht nur wegen der gekürzten Bedürfnisse. Schließlich werden die
Leistungsanforderungen, die der Betrieb den Kurzarbeitern abverlangt, ja
nur wegen Kurzarbeit nicht geringer, sondern im Gegenteil. Dass die Einführung
von Kurzarbeit gern zum Anlass genommen wird, die geforderte
Arbeitsleistung zu verdichten und zu intensivieren, kann man
entsprechenden Stellungnahmen Verantwortlicher immer wieder entnehmen.
Denn auch in der gekürzten
Arbeitszeit kommt es dem Unternehmen auf die volle Rentabilität der
Arbeit an – jede bezahlte Arbeitsstunde muss sich lohnen für ihre
Anwender. Für die Gewerkschaft wie für die Unternehmer ist es eine
Binsenweisheit, dass das Unternehmen auch für jede Stunde der verkürzten
Arbeit nur Geld zahlt, wenn und weil es seinen kompletten
Profit aus der Arbeit zieht.
Aktuell
macht sich die Gewerkschaft zunächst stark für das Modell der gesetzlichen
Kurzarbeit, das nun schon einige Zeit praktiziert wird.
Sie meint, diese gesetzliche Kurzarbeit soll verlängert werden, denn
die hat sich für die Unternehmen wunderbar bewährt:
Die können monatelang zu minimierten Lohnkosten arbeiten lassen und
kalkulieren, wie sie mit wenig Stammpersonal wieder durchstarten. Die
Kurzarbeit ist also eine Hilfe für
das Kapital. Der Staat befreit die Unternehmer von der
Pflicht, den im Arbeitsvertrag vereinbarten Lohn zu bezahlen. Wenn es in
ihre Kalkulationen passt, Arbeiter in Kurzarbeit zu schicken, dann
kriegen sie staatlicherseits grünes Licht: Aus der Kasse der
Arbeitslosenversicherung – also aus den Beiträgen, die den Arbeitern
zwangsweise abgezogen werden – bedient sich der Staat und bezahlt 60 %
der entfallenen Löhne. Die schäbige
Wohltat des Staates besteht also darin, dass er mit den
Beiträgen der Arbeiter teilweise den Schaden kompensiert, den das
Kapital bei den Leuten anrichtet.
Aber
die kreativen Einfälle der Metallgewerkschaft gingen in dieser
Tarifrunde noch einen Schritt weiter. Nicht nur soll die staatlich geförderte
Kurzarbeit fortgesetzt werden, es soll außerdem auch die sog. tarifliche
Kurzarbeit ausgedehnt werden. Diese soll eingesetzt
werden, wenn die Unternehmer die gesetzliche Kurzarbeit bereits ausgeschöpft
haben. Schon in der letzten Runde hatte die IG-Metall in einem „Beschäftigungstarifvertrag“
den Unternehmern die Freiheit unterschrieben, die Arbeitszeit bei Bedarf
von 35 auf 30 Stunden zu senken, womit eine entsprechende Lohnsenkung
einherging. Diese Tour lässt sich fortsetzen! Die neue
Regelung weitet dieses Angebot noch erheblich aus. Die dabei im
Tarifabkommen angestellten Rechnungen sind zwar dermaßen kompliziert,
dass erstmal bloß die Tarifexperten durchblicken, aber so viel lässt
sich auch ohne detaillierte Befassung feststellen: Dem Unternehmen wird
weit gehend die freie Entscheidung eingeräumt, die Arbeitszeit und
damit den zu zahlenden Lohn in einem Umfang zu verkürzen, dass selbst
die gewerkschaftlicher Fantasie nicht ausreicht, sich vorzustellen, dass
man davon auskommen kann. Deshalb wagt die Gewerkschaft doch glatt, den
Unternehmen einen so genannten "Teillohnausgleich"
abzuverlangen, der allerdings so gering bemessen ist, dass er sich kaum
in Zahlen ausdrücken lässt.
Nur
nebenbei: Bei diesen Vereinbarungen zur Kurzarbeit handelt es sich nicht
um eine vertragliche Verpflichtung der Unternehmer, auf Entlassungen zu
Gunsten von Kurzarbeit zu verzichten. Vielmehr sollen die Betriebe die
freie Entscheidung behalten, je nach unternehmerischem Kalkül der
Kurzarbeitsvariante den Vorzug vor Entlassungen zu geben.
Fazit:
Für die Gewerkschaft kommt gerade dann, wenn wegen der Krise die Arbeiter
noch mehr gebeutelt werden als normalerweise, alles darauf an, dass das Kapital
aus der Krise kommt. Nach der gewerkschaftlichen Logik, "Hauptsache
Arbeit", ist dies gleichbedeutend mit einer Verzichtsleistung ihrer
Mitglieder, für deren vornehmste Aufgabe sie hält, das Kapital zu
seinem neuen Wachstum anzuschieben. Die Gewerkschaft wartet gar nicht
erst ab, bis die Unternehmerschaft
die in der Krise besonders brutale Konkurrenz der Arbeiter zu deren
Schaden auf dem Arbeitsmarkt durchsetzt. Quasi in vorauseilendem
Gehorsam macht sie selbst die Schlechterstellung für die gesamte
Arbeiterklasse per Vertrag
verbindlich. Das ist schon eine Spitzenleistung, auf die die
Gewerkschaft aber ganz stolz ist, weil sie das für ein nationales
Gemeinschaftswerk hält.
So
kann man von Seiten der Gewerkschaft selbstbewusst hören: „Die
Lasten für sichere Arbeitsplätze tragen zuallererst die Beschäftigten.
Sie verzichten bei Kurzarbeit, egal ob gesetzlich oder tariflich, auf
einen Teil ihrer Einkünfte.“ Wohlgemerkt: das sagt nicht
ein Vertreter der Kapitalseite, sondern die Gewerkschaft in Person von
IG-Chef Huber!
Angesichts
eines so brutalen Bekenntnisses zur Verzichtbereitschaft verwundert
nicht, dass der Vertreter der Gegenseite, Metall-Arbeitgeber-Präsident
Kannegießer, an der Tarifpolitik der Gewerkschaft nichts mehr
auszusetzen hat: Er sagt: „Dieser
Abschluss ist ein eindrucksvolles Zeichen gemeinsamen
Krisenmanagements.“ „Wir
sind unserer gesamtwirtschaftlichen Verantwortung gerecht geworden“
„Selten habe ich erlebt, dass beide Seiten in der Lagebeurteilung so
übereinstimmen.“
Das
Lob des Arbeitgeberpräsidenten und mit ihm der gesamten Öffentlichkeit
hat sich die Gewerkschaft redlich verdient. Der starke Arm der
Arbeiterklasse ist dabei gelandet, sich ganz als die abhängige
Klasse zu begreifen, deren Macht sie einsetzt, um zusammen mit dem
Kapital die Verzichtsleistungen
der Arbeiterschaft zu organisieren, die für das erneute Wachstum des
Kapitals erforderlich sind. Mit diesem gemeinsamen Dienst am Wachstum
des Kapitalstandorts Deutschland will die Gewerkschaft zusammen mit dem
Unternehmerverband der Metallbranche ein nationales
Vorbild geliefert haben, das sich erklärtermaßen auch
um den sozialen Frieden
verdient macht - soll heißen, um die Bravheit der Betroffenen, wenn
ihnen ihr Schaden verabreicht wird,.
Als
letzte sachdienliche Mitteilung lässt sich somit fest halten: Der
Nationalismus der Gewerkschaft verbürgt den Schaden der Lohnarbeiter.
Nicht bloß Kapital und Arbeiterinteresse, sondern auch Nation und
Arbeiterinteresse gehen nicht zusammen.
GegenStandpunkt
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