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Streikaufgabe
von oben vorgegeben
IGM-Führung
bringt damit Kolleginnen und Kollegen um den Erfolg Während
in den Medien viel über eine Niederlage des Streiks und der IG Metall geredet
wird, während sofort über personelle Konsequenzen geschrieben wird, die jetzt
Peters und Düvel zu ziehen hätten, sollte man lieber festhalten, daß die
Kolleginnen und Kollegen, vor allem diejenigen, die den Streik geführt haben,
im Grunde um einen Erfolg gebracht worden sind. Und zwar von der eigenen Führung.
Gerade
als der Streik an einem entscheidenden Punkt angelangt war, wo er begonnen
hatte, seine Auswirkung auch auf Betriebe im Westen zu entfalten; wo entgegen
verschiedenen Betriebsratsfürsten aus Automobilwerken im Westen, die sich
in unerhörter arbeiteraristokratischer Art gegen die Streikenden und die
Forderungen zu stellen begannen, Solidarität und Unterstützung von
verschiedenen anderen Automobilwerken im Westen angesagt wurde, wurde der Streik
ziemlich plötzlich und abrupt aufgegeben. Und zwar von der IGM-Führung selbst
von ganz oben, namentlich Zwickel ging voran. Noch ehe ein Gremium der IG Metall
darüber beraten hatte, trat Zwickel damit an die Öffentlichkeit.Also wäre
auch er erstmal derjenige, der die Sache zu verantworten hat und Konsequenzen
ziehen müßte. Was
trieb denn Zwickel dazu, so schnell nach den gescheiterten Verhandlungen am 29.
6. in die Öffentlichkeit zu gehen und für den Abbruch des Streiks aufzutreten?
Noch hatte die IG Metall gar nicht ihre Möglichkeiten ausgespielt und alle zur
Verfügung stehenden Kräfte, die sich anboten, mobilisiert. Warum nicht das
ZF-Werk Brandenburg erstmal wieder in den Streik gehen lassen und den Druck erhöhen?
Warum nicht den Streik weiter ausdehnen, wie die IG Metall es selbst für den
Fall des Scheiterns der Verhandlung bereits angekündigt hatte? Und warum dann
nicht erstmal in der IG Metall in die Diskussion mit den Gremien gehen, warum
nicht mit der Tarifkommission, mit den Streikenden diskutieren: wie weiter? Und
warum nicht diesen Betriebsratsfürsten bestimmter Automobilwerke öffentlich
offensiv entgegentreten, und zwar während des Streiks, auch um dessen Schwächung
entgegen zu wirken, nicht erst hinterher? Es
ist schon bezeichnend, nichts dergleichen wird getan, und Zwickel wendet sich
stattdessen gerade an die Medien, an diejenigen, die den Streik die ganze Zeit
über verhetzt und verteufelt haben wie noch nie. Mit denen hält es Zwickel,
mehr als mit der eigenen Organisation. Noch bevor irgendein Gremium sich dazu geäußert
hatte, gibt er die "Empfehlung" zur Streikaufgabe über die Medien
vor, und die verkünden dann umgehend, daß der Streik zu Ende sei. Also:
Aufgabe von ganz oben vorgegeben. Daß
dies im direkten Interesse und Zusammenhang mit den hier herrschenden Kreisen
steht, geht auch aus Meldungen wie in der "Welt" hervor: "Am
Freitag bestellte der Kanzler IG-Metall-Chef Klaus Zwickel ins Amt. Das Gespräch
dauerte 30 Minuten. Wen würde es wundern, wenn Schröder den Gewerkschaftsboss
ultimativ aufgefordert hätte, mit dem unsinnigen Streik sofort aufzuhören."
Jetzt
wird versucht, alle möglichen Punkte anzuführen, die den Abbruch des Streiks
noch rechtfertigen sollen. Angeblich war die IG Metall nicht in der Lage, der
ablehnenden Haltung des Verbandes der sächsischen Metall- und Elektroindustrie
noch etwas entgegen zu setzen. Es ist schon lächerlich, wenn die IG Metall dem
Arbeitgeberverband, der ja Gegner ist, vorwirft, er hätte die Sache an die Wand
gefahren. Was erwarten die Leute eigentlich? daß das Kapital ihnen heute noch
etwas schenkt? Haben sie noch nicht begriffen, daß die Äußerungen, die gegen
sie gehen und immer frecher werden, ernst gemeint sind? Was
allerdings dabei die Weiterführung und Ausdehnung des Streiks betrifft, so hätte
das durchaus geschehen können. Bereitschaft dazu war in den Streikbetrieben, in
andern Betrieben und West- Betrieben vorhanden: "Die Herren aus Düsseldorf
haben sich doch einen Scheiss dafür interessiert, was wir wollten",
"Fast alle hier wollten weiter streiken, doch hat das Herrn Zwickel
interessiert?"(Kollege von DaimlerChrysler Ludwigsfelde). Und die Betriebsrätevesammlung
des VW-Konzerns erklärte ausdrücklich noch, daß ihre Belegschaften in den
alten Bundesländern bereit seien, den Arbeitskampf ihrer Kollegen durch
geeignete Aktionen zu unterstützen. Jetzt
nach dem 29. Juni behauptet Zwickel: "Wir haben keine Möglichkeit, die
Streiks auszuweiten". Und Hasso Düvel, der vor den Kollegen von ZF
Brandenburg noch davon sprach, eine "Schippe draufzulegen", sagt heute
im Nachhinein:"Wir beenden den Arbeitskampf an einem Punkt, da wir mit den
Arbeitgebern keinen Kompromiss erzielten und den Streik nicht so stark ausweiten
konnten, um den erforderlichen Einigungsdruck auf die Arbeitgeber zu
entwickeln". Das aber ist widerlegt durch die Bereitschaft der Streikenden
und die Unterstützung z.B. der VW-Betriebsräte. Außerdem hatte die IG Metall
ja selbst noch vor den Verhandlungen erklärt, sie wolle den Streik im Falle
mangelnder Lösungsbereitschaft der Gegenseite ausweiten. "Wenn wir am
Wochenende keine Lösung im Sinne eines festgelegten Stufenplans zur Einführung
der 35-Stunden-Woche erreichen, wird der Westen den Osten unterstützen - durch
außerordentliche Betriebsversammlungen und geeignete demonstrative Maßnahmen."
(Jürgen Peters) Das
alles aber war nicht mehr angesagt, nachdem Zwickel öffentlich mit den Medien
die Aufgabe des Streiks vorgegeben hatte. Das ist der Punkt. Man wollte selbst
nicht mehr weiter gehen. Dieser
Streik hatte sich weiter entwickelt, als es die IG Metall-Führung eingeplant
hatte. Mit GKN Zwickau, aber vor allem ZF Brandenburg spitzte sich der Streik
zu, und seine Wirkung, eine Druckwelle, traf auch Betriebe im Westen wie VW und
BMW. Nun war das aktive Eintreten von Belegschaften aus dem Westen in die
Auseinandersetzung auf der Tagesordnung und angesagt. Anders als eingeplant, dümpelte
der Streik plötzlich nicht mehr vor sich hin, sondern entfaltete eine Dynamik,
die, wenn sie weiterlief, nun auch Belegschaften im Westen mobilisieren würde,
und dann aus einem gemeinsamen Kampf zum einem Erfolg führen würde. Damit wäre
auch das gegenwärtige Bild durchbrochen worden, es gebe nichts außer Abbau.
Das kann den Herrschenden nicht in die politische Landschaft passen, in einer
Lage, wo bei ihnen Abbau, nochmals Abbau und Entrechtung auf der Agenda stehen,
das mußte abgebrochen werden. Und das tat die IG Metall-Führung, allen voran
ihr Mann Zwickel. Wie eng die Spitze der Gewerkschaftsführung mit dieser
Herrschaft verbunden ist, hat sich hier zwar nicht zum ersten Mal gezeigt, aber
in einer Deutlichkeit wie noch nie. Daraus müssen Konsequenzen gezogen werden
gerade auch für die zukünftigen Kämpfe, und man muß sich davon unabhängig
machen. Klas
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