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Metallerstreik in Ostdeutschland:

Nicht der Streik ist gescheitert! "in Wahrheit ist die Politik der Sozialpartnerschaft, die ständig Rücksicht auf die Profite nimmt, gescheitert."

Offener Brief an Klaus Zwickel

Im Anhang ist ein offener Brief an Klaus Zwickel, der innerhalb kürzester Zeit von 26 Kollegen der EKO Stahl GmbH und 17 ehemaligen Kollegen und Freunden unterstützt wurde. Dabei ist die Diskussion um den Brief und die schon gar nicht die Diskussion über die Richtung welche die Gewerkschaften bekommen beendet.

Leider wurde dieser Brief von Klaus Zwickel noch nicht beantwortet. Deshalb wollen wir auch dieses Forum hier benutzen, den Brief weiter bekannt zu machen. Es zeugt auch nicht von innergewerkschaftlicher Demokratie, wenn der Brief unbeantwortet bleiben sollte. Schon der Streik wurde einfach ohne Diskussion und Urabstimmung an der Basis abgebrochen. Wovor hat die Führung Angst gehabt ? Warum sollten die Kollegen über diese Kapitulation der Führung nicht befragt werden ?

In dem Brief und in den Diskussionen wird die Sorge über die Zukunft unserer Gewerkschaft ausgedrückt. Welche Richtung die Gewerkschaft nach Zwickels Kapitulation und Kniefall vor den Unternehmerverbänden gehen soll. Soll eine Denkweise in der Gewerkschaft Fuß fassen in der Verschlechterungen als unvermeidlich dargestellt werden und ein Gefühl der Ohnmacht entstehen, "da kannst Du eh nichts mehr machen".

Nicht wie Klaus Zwickel behauptet: "Der Streik ist gescheitert." Sondern in Wahrheit ist die Politik der Sozialpartnerschaft die ständig Rücksicht auf die Profite nimmt gescheitert. Das ständige rummauscheln der Gewerkschaftsführer mit den Unternehmerverbänden und Politikern ist gescheitert. Gescheiter ist auch die zurückhaltende Streiktaktik, die zu keinem Zeitpunkt die volle gewerkschaftliche Kampfkraft eingesetzt hat.

Wir fragen uns, ob eine Niederlage gewollt ist ? Weil ist es etwa Zufall, dass der Streikabbruch einen Tag nach dem Treffen der Gewerkschaftsführer mit Kanzler Schröder erfolgte und Zwickels Geheimtreffen mit Kannegießer ?

Die Gewerkschaft ist das wozu wir sie machen. Gerade der Streik und die beginnende Solidarität, haben doch gezeigt, dass die Gewerkschaft erst dann für die Menschen anziehend ist, wenn sie kämpft, für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Gleichzeitig kann dieser Kampf auch nur offensiv geführt werden wenn er die Perspektive für ein befreite Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung bekommt. Denn erkämpfe Reformen und Verbesserungen werden uns in diesem System immer streitig gemacht.

Dabei ist doch klar das die Gewerkschaften auch mit Gegenwind aus dem Unternehmerlager, ihren Politikern und Medien rechnen müssen. Ohne Widerstand ist nichts zu haben.

Mit freundlichen Grüssen Torsten Vertrauensmann der EKO Stahl in Eisenhüttenstadt im Namen von 43 Kollegen

Anhang:

Eisenhüttenstadt den 30.06.03

Offener Brief an Klaus Zwickel

Die Kapitulation bei Metall - Elektro ist mehr als nur eine Ohrfeige für uns Kollegen !

Schon den Abschluss bei Stahl hat ein großer Teil von uns Kollegen mit Bauchschmerzen entgegengenommen. Nur 59,7 % für diesen Kompromiss bei 76 % Beteiligung sprechen Bände.

Noch vorige Woche hast Du erklärt: "Wenn die Verhandlungen am Wochenende scheitern, dann wird der Streik ausgeweitet." Und jetzt erklärst Du den Streik einfach für gescheitert.

Dabei wurde die gewerkschaftliche Kampfkraft noch gar nicht voll entfaltet. Einige Bezirke wurden sogar ganz aus dem Tarifstreik raus gehalten. Der Streik begann doch erst gerade zu wirken, indem die Bänder bei BMW und VW angehalten werden mussten. Das ist doch Sinn und Zweck eines Streiks, das er dem Kapital weh tut !

Selbst Verhandlungsführer Hasso Düvel schrieb in den Streiknachrichten Nr.13: "Je länger unser Streik dauert und je größer unsere Solidarität ist, umso nervöser werden die Arbeitgeber."

Warum dann Dein Kniefall und diese ständige Rücksicht auf die Profite der Konzerne ?

Wir denken das dieser Streikabbruch auch weitreichende Folgen für unsere gewerkschaftliche Arbeit in den Betrieben haben wird. Diese Entscheidung bedeutet die Aufgabe des Flächentarifvertrages in Ostdeutschland und somit die Spaltung der einzelnen Belegschaften, durch Haustarife. Das wiederum wird die Unternehmerverbände weiter ermutigen ihre Angriffe auf uns zu beschleunigen. Weitere Arbeitsplatzvernichtungen sind schon vorgesehen.

Einer der vier Streikgründe war doch nach 13 Jahren Deutsche Einheit Gerechtigkeit herstellen, bei Löhnen und Arbeitszeit. Jetzt wird die Ungleichheit der Arbeits- und Lebensbedingungen in Deutschland zementiert. Ist das so gewollt ? (siehe Anmerkung des Webmaster)

Gleichzeitig wird mit diesem Entschluss versucht, aus unserer Gewerkschaft einen zahnlosen Papiertiger zu machen, wir brauchen aber eine Gewerkschaft die kämpfen kann. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass weitere massive Einschnitte ins Sozialsystem und Tarifrecht durch die Schröderregierung vorgesehen sind. Sollte es wirklich so sein, dass Dir das sozialdemokratische Hemd näher sitzt als der Arbeitsanzug der Kollegen, von denen Du gewählt worden bist ?

Wie viele Gewerkschafter machen wir uns Sorgen, um die weitere Zukunft unserer Gewerkschaft. Der Streik hat doch bewiesen, dass trotz aller Medienhetze die Gewerkschaft für die Masse der Kollegen erst dann anziehend wirkt, wenn sie kämpft.

Sicher, man kann nicht in jedem Kampf seine Ziele maximal erreichen, wir aber hatten noch nicht einmal alle Trümpfe ausgespielt. Deshalb halten wir an der 35 Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich im Osten fest, als wirksame Maßnahme die Massenarbeitslosigkeit hier zu bremsen.

Wir bitten Dich daher, das Du uns gegenüber öffentlich und schriftlich Stellung nimmst, wie es zu diesem Streikabbruch kommen konnte.

Mit kämpferischen Grüssen (erst einmal 43) Kollegen und Freunde der EKO Stahl GmbH

Anmerkung des Webmasster:

Hier irren die Kollegen Kollegen von EKO-Stahl. Die Ungleichheit soll nicht zementiert werden, es sollen nicht die unterschiedlichen Löhne in Ost und West beibehalten werden, die Ungleichheit der Arbeits- und Lebensbedingungen sollen beseitigt werden. Allerdings auf dem niedrigerem Niveau des Ostens.

Wir werden es in den nächsten Monaten erleben. Verstärkt werden die Rechte der Lohnabhängigen weiter beschnitten, noch mehr Entlassungen und Billigarbeitsplätze, schlechtere Arbeits- und Lebensbedingungen.

Schon geht es los:

- Stoiber hat schon ins Sommerloch geblökt, man müsse die Arbeitszeit im Westen verlängern.

- Der oberste Kapitalistenvertreter mischt sich ein, wer IGM-Chef werden solle.

- desgleichen Gerhard Schröder.

Und es ist der Gewerkschaftsführung gelungen, einen Keil zwischen Ost- und Westkollegen zu treiben. Die im Osten sind demoralisiert, die im Westen beschimpfen ihr Ostkollegen, weil sie das verlangen, was die im Westen schon haben.

Gewollt oder nicht gewollt? Ich fürchte, es war gewollt und Zwickel war der Handlanger der Harzt und Rürupps.

Man beachte: Das Geld für die Sozialeistungen fehlt, man können den Sozialstaat nur rettenm wenn man die Leistungen abbaut - tönt es von den Kanzeln der Pfaffen. geifert das Geschwätz der Regierung, stellen die Nadelstreifenherrn der Unternehmen cool fest. Der Staat sei pleite. 

Und in dieser Situation peitscht die Regierung ein Gesetz durch, das sie Steuerreform nennt, tatsächlich aber den Superreichen riesige Steuergeschenke macht.

Der Rote Webmaster

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