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Anhang:
Eisenhüttenstadt
den 30.06.03
Offener Brief an
Klaus Zwickel
Die Kapitulation
bei Metall - Elektro ist mehr als nur eine Ohrfeige für uns Kollegen !
Schon
den Abschluss bei Stahl hat ein großer Teil von uns Kollegen mit
Bauchschmerzen entgegengenommen. Nur 59,7 % für diesen Kompromiss bei
76 % Beteiligung sprechen Bände.
Noch
vorige Woche hast Du erklärt: "Wenn die Verhandlungen am
Wochenende scheitern, dann wird der Streik ausgeweitet." Und
jetzt erklärst Du den Streik einfach für gescheitert.
Dabei
wurde die gewerkschaftliche Kampfkraft noch gar nicht voll entfaltet.
Einige Bezirke wurden sogar ganz aus dem Tarifstreik raus gehalten. Der
Streik begann doch erst gerade zu wirken, indem die Bänder bei BMW und
VW angehalten werden mussten. Das ist doch Sinn und Zweck eines Streiks,
das er dem Kapital weh tut !
Selbst
Verhandlungsführer Hasso Düvel schrieb in den Streiknachrichten Nr.13:
"Je länger unser Streik dauert und je größer unsere Solidarität
ist, umso nervöser werden die Arbeitgeber."
Warum
dann Dein Kniefall und diese ständige Rücksicht auf die Profite der
Konzerne ?
Wir
denken das dieser Streikabbruch auch weitreichende Folgen für unsere
gewerkschaftliche Arbeit in den Betrieben haben wird. Diese Entscheidung
bedeutet die Aufgabe des Flächentarifvertrages in Ostdeutschland und
somit die Spaltung der einzelnen Belegschaften, durch Haustarife. Das
wiederum wird die Unternehmerverbände weiter ermutigen ihre Angriffe
auf uns zu beschleunigen. Weitere Arbeitsplatzvernichtungen sind schon
vorgesehen.
Einer
der vier Streikgründe war doch nach 13 Jahren Deutsche Einheit
Gerechtigkeit herstellen, bei Löhnen und Arbeitszeit. Jetzt wird die
Ungleichheit der Arbeits- und Lebensbedingungen in Deutschland
zementiert. Ist das so gewollt ?
(siehe Anmerkung des Webmaster)
Gleichzeitig
wird mit diesem Entschluss versucht, aus unserer Gewerkschaft einen
zahnlosen Papiertiger zu machen, wir brauchen aber eine Gewerkschaft die
kämpfen kann. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass weitere massive
Einschnitte ins Sozialsystem und Tarifrecht durch die Schröderregierung
vorgesehen sind. Sollte es wirklich so sein, dass Dir das
sozialdemokratische Hemd näher sitzt als der Arbeitsanzug der Kollegen,
von denen Du gewählt worden bist ?
Wie
viele Gewerkschafter machen wir uns Sorgen, um die weitere Zukunft
unserer Gewerkschaft. Der Streik hat doch bewiesen, dass trotz aller
Medienhetze die Gewerkschaft für die Masse der Kollegen erst dann
anziehend wirkt, wenn sie kämpft.
Sicher,
man kann nicht in jedem Kampf seine Ziele maximal erreichen, wir aber
hatten noch nicht einmal alle Trümpfe ausgespielt. Deshalb halten wir
an der 35 Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich im Osten fest, als
wirksame Maßnahme die Massenarbeitslosigkeit hier zu bremsen.
Wir
bitten Dich daher, das Du uns gegenüber öffentlich und schriftlich
Stellung nimmst, wie es zu diesem Streikabbruch kommen konnte.
Mit
kämpferischen Grüssen (erst einmal 43) Kollegen und Freunde der EKO
Stahl GmbH
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