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»Blut
auf dem Polster des Jeep«
Brief
eines Kollegen des DaimlerChrysler-Arbeiters Myles Meyers, der vor einem
Monat im Jeep-Werk in Toledo Amok lief. Er ist Teil eines 40seitigen
USA-Dossiers, zusammen mit einem »Gespräch über den Mord in Toledo am
Tag danach«, einer Analyse von George Caffentzis zum Zusammenhang von
»War on terror und Klassenkampf«, einem Artikel zu den »US-Wahlen und
dem republikanischen Proletariat« und weiteren Beiträgen.
Quelle:
wildcat
George
Windaus Brief zu Jeep/Meyers:
Am
Mittwoch, dem 9. Februar 2005, wurde ich ins Labor-Relations-Büro1
des KJ-Jeep-Werks in Toledo, Ohio gerufen. Anwesend waren von der
Gewerkschaft der Vorsitzende Dan Henneman und Fritz Edwards vom Komitee
für Fachberufe sowie als Zeuge das Gewerkschaftsmitglied James
Jefferson, um dessen Anwesenheit ich gebeten hatte. Von Labor Relations
waren außerdem noch Tom Maxon und Jean Hathaway anwesend. Maxon sagte
mir, dass Kopien eines Briefes mit meinem Namen darauf in verschiedenen
Chrysler-Werken herumgegeben würden, aber er wollte nicht genau sagen,
in welchen Fabriken in Detroit dieser »Brief« herumging, obwohl er
eine Kopie hatte, die ihm von irgendwo her gefaxt worden war. Laut Maxon
gingen auch bei Jeep Kopien herum. Mir wurde aber nicht vorgeworfen,
diese »Briefe« verteilt zu haben. Ich bekam zwei Versionen eines
Briefs vorgelegt und wurde gefragt, ob ich sie geschrieben hätte. »Nein«,
antwortete ich, weil die Briefe gegenüber dem exakten Wortlaut, den ich
in einem Brief an Labor Notes geschrieben hatte, leicht geändert
worden waren (mit Zwischenüberschriften und anderer Großschreibung).
Dazu
sei gesagt, dass die Briefe, die angeblich in Umlauf gebracht worden
waren, im Labor Notes-Magazin veröffentlicht werden sollten,
aber noch im Überarbeitungsstadium waren, weil »Nachrecherchieren«,
Rechtschreibung und andere Korrekturen noch liefen. Das Verhör im Labor
Relations Office bei Jeep sollte mir Angst machen und mich einschüchtern
(mit Erfolg), weil ich erzählt hatte, was ich weiß und gesehen habe.
Ein UAW-Funktionär2 rief beim Labor Notes-Magazin an
und sagte ihnen, sie sollten meinen Brief nicht abdrucken. Ich behaupte
nicht, ich wüsste alles über die Schießerei bei Jeep am 26. Januar
2005. Die, die am meisten wissen, sagen am wenigsten. Deshalb müssen
die, die etwas wissen, alles sagen, was sie wissen. Die
Automobilarbeiter, die Familien der Opfer und die Öffentlichkeit müssen
die Wahrheit kennen und fordern, dass DaimlerChrysler auf wichtige
Fragen wahrheitsgemäße Antworten gibt und diesen schrecklichen Vorfall
nicht einfach unter den Teppich kehrt.
DaimlerChrysler
will die Welt glauben machen, Fragen und Probleme in Myles Meyers‘
Privatleben außerhalb der Arbeit seien der Grund, warum er Amok lief
und Leute erschoss. Es bleibt aber eine Tatsache, dass er niemanden außerhalb
des Jeep-Werks verletzt hat, nur innerhalb der Fabrik.
Brief
an Labor Notes:
Am
Mittwoch, dem 26. Januar 2005, kam Myles Meyers, ein 54 Jahre alter
Arbeiter aus der zweiten Schicht, vier Stunden zu spät zur Arbeit. Laut
Jeep-Werkschutz hat er um 20.33 Uhr während der normalen Essenspause
der zweiten Schicht eingestempelt. Als er durch die Sicherheitsdrehtür
kam, hatte er eine doppelläufige Schrotflinte Kaliber 20 unter seinem
langen schwarzen Mantel. Sie war in einer Schlaufe aus Elektrokabel
unter seinem Mantel befestigt. Myles ging direkt zu den Leitungsbüros
des KJ-Karosseriewerks, wo die meisten Chefs, wie er wusste, am Essen
waren. Im Büro sah er eine Lager-Chefin namens Yiesha Martin und zog
sein Gewehr heraus. Er befahl Yiesha, Roy Thacker und Mike Toney über
Sprechfunk ins Büro zu rufen. Da Yiesha beim Anblick des Gewehres Angst
bekam, tat sie wie befohlen und drängte Roy und Mike übers Radio »Kommt
sofort her!« Ein Chef aus der Wartung ging versehentlich auf Myles zu,
Myles hob sein Gewehr, zielte auf ihn und sagte: »Gehen Sie weg, das
betrifft Sie nicht!« Dieser Chef aus der Wartung ging sofort hinaus und
gab über den Sprechfunkkanal der Wartung bekannt, dass ein Mann mit
einem Gewehr im Büro der Karosseriewerks sei.
Sobald
Roy Thacker, Myles‘ unmittelbarer Vorgesetzter, ins Büro kam, hob
Myles sein Gewehr und feuerte aus einer Entfernung von sechs bis neun
Metern mit Rehposten-Schrot, wobei er Roy in die Seite und in die Brust
traf. Dann lief Mike Toney, der Bereichsleiter der zweiten Schicht, der
nur einen Meter hinter Roy gewesen war, um sein Leben. Roy brach direkt
vor dem Büro verwundet zusammen und Myles schoss noch mal aus nächster
Entfernung auf den am Boden liegenden Roy. Mike Toney rannte aus dem Büro
hinaus in den Produktionsbereich des Werks. Myles ahnte, wohin Mike
Toney lief, und ging in den Hauptgang des Karosseriewerks. Dort blieb er
stehen und spähte durch das Glasfenster der Tür zum Gewerkschaftsbüro,
das direkt neben dem Leitungsbüro des KJ Karosseriewerks liegt. Myles
sah niemanden von seiner Abschussliste im Gewerkschaftsbüro und
bedrohte niemanden im Gewerkschaftsbüro. Myles ging den Hauptgang
hinunter zur »Panel Line« [hier montieren ArbeiterInnen Türen und Rückklappen].
Das nächste Opfer war Paul Medlen, ein Gruppenleiter, von dem Myles
glaubte, er hätte ihn verpetzt. Nachdem Myles Paul Medlen angeschossen
hatte, kam Mike Toney in Sicht, der senkrecht zu Myles Laufrichtung
rannte. Myles schoss auf den Chef, der ihn monatelang gepeinigt hatte,
und verwundete Mike Toney am Arm. Augenzeugen beschrieben Myles als
einen Mann mit nacktem Oberkörper und einem um den Hals gehängten
Teddybär, der ein Gewehr trug und den Gang an der Panel Line entlang
ging, während Paul Medlens klagende Stimme über den Sprechfunk dröhnte
und flehte: »Hilfe, ich bin angeschossen.«
Myles
ging weiter den Gang an der Panel-Line entlang und suchte Carrie
Woggerman, die junge Vorgesetzte, die ihm immer auf den Fersen gewesen
war, die ihn überwacht hatte und ihn bis vor die Herrentoilette und
wieder zurück verfolgt hatte (in der Hoffnung, vielleicht den Duft des
Marihuana zu riechen, das Myles auf der Herrentoilette geraucht haben könnte).
Einige Arbeiter erzählten mir, dass Myles die »Ablösung« (ein
Gruppenleiter macht deine Arbeit weiter) verweigert worden war, wenn er
auf Toilette gehen wollte. Carrie hatte auf Anweisung von Roy Thacker
und Mike Toney detaillierte Aufzeichungen über Myles Meyers angelegt,
wohin er im Werk ging, was er bei seiner Arbeit tat und so weiter. Myles
hat Carrie, eine 24jährige Bandabschnittsleiterin, nie gefunden. Mit
Hilfe eines Facharbeiters namens Jim Garn, eines Betriebsingenieurs
namens Jeff Beery und einem Werkzeugmacher-Chef namens Brad Wolfe kam
sie weg. Um 21 Uhr an jenem schicksalhaften Mittwochabend war Myles zurück
ins Leitungsbüro gegangen, hatte sich in eine Nische gesetzt, sein
Gewehr mit einer Ein-Unzen-Hirschladung geladen und es in seinen Mund
gerichtet. Myles‘ Blut und Gehirnmasse spritzten fast zehn Meter weit
und befleckten alle Schreibtischnischen an der Nordseite des Leitungsbüros.
Miles hat Carrie, die sein drittes Opfer werden sollte, nie erwischt.
Anscheinend
konnte das Management des Karosseriewerks Myles nie beim Rauchen oder im
Besitz von Marihuana erwischen, wie viele Stunden sie ihm auch hinterher
liefen oder ihn bei der Arbeit überwachten. Sie hatten monatelang
versucht, Myles irgendwie eine Disziplinarstrafe anzuhängen, nur weil
Roy Thacker meinte, er hätte letzten November an Myles Marihuana
gerochen. Ich glaube nicht, dass das Management außer Roy Thackers
Anschuldigung, er hätte Marihuana an Myles oder an dessen Arbeitsplatz
gerochen, jemals echte Beweise hatte. Die Gewerkschaft rettete Myles
seinen Job, und das Management des Karosseriewerks war richtig sauer.
Mike Toney war entschlossen, Myles eine Disziplinarstrafe zu verpassen,
obwohl sie nirgends greifbare Beweise für Marihuana fanden, um Myles
ein Drogenverfahren anzuhängen. Ich weiß, dass Myles gebeten wurde,
sich einem Urintest auf Drogen zu unterziehen, aber ob er wirklich so
einen Test gemacht hat, weiß ich nicht. Ich weiß nicht, ob Myles eine
Disziplinarstrafe bekam, weil er so einen Test verweigerte. Ich weiß
aber, dass anderen Arbeitern mit Disziplinarstrafen gedroht wurde, wenn
sie so einen Test verweigerten.
Der
Kampf zwischen Myles Meyers und Mike Toney wurde heftiger, als Myles
angeblich und versehentlich Mike Toney mit der Frau eines anderen
Arbeiters auf dem Schoß in einem Büro erwischte. Ich weiß nicht, ob
überhaupt eine sexuelle Affäre stattgefunden hat, aber wir wissen,
dass Myles dem Ehemann der Frau (einem Freund von Myles) und der Labor
Relations-Abteilung im Jeep-Werk von einer angeblichen außerehelichen
Affäre berichtete. Damit Mike Toney Probleme bekam, reichte es, dass
Myles Meyers über diese angebliche außereheliche Affäre redete, egal
ob diese Affäre tatsächlich stattgefunden hatte oder nicht. Außerdem
hatte Mike Toney die Angewohnheit, Myles direkt am Arbeitsplatz vor
anderen Arbeitern anzugehen, die damit zu Zeugen hitziger Diskussionen
zwischen einem niederen »Tech One«-Arbeiter und einem mächtigen
Bereichsleiter wurden. Ich habe gehört (weiß es aber nicht sicher),
dass Mike Toney für diese direkten Konfrontationen gerüffelt wurde und
von jemand Höhergestelltem den Rat bekam, seine Überwachungskampagne
gegen Myles Meyers zu delegieren. Und so wurden tragischerweise Roy und
Carrie zu Werkzeugen von Mike Toneys Wut auf Myles Meyers.
Bald
nachdem Myles Mike Toney in der Öffentlichkeit beschuldigte, etwas mit
der Frau eines anderen zu haben, schaffte das Jeep-Management Myles‘
Arbeitsplatz als Fachmann für Notfallreparaturen ab. Meinem Gefühl
nach war das eine »Abschaffung des Arbeitsplatzes als Strafe«, und ich
kenne weitere Beispiele von »Arbeitsplatzstreichungen als Strafe«, um
Arbeiter bei Jeep zu bestrafen. Dazu muss man wissen, dass es bei Jeep
vielleicht gerade mal ein halbes Dutzend Arbeiter gibt, die das können,
was Myles als Reparateur machte, und die das auch noch so schnell können
wie Myles. Als das Jeep-Management im Sommer davor einige Jobs in der
Qualitätskontrolle abgeschafft hatte, waren hunderte von Jeep
Liberty-Karossen mit defekten Karosserieteilen aus einem der Stanzwerke,
die die Jeep-Fabrik beliefern, gebaut und lackiert worden. Myles und
mehrere andere Reparateure arbeiteten damals lange Zwölfstundenschichten,
um die mehreren hundert mit falschen Stanzungen gebauten (und
lackierten) Jeep-Karossen (die meiner Meinung nach etwa eine Million
Dollar wert waren) zu reparieren. Aber das Management war nicht mehr
dankbar für die zusätzlichen Anstrengungen, die Myles in seine Arbeit
gesteckt hatte, um hunderte von Jeeps zu retten. Jetzt war Myles Meyers
eine Zielscheibe; er war ein angeblicher Kiffer, und mit seinen
Anschuldigungen gegen Mike Toney wegen der Frau eines anderen verfolgte
ihn Mike Toney wie eine persönliche Zielscheibe.
Nachdem
das Jeep-Management Myles‘ Reparaturjob gestrichen hatte, versetzten
sie ihn an einen anderen Arbeitsplatz (ich habe gehört, dieser zweite
Arbeitsplatz sei an der Framing-Linie [Roboter verschweißen die
Bodengruppe mit den Seitenteilen und dem Dach] gewesen, aber das weiß
ich nicht sicher), in der Hoffnung, sie könnten ihn wegen schlechter
Arbeitsleistung abmahnen. Aber Myles leistete an der Framing-Linie gute
Arbeit, so dass sie ihn nicht wegen schlechter Arbeitsleistung abmahnen
konnten. Also, habe ich gehört, strich das Management auch diesen Job
(ich habe gehört, es sei an der Framing-Linie gewesen) und versetzte
Myles (einen Arbeiter mit über zwanzig Jahren Betriebszugehörigkeit)
zum Schweißtunnel, wo er Reparaturen schweißen und die Autos
auf fehlerhafte Teile untersuchen sollte. Das Interessante an Myles‘
letztem Arbeitsplatz im Schweißtunnel ist, dass zwar laut Zeitvorgabe für
den Platz nur ein Arbeiter vorgesehen ist, aber speziell wenn die
Roboter nicht richtig funktionieren und sehr viele Schweißnähte
repariert oder verstärkt werden müssen (»weld containment«), oft
zwei Arbeiter nötig sind, nämlich auf jeder Seite des Fließbands
einer. Myles sollte also auf beiden Seiten des Fließbands Reparaturen
schweißen und gleichzeitig auch noch die Jeep-Karossen auf fehlerhafte
Teile untersuchen. Anscheinend sind am Dienstag, dem 25. Januar, zwei
Jeeps mit fehlerhaften Motorhauben versehentlich in die Lackiererei
statt in die Nachbearbeitung gegangen. Offiziell war Myles dafür zuständig,
den QU-70-Code in den Computer einzugeben, um diese Autos mit
fehlerhaften Teilen umzuleiten. Aber Myles protestierte, sein Chef hätte
ihm die Anweisung gegeben, alle Autos, die in den Schweißtunnel kamen,
»abzunehmen« (zu akzeptieren) und nur die Schweißreparaturen durchzuführen.
Man fragt sich, ob nicht in jener Nacht ein zweiter Schweißer Myles hätte
helfen müssen.
Am
Dienstag, dem 25. Januar 2005, wurde Myles gegen 21 Uhr wegen des
Problems mit den zwei Motorhauben von seinem Arbeitsplatz zum Management
geholt. Mehrere Zeugen, die am Büro vorbeigingen, haben berichtet, dass
sie Schreierei und harte Worte in beide Richtungen hörten. Ein
Elektriker hat berichtet, er hätte Myles und Roy Thacker direkt vor dem
Büro, in dem Myles gerügt wurde, laut streiten gehört. Das
widerspricht den offiziellen Medienberichten, wonach dieses Treffen in völlig
einvernehmlicher/freundlicher Stimmung verlaufen sein soll. Die Medien
haben gemeldet, am Ende des Treffens habe man sich die Hand gegeben und
gelächelt, aber die offizielle Darstellung (der Ereignisse am 25.
Januar) scheint mir verdächtig. Nach dieser disziplinarischen
Besprechung erzählte Myles seinen Freunden, dass jemand aus dem
Management gedroht habe, ihm den »Tech One«-Status als Fachschweißer
und -hartlöter und Blechspezialist zu entziehen. Ich weiß nicht, wie
lange diese Besprechung dauerte, aber um 23.30 Uhr berichtete mir ein
Facharbeiter, der gerade nach Hause ging, Myles sei immer noch im Büro
und würde »durch die Mangel gedreht«. Wir wissen also, dass dieses
Treffen mindestens zwei Stunden oder länger dauerte. Von einigen Leuten
habe ich gehört, das Treffen hätte noch weitere drei Stunden gedauert,
aber das weiß ich nicht sicher. Ich weiß nicht, ob am Dienstag, dem
25. Januar 2005, eine Disziplinarstrafe gegen Myles verhängt wurde.
Aber enge Freunde von Myles haben berichtet, Myles hätte den Eindruck
gehabt, dass er im März gefeuert werden würde, sobald er eine kurze
Haftstrafe wegen Besitz einer geringen Menge Marihuana in Michigan
antreten würde.
Am
nächsten Abend, am Mittwoch, den 26. Januar 2005, kam Myles vier
Stunden zu spät zum Parkplatz des Karosseriewerks. Er zog sein Hemd aus
und legte einen zurechtgebastelten Drahtgurt als Schlinge für sein
Gewehr um. Den Teddybär benutzte er als Kissen, damit ihn die Drähte,
die sich unter dem Gewicht der daran hängenden Schrotflinte straffzogen,
nicht schmerzhaft in den Nacken schnitten. Myles zog einfach seinen
langen schwarzen Mantel über seinen hemdlosen Oberkörper und kam
herein und suchte Roy Thacker, Mike Toney und die 24jährige
Bandabschnittsleiterin Carrie Woggerman.
Als
Myles und Roy tot waren (Roys Tod in der Fabrik wurde gegen 21 Uhr über
den Funkkanal der Wartungsabteilung verkündet) und die beiden
verletzten Männer (Paul und Mike) ins Krankenhaus gefahren worden
waren, kam die Polizei von Toledo und trieb alle Beschäftigten des
Karosseriewerks in einen Bereich von Halle 5 des Karosseriewerks. Als
wir da alle zusammen standen, Arbeiter und Chefs, ohne Rang- oder
Gehaltsgruppenunterschiede, kam ein Chef aus der Wartung namens Jim
Bender zu zu mir und sagte: »Warum erschießen diese Verrückten immer
ihre Chefs, George?«
Ich
antwortete nur: »Tja, ich weiß nicht, Jim! Denk doch mal selbst nach!«
Am
Dienstag, den 1. Februar 2005 brachte die Toledoer Zeitung Blade
ein Editorial, in dem das DaimlerChrysler-Management gebeten wurde, sie
sollte sich den Jeep-Arbeitern gegenüber ein bisschen zurückhalten und
aufhören, durch lange Arbeitstage und -wochen mit angeordneten Überstunden
für übertriebenen Arbeitsstress zu sorgen.
Ich
bitte das Jeep-Management, sich mir gegenüber »zurückzuhalten«. Wenn
jemand nach bestem Wissen die Wahrheit sagt, dann sollte man ihm Beifall
zollen und ihn nicht verhören und einschüchtern wie mich. Die
lebensfeindliche Arbeitsatmosphäre, die heute bei Jeep in Toledo
herrscht, rührt meiner Meinung nach von den Strategien des
Jeep-Managements (Strafversetzungen, Arbeitsüberlastung, Überwachung während
der Arbeit, Schnüffelei und Verhöre) und ihrer Hinnahme der Tatsache
her, dass Vorgesetzte ihre Autorität missbrauchen. Das Problem der
Gewalt am Arbeitsplatz muss meiner Meinung nach eingehend untersucht
werden, und nicht einfach ignoriert oder zusammen mit den Toten
begraben.
Ich
trauere um Roy Thacker, den ich für einen guten Mann und korrekten
Vorgesetzten gehalten habe, als ich bei ihm gearbeitet habe. Ich trauere
um Myles Meyers, der mich als guter Mann und talentierter Arbeiter
beeindruckte. Meiner Meinung nach wirkte Myles Meyers wie ein Mann, der
vieles hatte, wofür es sich zu leben lohnte. Er prahlte ständig mit
seinen Kindern, war immer am Lächeln, hatte immer einen Scherz auf den
Lippen und erzählte viel über seine Verlobung mit einer Frau, die er
liebte. Ein Arbeiter, der eng mit Myles befreundet war, sagte: »Myles
war unser ›Klassenclown‹, er hat uns immer zum Lachen gebracht.«
Ein Arbeiter, der Myles Meyers kannte und mochte, wurde wütend über
das negative Bild, das die örtlichen Medien über Myles in die Welt
setzen. »Warum sagt denn die Gewerkschaft nichts über Myles?«, fragte
er mich. »Die Gewerkschaft weiß, was sie (das Management) Myles
angetan haben. Warum sagen sie (die Gewerkschaft) nicht die ganze
Wahrheit?« Ich konnte ihm nur sagen: »Ich weiß es nicht.«
George
Windau, Betriebsschlosser, 2. Schicht, KJ Karosseriewerk, Montagewerk
Toledo North.
Fußnoten:
1
Labor Relations: Firmenabteilung zur Verbindung und Verhandlung
mit den Gewerkschaften.
2
UAW: United Auto Workers (Automobilarbeitergewerkschaft). |