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aus einem Leserbrief

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"Mir fällt dazu ein, was Tucholsky 1930 über die Anziehungskraft der SPD mitteilte. Ein älterer, leicht beschwipster Herr torkelt vom Wahlkampfzelt zurück nach Hause und überlegt sich, wen er wohl wählen wird. Er entscheidet sich schließlich für die SPD. Begründung: "Das gibt so ein beruhigendes Gefühl. Man bildet sich ein, man tut was für die Revolution, und man weiß doch ganz bestimmt, mit dieser Partei kommt die Revolution nie." Nun sorgt eben ATTAC für das "beruhigende Gefühl".

Die Faszination von Attac – 

oder Des Kaisers neue Kleider

Von Gerd Höhne

Es ist unglaublich, was Attac-Fürsten so an Geschwätz fabrizieren, noch unglaublicher ist es, dass da gestandene Menschen, die seit Jahren politisch aktiv sind, dieses Geschwätz nicht erkennen und willig Mitglied bei Attac sind und diesen Verein als das Non-plus-ultra ansehen. Dabei ist es gar nicht schwer zu erkennen, dass alles bei Attac nur Schein ist

Da schreibt z.B. Sven Giegold, einer der Oberattacisten, als Anlage der Internet-Präsenz von Sabine Christiansen: „Aufstehen, damit es endlich besser wird!“ Mit diesem Slogan ruft Attac an diesem Samstag erstmals - zusammen mit Gewerkschaften, Sozialverbänden und anderen Organisationen der Zivilgesellschaft - auf zur Teilnahme an den Demonstrationen in Berlin, Köln und Stuttgart.

Mit Verlaub: Nicht Attac hat aufgerufen! Wenn ich mich nicht irre, der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) ergriff die Initiative und die Parole „„Aufstehen, damit es endlich besser wird!“ ist eine Parole des DGB, nicht von Attac.

Attac versucht überall, wo sie meinen, dass es sich lohnt, als Trittbrettfahrer mitzumischen und dann so zu tun, als seien sie es, die alles machen und die Fäden in der Hand haben. Man muss nicht Anhänger der Politik der Gewerkschaftsführung sein um der Überzeugung zu sein, dass Gewerkschaften notwendige unverzichtbare Organisationen sind. Ohne sie wäre der abhängig Beschäftigte wehrlos dem Kapital ausgeliefert. Aber Attac?

Ich kenne einen eingefleischten Attacisten, allerdings einer vom Fußvolk. Der schwärmte vom Fernsehauftritt des Attac-Fürsten Sven Giegold am 4. April bei der Polit-Domina Sabine Christiansen. Es ist der selbe Giegold, der vor einem Jahr mit der feindlichen Übernahme der Friedensbewegung drohte und sich eine schallende Maulschelle einhandelte.(siehe[1] und [2]) Der, so schwärmte mein Attac-Wasserträger, habe einen hervorragenden Auftritt im Fernsehen gehabt. Hat er das wirklich? Nun, sehen wir uns an, was Giegold so von sich gab.

„Und die Alternative aus unsere Sicht ist, statt dass ein Land nach dem anderen seine Sozialstandards im Druck von Europäisierung und Globalisierung abbaut ist, dass wir endlich soziale Standards auf europäischer Ebene einziehen...“[3]

Scheint richtig zu sein, aber doch sehr allgemein. Was meint er mit „dass wir endlich soziale Standards auf europäischer Ebene einziehen...“ Ich will Giegold nicht unterstellen, dass er die Slowakei als Maßstab der Standards nehmen will. Aber was dann? Es ist eine nichtssagende Luftblase!

Aber weiter Giegold: „Die Menschen begreifen langsam und immer mehr, dass das eine zutiefst interessensgeleitete Politik ist.“ Unrecht hat er da nicht, aber Giegold  hat das Rad neu erfunden, denn der Marxismus sagt schon immer, dass Politik die Durchsetzung von Klasseninteressen ist. Giegold dagegen erweckt den Eindruck, man müsse nur an die Einsicht der Herrschenden so oder so appellieren, und Politik werde klassenneutral. Genau das aber behaupten auch die Apologeten der bürgerlichen Politik. Es ginge ihnen um die Sicherung des Sozialstaats und um die Zukunft unserer Kinder und weiteres Zeug mehr. Sie weisen es weit von sich, Politik für eine bestimmte Klasse zu machen. Aber das herauszufinden ist nicht einmal schwer.

Giegold meint, die Herrschenden könnten wirklich Politik für die unteren Schichten machen. Der Marxismus hingegen meint, dass es sich hier um eine Form des Klassenkampfes handelt. Nicht Appelle an die Vernunft der Herrschenden nützen, sondern nur die geballte Faust. Oder anders: „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.“ Genau das aber will Attac nicht, wie es sich beim Eklat am 16, Januar 2004 in Frankfurt am Main bei einer Konferenz zur Vorbereitung der Aktionstage am 2. und 3. April zeigte.

Weiter Giegold: „Und aus meiner Sicht ist ihre Vision, nämlich die Löhne am unteren Ende zu drücken, die wird uns nicht helfen diese 7 Millionen Arbeitsplätze zu bekommen. Wenn die Produktivität immer weiter steigt, dann müssen wir auch wieder über Arbeitszeitverkürzung nachdenken.“[4]

Wer muss über Arbeitszeitverkürzung nachdenken? Attac? Ist Attac eine Gewerkschaft? Nochmal: Nur im Kampf trotzen die Arbeiter dem Kapital Reformen zu Gunsten der Arbeiterklasse ab. Und die müssen immer wieder gegen die Attacken des Kapitals verteidigt werden. Es ist weder Aufgabe von Attac noch sonstwem „über Arbeitszeitverkürzung nachdenken“[5] zu müssen, das müssen die Arbeiter selbst. Ihr Instrument zur Durchsetzung ihrer ökonomischen Klasseninteressen sind die Gewerkschaften. Wenn deren Führung das nicht macht, dann muss ihnen auf die Sprünge geholfen werden.

Soweit der Attac-Fürst in der Sendung. Etwas mager finde ich im Internet, als Beilage zur Sendung. Da steht steht noch folgendes:

„Die zentralen Forderungen von attac zum Europäischen Aktionstag sind: Der ruinöse Konkurrenzkampf zwischen den Staaten, Menschen und insbesondere den Unternehmen müsse beendet werden, außerdem müsse Schluss sein mit Sozialabbau, Bildungsabbau und Lohndumping. Die ungerechte Verteilung des Reichtums in der westlichen Welt sei keine Folge der Globalisierung, sondern von den Politikern gewollt und geschaffen: „Die Realität zeigt: Es ist genug für alle da! Wir müssen nur dafür sorgen, dass wieder gerecht verteilt wird!“ sagt Sven Giegold.[6]

Der Konkurrenzkampf muss also beendet werden - meint Attac. Nun ist das Wesen des kapitalistischen Marktes, dass verschiedene Anbieter der gleichen oder unterschiedlicher Waren in Konkurrenz stehen. Der eine will verkaufen und der andere auch und das geht immer zu Lasten des Konkurrenten. Und diese Konkurrenz ist immer ruinös, es geht nicht anders.

Die Antwort darauf, wie es praktisch aussehen soll, die Konkurrenz abzuschaffen, bleibt Attac schuldig. Ich habe auf der Demo auch kein Attac-Transparent gesehen, dass dies forderte. Nach „zentraler Forderung zum Europäischen Aktionstag“ sah es also nicht aus. Attac fürchtete sicher, sich lächerlich zu machen.

Was also macht die Faszination von Attac aus?

Ich behaupte die Unverbindlichkeit, das Theater und der Theaterdonner sind es. Attac, das ist Blendwerk. Das macht die Faszination von Attac aus. Für jeden etwas, nie klar ausgedrückt, nie fundiert. Attac ist die Täuschung etwas zu tun, ohne es zu machen, ja es andere machen zu lassen und selbst dann so zu tun, als sei das das Werk von Attac.

Zugegeben, geschickte Täuschung, aber Täuschung.

Zum Beispiel: So hat Attac das Image jung zu sein. Sieht man aber genau hin, so ist das nicht wahr. Giegold, der Jungstar von Attac, ist tief in den 30ern. Was mir bisher an Attac-Größen begegnete, zur Jugend gehörte keiner. Aber darauf kommt es nicht an, das Image zählt.

Auch sonst stimmt nichts mit dem Anspruch überein. Attac stellt Fragen, die andere längst stellten und gibt falsche oder nichtssagende Antworten (z.B. siehe oben). 

Attac erweckt aber den Eindruck, von ihr ginge alle Initiative aus. Selbst dort, wo sie kräftig auf die Schnauze fielen, wie bei der Gewerkschafterkonferenz am 16. Januar in Frankfurt[7] wird es geschickt vertuscht und man tut so, als sei alles nicht so gemeint.

Man kann jedoch die Täuschungsmanöver erkennen, man muss es nur wollen und die Augen offen halten. Die Organisation, die angeblich so viele Menschen auf die Beine brachte, wie am 3. April 2004, ging in der Masse der Mitglieder von Gewerkschaften unter. Selbst PDS-Fahnen waren in Köln häufiger als die von Attac. Attac war auf die wahre Bedeutung zurechtgestutzt: unbedeutend in der realen Bewegung des Klassenkampfes. Das, was am vergangenen Samstag in Berlin (250.000), Köln (120.000) und Stuttgart (100.000) ablief, war mehrere Nummern zu groß für Attac, als dass es nicht auffiel, wie unbedeutend und mickrig Attac in Wirklichkeit ist.

Es sind nur jene, die meinen, man müsse alles mitmachen, jedem Schwachsinn folgen und alles, was Bewegung vorgaukelt ohne es zu sein, auch für Bewegung halten.

Aber der Schaden, den Attac anrichtet, ist beachtlich. Viele gut Meinende, die mit Attac liebäugeln und sich in die Irre führen lassen, sind dabei. Ich habe es schon mehrfach erlebt, dass sie sich, klärt man sie über die Rolle und Funktion von Attac auf, es ihnen wie Schuppen von den Augen fällt.

Attac versucht diese gut meinende Menschen einzufangen und in die falsche Richtung zu lenken. Die Erfolge sind aber relativ schwach. Zwar hatte Attac eine gewisse Zeit viel Zulauf, aber das scheint sich inzwischen ins Gegenteil zu kehren. Attac hat seinen Höhepunkt überschritten, nun geht es abwärts. Eine Organisation, die auf Schein, Trugbilder, Geschwätz und hohlen Phrasen besteht, kann auf Dauer dieses Trugbild nicht erhalten. Es ist wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen:

„Aber er hat ja gar nichts an!“ sagte endlich ein kleines Kind. „Hört die Stimme der Unschuld!“ sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte.

„Aber er hat ja gar nichts an!“ rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: ,Nun muß ich aushalten.' Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

Gerd Höhne

 

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