Die
Faszination von Attac –
oder
Des Kaisers neue Kleider
Von
Gerd Höhne
Es
ist unglaublich, was Attac-Fürsten so an Geschwätz fabrizieren, noch
unglaublicher ist es, dass da gestandene Menschen, die seit Jahren
politisch aktiv sind, dieses Geschwätz nicht erkennen und willig
Mitglied bei Attac sind und diesen Verein als das Non-plus-ultra
ansehen. Dabei ist es gar nicht schwer zu erkennen, dass alles bei Attac
nur Schein ist
Da
schreibt z.B. Sven Giegold, einer der Oberattacisten, als Anlage der
Internet-Präsenz von Sabine Christiansen: „Aufstehen, damit es
endlich besser wird!“ Mit diesem Slogan ruft Attac an diesem Samstag erstmals - zusammen mit
Gewerkschaften, Sozialverbänden und anderen Organisationen der
Zivilgesellschaft - auf zur Teilnahme an den Demonstrationen in Berlin,
Köln und Stuttgart.
Mit
Verlaub: Nicht Attac hat aufgerufen! Wenn ich mich nicht irre, der Europäische
Gewerkschaftsbund (EGB) ergriff die Initiative und die Parole „„Aufstehen,
damit es endlich besser wird!“ ist eine Parole des DGB, nicht von
Attac.
Attac
versucht überall, wo sie meinen, dass es sich lohnt, als
Trittbrettfahrer mitzumischen und dann so zu tun, als seien sie es, die
alles machen und die Fäden in der Hand haben. Man muss nicht Anhänger der Politik der
Gewerkschaftsführung sein um der Überzeugung zu sein, dass Gewerkschaften
notwendige
unverzichtbare Organisationen sind. Ohne sie wäre der abhängig Beschäftigte
wehrlos dem Kapital ausgeliefert. Aber Attac?
Ich
kenne einen eingefleischten Attacisten, allerdings einer vom Fußvolk.
Der schwärmte vom Fernsehauftritt des Attac-Fürsten Sven Giegold am 4.
April bei der Polit-Domina Sabine Christiansen. Es ist der selbe Giegold,
der vor einem Jahr mit der feindlichen Übernahme der Friedensbewegung
drohte und sich eine schallende Maulschelle einhandelte.(siehe
und )
Der, so schwärmte mein Attac-Wasserträger, habe einen hervorragenden
Auftritt im Fernsehen gehabt. Hat er das wirklich? Nun, sehen wir uns an, was Giegold
so von sich gab.
„Und
die Alternative aus unsere Sicht ist, statt dass ein Land nach dem
anderen seine Sozialstandards im Druck von Europäisierung und
Globalisierung abbaut ist, dass wir endlich soziale Standards auf europäischer
Ebene einziehen...“
Scheint
richtig zu sein, aber doch sehr allgemein. Was meint er mit „dass
wir endlich soziale Standards auf europäischer Ebene einziehen...“ Ich
will Giegold nicht unterstellen, dass er die Slowakei als Maßstab der
Standards nehmen will. Aber was dann? Es ist eine nichtssagende
Luftblase!
Aber
weiter Giegold: „Die Menschen begreifen langsam und immer mehr,
dass das eine zutiefst interessensgeleitete Politik ist.“ Unrecht
hat er da nicht, aber Giegold hat das Rad neu erfunden, denn der Marxismus sagt schon
immer, dass Politik die Durchsetzung von Klasseninteressen ist. Giegold
dagegen erweckt den Eindruck, man müsse nur an die Einsicht der
Herrschenden so oder so appellieren, und Politik werde klassenneutral.
Genau das aber behaupten auch die Apologeten der bürgerlichen Politik.
Es ginge ihnen um die Sicherung des Sozialstaats und um die Zukunft
unserer Kinder und weiteres Zeug mehr. Sie weisen es weit von sich,
Politik für eine bestimmte Klasse zu machen. Aber das herauszufinden
ist nicht einmal schwer.
Giegold
meint, die Herrschenden könnten wirklich Politik für die unteren Schichten machen.
Der Marxismus hingegen meint, dass es sich hier um eine Form des
Klassenkampfes handelt. Nicht Appelle an die Vernunft der Herrschenden nützen, sondern
nur die geballte Faust. Oder anders: „Alle Räder stehen still, wenn
dein starker Arm es will.“ Genau das aber will Attac nicht, wie es
sich beim Eklat am 16, Januar 2004 in Frankfurt am Main bei einer
Konferenz zur Vorbereitung der Aktionstage am 2. und 3. April zeigte.
Weiter
Giegold: „Und aus meiner Sicht ist ihre Vision, nämlich die Löhne
am unteren Ende zu drücken, die wird uns nicht helfen diese 7 Millionen
Arbeitsplätze zu bekommen. Wenn die Produktivität immer weiter steigt,
dann müssen wir auch wieder über Arbeitszeitverkürzung nachdenken.“
Wer
muss über Arbeitszeitverkürzung nachdenken? Attac? Ist Attac eine
Gewerkschaft? Nochmal: Nur im Kampf trotzen die Arbeiter dem Kapital
Reformen zu Gunsten der Arbeiterklasse ab. Und die müssen immer wieder
gegen die Attacken des Kapitals verteidigt werden. Es ist weder Aufgabe von Attac noch
sonstwem „über Arbeitszeitverkürzung nachdenken“
zu müssen, das müssen die Arbeiter selbst. Ihr Instrument zur
Durchsetzung ihrer ökonomischen Klasseninteressen sind die
Gewerkschaften. Wenn deren Führung das nicht macht, dann muss ihnen auf
die Sprünge geholfen werden.
Soweit
der Attac-Fürst in der Sendung. Etwas mager finde ich im
Internet, als Beilage zur Sendung. Da steht steht noch folgendes:
„Die
zentralen Forderungen von attac zum Europäischen Aktionstag sind:
Der ruinöse Konkurrenzkampf zwischen den Staaten, Menschen und
insbesondere den Unternehmen müsse beendet werden, außerdem
müsse Schluss sein mit Sozialabbau, Bildungsabbau und Lohndumping. Die
ungerechte Verteilung des Reichtums in der westlichen Welt sei keine
Folge der Globalisierung, sondern von den Politikern gewollt und
geschaffen: „Die Realität zeigt: Es ist genug für alle da! Wir müssen
nur dafür sorgen, dass wieder gerecht verteilt wird!“ sagt Sven
Giegold.
Der
Konkurrenzkampf muss also beendet werden - meint Attac. Nun ist das Wesen des
kapitalistischen Marktes, dass verschiedene Anbieter der gleichen oder
unterschiedlicher Waren in Konkurrenz stehen. Der eine will verkaufen
und der andere auch und das geht immer zu Lasten des Konkurrenten. Und
diese Konkurrenz ist immer ruinös, es geht nicht anders.
Die
Antwort darauf, wie es praktisch aussehen soll, die Konkurrenz
abzuschaffen, bleibt Attac schuldig. Ich habe auf der Demo auch kein
Attac-Transparent gesehen, dass dies forderte. Nach „zentraler
Forderung zum Europäischen Aktionstag“ sah es also nicht aus. Attac fürchtete
sicher, sich lächerlich zu machen.
Was
also macht die Faszination von Attac aus?
Ich
behaupte die Unverbindlichkeit, das Theater und der Theaterdonner sind
es. Attac,
das ist Blendwerk. Das macht die Faszination von Attac aus. Für jeden etwas, nie klar ausgedrückt, nie
fundiert. Attac ist die Täuschung etwas zu tun, ohne es zu machen, ja es
andere machen zu lassen und selbst dann so zu tun, als sei das das Werk
von Attac.
Zugegeben,
geschickte Täuschung, aber Täuschung.
Zum
Beispiel: So hat Attac das Image jung zu sein. Sieht man aber genau hin,
so ist das nicht wahr. Giegold, der Jungstar von Attac, ist tief in den
30ern. Was mir bisher an Attac-Größen begegnete, zur Jugend gehörte
keiner. Aber darauf kommt es nicht an, das Image zählt.
Auch
sonst stimmt nichts mit dem Anspruch überein. Attac stellt Fragen, die
andere längst stellten und gibt falsche oder nichtssagende Antworten
(z.B. siehe oben).
Attac erweckt aber den Eindruck, von ihr ginge alle
Initiative aus. Selbst dort, wo sie kräftig auf die Schnauze fielen,
wie bei der Gewerkschafterkonferenz am 16. Januar in Frankfurt
wird es geschickt vertuscht und man tut so, als sei alles nicht so
gemeint.
Man kann
jedoch die Täuschungsmanöver erkennen, man muss es nur wollen und
die Augen offen halten. Die Organisation, die angeblich so viele
Menschen auf die Beine brachte, wie am 3. April 2004, ging in der Masse
der Mitglieder von Gewerkschaften unter. Selbst PDS-Fahnen waren in Köln
häufiger als die von Attac. Attac war auf die wahre Bedeutung
zurechtgestutzt: unbedeutend in der realen Bewegung des Klassenkampfes.
Das, was am vergangenen Samstag in Berlin (250.000), Köln (120.000) und
Stuttgart (100.000) ablief, war mehrere Nummern zu groß für Attac, als
dass es nicht auffiel, wie unbedeutend und mickrig Attac in Wirklichkeit
ist.
Es
sind nur jene, die meinen, man müsse alles mitmachen, jedem Schwachsinn
folgen und alles, was Bewegung vorgaukelt ohne es zu sein, auch für
Bewegung halten.
Aber
der Schaden, den Attac anrichtet, ist beachtlich. Viele gut Meinende,
die mit Attac liebäugeln und sich in die Irre führen lassen, sind
dabei. Ich habe es schon mehrfach erlebt, dass sie sich, klärt man sie
über die Rolle und Funktion von Attac auf, es ihnen wie Schuppen von
den Augen fällt.
Attac
versucht diese gut meinende Menschen einzufangen und in die falsche
Richtung zu lenken. Die Erfolge sind aber relativ schwach. Zwar hatte
Attac eine gewisse Zeit viel Zulauf, aber das scheint sich inzwischen
ins Gegenteil zu kehren. Attac hat seinen Höhepunkt überschritten, nun
geht es abwärts. Eine Organisation, die auf Schein, Trugbilder, Geschwätz
und hohlen Phrasen besteht, kann auf Dauer dieses Trugbild nicht
erhalten. Es ist wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans
Christian Andersen:
„Aber
er hat ja gar nichts an!“ sagte endlich ein kleines Kind. „Hört die
Stimme der Unschuld!“ sagte der Vater; und der eine zischelte dem
andern zu, was das Kind gesagt hatte.
„Aber
er hat ja gar nichts an!“ rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den
Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei
sich: ,Nun muß ich aushalten.' Und die Kammerherren gingen und trugen
die Schleppe, die gar nicht da war.
Gerd
Höhne
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