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Lohnklau
Die
einen treiben das Unternehmen an den Rand der Pleite –
die
anderen löffeln die Suppe aus und verlieren trotzdem ihren Job
Von
Günter Ackermann
Kommunisten-online.de
vom 19. November 2008 – Ein Grundsatz einer richtigen
gewerkschaftlichen Tarifpolitik lautete immer schon: Lohnverzicht
sichert die Jobs nicht. Aber was gelten bei den DGB-Gewerkschaften noch
für Prinzipien? Zwar gab es schon immer gelbe Gewerkschaften, schon
immer gab es auch Beschäftigtenvertretungen, die die Kollegen zum
Nutzen des Kapitals über Ohr hauten. Aber es gab anderseits auch noch
in den Gewerkschaften große Teile, die die Gewerkschaften als
Kampforganisationen der Arbeiterklasse betrachteten.
Heute
aber ist diese Spezies von Gewerkschaftern offenbar ausgestorben. Nicht
nur, dass ganze Gewerkschaften, wie die IGBCE, die Bezeichnung
Gewerkschaften nicht mehr verdienen, aber auch die traditionell eher kämpferischen
Gewerkschaften, wie die IG-Metall, verstehen sich immer mehr vor allem
als Vertreter der Unternehmen den Arbeitern gegenüber.
Denken
wir doch nur an die bestochenen Betriebsräte bei VW. Der damalige
Personalvorstand, der berüchtigte Peter Hartz, schickte sie auf
Lustreisen mit willigen exotischen Damen oder lockte sie mit fetten
Zahlungen. Das stimmte die Betriebsräte willig und verhalf VW zu fetten
zusätzlichen Gewinnen auf Kosten der dort Beschäftigten.
Dass
wir vor eine Krise stehen, deren Ausmaße noch gar nicht abschätzbar
sind, ist inzwischen bei fast jedem angekommen. Zuerst waren es nur die
Banken, die sich verspekuliert hatten. Und das nicht nur die privaten
Banken, wie die Deutsche Bank, sondern auch die Landesbanken und andere
staatlichen Geldinstitute. Da klingt es fast schon lustig, wenn der
DKP-Spitze nichts anderes einfällt, wie die Verstaatlichung der Banken
zu fordern. Wie das bei der staatlichen KfW gehen soll oder den
Landesbanken, die alle in Staatsbesitz sind, ist mir unklar. Die
mischten beim Milliardenpoker um faule Kredite ja am meisten mit.
Aber
das war nicht alles. Inzwischen brechen die Umsätze fast aller Branchen
ein und selbst solch ein Riesenkonzern General Motors (GM) steht an
Rande der Pleite.
In
just dem Moment kommt der Betriebsratschef von Opel einher und schwafelt
ungefragt von Lohnverzicht der bei Opel Beschäftigten. Natürlich um
die Arbeitsplätze zu sichern
Dabei
ist es, denkt man einen Moment mal nach, ganz klar, dass Lohnverzicht
nur die Gewinne steigert, nicht aber die Arbeitsplätze sichert.
Tatsache
ist, dass ein Unternehmen nur die Arbeitskräfte beschäftigt, die es
braucht um seine Produkte herzustellen – nicht mehr und nicht weniger.
Dabei muss jeder Beschäftigte das x-fache seines Lohns dem Unternehmen
als das Ergebnis seiner Arbeit überlassen. Die konkrete Lohnhöhe des
einzelnen Arbeiters spielt zwar eine Rolle, aber nicht die
entscheidende. Die richtet sich, wie bei allen was man auch dem Markt
kaufen kann, von Marktwert der Ware Arbeitskraft. Gibt es starke und kämpferische
Gewerkschaften, so binden die diese Ware Arbeitskraft und bieten sie
kollektiv an, verknappen sie und steigern also damit deren Marktwert. Im
Zweifelsfall verweigern sie den Verkauf der Arbeitskraft, es wird also
gestreikt. Die Kapitalisten müssen darauf eingehen, tun sie es nicht,
werden ihre Produkte nicht hergestellt, sie haben also keine Waren zum
verkaufen.
Damit
das aber nicht eintritt, versucht das Kapital in die Front der Lohnabhängigen
einzubrechen. Das sind verräterische Gewerkschaftsfunktionäre oder aus
den Arbeiterparteien. Dieses Phänomen kennen wir, seit es den
Kapitalismus und damit die Arbeiterklasse gibt. Was aber noch nie da war
– mal abgesehen von der Zeit des Faschismus mit der Deutschen
Arbeitsfront – ist ein so offener und ungeschminkter Verrat von
Arbeiterinteressen.
Was
wir da bei Opel erleben ist genau das. Solche, die eigentlich für die
Interessensvertretung der Beschäftigten gewählt wurden, bieten von
sich aus Lohnverzicht an. Und sie wissen, dass sie damit Vorbildfunktion
haben. Denn, wenn in so riesigen Fabriken, wie die von Opel, die Löhne
sinken, sinken sie auf breiter Front. Das ist nichts Neues. Die ganzen
letzten Jahre brachten kaum noch effektive Lohnzuwächse.
Es
gibt ein Beispiel, dass solch ein Lohnverzicht nichts bringt:
Vor
ein paar Jahren drohte Siemens sein Handys nur nach in Ungarn
herzustellen, wenn in Deutschland die in den Handywerken Beschäftigten
nicht auf Lohn verzichteten. Das taten die, angestiftet von der
IG-Metall, auch. Aber Siemens verkaufte diese Fabriken an BenQ, einem
Konzern aus Taiwan. Die bekamen den Laden nicht nur geschenkt, Siemens
bezahlte BenQ auch noch mit Geldern in Millionenhöhe für diesen Kauf.
Nach Verstreichen einer Schamfrist machte BenQ die ehemaligen
Siemens-Handywerke platt. Die dort Beschäftigten standen auf der Straße.
Ihr Lohnverzicht hatte nur die Gewinne von Siemens und BenQ gesteigert,
hat aber nichts genützt. Ähnliches auch bei Nokia in Bochum. Die
Bespiele ließen sich endlos weiterführen. Immer verlangten die
Konzerne von den Arbeitern Lohnverzicht für Arbeitsplatzsicherung und
machten doch dann platt.
So
ist es auch im anderen Fall: Wenn ein Unternehmen mit von ihm
hergestellten Waren gute Profite macht, ist die Lohnhöhe zweirangig.
Verzichten die Beschäftigten aber auf Lohnanteile, steigern sie nur die
Profite. Auch hier bringt Lohnverzicht nichts.
Das
wissen natürlich auch die Gewerkschaftsführer. Ich war lange genug in
der IG-Metall Vertrauensmann in einem Konzern und habe genau das in
Gewerkschaftsschulungen erfahren. Es ist also offener Verrat.
G.A,
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