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Härtere Zeiten zwingen zu härterem Klassenkampf

SPRENGDROHUNGEN, BOSSNAPPING, BARRIKADEN - FRANKREICHS ARBEITER ERKÄMPFEN ERFOLGE

von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

K-online, 22. Juli 2009 – Wir berichteten kürzlich hier über die Situation bei der Firma New Fabris nahe Poitiers in Frankreich, wo die kämpferische Belegschaft des sich im April 2009 für bankrott erklärenden Unternehmens nach 5 Wochen ergebnislosen Streiks zu drakonischen Kampfmaßnahmen griff: Aus verbundenen Gasflaschen bastelten die im Durchschnitt ca. 50 Jahre alten aufgebrachten Stammarbeiter eine gewaltige Sprengladung zusammen und drohten, Maschinen im Wert von ca. 2-5 Millionen Euro per Explosion zu vernichten, wenn die Unternehmer nicht 30.000 Euro Abfindung an jeden der 366 Entlassenen zahlen würden.

Stand heute: Der Druck war erfolgreich! Vor die Entscheidung gestellt, zusätzlich zu den zugesagten Abfindungen von 16.000 Euro noch weitere 14.000 Euro pro Entlassung zu zahlen oder 2-5 Millionen Euro an Kapital in Form von Maschinen zu verlieren, gaben die Bosse nach.

Und weiter: Diese drastische Form des Klassenkampfes machte Schule. Nach drei ergebnislosen Streikwochen stellten mittlerweile auch 163 Beschäftigte der Firma JLG in Tonneins (Frankreich) Gasflaschen in der besetzten Fabrik auf und drohten damit, das Hebebühnen-Werk explodieren zu lassen. Die 53 von JLG entlassenen Arbeiter bekommen nun 30.000 Euro Abfindung.

Die Arbeiter gingen bei ihren Aktionen stets verhältnismäßig vor. Eine starke Abordnung der Belegschaft von New Fabris demonstrierte vor der Renault-Firmenzentrale in Boulogne-Billancourt, wo Gespräche zwischen Gewerkschaftsvertretern und dem Renault-Management geführt wurden. Als am 17. Juli 2009 bekannt wurde, dass diese Gespräche kein Ergebnis brachten, zündeten die Arbeiter von New Fabris eine 1,2 Tonnen schwere Fertigungsmaschine an und erklärten der Presse: „Diese Aktion wurde beschlossen, um unseren Ärger und unsere Entschlossenheit zu unterstreichen. Wir werden das bis zum Ende durchziehen“, so Betriebsratschef Guy Eyermann, Mitglied der kommunistischen Gewerkschaft CGT.

Nicht nur bei New Fabris und JLG, auch beim kanadischen Netzwerkausrüster Nortel in Châteaufort bei Versailles besetzten die streikenden Arbeiter den Betrieb, stellten am 15. Juli dort Gasflaschen auf und drohen mit Sprengung. Auch in diesem Fall geht es um Massenentlassungen und Abfindungen.

Sehr erwähnenswert ist auch der bekannte Reifenhersteller Continental. 1120 Mitarbeiter der Reifenfabrik in Clairoix (Frankreich) verloren ihren Arbeitsplatz wegen der Schließung des Betriebes. Auch in ihrem Fall brachten allein Arbeitsniederlegungen und Gespräche zwischen Gewerkschaften und Unernehmensleitung nichts bis viel zuwenig. Im April 2009 verwüsteten die aufgebrachten Conti-Arbeiter das Gebäude einer Unterpräfektur in Compiègne und erhöhten mit der Betriebsbesetzung und eskalierenden Aktionen vor Ort gegen das Management immer stärker und wirksamer den Druck auf die Unternehmensleitung. Letztlich wurde ihnen eine Abfindung von 50.000 Euro zugesagt, was diesen Konflikt beendete.

Wie verzweifelt müssen Arbeiter sein, wenn sie Hand anlegen und Manager als Geiseln nehmen, Büros und Arbeitsstellen verwüsten, Maschinen anzünden, den besetzten Betrieb mit Barrikaden abriegeln und mit der Sprengung ganzer Industriekomplexe drohen? Die französische Zeitung „Libération“ erhält pro Woche derzeit rund zehn Benachrichtigungen von neuen eskalierenden Klassenkämpfen vor Ort in dieser Art.

Das Schema ist immer dasselbe: Schließung eines Werkes wegen Insolvenz der betreffenden Firma auf Entscheidung der Firmenleitung. Womit die Kapitalisten sich ihre Profite sichern, denn sie stoßen die weniger rentablen Teile ihres Eigentums an Produktionsmitteln einfach ab. Auf den um Lohn und Brot gebrachten entlassenen Arbeitern soll „die Allgemeinheit“ sitzenbleiben, dies soll sich mit Leistungen der Arbeitslosenversicherung aus Sicht der Kapitalistenklasse erledigt haben. Dass dies funktionieren kann, zeigt das Beispiel Deutschland bestens. Denn wo sich niemand bis viel zu wenige wehren, jeder Kampf schon von vornherein als aussichtslos aufgegeben wird, geht es den Bossen und Konzernherren allerbestens auch in jeder Krise. Da brüstet sich öffentlich ein in China gescheiterter deutscher Trampolinbau-Kapitalist im ARD/ZDF-Frühprogramm schon mal mit seinen staatlich finanzierten über 50 Ein-Euro-Kräften aus einstigen n in Autowerken tätigen Metallfacharbeitern in Stuttgart, die ihm „dank deutscher Wertarbeit“ und eingesparten Transportkosten zum auskömmlichen Profit verhelfen (2).

Anders sieht es aus, wenn ganze Belegschaften den organisierten Klassenkampf aktiv aufnehmen. Wenn die Betriebsversammlung der Arbeiter und Angestellten klarstellt, dass sie nun im für bankrott erklärten Betrieb das Sagen hat. Wenn die Gespräche im Betriebsrat und ggf. die weiteren Verhandlungen unter staatlicher Vermittlung mit eskalierendem Streik und Betriebsbesetzung begleitet werden und so die organisierten Belegschaften immer mehr und immer wirksamer Druck auf „die Abwickler“ ausüben. Jenen „Abwicklern“ schwinden die Bonussummen in dem Maße, in welchem die Abfindungen an die Entlassenen steigen. Freiwillig mit etwas Verhandlungsgeschick seitens der Gewerkschaften ist da auf der Unternehmerseite kein Maximum rauszuholen. So lange sie kein Risiko eingehen, werden die Unternehmer also nichts bis wenig zahlen wollen. Ihr Gesichtsverlust kümmert sie recht wenig, die klingelnde Kasse kümmert sie umso mehr!

Droht der Verlust von Millionen Euro an verwertbarem Kapital, kommt es seitens „der Abwickler“ zur Güter-Abwägung. Nur wenn sie das verwertbare Kapital retten, geht ihre Rechnung überhaupt auf, Abfindungen zu zahlen und den Löwenanteil des Betriebes dennoch der profitgierigen Kapitalseite zuzuschanzen.

Natürlich steht die Drohung der Vernichtung fremden Eigentums in keinerlei Einklang mit dem bürgerlichen Recht. Sollte in Deutschland eine einzelne kleine Belegschaft Gasflaschen aufstellen und der Betriebsleitung die Sprengung des Betriebes androhen, wären binnen Stunden neben Polizei und GSG-9 und Sondereinsatzkommandos auch die bürgerliche Justiz sowie die arbeiterfeindliche Hetzpresse mobilisiert. Die Handys der beteiligten Kollegen würden kaum noch ruhen, weil ihre verängstigten Frauen pausenlos wegen künftiger Haftstrafen der Männer denen was vorheulen würden. Und die Nation der Michels würde Schäuble nachplappern, dass derartige Anarchie im ordentlichen Rechts-Staat Deutschland nicht geduldet werden könne und schon im Keim zu ersticken ist. Koste es, was es wolle!

Was aber, wenn wie in Frankreich solche Aktionsformen ganz massiv die Runde machen? Ab 10 Belegschaften pro Woche, welche sich infolge Massenentlassung und Unternehmerwillkür der Betriebsbesetzung anschließen und ihre Betriebe besetzt halten? Hunderte bis tausende Hubschrauber im Lande über besetzten Betrieben kreisen lassen? Soviel GSG-9 und SEK hat keine Bundesrepublik, um mit rein polizeilichen Mitteln einer so aktiv kämpfenden Arbeiterbewegung Herr zu werden.

Auch braucht den französischen Arbeiterfrauen niemand mit der Androhung von Haftstrafen zu kommen. Die entlassenen Männer würden sich freiwillig in den Knast melden, denn mit der Abfindung können sie ihre Familien nicht all zu lange durchfüttern. Und im Gefängnis haben sie wenigstens das Essen frei! Im Ernst: Alle Leute in Frankreich vor Ort würden diejenigen auslachen, die da Haftstrafen androhen und einzuschüchtern versuchen. Und vom Richter bis zum Staatspräsidenten haben die Franzosen Verständnis für die Verzweiflungstaten der Arbeiter, auch wenn Erpressung mit Brandstiftung und Explosion nach bürgerlichem Recht sehr strafbar ist.

Im Nortel-Werk will die Regierung nun Forschungsmittel bereitstellen, um dort eine friedliche und zivile Lösung zu zelebrieren. In vielen anderen kleinen und mittleren und großen Firmen geht derweil die Massenentlassungswelle weiter. Denn die Lasten der Weltwirtschaftskrise sollen ja auch weiterhin der Arbeiterklasse aufgebürdet werden. Dabei muss die Rechnung allerdings mit dem Wirt gemacht werden, zumindest in Frankreich demonstriert das Volk genau dies. Und wir Kommunisten erinnern uns der Worte Lenins von der Vielfalt der Formen des Klassenkampfes. Und wir erinnern alle Welt auch in Deutschland daran, dass Vielfalt der Formen des Klassenkampfes nicht heißt, alles immer juristisch brav und richtig zu machen, die Rasenflächen nicht zu betreten und nur mit zuvor gelöster Fahrkarte auf den Zug der Revolution aufzuspringen.

Quelle: http://www.faz.net/

(2) http://www.sueddeutsche.de/

hier: http://www.kommunisten-online.de/

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Die politische Kultur in Frankreich war schon immer eine andere, als in Deutschland

Von Von whs   

Arbeiterkorrespondenz auf Kommunisten-online vom 24. Juli 2009es ist nun soweit, die BRD hat den nächsten prominenten HARTZ-IV-Empfänger, Herrn Wendelin Wiedeking. Nun liegt uns wieder einer mehr auf der Tasche, der mit ein paar Euro auskommen muß.

Und weit und breit niemand, der Herrn Wiedeking seine Solidarität versichert. Es ist schon schlimm in Deutschland. Herr Porsche hat dann auch noch ein bißchen geweint, als er zu „seinen“ Arbeitern sprach. Das scheint Mode zu werden unter Deutschlands Bourgeois.

Zum Artikel von Jens-Torsten. Die politische Kultur in Frankreich war schon immer eine andere, als in Deutschland. Unsere französischen Genossen waren schon immer zu etwas mehr Pfeffer im Klassenkampf bereit. Ich gebe JT recht, wenn er sagt, dass bei uns viel zu sehr darauf geachtet wird, dass ja alles gesetzeskonform bleibt. Aber wer hat denn die Gesetze gemacht? Also ist doch Klassenkampf auch, wenn gegen diese Gesetze aufbegehrt wird, zumal ja viele noch aus dem Kaiserreich stammen und damit sehr gut auf die heutige Gesellschaft passen.

Diese letzte Prise Waghalsigkeit fehlt den stocksteifen Deutschen. Beispiel Valeo Kronach. Der Kompromiss wurde zwischen Konzernleitung und Betriebsrat ausgehandelt. Die Belegschaft hat noch ihre Holzkreuze auf dem Parkplatz deponiert und später im Ort herumgetragen. Wen von der Firmenleitung hat dies interessiert? Richtig, niemand! Aber damit war der Kampf schon zu Ende. In Frankreich hätte er jetzt erst richtig begonnen.

Aber macht unsere Deutschen anders als sie sind. Und wenn es ihnen richtig dreckig geht, dann werden sie ja schon etwas grantiger. Hoffen wir darauf, dass die Deutschen auch grantiger werden können, ohne dass sie bis zum Kinn in der Schei… stehen.

Rot Front

Werner

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