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Schicht
im Schacht
Der
Steinkohlebergbau in Deutschland soll nach und nach eingestellt werden.
Der Deutsche Bundestag berät heute in erster Lesung ein entsprechendes
Gesetz
Von
Peter Wolter
Quelle: jungeWelt
vom 21.09.2007
Eine
Industrieepoche geht zu Ende: In erster Lesung will der Deutsche Bundestag
am heutigen Freitag den schrittweisen Ausstieg aus der Steinkohleförderung
beraten. Der Entwurf des »Steinkohlefinanzierungsgesetzes« sieht vor, daß
die letzte Kohle im Ruhrgebiet im Jahr 2018 gefördert wird, wobei dieser
Beschluß allerdings im Jahr 2012 noch einmal überprüft werden soll. Bis
dahin sollen die Subventionen weiterlaufen: Schätzungsweise 38 Milliarden
Euro werden veranschlagt, einschließlich der Kosten für die Stillegung
der zur Zeit noch acht Zechen.
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Die
HOAG-Hütte in Oberhausen.
Das
Gasometer (links im Bild) steht noch als Baudenkmal und für
Ausstellungen.
Auf
dem Hüttengelände befindet sich heute das Edel-Shopping-Center
CentrO |

Förderturm
der Zeche Zollverein in Essen.
Bis
zur Stillegungam
23. Dezember 1986
war es eine der modernsten Schachtanlagen Europas (1983: 3,2
Millionen Tonnen jährlich) |
Ein
gutes Jahrhundert lang war das Ruhrgebiet das industrielle Herz
Deutschlands. Begonnen hatte die Kohleförderung im Süden dieser Region,
dort – wo die in Kohle noch an der Oberfläche mit Hacke und Schiebkarre
abgebaut werden konnte. Im Laufe der Jahre wanderte der Bergbau, den schräg
in die Tiefe gehenden Kohleadern folgend, immer weiter nach Norden, sodaß
er sich zu einer Art Wandergewerbe entwickelte und heute am Nordrand des
Ruhrgebiets das Münsterland erreicht hat. Insgesamt soll es etwa 3200
kleinere und größere Bergwerke gegeben haben.
Zigtausende
Migranten
Ende
des 19. Jahrhunderts gab es die erste große Einwanderungswelle in den »Kohlenpott«,
wie er von den Einheimischen genannt wird. Hunderttausende wurden in
Ostpreußen und Polen als Arbeitskräfte angeworben, für ihre
Unterbringung wurden riesige Zechensiedlungen gebaut. Hinzu kam der Ausbau
der Stahlgewinnung und der Metallverarbeitung, so daß sich das Ruhrgebiet
bald auch zur Rüstungsschmiede des deutschen Reiches und später des
Faschismus entwickelte.
Nach
den Schrecken des 1. Weltkrieges und unter dem Eindruck der
Oktoberrevolution in Rußland brodelte es auch im Ruhrgebiet. Als Reaktion
auf den Kapp-Putsch von 1920 schlossen sich unter Führung der KPD
revolutionäre Bergleute, verstärkt durch demobilisierte Soldaten, zur
Roten-Ruhr-Armee zusammen, die insgesamt etwa 100000 Mann unter Waffen
gehabt haben soll. Reichswehr und Polizeitruppen wurden aus dem Ruhrgebiet
vertrieben. Uneinigkeit in der Truppenführung und Tricksereien der
sozialdemokratischen Reichsregierung führten schließlich dazu, daß sich
die Arbeiterarmee entwaffnen ließ, worauf sich die Reichwehr mit
entsetzlichen Massakern rächte. Heutige Schulbücher berichten leider
nichts über diese Zeit.
Auch
im Zweiten Weltkrieg war das Ruhrgebiet das Rückgrat der Rüstungswirtschaft.
Nach der Befreiung wurden die Bergwerke zunächst von den Arbeitern wieder
in Gang gebracht, viele Zechenbarone hatten sich aus Angst, der
Sozialismus könne ausbrechen, verzogen. Sie kehrten zurück, als sich die
BRD konstituiert hatte.
Bildung
der RAG
Als
Ende der 50er Jahre das Erdöl die Kohle immer stärker als Energieträger
ablöste, geriet der Ruhrbergbau in eine Krise. Am 27. November 1968, zur
Zeit der ersten Großen Koalition, schlossen sich – mit SPD-Nachhilfe
– 26 Einzelunternehmen zur Ruhrkohle AG (RAG) zusammen. Allerdings
gelang es den Alteigentümern, die lukrativen Teile der
Bergbauunternehmen, wie z. B. den Immobilienbestand, rechtzeitig herauszulösen
– die unter Marktgesichtspunkten unrentablen Bergwerke werden bis heute
jedes Jahr mit Milliardenbeträgen subventioniert.
Damit
soll also ab 2018 Schluß sein. Die RAG hat erst kürzlich alle nicht zum
Bergbau gehörenden Unternehmensteile in der Evonik Industries AG
zusammengeschlossen und will damit an die Börse gehen. Die restlichen
Zechen werden nach und nach geschlossen. Und ab 2018 werden wohl nur noch
einzelne Fördertürme als Industriedenkmäler an diese Epoche deutscher
Geschichte erinnern. |