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Straffrei:
Mercedes
Benz Argentina- Manager und Komplize der Mörder in Uniform
Tasselkraut |
Argentinien:
Kein
Strafverfahren gegen
„kriminelle
Vereinigung“
made
in Germany
Von
Günter Ackermann |
1978
putschte in Argentinien das Militär, es folgten Jahre der blutigen
Unterdrückung der Opposition, v.a. der linken Gegner des Systems. Sie
verschwanden in den Folterkellern der Militärs, die meisten ohne
Wiederkehr.
Die
Militär beseitigten ihre Gegner ao, dass keine Spuren, auch keine
Leichen, zurück blieben. Sie verfrachteten sie in Militärflugzeuge und
warfen sie einfach aus großer Höhe ins offene Meer.
Mercedes
Benz Argentina, Tochter des Stuttgarter Herstellers der Edelkarossen mit
dem Stern, hatte die Jahre davor gute Geschäfte gemacht und auch
arisiertes Vermögen aus der Nazizeit für die deutsche Mutter gewaschen
und so für die Verwendung nach dem Krieg gerettet. Mercedes zeigt sich
dankbar und beschäftigte nach dem Krieg Nazi-Massenmörder unter falschen
Namen. So z.B. Adolf Eichmann.
Nicht
so kulant zeigte sich der Konzern bei engagierten Betriebsräten. Als sich
das Militär 1976 an die Macht putschte, nutzten die Bosse ihre guten
Beziehungen zu den Machthabern und entledigten sich ihnen lästiger
Arbeitervertreter. Fünfzehn Betriebsräte sollen in der Zeit der Militärdiktatur
„verschwunden“ sein. Die Drecksarbeit erledigten die Mörder in
Uniform. Der Produktionschef von Mercedes Benz Argentina, Tasselkraut
lieferte persönlich den Arbeiter Héctor Ratto den uniformierten Mördern
aus und nannte ihnen, vor Zeugen, die Adresse
des Arbeiters Diego Núñez. Seitdem ist Núñez
„verschwunden“.
Das
alles sieht die argentinische Staatsanwaltschaft als erwiesen an und
bezeichnet das sogar als eine „kriminelle Vereinigung“ an. Aber sie
geht nicht strafrechtlich gegen die Konzernherren vor. Man könne nur die
Institution als kriminell einstufen, aber man habe keine Möglichkeit
konkrete Personen zu benennen.
Also
gibt es kein Strafverfahren. Die Verbrechen der kriminellen Vereinigung
bleiben ungesühnt, die Bosse in Stuttgart horten die Profite und spielen
sich als Saubermänner auf. Dass sie mit Vermögen aus den Naziverbrechen
nach dem Krieg Geschäfte machten, in Argentinien sogar hochrangigen
Naziverbrechern Unterschlupf boten,
wird schamhaft verschwiegen.
Auch
verschwiegen wird, dass der SS-Mann, Mitarbeiter von Heydrich in Prag,
hochrangiger Nazi, der auch an Geiselerschießungen teilgenommen haben
soll, Hans Martin Schleyer, Vorstandsmitglied von Mercedes Benz war. Ja,
jener Schleyer, den die RAF, indem sie ihn tötete, zum Märtyrer machte.
G.A.
Siehe: Wieweit war Daimler-Benz-Argentinien am Mord und Folter
an Betriebsräten beteiligt? (siehe)
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Komplizen
der Diktatur
»Kriminelle
Vereinigung«: Argentinische Staatsanwaltschaft hält Mercedes Benz
Argentina und Gewerkschaft SMATA für »schuldig« und stellt Verfahren
ein
Von
Gaby Weber, Buenos Aires
Vor
wenigen Tagen hat die Bundesstaatsanwaltschaft in Buenos Aires im
Verfahren gegen Mercedes Benz Argentina und die Gewerkschaft SMATA wegen
Bildung einer kriminellen Vereinigung einen spektakulären Beschluß veröffentlicht:
»Das Unternehmen und die Gewerkschaft waren (während der Militärdiktatur)
Komplizen bei den zu untersuchenden Straftaten, weil sie über die ›Säuberungen‹,
die im Gange waren, unterrichtet waren«, schrieb Bundesstaatsanwalt
Federico Delgado und schränkte ein: »nur als Institutionen«. Daher sei
es schwierig, »die strafrechtliche Verantwortung zu konkretisieren«,
also die Verantwortung Personen zuzuweisen.
Fünf
Jahre zuvor hatte der argentinische Anwalt der Hinterbliebenen der
verschwundenen Mercedes-Arbeiter, Ricardo Monner Sans, bei der
Staatsanwaltschaft in Buenos Aires Strafanzeige gegen Mercedes Benz
Argentina erstattet (jW berichtete). Er beschuldigte auch SMATA, den
Arbeitsminister der Regierung Isabel Perón, Carlos Ruckauf, und Militärs,
eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben. Aufgabe der Justiz war es,
dies zu untersuchen.
Bekannte
Namen
Den
ersten Teil der Aufgabe hat Delgado erfüllt. Die von ihm benannten
Gutachter erklärten übereinstimmend, daß es »offensichtlich ist, daß
einige (Mercedes-Manager und Gewerkschafter) über die Vorgänge im Bilde
waren und in der einen oder anderen Weise daran teilnahmen. Mehr noch: das
spätere Verhalten der Firmen, die jahrelang die Löhne weiter zahlte,
legt den Schluß nahe, daß sie über das Vorgefallene im Bilde waren.« Für
die Hinterbliebenen der verschleppten Mercedes-Benz-Arbeiter grenzt es an
Zynismus, wenn auf der einen Seite die »Verantwortung der Institutionen«
an den damaligen Verbrechen festgestellt, und gleichzeitig die
Ermittlungen beendet werden, ohne die agierenden Personen dingfest zu
machen. Vor allem, weil Namen und Gesichter dieser Personen seit langem
bekannt sind.
Rückblende:
Im August 1977 lieferte der Produktionschef von Mercedes Benz Argentina,
Juan Ronaldo Tasselkraut, den Arbeiter Héctor Ratto den Militärs aus. Im
Beisein Rattos teilte Tasselkraut den Schergen der Militärdiktatur die
Adresse des Arbeiters Diego Núñez mit. Dieser wurde in der folgenden
Nacht entführt und ist seitdem »verschwunden«. Es mangelt nicht an
Beweisen. DaimlerChrysler beauftragte den Berliner Professor Christian
Tomuschat und überreichte ihm entsprechende Aktenvermerke der Jahre 1975,
'76 und '77. Allen anderen Gutachtern und Rechercheuren wurden diese
Aktenvermerke verweigert. Aber selbst Tomuschat gab in seinem Bericht zu,
daß die Firma die ihr lästigen Betriebsräte dem Geheimdienst gegenüber
als »Agitatoren« denunziert hatte, bevor sie »verschwanden«. Für die
Ermittlungen hätten diese Aktenvermerke eine zentrale Bedeutung gehabt.
Opferanwalt Monner Sans hatte deren Hinzuziehung beantragt ebenso wie
die Vernehmung des DaimlerChrysler-Aufsichtsratsvorsitzenden und des
Konzernchefs. Doch dazu kam es nie.
Übersetzungsfehler?
Statt
dessen lud die Staatsanwaltschaft Stuttgart den
Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Erich Klemm vor. Warum dies geschah, geht
aus der Akte nicht hervor. Klemm und sein Mitarbeiter Thomas Metz sagten
aus, was alle wußten: daß der deutsche Betriebsrat seine argentinischen
Kollegen nicht ermorden ließ und auch nicht im Besitz der internen
Firmenvermerke sei. Warum wurde nach Beweisen an einem Ort gesucht, wo sie
gar nicht liegen können? Die Anträge und Aussagen wurden von der
argentinischen amtlichen Dolmetscherin Nora Edith Woll übersetzt. Sie übersetzte
»Betriebsrat« mit »Consejo General de la empresa« (wörtlich:
allgemeiner Rat des Unternehmens) und erweckte damit den Eindruck, daß es
sich bei ihm um die Leitung des Konzerns handelt. So wurde aus dem
Betriebsrat und Gewerkschafter Klemm der Sprecher des Unternehmens.
Trotz
mehrerer Aufforderungen zur Richtigstellung hält die Staatsanwaltschaft
bis heute in ihrem Einstellungsbescheid daran fest.
*
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