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http://www.de.indymedia.org/2001/10/9582.html
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Politische
Bewertung Attac-Kongress
Attac
ist ... Mit-Wegbereiter der Modernisierung von Herrschaft
("Zivilgesellschaft"), an Selbstdarstellung und Prominenten-Einbindung
interessiert, betreibt die Kombination aus Integration und Spaltung und wird
sehr unvollständig kritisiert.
Versuchte
Zusammenfassung zum Attac-Kongreß
(Gruppe Landfriedensbruch mit einigen Auszügen anderer Schreiberlinge)
1. Langweilig
Die von Attac selbst veröffentlichten Redetexte und Statements sind vor
allem unglaublich langweilig. Ihnen fehlt fast jegliche konkrete politische
Forderung oder gesellschaftliche Analyse. Ganz allgemein wird eine soziale
Schieflage beklagt, die irgendwie durch irgendetwas Böses in der Welt
hervorgerufen wird.
2. Politikunfähig?
Die Basis von Attac Deutschland (FR, taz, junge Welt, Spiegel usw.)
sorgen sich nach dem Kongreß offenbar um die Politikfähigkeit von Attac. Damit
meinen sie, eine beratende Tätigkeit der Regierung in Lobbyarbeit und kreativer
Politikfolklore (viele Aktionen, groß oder dezentral, mit Appellen an die
PolitikerInnen, nett zu sein oder Kleinigkeiten zu korrigieren) auch tatsächlich
leisten zu können. Um dem nachzuhelfen, ergehen Aufrufe an Attac, eben diese
Politikfähigkeit herzustellen, und bewiesenermaßen "politikfähige"
Prominente (Cohn-Bendit, Lafontaine usw.) werden in der Berichterstattung in den
Vordergrund gestellt. Hier zeigt auch Attac schon, daß sie bereit sind, sich
weiter zu entwickeln - auch sie stellen die Promis in den Vordergrund ihrer
Berichte.
Wieder war es die Aufgabe der regierungstragenden Medien, Attac zum Sammelbecken
zu erklären, damit es alle glauben. Überschrift der FR am 22.10., Titelseite:
"Heimatlos gewordene Linke versammelt sich unter dem Dach von Attac".
3. Herrschen = Teile und herrsche, Attacs Part: Integriere
und spalte
Der Kongreß und auch das Geplänkel drumherum war eine intelligente
Umarmungstaktik. Einige Organisationen wurden sehr geschickt einverleibt (z.B.
medico international, die plötzlich überall als Kontakt- und Mitträgername
auftauchen ... wenn auch mit Telefonnummer in Verden - gelungener Schachzug?).
Mit ihren inhaltsleeren Kampfansagen an jegliche Programmatik und für totale
Offenheit ist die Umarmungstaktik offensichtlich. Eher unbemerkt ist sie
verbunden mit der Spalterei. Laut Spiegel teilte Attac-Oberideologe Sven Giegold
mit: "Gegen deren Forderung nach Radikalisierung setzten Giegold und seine
Mitstreiter ihr Konzept der "wirklich innovativen"
Netzwerk-Organisation: Außer Neo-Nazis und Gewalttätern solle jedermann
mitarbeiten dürfen. Unter dem Rubrum attac könnten gleichwohl nur jene
"Kernforderungen" firmieren, die "in jahrelanger Arbeit
international unter hunderten von Initiativen" abgestimmt seien."
Also: Militante sind wie Nazis zu behandeln. Und das wirklich Wichtige (die
zentralen Forderungen) macht natürlich ein undurchsichtiger Klüngel auf
internationaler Ebene. Aber ansonsten ist Attac offen für alle (... für alle
dummen Schäfchen, die sich abstampeln für eine Organisation, deren zentrale
Arbeitsebene des Lobbyismus und der Medienpolitik sie nicht mitbestimmen können).
Es ist Attac, die unter dem Nebel der Integration und Harmonie Spaltung pur
betreiben. Und nicht die KritikerInnen von Attac!
4. Selbstdarstellung auf allen Ebenen
Vieles, was geschieht, dient der Selbstdarstellung eines Projektes, das,
um seine Aufgabe als Sprachrohr der Zivilgesellschaft im modernen
Herrschaftskonzept des "Governance" statt "Government" zu
erfüllen, eine bestimmte Größe und Repräsentativität haben muß - ob nun
real oder nur scheinbar, spielt dabei keine Rolle. Spannend ein Blick in ein
Protokoll des Attac-Koordinierungskreisen zur Auswertung von Genua ... das
meiste ging schief, aber die Presse- und Selbstdarstellungsarbeit klappte. Und
das war wichtig.
Zitat: "Hugo berichtet über Veranstaltungen des Gegengipfels und die
Demonstrationen. Die Selbstdarstellung von Attac sowohl bei inhaltlichen
Veranstaltungen wie die sichtbare Beteiligung bei den Aktionen und die
Organisation durch das französische Büro seien gut gewesen. Er vermisste, dass
der internationalen Vorbereitung kein internationaler Abschluss entsprach, der
zugleich zu einem gemeinsamen Protest gegen die Polizeibrutalität hätte führen
können.
Oliver schildert die Probleme während der Busfahrt. Die Busse waren
kostendeckend. Es fuhren jedoch nur 10 - 15 deutsche Attacis mit. "Die
Mobilisierung unserer Leute war schlecht!" ... (längere Abhandlung zu
Problemen an der Grenze) ... Der Presseauftritt von Attac wird allseits für gut
befunden. Philipp: waren überfordert ist aber gut gelaufen. Oliver: haben Genua
vorher unterschätzt, schlecht gelaufen ist im Büro auch, dass die gesamte
Genua-Organisation bis wenige Tage vorher bei Oliver lag und trotz Überlastungsanzeige
nichts abgenommen wurde. Aber Medienauftritt war ein großer Erfolg. Sven
berichtet über die Anfragenflut in Büro. Werner betont die Notwendigkeit einer
unabhängigen linken Untersuchungskommission.
Sven eröffnet die Gewaltdiskussion mit der Frage, ob wir in Interviews unsere
Strategie als "gewaltfrei" oder "friedlich" beschreiben ...
(weiter mit Gewaltdebatte)"
Damit ist das Protokoll (bis auf die gekennzeichneten Auslassungen) vollständig
zitiert und macht deutlich, was das wichtigste für Attac ist - die Aktionen zu
nutzen, sich selbst darzustellen (Hugo ist übrigens Hugo Braun, Spitzenfunktionär
in DKP und Umfeld, gleichzeitig im Attac-Führungszirkel).
5. Interne Spannungen bei Attac
Auch wenn für die Politik von Attac (z.B. auch bezogen auf den Attac-Kongreß
die Auswahl der ReferentInnen, die Positionierung von Promis, die
Internetdarstellung mit dem Promikult usw.) nur eine undemokratische
Zentralgruppe verantwortlich ist - einheitlich ist die nicht. Das geht z.B. aus
den Protokollen des Koordinationskreises hervor, die sich zu lesen lohnen (unter
www.attac-netzwerk.de, dort bei Internes). Zu sehen ist eine Streitlinie um
Abgrenzungen gegenüber Radikalen/Militanten - hier verläuft die Streitlinie
zwischen der Verden-JungmanagerInnenclique plus Peter Wahl gegenüber vor allem
Werner Rätz, z.T. auch anderen. Ähnlich verläuft die Streitlinie bei der
Frage der Prominenten (Protokoll 26.7.01 unter Tagesordnungspunkt 5
"Lafontaine": "Sven: Brauchen Prominenz" - sichtbar wird im
übrigen, daß Attac Lafontaine aktiv angeworben hat). Die dritte Streitlinie
mit ähnlichen "Lagern" gibt es um die Frage der
Organisationsstruktur. Vor allem aus Verden gibt es die Hoffnung auf einen
straffen Verband. Als Pro-Punkte werden genannt, daß dann besser Personen aus
"wichtigen gesellschaftlichen Bereichen" in Leitungs- und Repräsentationsgremien
von Attac integriert werden können, das es dann Identifikationsmöglichkeiten für
Mitglieder gibt, das Ganze besser steuerbar ist und eine Rechtssicherheit vor
allem finanziell und personell entsteht - interessant: Obwohl das alles als
positiv bewertet wird, tritt Attac nach außen als offen und als
"Netzwerk" auf. Auch daraus ist die Verlogenheit des Konzeptes gut zu
sehen.
6. Die Kritik von "links" geht an der Hauptfrage
vorbei
Attac ist ein strategisches Projekt. Die inhaltlichen Fragen sind völlig
nebensächlich. Der Vorwurf, Attac würde eine falsche ökonomische oder
gesellschaftliche Analyse betreiben, ist zwar richtig und in vielen Texten auch
überzeugend offengelegt, aber das ist nicht die Frage. Denn: Attac irrt nicht,
die wissen, was sie tun. Attac ist nicht unser Gegner in ökonomischer Analyse
(die widersprechen Dir einfach nicht, daher geht die Kritik von links, wo sich
Linke von BUKO bis felS zwar als bessere ÖkonomiekennerInnen zeigen, an der
eigentlichen Frage aber vorbeidiskutieren.
Attac ist eine Strategie. Die der totalen NGOisierung politischer Opposition.
Und der Vorbereitung des Konzepts "global governance", der Beteiligung
von sog. "Zivilgesellschaft" zur Akzeptanzbeschaffung einer
Pseudodemokratie. Es ist völlig wurscht, ob die die Tobin Tax, Rot-Weiß Essen
soll in die Champions League oder mehr Petersilie in die Bockwurst fordern.
Entscheidend ist, daß damit ein Super-NGO geschaffen wird, der legitimiert
SCHEINT (!!!!), die Zivilgesellschaft (also auch UNS in der vermittelten
Bedeutung dieses Wortes) zu vertreten - zum Konzept der Zivilgesellschaft gehört
aber dazu, daß es ein völlig undemokratischer abgehobener politische
anbiedernder Funktionärshaufen ist. Solange die Debatten aber um Reform und
Revolution oder sowas geht, trifft sie diesen Punkt nicht. Es geht mal wieder um
Herrschaft! Und deren Legitimation und Ausbau durch die Einbindung eines
kontrollierten Faktors "Zivilgesellschaft".
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