Aus Betrieb & Gewerkschaft

Wichtige Rubriken und Beiträge

+++Neu+++

Newsletter bestellen

zur Homepage

Der Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk

Kampf den ideologischen Diversanten

Für den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands

Gegen den imperialistischen Krieg

Black Channel

Betrieb&Gewerkschaft

Bildung, Kultur & Wissen

Wider den Block der
Rechten und Trotzkisten

zur Geschichte
der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung

Wissenschaftlicher Sozialismus

Aus den Ländern

Links

Impressum

Archiv

Intern

Proletarischer Internationalismus

zurück

Sklavenhandel mit Unterstützung von Gersters Arbeitsämter

Maatwerk ist pleite

Eine der Kernprojekte der Hartz-Pläne war, einen Billiglohnsektor zu schaffen. Maatwerk war der größte Anbieter unter den Billiglohnbescäftigten. 

Arbeitslosen sollte geholfen werden, aber stattdessen halfen sich die Helfer und machten Geschäfte. Und das aus dem Topf der Arbeitslosenkasse in Nürnberg.

Die Leidtragenden sind die Arbeitslosen, die jetzt erneut arbeitslos werden und keine Chance - wenn sie die d enn je hatteen - in gesichtere Beschäftigungsverhältnisse zu kommen.

Mit der Maatwerk-Pleite offenbart sich die Pleite der Politik Schröders. Nicht Beseitigung der Arbeitslosigkeit ist das Ziel dieser Politik, sondern der Fall der Betroffene ins soziale Aus.

G.A,

Maatwerk ist eine Zeitarbeitsfirma aus den Niederlanden und steht hier nur als Beispiel ähnlicher dubioser Unternehmen.

Die Arbeitsämter zwingen Arbeitslose sich in die Fänge dieser Geschäftemacher zu begben, die neuerdings auch noch mit der Bezeichnung PSA (Personal Service Agentur) von den Arbeitsämtern geadelt.

Maatwerk? Achtung Maatwerk!

Quelle: LabourNet Germany

Maatwerk ist eine Zeitarbeitsfirma (in der Sprache des LabourNet Germany: Sklavenhändler) und gehört zu den niederländischen Dienstleistern im Arbeitsvermittlungsmarkt, die in den frühen 90er Jahren nach Deutschland expandierten. Nun ist Maatwerk einer der größten Betreiber der Personal-Service-Agenturen (PSA)[1], von denen mittlerweile bekannt ist, dass sie nicht "reibungslos" arbeiten: "... Besonders in der Kritik steht Maatwerk, das derzeit an mehr als zweihundert Standorten PSA betreibt mit derzeit 10.000 Leiharbeitnehmern. Die Gesellschaft habe bisher nicht einmal die nötige regionale Infrastruktur und vertröste die Arbeitsämter, lautet der Vorwurf. Maatwerk-Geschäftsführer Jos Berends indes kündigte an, daß bis Ende Juli die Vorbereitungen beendet seien, um 5000 Menschen einzustellen...." [2]

Auch uns erreichten seit dem Sommer 2003 mehrere Anfragen zum Gebahren von Maatwerk und Bitten um helfende Auskünfte. Ausdrücklich ohne das den Interessen der Erwerbslosen zuwiderlaufende Konzept der PSA an sich aus der Kritik nehmen zu wollen, schien daher das Unternehmen Maatwerk genauere Betrachtung wert zu sein. Daher fragten wir am 26. August 2003: "Wer hat welche Erfahrungen mit der Firma Maatwerk gemacht? Wie sehen die Arbeitsbedingungen und -verträge aus?"

 Nun liegen uns bis jetzt Zuschriften von 22 betroffenen Personen aus fast allen Ecken der Republik vor. Sie sandten Informationen mit unterschiedlichem Grad an Details, oft auch ihre Arbeitsverträge und andere Dokumente. Die meisten von Ihnen sind (zu Recht!) sehr vorsichtig, schreiben anonym oder bitten nicht namentlich genannt zu werden (bis auf eine Ausnahme), was wir natürlich gerne befolgen und uns bemühen, die unten zitierten Zuschriften z.B. durch die Entnahme vom Datum des Arbeitsvertrages etc. nicht auf die ZusenderInnen rückführbar zu machen.

 Im Nachfolgenden erfolgt eine Zusammenfassung dieser geschilderten Erfahrungen mit Maatwerk, illustriert durch wörtliche Zitate. Insgesamt bestätigt diese Zusammenfassung die ursprünglichen Vorbehalte gegenüber diesem Unternehmen, ausdrücklich ohne damit etwas über die Güte der Konkurrenz zu sagen. Was durch die Redaktion des LabourNet Germany nicht gelöst werden kann, ist der hohe juristische Beratungsbedarf: "Welchen Job muß ich annehmen?", "Welche Klauseln im Arbeitsvertrag sind zulässig?", "Wo kann ich mich über Maatwerk beschweren, wenn das Arbeitsamt nun für nicht mehr zuständig ist?" und sehr oft "Wie komme ich an mein Geld?". Am Beispiel PSA wird der Bedarf an einer Rechtsberatung für Erwerbslose, die sich auch von den Gewerkschaften im Stich gelassen fühlen, offensichtlich.

 Wir danken allen unseren InformantInnen und versprechen am Ball zu bleiben!

1. "Muss ich zu Maatwerk?"

"Habe ich irgendwelche rechtlichen Möglichkeiten um diese Sache mit Maatwerk abzulehnen ohne negative Folgen durch das Arbeitsamt?????" (Informant 4) - das ist eine nicht pauschal zu beantwortende Frage und wir werden uns um die Erstellung eines Leitfadens bemühen (weshalb wir alle LeserInnen, die uns dabei mit Hinweisen helfen können, um Meldung bitten!). Ob man diesen angebotenen Arbeitsvertrag annehmen muss, hängt von der Dauer der Arbeitslosigkeit, der Höhe der Lohnersatzleistungen (nur noch in diesem Jahr!) und leider immer weniger von den Qualifikationen ab. Das Vorstellungsgespräch kann man kaum ablehnen: "Am [Tag X] erhielt ich vom A-Amt das "Angebot" ("sollten Sie dieses Angebot nicht annehmen, nicht antreten oder ein Zustandekommen durch ihr Verhalten verhindern, tritt eine Sperrfrist ein"!), mich am (...) bei "Maatwerk Gesellschaft für Arbeitsvermittlung mbH" persönlich vorzustellen." (Informant 15).

 Manche werden aber auch gar nicht genommen, obwohl sie es möchten: "Diskriminierung und Inkompetenz in Ihrer Niederlassung Aachen" - so lautet zum Beispiel die Beschwerde von Dieter Worms aus Monschau (der ausdrücklich namentlich genannt werden wollte), die er mitterweile nicht nur an die Maatwerk GmbH gesandt hat, sondern auch an Bundesarbeitsministerium für Wirtschaft und Arbeit, Bundeskanzleramt, S.P.D. Parteivorstand, Bundespresseamt, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Arbeitsamt Aachen, Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten - insgesamt an 26 verschiedene Ämter, Parteien, Petitionsausschuss und Gewerkschaften - sowie schließlich auch an das LabourNet Germany. Der Grund: "Am 20.08.2003 wurde ich nach telefonischer Rücksprache mit Frau Jansen für Donnerstag, den 21.08.2003 um 13.00 Uhr eingeladen zur Präsentation der Firma PSA Maatwerk, Aachen. Dieser Termin wurde auch von mir wahrgenommen. (...) Bei meinem Bewerbungsbogen, den ich bekommen hatte, habe ich alles ausgefüllt, unter anderem auch, dass ich einen Behinderungsgrad von 50% habe" Bei der Vertragsunterzeichnung wurde daraufhin "die Äußerung gemacht, dass bei Maatwerk noch nie ein Behinderter eingestellt wurde." So ist es auch geblieben.

2. Unsicherheitsfaktor Arbeitsvertrag

Die Bewerbungen bei Maatwerk finden in der Regel in Form eines Gruppengesprächs, dem meist Einzelgespräche zur Vertragsunterzeichnung folgen. Fast alle InformantInnen berichten, dass es schwer ist, auf ihre Fragen zu den Vertragsbedingungen konkrete Antworten zu bekommen. Fehlende Berücksichtigung der Qualifikation, rückdatierte Verträge, geschummelter Urlaub, ungeklärte Fahrtkosten und Pendelbereich - das sind häufig genannte Probleme schon mit dem Arbeitsvertrag. (Siehe als Beispiel - hier als word-Dokument - einen Standard-Vertrag von Maatwerk Hamburg (Informant 14), uns vorliegend als eingescannte Grafiken. Dieser Vertrag ist wie alle befristet auf 9 Monate[3] und sieht eine Probezeit von 3 Monaten vor, mehrfach ist uns aber auch eine Probezeit von 6 Monaten genannt worden.)

Folgendes schilderten uns unsere InformantInnen:

So z.B. Informant 13: "... Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt halte ich noch keinen Arbeitsvertrag in den Händen. Laut der Mitarbeiter der Firma Maatwerk würde es sich um einen Arbeitsplatz im Tagespendlerbereich (TPA) handeln, nach Aussagen anderer Bewerber wird aber im Arbeitsvertrag bundesweit festgehalten. In den weiteren Gesprächen verweist der Mitarbeiter von Maatwerk immer auf regional bzw. überregional. Von TPA war schon nicht mehr die Rede. Da ich davon ausgehe, dass der Arbeitsplatz in [X] sein wird, ist bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt nicht geklärt, wer für die Fahrtkosten aufkommt. (...) Eine weitere Ungereimtheit stellt sich folgendermaßen dar: ich soll einen Arbeitsvertrag erhalten, der 3 Tage zurückdatiert ist! ..."

"bisher noch keine konkreten erfahrungen, habe heute vom arbeitsamt bremen eine "vermittlung" an maatwerk bekommen. bin zu meiner überraschung dann schon heute nachmittag von maatwerk angerufen und für den [Tax X] "hinbeordert" worden. in diesem telefonat - wo es nicht viele auskünfte gab (das klären wir später) war die antwort auf die frage (stand im vermittlungsangebot vom arbeitsamt bremen (nach tarif) nach welchem tarif gezahlt würde -"nach dem zeitarbeitstarifvertrag" nach meinem einwand, dass es diesen gar nicht gäbe - bekam ich zur antwort "angelehnt an den randstadt tarif" - kann mir da jemand weiterhelften - wie ist der und vor allen dingen, ist es erlaubt unter dem jeweiligen branchentarif zu zahlen?" Und 3 Wochen später: "habe heute mein vorstellungsgespräch gehabt. viel infos waren nicht zu bekommen z. thema fahrkosten/porto für bewerbungen z.b. nicht. (...) Die max. Vertragsdauer ist 9 monate - die Probezeit immer 6 Monate - ist das eigentlich rechtens? (...) frage nach vwl und betriebsrat wurde verneint, Aufsichtsrat sitzt wohl in holland, AR-Vorsitzender ist den Damen nicht bekannt. (...) Frage: Probezeit 6 Monate für max 9 Monate Arbeitsvertrag! Ist das überhaupt ein richtiger Arbeitsvertrag, wenn die BFA zahlt und die Arbeitslosenzeit nur unterbrochen wird? Ist das korrekt, das dieser "Randstadttarifvertrag" ab 1.1.2004 für alle Zeitarbeitsfirmen gültig ist?" (Informant 12)

"Am [Tag X] wurde ich bei der Maatwerk GmbH Jena eingestellt. Schon bei der Einstellung ist einiges schief gegangen. Eigentlich sollte ich bereits im August eingestellt werden. Später wurde der Termin auf den [Tag X + 1] verschoben aus Gründen von Seiten der Maatwerk GmbH. Beim Arbeitsamt wurde ich aber von der Maatwerk GmbH Jena bereits zum [Tag X - 2] abgemeldet. Selber hatte ich mich beim Arbeitsamt noch nicht abgemeldet, da ich noch keine unterschriebenen Arbeitsvertrag hatte. Als ich am [Tag X + 1] zur Unterzeichnung meines Arbeitsvertrages zur Maatwerk GmbH kam, wurde mir mitgeteilt, dass mich Maatwerk erst zum [Tag X + 29] einstellen kann. Ich könnte mich ja problemlos wieder beim Arbeitsamt anmelden (ich war vorher in der Arbeitslosenhilfe). So ganz problemlos ging es jedoch beim Arbeitsamt Jena nicht. Schließlich habe ich es beim Arbeitsamt Jena dann mit viel Aufwand und Aufregung doch geschafft, mich wieder für die Arbeitslosenhilfe anzumelden. Damit dachte ich, es wäre erst einmal alles erledigt. Nach ein paar Tagen bekam ich vom Arbeitsamt Jena ein Schreiben, in dem stand, dass Maatwerk beim Arbeitsamt abgegeben hätte, dass ich einen mit dem Arbeitsamt Jena abgestimmten und angemeldeten Urlaub antreten würde (was natürlich nicht stimmte) und deshalb der Arbeitsvertrag mit mir erst zum [Tag X + 29] abgeschlossen werden kann. Damit könnte ich vom Arbeitsamt keine Arbeitslosenhilfe erhalten. Ich soll mich bitte auch privat kranken versichern. Ich hätte ja keinen Urlaub angemeldet und außerdem die Arbeitstelle bei Maatwerk nicht angenommen." (Informant 1)

3. Unsicherheitsfaktor "Beratung"

Es kann an dieser Stelle nur spekuliert werden, ob die Schwierigkeiten, konkrete Informationen zu dem zu erwartenden Arbeitsvertrag bei Maatwerk System haben, oder mit der mangelnden Qualifikation der "Betreuer" zusammen hängen. Letztere scheint gesichert, auch wenn hierzu die verhältnismäßig wenigsten Informationen vorliegen:

"Soweit ich aus dem Gespräch heraus hören konnte, handelt es sich bei den Sachbearbeitern zum Teil auch um ehemalige Arbeitslose, die jetzt bei Maatwerk für viel weniger als vorher arbeiten, sie schienen mir nicht geschult, Vorstellungsgespräche zu führen. Ich hatte schon nach meinem ersten Eindruck, den die Mitarbeiter dieser Firma auf mich machten, kein gutes Gefühl..." (Informant 11)

"... die beiden damen (bremen besteht aus 3 mitarbeitern) waren bemüht; haben - wie sich später herausstellte jedoch selbst nur einen 2 tägigen vorbereitungskurs (was meines erachtens zu wenig ist) gemacht..." (Informant 12)

Leider nur eine Zuschrift kam aus diesem Kreise der Maatwerk-Beschäftigten selbst: "ich bin ehemaliger Maatwerk-Mitarbeiter und enttäuscht von diesem Unternehmen. (...) Ich wünsche dem dicken Holländer, dass die PSA-Verträge gekündigt werden." (Informant 3) Genauere Angaben sind trotz Nachfrage leider bisher nicht eingegangen....

4. Vermittelt zu Maatwerk - unvermittelt in Arbeit. Oder: "psa = ich muss aus der arbeitslosenstatistik" (Informant 2)

Personal-Service-Agenturen sind das Herzstück der Hartz-Reform und sollten zehntausende Erwerbslose vermitteln. Nach den neuesten Zahlen sind 31.000 Menschen bei einer der bundesweit 671 PSA angestellt und damit aus der Erwerbslosenstatistik verschwunden - nur knapp 2800 sind in eine Festanstellung vermittelt worden [4] (andere Quellen sprechen sogar von nur 117![5] Aber auch die übrigen werden nur in den wenigsten Fällen - aktenkundig für Maatwerk ist eine Verleihquote von 5%[6] - verliehen und wenn, muß man die Angebote selbst suchen, während Maatwerk die Vermittlungsgebühren kassiert. Dies bestätigen unsere InformantInnen:

"In Sachen Arbeitsvermittlung wurden bis jetzt nur Gespräche geführt und ich habe mich dann selbst beworben, da ich ja im Moment noch zu Hause bin und man mir bisher keine Arbeit vermitteln konnte..." (Informant 1)

".. Es werden keinerlei Versuche unternommen, die von MAATWERK abhängigen Mitarbeiter in bessere Arbeit zu bringen. Auf meine Aufforderung hin in dieser Hinsicht etwas zu unternehmen, bekam ich lediglich ein Fax mit einer Stellenanzeige aus einer Zeitung mit der Aufforderung mich dort zu bewerben. Als Leumund sollte ich in der Bewerbung MAATWERK angeben. Mein "Vermittler" (Allein die Bezeichnung spottet jeder Beschreibung) sah mich bis dahin 3 mal ! Bei MAATWERK versprach man sich in der Hinsicht, dass man mir sagte: "Sie sind ja jetzt untergebracht" , da ich an eine andere Firma zur Arbeit ausgeliehen bin. Desweiteren sind die Mitarbeiter mit internen Problemen so beschäftigt, dass sie nach eigenen Aussagen zu wenig Zeit haben nach Arbeit zu suchen, was ja eigentlich der Sinn einer PSA - Agentur darstellen sollte..." (Informant 5)

"Ich bin seit August diesen Jahres bei Maatwerk beschäftigt, und kann sagen ich bin nicht zufrieden. Ich habe bei Maatwerk einen Arbeitsvertrag unterschrieben  im Glauben, dadurch schneller in eine Festeinstellung zu kommen als über das Arbeitsamt. Ichhabe Bewerbungen über Bewerbungen geschrieben, von Seiten Maatwerks aus wurde sich sofort an meine Bewerbungen angehangen, von Maatwerk selber habe ich noch nichts an Arbeit bekommen..." (Informant 6)

"ich habe zum August einen Anstellungsvertrag bei Maatwerk in Berlin unterzeichnet. Der größte Fehler in diesem Jahr. Seit dem September habe ich dann eine Festanstellung in einer anderen Firma bekommen. Also schloss ich einen Auflösungsvertrag zum [Tag X]). Dafür wollte Maatwerk von meiner neuen Firma, die ich durch Eigeninitiative fand, eine Unterschrift auf einen Vermittlungsbogen haben, die die Firma selbstverständlich nicht gab...(Informant 8)

"Von Weiterbildung oder Vermittlung kann auch keine Rede sein, nur dass mir alle 2 Tage ein Zettel gegeben wird für eine persönliche Vorstellung bei einem Betrieb, von dem ich eh schon eine Absage erhalten habe..." (Informant 10)

"... es sind noch keine jobs aquiriert - sondern es wird zusammen mit maatwerk VERSUCHT eine neue stelle zu finden. noch besser allerdings finde ich, dass man 4 wochen Kündigungsfrist zum monatsende hat, denn das bedeutet, dass man ggf. einen wirklichen neuen job nicht antreten kann (wenn es schnell gehen muss) (...) wirklich interessant ist ja dabei, dass die firma maatwerk nicht einen einzigen job hatte (in unserer 10 runde und dem anschliessenden einzelgespräch) und - dies wurde auch vom vermittler bestätigt (murr) es sich hier eindeutig um versteckte ABM's handelt - denn in den ersten 6 monaten wird einfach alles (was in einem std-lohn für 10,80 geht) vom arbeitsamt übernommen..." (Informant 12)

"... Die ersten Tage soll ich mittels sog. Pendelbögen, da ich zu Hause über die entsprechende Technik und Internetzugang verfüge, sog. Hausaufgaben erhalten. Diese bestehen darin, dass man entsprechende Recherche (!!!) nach Arbeitsangeboten betreibt und der Firma Maatwerk in Form dieser Pendelbögen mit den entsprechenden Daten (Firma, Anschrift, Ansprechpartner und Telefonnumer) nachweist (!!!) (übergibt). Lt. Aussagen anderer Bewerber werden diese Tage als Urlaub (klammheimlich) angerechnet..." (Informant 13)

"Ihr solltet vielleicht mal mit den Mitarbeitern sprechen, die von Maatwerk eingestellt worden sind und zwar als Leiharbeitnehmer. Denn diese MA wurden in den ersten drei Monaten ohne Rücksicht auf Verluste eingestellt damit die Zahlen erreicht wurden und das Geld vom Arbeitsamt kommt. Und vor allen Dingen fragt mal bei Maatwerk, wer in dieser Fa. überhaupt Ahnung von Zeitarbeit hat. Überprüft mal die so genannten Vermittlungen, denn als Vermittlungen zählen auch solche, die nicht von Maatwerk getätigt wurden, sondern auch diese wo sich der MA selber vermittelt hat... (Informant 7)

Weil die Vermittlung mangels Arbeits"angebote" in der Tat ein Problem darstellt, versucht nicht nur Maatwerk, sondern auch andere Sklavenhändler [7] zu verhindern, dass ihre "Mitarbeiter" bezahlt werden müssen, obwohl sie nicht verliehen werden können.[8] Dies geschieht einerseits durch das Verschieben der Einstellung nach hinten:

" Arbeitsbeginn sollte der [Tag X] werden. Am [Tag X - 2] wurde der Arbeitsbeginn im Vertrag auf Freitag, den [Tag X + 11] geändert. Auf Nachfrage erhielt ich die Antwort, dass Maatwerk keinen Einsatz/Entleiher, sprich keine Arbeit für mich hatte..." (Informant 15).

Andererseits wird gern gekündigt, wenn jemand nicht vermittelt werden kann, Gründe finden sich schon:

"... als Grund der Kündigung hat Maatwerk einer Mitarbeiterin vom A-Amt telefonisch in meinem Beisein verraten, dass ich nicht vermittelbar bin, da ich einen zu hohen Stundenlohn habe. Das hat mir auch Frau [XY] im Maatwerk-Büro persönlich gesagt, als ich dort meine Arbeitsbescheinigung abgeben musste. Heute habe ich von einer Mitarbeiterin des A-Amtes erfahren, dass in dieserã Arbeitsbescheinigung als Kündigungsgrund genannt wird, dass ich zwei Arbeitsstellen abgelehnt hätte, die mir von Maatwerk angeboten worden sein sollen und dass ich hierzu noch einen Brief von der Leistungsabteilung erhalten werde, dass ich mich dazu rechtfertigen muss!" (Informant 15)

Wer aber von Maatwerk gekündigt wird, weil er nicht vermittelt werden kann, ist dennoch erst mal seinen Vermittlungsgutschein los!

".. Nun bin ich erneut arbeitslos, habe wieder die Rennerei mit den Anträgen, muss mich überall wegen einer weiteren Kündigung rechtfertigen und was am Schlimmsten ist: um einen Vermittlungsgutschein zu erhalten, muss man hierzulande zuvor 3 Monate arbeitslos gewesen sein, das ist das Gesetz. Also kann ich frühestens im neuen Jahr so weit gelangen, wie ich bereits im Sommer 2003 vor meiner Gastrolle bei Maatwer warò" (ebenfalls Informant 15)

Informant 16 faßt die Erfahrungen wie folgt zusammen:

"Ich arbeite bis das Schiff untergeht", so die Originalworte von Frau [XY], Fa. Maatwerk, in der 38. Kalenderwoche dieses Jahres... Nicht direkt an mich gerichtet, sondern zufällig aufgefangen von meinen Ohren, die seit Beginn meiner "Tätigkeit" bei Maatwerk besonders sensibelò "Maatwerk arbeitet reaktiv"; auch dies Worte von Frau [XY], persönlich an mich, als ich bei den ersten Begegnungen meiner Vertragszeit die Vorgehensweise von "Maatwerk" hinterfragen wollte. "Reaktiv sein" - identisch mit "aushungern/mürbe machen" bis sichtbar wird, welche Kapazität in der "Ware Mensch" noch vorhanden?! ... und wenn dann doch noch Energie vorhanden, wird innerhalb der Probezeit gekündigt. Sehr einfach!"

5. Vermittelt, aber unter "Wert" - fachlich wie finanziell

Seit der Sozialarbeiter Jos Berends 1991 im holländischen Nordbrabant Maatwerk gründete, rühmt sich das Unternehmen mit seiner Philosophie der individuellen Betreuung und Förderung von Langzeitarbeitslosen. Nachgesagt werden ihm besondere Erfolge bei "Problematischen Bevölkerunggruppen", sprich schwer vermittelbaren Menschen. "Maatwerk bildet vor Ort einheimische Betreuer aus, analysiert die Fähigkeiten und Neigungen der Arbeitslosen und sucht speziell auch nach verborgenen Kompetenzen. (...) Diese genaue Abstimmung vonindividuellen Fähigkeiten zum möglichen Arbeitsplatz halten die Eingliederungskosten und Enttäuschungen gering."[9] Das Konzept wird auch als "Betreuungsintensität" oder "Betreuung vom Mentor"[10]. Und was sagen unsere InformantInnen dazu?

"Zu Tränen rühren mich all die fantastischen Geschichten um diese wundervolle Firma. Die Frau, die nach 10 Jahren Arbeitslosigkeit nur aufschreiben sollte, wie sie sich ihre zukünftige Arbeit vorstellt, und schon war der passende Job gefunden. Oder der selbstlose Maatwerk-Geschäftsführer, der den Analphabeten drei Mal auf dem Weg zur neuen Arbeit begleitete, da der ja in die falsche Straßenbahn eingestiegen wäre, weil er die Schilder nicht lesen kann. Was habe ich geweint, als ich das gelesen habe! Meine eigene Maatwerk-Erfahrung war kurz und schmerzvoll! (...) Mein erster Einsatz begann am [Tag X] und endete am [Tag X + 24]. In der Umgebung meines Wohnortes habe ich Hagebutten gepflückt. Nebenbei, wie aus dem Arbeitsvertrag zu ersehen ist, bin ich Handwerksmeister. (...) Die Gespräche am Arbeitsplatz hatten zum Inhalt, dass noch niemand bisher entsprechend seinem Lehrberuf eingesetzt wurde. Im Gegenteil, für die meisten Mitarbeiter war dies der erste Einsatz und die Magdeburger hatten in der Regel die ersten 4-6 Wochen ihres Arbeitsverhältnisses zu Hause in der Wohnung verbracht und daraufgewartet, dass das Telefon klingelt. Der zweite Einsatz begann am [Tag X + 25] und endete am [Tag X + 45] mit der Zustellung meiner Kündigung. Ich war einer von sechs Hilfskräften von Maatwerk, die in einer Tiefbaufirma die körperlich schweren Arbeitenbeim Pflastern verrichteten. Wir (2 Elektriker, 3 Schlosser und ein Koch) waren somit mehr Helfer als unser Entleiher Angestellte hatte. Uns wurde gesagt, wir sollten uns anstrengen, der Arbeitgeber wünscht einen Mitarbeiter fest einzustellen. Vielleicht den Koch (??), ist eigentlich egal, neimand von uns ist jemals Radlader gefahren, hatte eine Rüttelplatte oder eine der unzähligen anderen Maschinen bedient und hatte sein gesamtes Berufsleben nicht mit halb so viel frischen Beton zu tun, wie dort in einer einzigen Woche beim Borde setzen. Von uns wollte auch niemand eine Einstellung: die Beschäftigten des Entleihers hatten bereits wiederholt längere Zeit keinen Lohn erhalten und gehen demnächst, wie jeden Winter, den Weg zum A-Amt. Da kommen wir gerade her..." (Informant 15)

"...Wir werden Sie in Ihrem Arbeitsgebiet einsetzen usw. bla bla bla..." (Randbemerkung: ich bin gelernter Industriekaufmann). Okay, es klang alles recht gut und man konnte sich dagegen auch nicht beschweren, weil man ja arbeiten möchte. Also unterschreibt man einen Arbeitsvertrag (beigemerkt mit ca. 100 mehr als das bisherige Arbeitslosengeld). Ich habe mir gedacht okay, da machen wir und dabei wird schon was rauskommen. Nach ca. 2 Wochen kam dann auch ein Anruf, ich möchte doch zum Probearbeiten vorbeikommen -> man habe einen "supertollen Job" im CALL-CENTER. Da hab ich mir auch gedacht "danke schön, super...". Okay, ich war einen Tag da und habe anschließend klargestellt, da dies kein Job für mich ist. Ich finde, da dies unterhalb meiner Qualifikation ist und ich es persönlich nicht befürworten kann, andere Leute via Telefon zu nerven und diesen bescheuerte Fragen zu stellen... Man sagte mir darauf hin, da dies doch auch eine kaufmännische Tätigkeit sei - lassen wir das aber dahingestellt. Im Moment darf ich als Zählhilfe bei einer Inventurfirma arbeiten, 3x die Woche so von zw. 3-6 Uhr morgens bis 18-21 Uhr abends. Begründet wird dies damit, da es sich ja schließlich auch um eine kaufmännische Tätigkeit handle...." (Informant 2)

Aus Frankfurt/M.: "Dass Maatwerk nicht nach Qualifikationen fragt, hab ich selbst erlebt. Ich wurde vom Arbeitsamt dorthin geschickt und hatte mich am [Tag X] bei Maatwerk , Zeil 5-7, vorgestellt. Das Vorstellungsgespräch lief völlig unprofessionell im Vergleich zu den üblichen Zeitarbeitsfirmen ab. Ich wurde nur gefragt, ob ich auf 10 Fingern blind schreiben könnte und für 8,50 … eingruppiert. Es wurde nicht mal nach der Bewerbungsmappe gefragt. Da ich schon 30 Jahre als Sekretärin gearbeitet habe u. die nötigen Qualifikationen habe, habe ich gefragt, warum so wenig, die Lohnspannweite beträgt dort für kaufmännische Berufe 8,50 - 9,50 …. Der Sachbearbeiter konnte mir nicht sagen, warum er mich nicht für 9,50 einstellt. Da das Angebot unter meinem Arbeitslosengeld lag, lehnte ich es ab. Ich habe mich danach beim Arbeitsamt beschwert und auch noch mal bei einer anderen Sachbearbeiterin bei Maatwerk, die mir sagte, dass die Einstufung innerhalb einer Lohngruppe im Ermessen des Sachbearbeiters liegt..." (Informant 11)

"Obwohl ich mehrere Abschlüsse im Bereich kaufmännischer Büroarbeiten nachweisen kann, mit befristeten Arbeitsverträgen auch den praktischen Nachweis erbracht habe, will mich Maatwerk (entsprechend Tarifvertrag Randstad) mit einem Stundenlohn für unqualifizierte Arbeitskräfte von 6,84 … einstellen..." (Informant 13)

" Die Bezahlung ist miserabel. 6.20 … Brutto, vor 2 Wochen machte ich ein Praktikum in einem Hotel mit Reitbetrieb als Pferdepfleger eine Woche lang. Arbeitsbeginn morgens um 6 Uhr bis 17 Uhr, laut Arbeitsvertrag von Maatwerk habe ich 7-Std.-Tag. Ich habe also jeden Tag da 11 Std. gearbeitet, meine Wegstrecke zur Arbeit betrug 48 km (einfach). Auf meine Anfrage, was denn mit denn Überstunden und mit Fahrtkostenzuschuß sei, bekam ich zur Antwort, das würde im Praktikums Zeiten nicht bezahlt, erst wenn ein richtiger Verleih zustande käme. Fazit ich wurde nicht eingestellt und habe am Ende des Monats weniger, als wenn ich mich nicht da beworben hätte, beziehungsweise für die Woche Fahrerei musste ich mir das Geld noch leihen..." (Informant 6)

"der niedrigste std.- lohn sind 6,xx … und der höchste std-lohn sind 11,80 …. gehälter gibt es nicht - also alles auf std-basis. bezahlt wird das hier in bremen alles vom arbeitsamt. das hat auch zur folge, dass die arbeitslosenzeit nur "unterbrochen" wird (also keine neue erworben. (..) der TV wird von randstad übernommen (bis zum 1.1.2004) dann soll ja wohl dieser Tarivertrag von ALLEN Zeitarbeitsfirmen übernommen werden" (Informant 12)

6. "Wo bleibt mein Geld?"

Die Arbeitsämter zahlen bundesweit monatlich fast zehn Millionen Euro an Maatwerk.[11] Mit der Auszahlung hapert es aber...

" Als ich die 1. Gehaltsabrechnung erhalten habe, habe ich nicht schlecht gestaunt. Nach 6 Wochen Wartezeit erhielt ich einen Gehaltszettel mit ca. der Hälfte des Bruttogehaltes, dass im Arbeitsvertrag vereinbart war. Ich kann nur sagen, es ist weniger als der Sozialhilfesatz, den ich hier erhalten habe. Jedem Sozialhilfeempfänger geht es wahrscheinlich besser, denn der bekommt wenigstens am Monatsende sein Geld. Bereits 2mal habe ich bei der Maatwerk GmbH Jena vorgesprochen, um dies korrigieren zu lassen. Bis jetzt jedoch erfolglos.  Jedes Mal wurde mit versprochen, mein Gehalt zu ändern und mir das restliche Gehalt nachzuzahlen. Bis jetzt ist nichts passiert. Lediglich hat man mir einen Vorschuss über 200,00 … bar ausgezahlt." (Informant 1)

"leider bin ich seit ca. 4 Monaten bei MAATWERK beschäftigt. (...) Bis heute ist der Lohn falsch. Mittlerweile beträgt die Höhe der Forderungen meinerseits fast ein Monatsgehalt, der eh nicht hohen Zahlung. (Bei Kollegen wurde sogar über 3 Monate gar kein Lohn gezahlt). Mein Vorgehen diesbezüglich: Ich setzte MAATWERK eine Frist um ausstehende Zahlungen zu veranlassen, nach Ablauf dieser Frist werde ich den Betrag nebst Zinsen und Nebenkosten einklagen. Die Korrektur der Zahlung wird fast Wöchentlich zugesagt..." (Informant 5)

"Das Größte kam dann am [Tag X], als dann Zahltag war. Ich bekam bis dato keine Gehaltsbescheinigung. Da sich mein neuer Arbeitgeber mit [Herrn XY], dem Regionalleiter in Berlin in Verbindung setzte und ihm mit der "ffentlichkeit u. a. drohte, kam [Tag X + 6] ein Angestellter der Firma Maatwerk bei meiner neuen Firma vorbei und brachte mir dann 200,00 … "Vorschuss". Mehr bekam ich bis dato nicht mehr. Für mich ist das das letzte. Die meisten Angestellten in dieser Filiale bekamen bis dato kein Geld. Es herrscht dort eine "Bombenstimmung". (..) Das ist meine negative Erfahrung mit Maatwerk. Es wird sicherlich auf ein gerichtliches Verfahren hinauslaufen. Im Laufe dieser Woche werde ich dann auch noch die Polizei einschalten. Einen Rechtsanwalt habe ich bereits mit der Wahrnehmung meiner Interessen beauftragt. Darüber hinaus schalte ich das Landesarbeitsgericht Kiel und Berlin ein." (Informant 8)

Der "Fall Hannover" wird so bezeichnet, weil zu Maatwerk in Hannover und dessen Zahlungssäumnis mehrere Zuschriften bei uns eingingen sind:

"Habe am [im Juni 03] einen Arbeitsvertrag bei Maatwerk Hannover unterschrieben. Seitdem sehen versprochene Ausbildung und/oder Vermittlungshilfen aus. Auch ist mein Gehalt seit mehreren Wochen überfällig. Auf Nachfrage werde ich immer auf den nächsten Tag verwiesen. Verlegte Tel-Nr. oder Vorgesetzte, die nicht genannt werden dürfen, sollen die Gründe sein. (...) Von Kollegen habe ich erfahren, dass es denen genauso geht, und dass eigene Mitarbeiter wohl auch betroffen sind. (...) Finanziell ist bei mir jetzt alles zusammengebrochen. Durch Kontoüberzug hat man mir nahegelgt die Bank zu wechseln..." (Informant 10)

Informant 16 hat Mitte August 2003 bei Maatwerk in Hannover begonnen und wartet immer noch auf sein Geld: "...Es erfolgten bis jetzt keine Zahlungen - intensive Nachfragen führten zur Kündigung. Mir sind bis jetzt mehrere Menschen begegnet, die auf ihr Geld warten... Die Informationspolitik von "Maatwerk" ist mehr als dürftig! Hinhaltetaktik pur! Seit ein paar Tagen liegt der Vorgang bei meiner Rechtsanwältin. (...) Am vergangenen Dienstag sind mir bei Maatwerk ca. 10-12 Menschen mit den gleichen Problemen begegnet..."

Dieses Problem von Maatwerk in Hannover - oder besser gesagt, das Problem der bei Maatwerk in Hannover angestellten Menschen - wurde auch in der regionalen Presse behandelt:

"Den Fehlstart belegt ein aktueller Fall: Brigitte S. aus Hannover, arbeitslose Mutter von zwei Kindern, ist seit dem 31. Juli bei der PSA Maatwerk angestellt. Seitdem wartet sie auf Vermittlungsgespräche und Fortbildungen. Was noch schwerer wiegt: Seit Mitte August steht das erste Gehalt von 636 Euro aus. "Ich kann dringende Rechnungen nicht bezahlen. Bei Maatwerk werde ich nur vertröstet"..." (Neue Presse Hannover vom 10.9.2003)

"Eigentlich sollte mit der Anstellung in der neuen Personalserviceagentur (PSA) des niederländischen Arbeitsvermittlers Maatwerk für die Empelderin Cornelia Lewin der Weg zurück in den Arbeitsmarkt geebnet werden. Doch statt in eine neue Stelle schlitterte die 46-jährige Arbeitslose erst einmal in finanzielle Probleme. Denn seit sie Ende August bei Maatwerk eingestellt wurde, hat sie noch kein volles Gehalt bezogen. Nur nach dem Hinweis, dass sie nicht mehr ihre Miete bezahlen könne, wurde ihr schließlich ein Abschlag von 200 Euro gezahlt. (...) Zuletzt hatten sich bereits mehrfach Maatwerk-Beschäftigte über ausbleibende Zahlungen beschwert. (...) Da die PSA-Beschäftigten ihr Geld erst im Folgemonat erhalten, muss sie einen Monat zwischen Arbeitslosengeld und PSA-Gehalt überbrücken..." (Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 7.10.2003)

"Enttäuschte Hoffnung: Liliane Killian ist in finanzielle Bedrängnis geraten - die Personal-Service-Agentur, bei der sie angestellt war, hat nicht gezahlt. Inzwischen hat sie gekündigt." (Artikelüberschrift in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 10.10.2003)

Weitere Beiträge zu dem Thema erschienen in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 11.10.2003 (Agentur ohne Service. Zahlungsweise bei Maatwerk in der Kritik") sowie vom 17.10.2003 ("Wieder kein Geld von Maatwerk"). In dieser Zeitung gab es übrigens allein im Jahr 1998 ca. 24 Artikel über Maatwerk in Hannover, damals im Vertrag mit der Stadt bzw. Sozialamt...  

Und der drastischste der uns zugesandten Fälle (nicht aus Hannover) zum Schluß:

"Ich arbeite zu Zeit bei der Firma Maatwerk, diese Arbeitsstelle habe ich vom Arbeitsamt bekommen und das Arbeitsamt kann mir bei den Problem mit der Firma Maatwerk nicht helfen, deshalb schreibe ich Ihnen diese Zeilen. Ich bin ein Familienvater und laufe der Firma Maatwerk hinter meinen Lohn her. Ich konnte diesen Monat noch nicht mal die Miete, Strom, Telefon und andere Sachen bezahlen, ich bin die ganze Woche nur hingehalten worden und belogen worden, dann habe ich das Arbeitsamt angerufen und die haben zu mir gesagt, dass sie damit nichts zu tun haben, sie sind nicht mehr für mich zuständig, da ich nicht mehr beim Arbeitsamt bin. Was kann ich jetzt tun um an mein Geld zu kommen? Und die Firma Maatwerk hat mir auch noch versprochen, eine Arbeit im Sauerland zu bekommen, deshalb habe ich einen Mietvertrag im Sauerland gemacht, denn wo ich jetzt wohne, konnte die Firma mich nicht vermitteln, wir brauchen den Lohn auch wegen dem Umzug, denn wir haben die alte Wohnung schon gekündigt, nicht dass wir bald auf der Straße liegenò" (Informant 9)

Fazit: Nix Maatwerk!

"Ich denke, mit den PSA werden eh nur die Zahlen vom Arbeitsamt beschönigt." (Informant 6)

Diese Einschätzung teilen auch andere:

"Ich fühle mich gehörig unter Druck gesetzt, sicher will ich eine Arbeit finden aber dann aus Eigeninitiative heraus und das ich da auch noch ein Wort mitspreche und nicht einfach über mich verfügt wird." Und "Das Formular was jeder ausfüllen sollte, habe ich - aus Versehen! - nicht unterschrieben weil ich das Gefühl nicht losgeworden bin, daß die Leute hier vom Arbeitsamt verbuddelt werden als Leiharbeiter im völlig unterbezahlten Lohnbereich und ein berufliches Vorankommen kaum noch möglich ist wenn man den Pakt geschlossen hat mit dieser Personal-Service-Agentur..." (Informant 4)

Das Geld für die PSA wäre offensichtlich zumindest bei den meisten ABMs besser eingesetzt gewesen - aus gesellschaftspolitischer wie individueller Perspektive:

"maatwerk stellt allerhöchstens für 9 mon ein - und das bei einer 6 monate probezeit !!! ich finde das alleine skandalös !!!!!!!!!!!!!!! denn wenn man mal weiterdenkt - 6 monate zahlt die BFA alles, wenn du dann nicht von maatwerk "vermittelt" wurdest- und bei den qualifikationen - für mich könnten die nichts machen - schmeissen die dich raus wenn dann wirklich nichts geht - 9 monate darfst du arbeiten wenn du profit abwirftst (so sehe ich dass) und - das ist der grösste skandal - (war bei abm anders - tägliche kündigungsfrist und so) wenn ich das richtig denke (aussage klarã - nur mit kündigung 4 wochen zum monatsende) dann wollen die auch noch ne ablöse, wenn man einen wirklichen arbeitsplatz gefunden hat !!!" (Informant 12)

Was könnte die Konsequenz sein?

"Ich kann nur jedem raten eher weiterhin arbeitslos zu bleiben, als sich bei einer PSA anstellen zu lassen. Da ich meiner Meinung nach nur ausgebeutet werde, und auf deutsch gesagt für n Appel und n Ei oder weniger Scheißarbeit machen muß, die mit meiner Qualifikation rein gar nichts zu tun hat. Und das alles nur damit man aus der Arbeitslosenstatistik raus ist!" (Informant 2)

Das ist allerdings nicht so einfach umzusetzen, ohne eine Änderung der gesetzlichen Zumutbarkeiten, die natürlich sowieso wichtig wäre... Ein anderer Vorschlag:

"Solch Agenturen gehören stärker überwacht und ggf. die Erlaubnis entzogen." (Informant 5)

Vielleicht wird sich in diese Richtung etwas tun: "Anfang Juni erhielten die Maatwerker, die sich auch hier zu Lande einen Namen gemacht haben mit der Vermittlung von Sozialhilfeempfängern und Langzeitarbeitslosen, einen Brief aus Nürnberg. Darin diagnostiziert die BA "organisatorische Schwierigkeiten bei Maatwerk" und zieht daraus streng den Schluß, "dass sich Maatwerk mindestens bis Emde 2003 nicht mehr an PSA-Vergabeverfahren beteiligt und bei den Vergabeverfahren, bei denen noch keine abschließende Vergabeentscheidung durch das zuständige Arbeitsamt getroffen wurde, das jeweilige PSA-Angebot zurückzieht"..."[12]

Ich finde aber, das geht nicht weit genug: ob eine PSA oder "einfache" Sklavenhändler - sie gehören bekämpft, denn der Begriff der "Schmuddelecke", aus der die Gewerkschaften sie rausholen wollten, ist die Untertreibung des Jahres!

Mag Wompel


Anmerkungen

1) Siehe zu PSA Allgemein: Einrichtung und Betrieb von Personal-Service-Agenturen (PSA) https://www.arbeitsagentur.de/vam/?content=/content/supertemplates/Content.jsp&docId=25934

2) Entnommen aus:ã Arbeitsämter sehen in PSA einen Flop. Wenige Plätze bisher besetzt / Kritik an Auswahl der Träger. Artikel aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2003, Nr. 168 / Seite 11

3) Der Grund für die 9-Monate-Befristung könnte sein: "Die PSA finanzieren sich aus den Entleihgebühren und der Förderung der Bundesanstalt für Arbeit. Das von den Arbeitsämtern für die PSA-Tätigkeit gezahlte Honorar besteht aus einer Fallpauschale während der ersten neun Monate der PSA-Beschäftigung sowie einer Erfolgsprämie im Fall der Vermittlung. Beide Honorarbestandteile sinken mit der Dauer der Beschäftigung in der PSA." Zur Quelle siehe Fußnote 1)

4) Jobwunder Zeitarbeit floppt. Miserable Bilanz. Text der Sendung von Maja Helmer in Frontal21 (ZDF) vom 11.11.2003: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/31/0,1872,2080735,00.html

5) Raubritter. Die Personal-Service-Agenturen fungieren als Vorreiter für flächendeckendes Lohndumping. Artikel von Dago Langhan in junge Welt vom 9.12.2003 http://www.jungewelt.de/2003/12-09/012.php

6) Siehe Fußnote 4

7) Vgl. Dumpinglöhne für Leiharbeiter. Ausbeutung durch Zeitarbeitsfirmen. Text der Sendung von Maja Helmer in Frontal21 (ZDF) vom 27.05.2003 http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/30/0,1872,2047966,00.html

8) Eigentlich gilt: "Die verleihfreien Zeiten sind von der PSA für arbeitsmarktliche Integrationsbemühungen und in diesem Zusammenhang sinnvolle Kurzzeitqualifizierungen zu nutzen." (Quelle Fußnote 1) - das ist aber bekanntlich zu teuerò

9) Maatwerk - ein Weg aus der Arbeitslosigkeit. Artikel ohne Datum auf der Homepage der FDP Ladenburg http://www.fdp-ladenburg.de/maatwerk.htm

10) Der Arbeitslose wird zum Kunden. Die Erfolge privater Arbeitsvermittler. Artikel von Jeannette Goddar in Das Parlament 18/2002 vom 3.5.2002 http://www.das-parlament.de/2002/18/Panorama/037.html

11) Jobwunder Zeitarbeit floppt. Miserable Bilanz. Text der Sendung von Maja Helmer in Frontal21 (ZDF) vom 11.11.2003, Teil 2 http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/26/0,1872,2080826,00.html

12) "Private Vermittler mit Vermittlungsproblemen. Frankfurter Rundschau vom 27.6.2003

 

zurück

Spenden für die Homepage: Günter Ackermann, Konto-Nr.: 433 407 436,
IBAN DE62 3601 0043 0433 4074 36., BIC PBNKDEFF, BLZ: 360 100 43
Postbank Essen. Verwendungszweck: Homepage 
(Bitte eMail-Adresse und Verwendungszweck immer angeben!)

  Bitte immer angeben!