Maatwerk?
Achtung Maatwerk!
Quelle:
LabourNet Germany
Maatwerk
ist eine Zeitarbeitsfirma (in der Sprache des LabourNet Germany:
Sklavenhändler) und gehört zu den niederländischen Dienstleistern im
Arbeitsvermittlungsmarkt, die in den frühen 90er Jahren nach
Deutschland expandierten. Nun ist Maatwerk einer der größten Betreiber
der Personal-Service-Agenturen (PSA)[1],
von denen mittlerweile bekannt ist, dass sie nicht
"reibungslos" arbeiten: "... Besonders in der Kritik
steht Maatwerk, das derzeit an mehr als zweihundert Standorten PSA
betreibt mit derzeit 10.000 Leiharbeitnehmern. Die Gesellschaft habe
bisher nicht einmal die nötige regionale Infrastruktur und vertröste
die Arbeitsämter, lautet der Vorwurf. Maatwerk-Geschäftsführer Jos
Berends indes kündigte an, daß bis Ende Juli die Vorbereitungen
beendet seien, um 5000 Menschen einzustellen...." [2]
Auch
uns erreichten seit dem Sommer 2003 mehrere Anfragen zum Gebahren von
Maatwerk und Bitten um helfende Auskünfte. Ausdrücklich ohne das den
Interessen der Erwerbslosen zuwiderlaufende Konzept der PSA an sich aus
der Kritik nehmen zu wollen, schien daher das Unternehmen Maatwerk
genauere Betrachtung wert zu sein. Daher fragten wir am 26. August 2003:
"Wer hat welche Erfahrungen mit der Firma Maatwerk gemacht? Wie
sehen die Arbeitsbedingungen und -verträge aus?"
Nun
liegen uns bis jetzt Zuschriften von 22 betroffenen Personen aus fast
allen Ecken der Republik vor. Sie sandten Informationen mit
unterschiedlichem Grad an Details, oft auch ihre Arbeitsverträge und
andere Dokumente. Die meisten von Ihnen sind (zu Recht!) sehr
vorsichtig, schreiben anonym oder bitten nicht namentlich genannt zu
werden (bis auf eine Ausnahme), was wir natürlich gerne befolgen und
uns bemühen, die unten zitierten Zuschriften z.B. durch die Entnahme
vom Datum des Arbeitsvertrages etc. nicht auf die ZusenderInnen rückführbar
zu machen.
Im
Nachfolgenden erfolgt eine Zusammenfassung dieser geschilderten
Erfahrungen mit Maatwerk, illustriert durch wörtliche Zitate. Insgesamt
bestätigt diese Zusammenfassung die ursprünglichen Vorbehalte gegenüber
diesem Unternehmen, ausdrücklich ohne damit etwas über die Güte der
Konkurrenz zu sagen. Was durch die Redaktion des LabourNet Germany nicht
gelöst werden kann, ist der hohe juristische Beratungsbedarf:
"Welchen Job muß ich annehmen?", "Welche Klauseln im
Arbeitsvertrag sind zulässig?", "Wo kann ich mich über
Maatwerk beschweren, wenn das Arbeitsamt nun für nicht mehr zuständig
ist?" und sehr oft "Wie komme ich an mein Geld?". Am
Beispiel PSA wird der Bedarf an einer Rechtsberatung für Erwerbslose,
die sich auch von den Gewerkschaften im Stich gelassen fühlen,
offensichtlich.
Wir
danken allen unseren InformantInnen und versprechen am Ball zu bleiben!
1.
"Muss ich zu Maatwerk?"
"Habe
ich irgendwelche rechtlichen Möglichkeiten um diese Sache mit Maatwerk
abzulehnen ohne negative Folgen durch das Arbeitsamt?????"
(Informant 4) - das ist eine nicht pauschal zu beantwortende Frage und
wir werden uns um die Erstellung eines Leitfadens bemühen (weshalb wir
alle LeserInnen, die uns dabei mit Hinweisen helfen können, um Meldung
bitten!). Ob man diesen angebotenen Arbeitsvertrag annehmen muss, hängt
von der Dauer der Arbeitslosigkeit, der Höhe der Lohnersatzleistungen
(nur noch in diesem Jahr!) und leider immer weniger von den
Qualifikationen ab. Das Vorstellungsgespräch kann man kaum ablehnen:
"Am [Tag X] erhielt ich vom A-Amt das "Angebot"
("sollten Sie dieses Angebot nicht annehmen, nicht antreten oder
ein Zustandekommen durch ihr Verhalten verhindern, tritt eine Sperrfrist
ein"!), mich am (...) bei "Maatwerk Gesellschaft für
Arbeitsvermittlung mbH" persönlich vorzustellen." (Informant
15).
Manche
werden aber auch gar nicht genommen, obwohl sie es möchten:
"Diskriminierung und Inkompetenz in Ihrer Niederlassung
Aachen" - so lautet zum Beispiel die Beschwerde von Dieter Worms
aus Monschau (der ausdrücklich namentlich genannt werden wollte), die
er mitterweile nicht nur an die Maatwerk GmbH gesandt hat, sondern auch
an Bundesarbeitsministerium für Wirtschaft und Arbeit,
Bundeskanzleramt, S.P.D. Parteivorstand, Bundespresseamt, Beauftragter
der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Arbeitsamt
Aachen, Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten - insgesamt an
26 verschiedene Ämter, Parteien, Petitionsausschuss und Gewerkschaften
- sowie schließlich auch an das LabourNet Germany. Der Grund: "Am
20.08.2003 wurde ich nach telefonischer Rücksprache mit Frau Jansen für
Donnerstag, den 21.08.2003 um 13.00 Uhr eingeladen zur Präsentation der
Firma PSA Maatwerk, Aachen. Dieser Termin wurde auch von mir
wahrgenommen. (...) Bei meinem Bewerbungsbogen, den ich bekommen hatte,
habe ich alles ausgefüllt, unter anderem auch, dass ich einen
Behinderungsgrad von 50% habe" Bei der Vertragsunterzeichnung wurde
daraufhin "die Äußerung gemacht, dass bei Maatwerk noch nie ein
Behinderter eingestellt wurde." So ist es auch geblieben.
2.
Unsicherheitsfaktor Arbeitsvertrag
Die
Bewerbungen bei Maatwerk finden in der Regel in Form eines Gruppengesprächs,
dem meist Einzelgespräche zur Vertragsunterzeichnung folgen. Fast alle
InformantInnen berichten, dass es schwer ist, auf ihre Fragen zu den
Vertragsbedingungen konkrete Antworten zu bekommen. Fehlende Berücksichtigung
der Qualifikation, rückdatierte Verträge, geschummelter Urlaub, ungeklärte
Fahrtkosten und Pendelbereich - das sind häufig genannte Probleme schon
mit dem Arbeitsvertrag. (Siehe als Beispiel - hier als
word-Dokument - einen Standard-Vertrag
von Maatwerk Hamburg (Informant 14), uns vorliegend als eingescannte
Grafiken. Dieser Vertrag ist wie alle befristet auf 9 Monate[3]
und sieht eine Probezeit von 3 Monaten vor, mehrfach ist uns aber auch
eine Probezeit von 6 Monaten genannt worden.)
Folgendes
schilderten uns unsere InformantInnen:
So
z.B. Informant 13: "... Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt halte ich
noch keinen Arbeitsvertrag in den Händen. Laut der Mitarbeiter der
Firma Maatwerk würde es sich um einen Arbeitsplatz im
Tagespendlerbereich (TPA) handeln, nach Aussagen anderer Bewerber wird
aber im Arbeitsvertrag bundesweit festgehalten. In den weiteren Gesprächen
verweist der Mitarbeiter von Maatwerk immer auf regional bzw. überregional.
Von TPA war schon nicht mehr die Rede. Da ich davon ausgehe, dass der
Arbeitsplatz in [X] sein wird, ist bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt
nicht geklärt, wer für die Fahrtkosten aufkommt. (...) Eine weitere
Ungereimtheit stellt sich folgendermaßen dar: ich soll einen
Arbeitsvertrag erhalten, der 3 Tage zurückdatiert ist! ..."
"bisher
noch keine konkreten erfahrungen, habe heute vom arbeitsamt bremen eine
"vermittlung" an maatwerk bekommen. bin zu meiner überraschung
dann schon heute nachmittag von maatwerk angerufen und für den [Tax X]
"hinbeordert" worden. in diesem telefonat - wo es nicht viele
auskünfte gab (das klären wir später) war die antwort auf die frage
(stand im vermittlungsangebot vom arbeitsamt bremen (nach tarif) nach
welchem tarif gezahlt würde -"nach dem zeitarbeitstarifvertrag"
nach meinem einwand, dass es diesen gar nicht gäbe - bekam ich zur
antwort "angelehnt an den randstadt tarif" - kann mir da
jemand weiterhelften - wie ist der und vor allen dingen, ist es erlaubt
unter dem jeweiligen branchentarif zu zahlen?" Und 3 Wochen später:
"habe heute mein vorstellungsgespräch gehabt. viel infos waren
nicht zu bekommen z. thema fahrkosten/porto für bewerbungen z.b. nicht.
(...) Die max. Vertragsdauer ist 9 monate - die Probezeit immer 6 Monate
- ist das eigentlich rechtens? (...) frage nach vwl und betriebsrat
wurde verneint, Aufsichtsrat sitzt wohl in holland, AR-Vorsitzender ist
den Damen nicht bekannt. (...) Frage: Probezeit 6 Monate für max 9
Monate Arbeitsvertrag! Ist das überhaupt ein richtiger Arbeitsvertrag,
wenn die BFA zahlt und die Arbeitslosenzeit nur unterbrochen wird? Ist
das korrekt, das dieser "Randstadttarifvertrag" ab 1.1.2004 für
alle Zeitarbeitsfirmen gültig ist?" (Informant 12)
"Am
[Tag X] wurde ich bei der Maatwerk GmbH Jena eingestellt. Schon bei der
Einstellung ist einiges schief gegangen. Eigentlich sollte ich bereits
im August eingestellt werden. Später wurde der Termin auf den [Tag X +
1] verschoben aus Gründen von Seiten der Maatwerk GmbH. Beim Arbeitsamt
wurde ich aber von der Maatwerk GmbH Jena bereits zum [Tag X - 2]
abgemeldet. Selber hatte ich mich beim Arbeitsamt noch nicht abgemeldet,
da ich noch keine unterschriebenen Arbeitsvertrag hatte. Als ich am [Tag
X + 1] zur Unterzeichnung meines Arbeitsvertrages zur Maatwerk GmbH kam,
wurde mir mitgeteilt, dass mich Maatwerk erst zum [Tag X + 29]
einstellen kann. Ich könnte mich ja problemlos wieder beim Arbeitsamt
anmelden (ich war vorher in der Arbeitslosenhilfe). So ganz problemlos
ging es jedoch beim Arbeitsamt Jena nicht. Schließlich habe ich es beim
Arbeitsamt Jena dann mit viel Aufwand und Aufregung doch geschafft, mich
wieder für die Arbeitslosenhilfe anzumelden. Damit dachte ich, es wäre
erst einmal alles erledigt. Nach ein paar Tagen bekam ich vom Arbeitsamt
Jena ein Schreiben, in dem stand, dass Maatwerk beim Arbeitsamt
abgegeben hätte, dass ich einen mit dem Arbeitsamt Jena abgestimmten
und angemeldeten Urlaub antreten würde (was natürlich nicht stimmte)
und deshalb der Arbeitsvertrag mit mir erst zum [Tag X + 29]
abgeschlossen werden kann. Damit könnte ich vom Arbeitsamt keine
Arbeitslosenhilfe erhalten. Ich soll mich bitte auch privat kranken
versichern. Ich hätte ja keinen Urlaub angemeldet und außerdem die
Arbeitstelle bei Maatwerk nicht angenommen." (Informant 1)
3.
Unsicherheitsfaktor "Beratung"
Es
kann an dieser Stelle nur spekuliert werden, ob die Schwierigkeiten,
konkrete Informationen zu dem zu erwartenden Arbeitsvertrag bei Maatwerk
System haben, oder mit der mangelnden Qualifikation der
"Betreuer" zusammen hängen. Letztere scheint gesichert, auch
wenn hierzu die verhältnismäßig wenigsten Informationen vorliegen:
"Soweit
ich aus dem Gespräch heraus hören konnte, handelt es sich bei den
Sachbearbeitern zum Teil auch um ehemalige Arbeitslose, die jetzt bei
Maatwerk für viel weniger als vorher arbeiten, sie schienen mir nicht
geschult, Vorstellungsgespräche zu führen. Ich hatte schon nach meinem
ersten Eindruck, den die Mitarbeiter dieser Firma auf mich machten, kein
gutes Gefühl..." (Informant 11)
"...
die beiden damen (bremen besteht aus 3 mitarbeitern) waren bemüht;
haben - wie sich später herausstellte jedoch selbst nur einen 2 tägigen
vorbereitungskurs (was meines erachtens zu wenig ist) gemacht..."
(Informant 12)
Leider
nur eine Zuschrift kam aus diesem Kreise der Maatwerk-Beschäftigten
selbst: "ich bin ehemaliger Maatwerk-Mitarbeiter und enttäuscht
von diesem Unternehmen. (...) Ich wünsche dem dicken Holländer, dass
die PSA-Verträge gekündigt werden." (Informant 3) Genauere
Angaben sind trotz Nachfrage leider bisher nicht eingegangen....
4.
Vermittelt zu Maatwerk - unvermittelt in Arbeit. Oder: "psa = ich
muss aus der arbeitslosenstatistik" (Informant 2)
Personal-Service-Agenturen
sind das Herzstück der Hartz-Reform und sollten zehntausende
Erwerbslose vermitteln. Nach den neuesten Zahlen sind 31.000 Menschen
bei einer der bundesweit 671 PSA angestellt und damit aus der
Erwerbslosenstatistik verschwunden - nur knapp 2800 sind in eine
Festanstellung vermittelt worden [4]
(andere Quellen sprechen sogar von nur 117![5]
Aber auch die übrigen werden nur in den wenigsten Fällen - aktenkundig
für Maatwerk ist eine Verleihquote von 5%[6]
- verliehen und wenn, muß man die Angebote selbst suchen, während
Maatwerk die Vermittlungsgebühren kassiert. Dies bestätigen unsere
InformantInnen:
"In
Sachen Arbeitsvermittlung wurden bis jetzt nur Gespräche geführt und
ich habe mich dann selbst beworben, da ich ja im Moment noch zu Hause
bin und man mir bisher keine Arbeit vermitteln konnte..."
(Informant 1)
"..
Es werden keinerlei Versuche unternommen, die von MAATWERK abhängigen
Mitarbeiter in bessere Arbeit zu bringen. Auf meine Aufforderung hin in
dieser Hinsicht etwas zu unternehmen, bekam ich lediglich ein Fax mit
einer Stellenanzeige aus einer Zeitung mit der Aufforderung mich dort zu
bewerben. Als Leumund sollte ich in der Bewerbung MAATWERK angeben. Mein
"Vermittler" (Allein die Bezeichnung spottet jeder
Beschreibung) sah mich bis dahin 3 mal ! Bei MAATWERK versprach man sich
in der Hinsicht, dass man mir sagte: "Sie sind ja jetzt
untergebracht" , da ich an eine andere Firma zur Arbeit ausgeliehen
bin. Desweiteren sind die Mitarbeiter mit internen Problemen so beschäftigt,
dass sie nach eigenen Aussagen zu wenig Zeit haben nach Arbeit zu
suchen, was ja eigentlich der Sinn einer PSA - Agentur darstellen
sollte..." (Informant 5)
"Ich
bin seit August diesen Jahres bei Maatwerk beschäftigt, und kann sagen
ich bin nicht zufrieden. Ich habe bei Maatwerk einen Arbeitsvertrag
unterschrieben im Glauben, dadurch schneller in eine
Festeinstellung zu kommen als über das Arbeitsamt. Ichhabe Bewerbungen
über Bewerbungen geschrieben, von Seiten Maatwerks aus wurde sich
sofort an meine Bewerbungen angehangen, von Maatwerk selber habe
ich noch nichts an Arbeit bekommen..." (Informant 6)
"ich
habe zum August einen Anstellungsvertrag bei Maatwerk in Berlin
unterzeichnet. Der größte Fehler in diesem Jahr. Seit dem September
habe ich dann eine Festanstellung in einer anderen Firma bekommen. Also
schloss ich einen Auflösungsvertrag zum [Tag X]). Dafür wollte
Maatwerk von meiner neuen Firma, die ich durch Eigeninitiative fand,
eine Unterschrift auf einen Vermittlungsbogen haben, die die Firma
selbstverständlich nicht gab...(Informant 8)
"Von
Weiterbildung oder Vermittlung kann auch keine Rede sein, nur dass mir
alle 2 Tage ein Zettel gegeben wird für eine persönliche Vorstellung
bei einem Betrieb, von dem ich eh schon eine Absage erhalten
habe..." (Informant 10)
"...
es sind noch keine jobs aquiriert - sondern es wird zusammen mit
maatwerk VERSUCHT eine neue stelle zu finden. noch besser allerdings
finde ich, dass man 4 wochen Kündigungsfrist zum monatsende hat, denn
das bedeutet, dass man ggf. einen wirklichen neuen job nicht antreten
kann (wenn es schnell gehen muss) (...) wirklich interessant ist ja
dabei, dass die firma maatwerk nicht einen einzigen job hatte (in
unserer 10 runde und dem anschliessenden einzelgespräch) und - dies
wurde auch vom vermittler bestätigt (murr) es sich hier eindeutig um
versteckte ABM's handelt - denn in den ersten 6 monaten wird einfach
alles (was in einem std-lohn für 10,80 geht) vom arbeitsamt übernommen..."
(Informant 12)
"...
Die ersten Tage soll ich mittels sog. Pendelbögen, da ich zu Hause über
die entsprechende Technik und Internetzugang verfüge, sog. Hausaufgaben
erhalten. Diese bestehen darin, dass man entsprechende Recherche (!!!)
nach Arbeitsangeboten betreibt und der Firma Maatwerk in Form dieser
Pendelbögen mit den entsprechenden Daten (Firma, Anschrift,
Ansprechpartner und Telefonnumer) nachweist (!!!) (übergibt). Lt.
Aussagen anderer Bewerber werden diese Tage als Urlaub (klammheimlich)
angerechnet..." (Informant 13)
"Ihr
solltet vielleicht mal mit den Mitarbeitern sprechen, die von Maatwerk
eingestellt worden sind und zwar als Leiharbeitnehmer. Denn diese MA
wurden in den ersten drei Monaten ohne Rücksicht auf Verluste
eingestellt damit die Zahlen erreicht wurden und das Geld vom Arbeitsamt
kommt. Und vor allen Dingen fragt mal bei Maatwerk, wer in dieser Fa. überhaupt
Ahnung von Zeitarbeit hat. Überprüft mal die so genannten
Vermittlungen, denn als Vermittlungen zählen auch solche, die nicht von
Maatwerk getätigt wurden, sondern auch diese wo sich der MA selber
vermittelt hat... (Informant 7)
Weil
die Vermittlung mangels Arbeits"angebote" in der Tat ein
Problem darstellt, versucht nicht nur Maatwerk, sondern auch andere
Sklavenhändler [7]
zu verhindern, dass ihre "Mitarbeiter" bezahlt werden müssen,
obwohl sie nicht verliehen werden können.[8]
Dies geschieht einerseits durch das Verschieben der Einstellung nach
hinten:
"
Arbeitsbeginn sollte der [Tag X] werden. Am [Tag X - 2] wurde der
Arbeitsbeginn im Vertrag auf Freitag, den [Tag X + 11] geändert. Auf
Nachfrage erhielt ich die Antwort, dass Maatwerk keinen
Einsatz/Entleiher, sprich keine Arbeit für mich hatte..."
(Informant 15).
Andererseits
wird gern gekündigt, wenn jemand nicht vermittelt werden kann, Gründe
finden sich schon:
"...
als Grund der Kündigung hat Maatwerk einer Mitarbeiterin vom A-Amt
telefonisch in meinem Beisein verraten, dass ich nicht vermittelbar bin,
da ich einen zu hohen Stundenlohn habe. Das hat mir auch Frau [XY] im
Maatwerk-Büro persönlich gesagt, als ich dort meine
Arbeitsbescheinigung abgeben musste. Heute habe ich von einer
Mitarbeiterin des A-Amtes erfahren, dass in dieserã
Arbeitsbescheinigung als Kündigungsgrund genannt wird, dass ich zwei
Arbeitsstellen abgelehnt hätte, die mir von Maatwerk angeboten worden
sein sollen und dass ich hierzu noch einen Brief von der
Leistungsabteilung erhalten werde, dass ich mich dazu rechtfertigen
muss!" (Informant 15)
Wer
aber von Maatwerk gekündigt wird, weil er nicht vermittelt werden kann,
ist dennoch erst mal seinen Vermittlungsgutschein los!
"..
Nun bin ich erneut arbeitslos, habe wieder die Rennerei mit den Anträgen,
muss mich überall wegen einer weiteren Kündigung rechtfertigen und was
am Schlimmsten ist: um einen Vermittlungsgutschein zu erhalten, muss man
hierzulande zuvor 3 Monate arbeitslos gewesen sein, das ist das Gesetz.
Also kann ich frühestens im neuen Jahr so weit gelangen, wie ich
bereits im Sommer 2003 vor meiner Gastrolle bei Maatwer warò"
(ebenfalls Informant 15)
Informant
16 faßt die Erfahrungen wie folgt zusammen:
"Ich
arbeite bis das Schiff untergeht", so die Originalworte von Frau
[XY], Fa. Maatwerk, in der 38. Kalenderwoche dieses Jahres... Nicht
direkt an mich gerichtet, sondern zufällig aufgefangen von meinen
Ohren, die seit Beginn meiner "Tätigkeit" bei Maatwerk
besonders sensibelò "Maatwerk arbeitet reaktiv"; auch dies
Worte von Frau [XY], persönlich an mich, als ich bei den ersten
Begegnungen meiner Vertragszeit die Vorgehensweise von
"Maatwerk" hinterfragen wollte. "Reaktiv sein" -
identisch mit "aushungern/mürbe machen" bis sichtbar wird,
welche Kapazität in der "Ware Mensch" noch vorhanden?! ...
und wenn dann doch noch Energie vorhanden, wird innerhalb der Probezeit
gekündigt. Sehr einfach!"
5.
Vermittelt, aber unter "Wert" - fachlich wie finanziell
Seit
der Sozialarbeiter Jos Berends 1991 im holländischen Nordbrabant
Maatwerk gründete, rühmt sich das Unternehmen mit seiner Philosophie
der individuellen Betreuung und Förderung von Langzeitarbeitslosen.
Nachgesagt werden ihm besondere Erfolge bei "Problematischen Bevölkerunggruppen",
sprich schwer vermittelbaren Menschen. "Maatwerk bildet vor Ort
einheimische Betreuer aus, analysiert die Fähigkeiten und Neigungen der
Arbeitslosen und sucht speziell auch nach verborgenen Kompetenzen. (...)
Diese genaue Abstimmung vonindividuellen Fähigkeiten zum möglichen
Arbeitsplatz halten die Eingliederungskosten und Enttäuschungen
gering."[9]
Das Konzept wird auch als "Betreuungsintensität" oder
"Betreuung vom Mentor"[10].
Und was sagen unsere InformantInnen dazu?
"Zu
Tränen rühren mich all die fantastischen Geschichten um diese
wundervolle Firma. Die Frau, die nach 10 Jahren Arbeitslosigkeit nur
aufschreiben sollte, wie sie sich ihre zukünftige Arbeit vorstellt, und
schon war der passende Job gefunden. Oder der selbstlose Maatwerk-Geschäftsführer,
der den Analphabeten drei Mal auf dem Weg zur neuen Arbeit begleitete,
da der ja in die falsche Straßenbahn eingestiegen wäre, weil er die
Schilder nicht lesen kann. Was habe ich geweint, als ich das gelesen
habe! Meine eigene Maatwerk-Erfahrung war kurz und schmerzvoll! (...)
Mein erster Einsatz begann am [Tag X] und endete am [Tag X + 24]. In der
Umgebung meines Wohnortes habe ich Hagebutten gepflückt. Nebenbei, wie
aus dem Arbeitsvertrag zu ersehen ist, bin ich Handwerksmeister. (...)
Die Gespräche am Arbeitsplatz hatten zum Inhalt, dass noch niemand
bisher entsprechend seinem Lehrberuf eingesetzt wurde. Im Gegenteil, für
die meisten Mitarbeiter war dies der erste Einsatz und die Magdeburger
hatten in der Regel die ersten 4-6 Wochen ihres Arbeitsverhältnisses zu
Hause in der Wohnung verbracht und daraufgewartet, dass das Telefon
klingelt. Der zweite Einsatz begann am [Tag X + 25] und endete am [Tag X
+ 45] mit der Zustellung meiner Kündigung. Ich war einer von sechs
Hilfskräften von Maatwerk, die in einer Tiefbaufirma die körperlich
schweren Arbeitenbeim Pflastern verrichteten. Wir (2 Elektriker, 3
Schlosser und ein Koch) waren somit mehr Helfer als unser Entleiher
Angestellte hatte. Uns wurde gesagt, wir sollten uns anstrengen, der
Arbeitgeber wünscht einen Mitarbeiter fest einzustellen. Vielleicht den
Koch (??), ist eigentlich egal, neimand von uns ist jemals Radlader
gefahren, hatte eine Rüttelplatte oder eine der unzähligen anderen
Maschinen bedient und hatte sein gesamtes Berufsleben nicht mit halb so
viel frischen Beton zu tun, wie dort in einer einzigen Woche beim Borde
setzen. Von uns wollte auch niemand eine Einstellung: die Beschäftigten
des Entleihers hatten bereits wiederholt längere Zeit keinen Lohn
erhalten und gehen demnächst, wie jeden Winter, den Weg zum A-Amt. Da
kommen wir gerade her..." (Informant 15)
"...Wir
werden Sie in Ihrem Arbeitsgebiet einsetzen usw. bla bla bla..."
(Randbemerkung: ich bin gelernter Industriekaufmann). Okay, es klang
alles recht gut und man konnte sich dagegen auch nicht beschweren, weil
man ja arbeiten möchte. Also unterschreibt man einen Arbeitsvertrag
(beigemerkt mit ca. 100 mehr als das bisherige Arbeitslosengeld). Ich
habe mir gedacht okay, da machen wir und dabei wird schon was
rauskommen. Nach ca. 2 Wochen kam dann auch ein Anruf, ich möchte doch
zum Probearbeiten vorbeikommen -> man habe einen "supertollen
Job" im CALL-CENTER. Da hab ich mir auch gedacht "danke schön,
super...". Okay, ich war einen Tag da und habe anschließend
klargestellt, da dies kein Job für mich ist. Ich finde, da dies
unterhalb meiner Qualifikation ist und ich es persönlich nicht befürworten
kann, andere Leute via Telefon zu nerven und diesen bescheuerte Fragen
zu stellen... Man sagte mir darauf hin, da dies doch auch eine kaufmännische
Tätigkeit sei - lassen wir das aber dahingestellt. Im Moment darf ich
als Zählhilfe bei einer Inventurfirma arbeiten, 3x die Woche so von zw.
3-6 Uhr morgens bis 18-21 Uhr abends. Begründet wird dies damit,
da es sich ja schließlich auch um eine kaufmännische Tätigkeit
handle...." (Informant 2)
Aus
Frankfurt/M.: "Dass Maatwerk nicht nach Qualifikationen fragt, hab
ich selbst erlebt. Ich wurde vom Arbeitsamt dorthin geschickt und hatte
mich am [Tag X] bei Maatwerk , Zeil 5-7, vorgestellt. Das
Vorstellungsgespräch lief völlig unprofessionell im Vergleich zu den
üblichen Zeitarbeitsfirmen ab. Ich wurde nur gefragt, ob ich auf 10
Fingern blind schreiben könnte und für 8,50 … eingruppiert. Es wurde
nicht mal nach der Bewerbungsmappe gefragt. Da ich schon 30 Jahre als
Sekretärin gearbeitet habe u. die nötigen Qualifikationen habe, habe
ich gefragt, warum so wenig, die Lohnspannweite beträgt dort für kaufmännische
Berufe 8,50 - 9,50 …. Der Sachbearbeiter konnte mir nicht sagen, warum
er mich nicht für 9,50 einstellt. Da das Angebot unter meinem
Arbeitslosengeld lag, lehnte ich es ab. Ich habe mich danach beim
Arbeitsamt beschwert und auch noch mal bei einer anderen
Sachbearbeiterin bei Maatwerk, die mir sagte, dass die Einstufung
innerhalb einer Lohngruppe im Ermessen des Sachbearbeiters
liegt..." (Informant 11)
"Obwohl
ich mehrere Abschlüsse im Bereich kaufmännischer Büroarbeiten
nachweisen kann, mit befristeten Arbeitsverträgen auch den praktischen
Nachweis erbracht habe, will mich Maatwerk (entsprechend Tarifvertrag
Randstad) mit einem Stundenlohn für unqualifizierte Arbeitskräfte von
6,84 … einstellen..." (Informant 13)
"
Die Bezahlung ist miserabel. 6.20 … Brutto, vor 2 Wochen machte ich
ein Praktikum in einem Hotel mit Reitbetrieb als Pferdepfleger eine
Woche lang. Arbeitsbeginn morgens um 6 Uhr bis 17 Uhr, laut
Arbeitsvertrag von Maatwerk habe ich 7-Std.-Tag. Ich habe also jeden Tag
da 11 Std. gearbeitet, meine Wegstrecke zur Arbeit betrug 48 km
(einfach). Auf meine Anfrage, was denn mit denn Überstunden und mit
Fahrtkostenzuschuß sei, bekam ich zur Antwort, das würde im Praktikums
Zeiten nicht bezahlt, erst wenn ein richtiger Verleih zustande käme.
Fazit ich wurde nicht eingestellt und habe am Ende des Monats weniger,
als wenn ich mich nicht da beworben hätte, beziehungsweise für die
Woche Fahrerei musste ich mir das Geld noch leihen..." (Informant
6)
"der
niedrigste std.- lohn sind 6,xx … und der höchste std-lohn sind 11,80
…. gehälter gibt es nicht - also alles auf std-basis. bezahlt wird
das hier in bremen alles vom arbeitsamt. das hat auch zur folge, dass
die arbeitslosenzeit nur "unterbrochen" wird (also keine neue
erworben. (..) der TV wird von randstad übernommen (bis zum 1.1.2004)
dann soll ja wohl dieser Tarivertrag von ALLEN Zeitarbeitsfirmen übernommen
werden" (Informant 12)
6.
"Wo bleibt mein Geld?"
Die
Arbeitsämter zahlen bundesweit monatlich fast zehn Millionen Euro an
Maatwerk.[11]
Mit der Auszahlung hapert es aber...
"
Als ich die 1. Gehaltsabrechnung erhalten habe, habe ich nicht schlecht
gestaunt. Nach 6 Wochen Wartezeit erhielt ich einen Gehaltszettel mit
ca. der Hälfte des Bruttogehaltes, dass im Arbeitsvertrag vereinbart
war. Ich kann nur sagen, es ist weniger als der Sozialhilfesatz, den ich
hier erhalten habe. Jedem Sozialhilfeempfänger geht es wahrscheinlich
besser, denn der bekommt wenigstens am Monatsende sein Geld. Bereits
2mal habe ich bei der Maatwerk GmbH Jena vorgesprochen, um dies
korrigieren zu lassen. Bis jetzt jedoch erfolglos. Jedes Mal wurde
mit versprochen, mein Gehalt zu ändern und mir das restliche Gehalt
nachzuzahlen. Bis jetzt ist nichts passiert. Lediglich hat man mir einen
Vorschuss über 200,00 … bar ausgezahlt." (Informant 1)
"leider
bin ich seit ca. 4 Monaten bei MAATWERK beschäftigt. (...) Bis heute
ist der Lohn falsch. Mittlerweile beträgt die Höhe der Forderungen
meinerseits fast ein Monatsgehalt, der eh nicht hohen Zahlung. (Bei
Kollegen wurde sogar über 3 Monate gar kein Lohn gezahlt). Mein
Vorgehen diesbezüglich: Ich setzte MAATWERK eine Frist um ausstehende
Zahlungen zu veranlassen, nach Ablauf dieser Frist werde ich den Betrag
nebst Zinsen und Nebenkosten einklagen. Die Korrektur der Zahlung wird
fast Wöchentlich zugesagt..." (Informant 5)
"Das
Größte kam dann am [Tag X], als dann Zahltag war. Ich bekam bis dato
keine Gehaltsbescheinigung. Da sich mein neuer Arbeitgeber mit [Herrn
XY], dem Regionalleiter in Berlin in Verbindung setzte und ihm mit der
"ffentlichkeit u. a. drohte, kam [Tag X + 6] ein Angestellter der
Firma Maatwerk bei meiner neuen Firma vorbei und brachte mir dann 200,00
… "Vorschuss". Mehr bekam ich bis dato nicht mehr. Für mich
ist das das letzte. Die meisten Angestellten in dieser Filiale bekamen
bis dato kein Geld. Es herrscht dort eine "Bombenstimmung".
(..) Das ist meine negative Erfahrung mit Maatwerk. Es wird sicherlich
auf ein gerichtliches Verfahren hinauslaufen. Im Laufe dieser Woche
werde ich dann auch noch die Polizei einschalten. Einen Rechtsanwalt
habe ich bereits mit der Wahrnehmung meiner Interessen beauftragt. Darüber
hinaus schalte ich das Landesarbeitsgericht Kiel und Berlin ein."
(Informant 8)
Der
"Fall Hannover" wird so bezeichnet, weil zu Maatwerk in
Hannover und dessen Zahlungssäumnis mehrere Zuschriften bei uns
eingingen sind:
"Habe
am [im Juni 03] einen Arbeitsvertrag bei Maatwerk Hannover
unterschrieben. Seitdem sehen versprochene Ausbildung und/oder
Vermittlungshilfen aus. Auch ist mein Gehalt seit mehreren Wochen überfällig.
Auf Nachfrage werde ich immer auf den nächsten Tag verwiesen. Verlegte
Tel-Nr. oder Vorgesetzte, die nicht genannt werden dürfen, sollen die
Gründe sein. (...) Von Kollegen habe ich erfahren, dass es denen
genauso geht, und dass eigene Mitarbeiter wohl auch betroffen sind.
(...) Finanziell ist bei mir jetzt alles zusammengebrochen. Durch Kontoüberzug
hat man mir nahegelgt die Bank zu wechseln..." (Informant 10)
Informant
16 hat Mitte August 2003 bei Maatwerk in Hannover begonnen und wartet
immer noch auf sein Geld: "...Es erfolgten bis jetzt keine
Zahlungen - intensive Nachfragen führten zur Kündigung. Mir sind bis
jetzt mehrere Menschen begegnet, die auf ihr Geld warten... Die
Informationspolitik von "Maatwerk" ist mehr als dürftig!
Hinhaltetaktik pur! Seit ein paar Tagen liegt der Vorgang bei meiner
Rechtsanwältin. (...) Am vergangenen Dienstag sind mir bei Maatwerk ca.
10-12 Menschen mit den gleichen Problemen begegnet..."
Dieses
Problem von Maatwerk in Hannover - oder besser gesagt, das Problem der
bei Maatwerk in Hannover angestellten Menschen - wurde auch in der
regionalen Presse behandelt:
"Den
Fehlstart belegt ein aktueller Fall: Brigitte S. aus Hannover,
arbeitslose Mutter von zwei Kindern, ist seit dem 31. Juli bei der PSA
Maatwerk angestellt. Seitdem wartet sie auf Vermittlungsgespräche und
Fortbildungen. Was noch schwerer wiegt: Seit Mitte August steht das
erste Gehalt von 636 Euro aus. "Ich kann dringende Rechnungen nicht
bezahlen. Bei Maatwerk werde ich nur vertröstet"..." (Neue
Presse Hannover vom 10.9.2003)
"Eigentlich
sollte mit der Anstellung in der neuen Personalserviceagentur (PSA) des
niederländischen Arbeitsvermittlers Maatwerk für die Empelderin
Cornelia Lewin der Weg zurück in den Arbeitsmarkt geebnet werden. Doch
statt in eine neue Stelle schlitterte die 46-jährige Arbeitslose erst
einmal in finanzielle Probleme. Denn seit sie Ende August bei Maatwerk
eingestellt wurde, hat sie noch kein volles Gehalt bezogen. Nur nach dem
Hinweis, dass sie nicht mehr ihre Miete bezahlen könne, wurde ihr
schließlich ein Abschlag von 200 Euro gezahlt. (...) Zuletzt hatten
sich bereits mehrfach Maatwerk-Beschäftigte über ausbleibende
Zahlungen beschwert. (...) Da die PSA-Beschäftigten ihr Geld erst im
Folgemonat erhalten, muss sie einen Monat zwischen Arbeitslosengeld und
PSA-Gehalt überbrücken..." (Hannoversche Allgemeine Zeitung vom
7.10.2003)
"Enttäuschte
Hoffnung: Liliane Killian ist in finanzielle Bedrängnis geraten - die
Personal-Service-Agentur, bei der sie angestellt war, hat nicht gezahlt.
Inzwischen hat sie gekündigt." (Artikelüberschrift in
Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 10.10.2003)
Weitere
Beiträge zu dem Thema erschienen in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom
11.10.2003 (Agentur ohne Service. Zahlungsweise bei Maatwerk in der
Kritik") sowie vom 17.10.2003 ("Wieder kein Geld von
Maatwerk"). In dieser Zeitung gab es übrigens allein im Jahr 1998
ca. 24 Artikel über Maatwerk in Hannover, damals im Vertrag mit der
Stadt bzw. Sozialamt...
Und
der drastischste der uns zugesandten Fälle (nicht aus Hannover) zum
Schluß:
"Ich
arbeite zu Zeit bei der Firma Maatwerk, diese Arbeitsstelle habe ich vom
Arbeitsamt bekommen und das Arbeitsamt kann mir bei den Problem mit der
Firma Maatwerk nicht helfen, deshalb schreibe ich Ihnen diese Zeilen.
Ich bin ein Familienvater und laufe der Firma Maatwerk hinter meinen
Lohn her. Ich konnte diesen Monat noch nicht mal die Miete, Strom,
Telefon und andere Sachen bezahlen, ich bin die ganze Woche nur
hingehalten worden und belogen worden, dann habe ich das Arbeitsamt
angerufen und die haben zu mir gesagt, dass sie damit nichts zu tun
haben, sie sind nicht mehr für mich zuständig, da ich nicht mehr beim
Arbeitsamt bin. Was kann ich jetzt tun um an mein Geld zu kommen? Und
die Firma Maatwerk hat mir auch noch versprochen, eine Arbeit im
Sauerland zu bekommen, deshalb habe ich einen Mietvertrag im Sauerland
gemacht, denn wo ich jetzt wohne, konnte die Firma mich nicht
vermitteln, wir brauchen den Lohn auch wegen dem Umzug, denn wir haben
die alte Wohnung schon gekündigt, nicht dass wir bald auf der Straße
liegenò" (Informant 9)
Fazit:
Nix Maatwerk!
"Ich
denke, mit den PSA werden eh nur die Zahlen vom Arbeitsamt beschönigt."
(Informant 6)
Diese
Einschätzung teilen auch andere:
"Ich
fühle mich gehörig unter Druck gesetzt, sicher will ich eine Arbeit
finden aber dann aus Eigeninitiative heraus und das ich da auch noch ein
Wort mitspreche und nicht einfach über mich verfügt wird." Und
"Das Formular was jeder ausfüllen sollte, habe ich - aus Versehen!
- nicht unterschrieben weil ich das Gefühl nicht losgeworden bin, daß
die Leute hier vom Arbeitsamt verbuddelt werden als Leiharbeiter im völlig
unterbezahlten Lohnbereich und ein berufliches Vorankommen kaum noch möglich
ist wenn man den Pakt geschlossen hat mit dieser
Personal-Service-Agentur..." (Informant 4)
Das
Geld für die PSA wäre offensichtlich zumindest bei den meisten ABMs
besser eingesetzt gewesen - aus gesellschaftspolitischer wie
individueller Perspektive:
"maatwerk
stellt allerhöchstens für 9 mon ein - und das bei einer 6 monate
probezeit !!! ich finde das alleine skandalös !!!!!!!!!!!!!!! denn wenn
man mal weiterdenkt - 6 monate zahlt die BFA alles, wenn du dann nicht
von maatwerk "vermittelt" wurdest- und bei den qualifikationen
- für mich könnten die nichts machen - schmeissen die dich raus wenn
dann wirklich nichts geht - 9 monate darfst du arbeiten wenn du profit
abwirftst (so sehe ich dass) und - das ist der grösste skandal - (war
bei abm anders - tägliche kündigungsfrist und so) wenn ich das richtig
denke (aussage klarã - nur mit kündigung 4 wochen zum monatsende) dann
wollen die auch noch ne ablöse, wenn man einen wirklichen arbeitsplatz
gefunden hat !!!" (Informant 12)
Was
könnte die Konsequenz sein?
"Ich
kann nur jedem raten eher weiterhin arbeitslos zu bleiben, als sich bei einer
PSA anstellen zu lassen. Da ich meiner Meinung nach nur ausgebeutet
werde, und auf deutsch gesagt für n Appel und n Ei oder weniger
Scheißarbeit machen muß, die mit meiner Qualifikation rein gar nichts
zu tun hat. Und das alles nur damit man aus der
Arbeitslosenstatistik raus ist!" (Informant 2)
Das
ist allerdings nicht so einfach umzusetzen, ohne eine Änderung der
gesetzlichen Zumutbarkeiten, die natürlich sowieso wichtig wäre... Ein
anderer Vorschlag:
"Solch
Agenturen gehören stärker überwacht und ggf. die Erlaubnis
entzogen." (Informant 5)
Vielleicht
wird sich in diese Richtung etwas tun: "Anfang Juni erhielten die
Maatwerker, die sich auch hier zu Lande einen Namen gemacht haben mit
der Vermittlung von Sozialhilfeempfängern und Langzeitarbeitslosen,
einen Brief aus Nürnberg. Darin diagnostiziert die BA
"organisatorische Schwierigkeiten bei Maatwerk" und zieht
daraus streng den Schluß, "dass sich Maatwerk mindestens bis Emde
2003 nicht mehr an PSA-Vergabeverfahren beteiligt und bei den
Vergabeverfahren, bei denen noch keine abschließende
Vergabeentscheidung durch das zuständige Arbeitsamt getroffen wurde,
das jeweilige PSA-Angebot zurückzieht"..."[12]
Ich
finde aber, das geht nicht weit genug: ob eine PSA oder
"einfache" Sklavenhändler - sie gehören bekämpft, denn der
Begriff der "Schmuddelecke", aus der die Gewerkschaften sie
rausholen wollten, ist die Untertreibung des Jahres!
Mag
Wompel
Anmerkungen
1)
Siehe zu PSA Allgemein: Einrichtung und Betrieb von
Personal-Service-Agenturen (PSA) https://www.arbeitsagentur.de/vam/?content=/content/supertemplates/Content.jsp&docId=25934
2)
Entnommen aus:ã Arbeitsämter sehen in PSA einen Flop. Wenige Plätze
bisher besetzt / Kritik an Auswahl der Träger. Artikel aus Frankfurter
Allgemeine Zeitung, 23.07.2003, Nr. 168 / Seite 11
3)
Der Grund für die 9-Monate-Befristung könnte sein: "Die PSA
finanzieren sich aus den Entleihgebühren und der Förderung der
Bundesanstalt für Arbeit. Das von den Arbeitsämtern für die PSA-Tätigkeit
gezahlte Honorar besteht aus einer Fallpauschale während der ersten
neun Monate der PSA-Beschäftigung sowie einer Erfolgsprämie im Fall
der Vermittlung. Beide Honorarbestandteile sinken mit der Dauer der
Beschäftigung in der PSA." Zur Quelle siehe Fußnote 1)
4)
Jobwunder Zeitarbeit floppt. Miserable Bilanz. Text der Sendung von Maja
Helmer in Frontal21 (ZDF) vom 11.11.2003: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/31/0,1872,2080735,00.html
5)
Raubritter. Die Personal-Service-Agenturen fungieren als Vorreiter für
flächendeckendes Lohndumping. Artikel von Dago Langhan in junge Welt
vom 9.12.2003 http://www.jungewelt.de/2003/12-09/012.php
6)
Siehe Fußnote 4
7)
Vgl. Dumpinglöhne für Leiharbeiter. Ausbeutung durch
Zeitarbeitsfirmen. Text der Sendung von Maja Helmer in Frontal21 (ZDF)
vom 27.05.2003 http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/30/0,1872,2047966,00.html
8)
Eigentlich gilt: "Die verleihfreien Zeiten sind von der PSA für
arbeitsmarktliche Integrationsbemühungen und in diesem Zusammenhang
sinnvolle Kurzzeitqualifizierungen zu nutzen." (Quelle Fußnote 1)
- das ist aber bekanntlich zu teuerò
9)
Maatwerk - ein Weg aus der Arbeitslosigkeit. Artikel ohne Datum auf der
Homepage der FDP Ladenburg http://www.fdp-ladenburg.de/maatwerk.htm
10)
Der Arbeitslose wird zum Kunden. Die Erfolge privater Arbeitsvermittler.
Artikel von Jeannette Goddar in Das Parlament 18/2002 vom 3.5.2002
http://www.das-parlament.de/2002/18/Panorama/037.html
11)
Jobwunder Zeitarbeit floppt. Miserable Bilanz. Text der Sendung von Maja
Helmer in Frontal21 (ZDF) vom 11.11.2003, Teil 2 http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/26/0,1872,2080826,00.html
12)
"Private Vermittler mit Vermittlungsproblemen. Frankfurter
Rundschau vom 27.6.2003
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