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DGB 1998:

Illusionsmacherei über Maatwerk

von Günter Ackermann

Der DGB veröffentlichte unten abgebildete Grafik (siehe). Sie soll zeigen, dass mit Hilfe dieser tollen Firma aus Holland selbst aussichtslose Langzeitarbeitslose in Arbeit und Brot kommen können. Ins gleiche Horn stoßen auch andere:

„Zwei Kundenkreise haben die Maatwerker, einen sozialen und einen gewerblichen. Die Erfolgsquote (bezogen auf die Dauerhaftigkeit der erfolgten Vermittlung) der Maatwerker liegt bei 90 Prozent. In dem jetzt mit der Stadt Hamburg geschlossenen Vertrag verpflichteten sie sich übrigens, 300 Sozial-hilfeempfänger dauerhaft in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln. Als Erfolgsprämie zahlt die Hamburger Sozialbehörde pro mindestens für sechs Monate vermittelten Sozialhilfeempfänger 4000 DM an die Maatwerk GmbH, denen Sozialhilfeminderausgaben von 1350 DM pro Monat und Kopf gegenüberstehen. Bleiben 300 Sozialhilfeempfänger nicht nur ein halbes, sondern ein ganzes Jahr beschäftigt, stehen den Bruttoeinsparungen von 4,8 Mio DM nach Abzug der Prämiensumme von 1,2 Mio rechnerisch Überschüsse von 3,6 Mio DM gegenüber.“ (Quelle)

Diesen Lobgesang auf Maatwerk kommt aus Nürnberg, der damaligen Bundesanstalt für Arbeit, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Das war noch zu Kohls Zeiten.

Im Jahr 2002 veröffentlichte die von der Regierung herausgegebene Zeitung „Das Parlament" einen rührseligen Lobhudel-Artikel auf Maatwerk: "Der Arbeitslose wird zum Kunden, Die Erfolge privater Arbeitsvermittler" (siehe)

Nach Schröder-Spezi Hartz wurde dann dann die „Arbeitsmarktpolitik“ der Regierung mit Einführen der Personal-Service-Agenturen (PSA) vervollständigt. Sie waren etwas, dass Maatwerk auf dem Leib geschneidert war und genau dessen Konzept entspricht.

Aber sehen wir uns doch die vom DGB veröffentlichte Grafik/Statistik mal genauer an:

In Hamburg hatte Maatwerk in den Jahren 1996 bis 1998 2.746 Sozialhilfeempfänger in der Mache. „Die Erfolgsquote (bezogen auf die Dauerhaftigkeit der erfolgten Vermittlung) der Maatwerker liegt bei 90 Prozent.“ Das behauptete die Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit. 

Wie sah es tatsächlich aus?

Tatsächlich (nach Angaben von Maatwerk und DGB), haben die Maatwerker ein Rechenkunststück vollbracht. Wenn sie tatsächlich 90% Erfolgsquote hätten, wären das nach Adam Rise am hier genannte Beispiel 2471

Tatsächlich aber wurden 691 vermittelt und 47 am 2. Arbeitsmarkt. Über die Qualität der 691 Jobs darf gerätselt werden. Ein Großteil wird im ungsicherteen Billiglohnbereich liegen.

Da fehlen noch 2003 „beratene Sozialhilfeempfänger“ an der 90% Erfolgsquote.

Eine Mogelpackung also! 

Wenn man sich die Grafik genauer ansieht, springt doch direkt ins Auge, dass hier was nicht stimmt. Da werden die Sozialhilfeempfänger, die keine Jobs bekamen, in mehrere unterschiedliche Gruppen eingeteilt.

- davon nach Beratung an das Sozialamt zurückgewiesen
- aus der Sozialhilfe ausgeschieden
- Eingliederung in den regulären Arbeitsmarkt
- Eingliederung in den zweiten Arbeitsmarkt
- Umschulung, Studium, Berufsvorbereitung
- trotz intensiver Beratung nicht in den Arbeitsmarkt vermittelt
- offene Fälle bei Projektende

Durch die Aufgliederung wird nur der Misserfolg kaschiert. In Wirklichkeit dürfte es  nur 2 Gruppen geben, solche, die einen Job bekamen (wie gut der Job ist, bleibt offen) und die, die keinen bekamen. Und da sieht es allerdings recht ungünstig aus: 2471:738, also – wenn die Zahlen überhaupt stimmen, 3:1

Nicht 90% Erfolgsquote, sondern vielleicht 33%. Wahrscheinlich würde sich das Verhältnis, bei genauerem Hinsehen, noch mehr verschlechtern.  

Es ist auch klar, dass die Zahlen so oder noch schlechter aussehen müssen. Wenn in Deutschland ein riesiges Herr von Arbeitslosen einem winzigen Angebot an angebotenen Arbeitsplätzen gegenüber steht, wenn also keine Arbeitsplätze vorhanden sind, können auch keine Arbeitslosen vermittelt werden. 

Wer aber gar Zahlen von 90% Vermittlungsquote - wie es am obigen Beispiel die Bundesanstalt für Arbeit, offensichtlich auch Maarwerk selbst. - angibt, lügt oder ist nicht bei Verstand.

Sind die Kollegen des DGB so unfähig, diese getürkte Statistik nicht durchschauen zu können? Ich mag es nicht glauben.

Vielmehr scheint es so zu sein, dass das ganze Konzept der Regierung Kohl und besonders Schröders, über private Arbeitsvermittler, PSA und wie das sonst noch blumig genannt wird, keinen anderen Zweck verfolgt, den Arbeitslosen vorzugaukeln, die Regierung tue etwas für sie, Wer dann keinen Job findet, der ist bei der ach so guten Hilfe, selbst schuld und muss als Schmarotzer bestraft werden. Sozialraub ist also - nach dieser Logik - ausgleichende Gerechtigkeit.

Und das macht dann der Deutsche Gewerkschaftsbund auch noch mit!

Die List der Vernunft schlug jedoch zu: Maatwerk ist pleite, dass es auch Clement und sein Chef Schröder und die ganze Hartzerei sind, ist klar, sie wissen es nur noch nicht.

Günter Ackermann

 

von:

Nach: Forum Arbeit Nr. 2/1996 und Süddeutsche Zeitung vom 14.5.1996

Bluff á la Maatwerk/DGB

Neue Chancen

Ergebnisse des Pilotprojekts von Maatwerk zur Integration von Sozialhilfeempfängern in Hamburg (1996 – 1998)

Die niederländische Beratungsagentur Maatwerk hat sich auf die Vermittlung schwer vermittelbarer Sozialhilfeempfänger spezialisiert.
copyright: DGB einblick / Nachdruck frei

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Saarländische Armutskonferenz (SAK):

Maatwerk-Pleite liegt in der Logik des Systems

„Nur wer Arbeitsplätze schafft kann Arbeitslose vermitteln“

„Auf Dauer war damit zu rechnen, dass auch große private Arbeitsvermittler unter den Bedingungen nicht oder nur schwer überleben werden“. Mit dieser Erkenntnis hat die Saarländische Armutskonferenz (SAK) die Pleite von Maatwerk-Deutschland kommentiert. Es sei immer schon ein Irrtum gewesen in Zeiten von Massen- und Dauerarbeitslosigkeit hauptsächlich auf eine bessere Vermittlung zu setzen. Auch wenn Maatwerk Erfolge vorweisen könne, bleibe es bei der simplen Logik, dass nur in diejenigen Arbeitsplätze vermittelt werden könne die auch vorhanden seien.

Solange sich in Deutschland zehn Arbeitslose um einen gemeldeten Arbeitsplatz streiten müssten, könne eine effektive Vermittlung immer nur der zweite oder dritte Schritt sein. Dass eine Firma, die sich unter den gegenwärtigen Bedingungen um Langzeitarbeitslose kümmert, rein geschäftlich Schiffbruch erleiden müsse, liege in der Logik des Systems. In der Situation des massiven Arbeitsplatzmangels und der erhöhten Konkurrenz sei gerade die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen äußerst schwierig, aufwendig und in vielen Fällen auch nicht möglich.

Dies werde sich erst dann ändern, wenn die Politik eingesehen habe, dass sie vor allem und zuerst Arbeitsplätze schaffen müsse.

Das Stichwort heißt, so die SAK, Arbeit umverteilen - durch Arbeitszeitverkürzung, Förderung von Teilzeitmodellen und der Schaffung von Beschäftigungspools. Die Diskussionen um Arbeitszeitverlängerungen seien dagegen kontraproduktiv weil arbeitsplatzvernichtend.

Wer insbesondere Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit bringen wolle, müsse insbesondere die Instrumente des zweiten Arbeitsmarktes massiv stärken und nicht verkümmern lassen wie dies derzeit zu beobachten ist. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Strukturanpassungsmaßnahmen, Projekte der Stadtteilentwicklung, etc. seien unverzichtbare Bestandteile eines funktionierenden Arbeitsmarktes. Nur so könne in nennenswerten Umfang Langzeitarbeitslosigkeit verringert und Armut verhindert werden.

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