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jW vom 8.3.2002
Asoziale Firmenpolitik Offenburger Marconi-Beschäftigte setzen sich gegen radikalen Stellenabbau zur Wehr Martin Höxtermann Die Stimmung unter den 3000 deutschen Beschäftigten des britischen Elektronikkonzerns Marconi ist geladen. Insgesamt 850 Stellen will der Konzern an seinen deutschen Standorten streichen. 471 allein am Produktionsstandort Offenburg. Dort gingen die 780 Beschäftigen des Marconi-Werkes am Mittwoch auf die Straße und organisierten mit Unterstützung von DGB, ver.di und IG Metall einen Protestmarsch durch die Innenstadt. »Der Standort Offenburg muß erhalten bleiben!« forderte der Betriebsratsvorsitzende Ernst Birmele. Offenburgs Oberbürgermeister Wolfgang Bruder (SPD) bekundete ebenfalls seine Solidarität mit den Beschäftigten. »Die Stadt Offenburg läßt Sie nicht allein im Kampf für Marconi und Ihre Arbeitsplätze, dieser Stellenabbau betrifft die ganze Region und ist ein Rückschlag für den gesamten Technologiestandort Baden-Württemberg«, sagte Bruder. Der Offenburger Betriebsrat erfuhr am Dienstag von den Plänen der Londoner Zentrale. Die Beschäftigten wurden am Mittwoch auf einer nichtöffentlichen Betriebsversammlung informiert, zu der auch Peter Braun aus der Londoner Zentrale angereist war. Nach Aussage von Beschäftigen sei dieser jedoch überhaupt nicht auf die Forderungen der Belegschaft eingegangen. »Die sind uns keinen Millimeter entgegengekommen«, sagte eine Frau, die seit 32 Jahren in dem Werk arbeitet. Der Stellenkahlschlag soll bis März 2003 umgesetzt sein und ist Teil eines weltweiten Streichprogramms des Konzerns, der im vierten Quartal des vergangenen Jahres einen Betriebsverlust von umgerechnet 212,8 Millionen Euro verzeichnete. Grund hierfür seien Auftragsrückgänge im Bereich Mobilfunk. Schon im vergangenen Jahr hatte der Telekommunikationsausrüster weltweit 8000 seiner 40000 Stellen gestrichen. 380 Entlassungen sollen auch in der Deutschland-Zentrale des Unternehmens in Backnang (Rems-Murr-Kreis) sowie an den Standorten Frankfurt und Radeberg vorgenommen werden. Betroffen sind die Bereiche Entwicklung, Fertigungsunterstützung sowie Vertrieb und Verwaltung. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht zu vermeiden, kündigte die Sprecherin des Konzerns in London an. Im Offenburger Werk, das erst seit zwei Jahren zu Marconi gehört, sollen lediglich die Sparten Richtfunk und Mikrowellen erhalten bleiben. Sämtliche Fertigungsbereiche sollen dichtgemacht werden. Der örtliche IG-Metall-Chef Gustel Stockmayer wertete den Stellenabbau als »bodenlose Frechheit«. Noch vor eineinhalb Jahren habe Marconi 150 Mitarbeiter mittels Kopfprämien aus anderen Betrieben abgeworben und sichere Arbeitsplätze versprochen. Bereits seit Sommer sei in vielen Bereichen Kurzarbeit angeordnet worden. »Und jetzt sitzen sie auf der Straße.« Betroffen seien vor allem ältere Mitarbeiter, die nur schwer eine neue Stelle finden würden. Dies sei ein »Abschied auf Raten«. Wenn die Globalisierung dazu führt, daß Betriebe dichtgemacht werden, sei sie »menschenverachtend«, sagte Stockmayer. »Es ist höchste Zeit, daß wir unsere Kräfte bündeln - deutschlandweit und konzernweit - und gemeinsam den Kampf gegen diese zerstörerische und asoziale Politik des Kahlschlags des Managements und der Banken führen«, heißt es in einem Aufruf der IGM-Vertrauensleute des Marconi-Werks Offenburg. Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2002/03-08/007.php (c) Junge Welt 2002
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