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Michael
Moore in einem Brief vom 6. September
2010
HAPPY
FUCKIN' LABOR DAY!
von
Michael Moore
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
auf
Kommunisten-online am 3.
Oktober 2011 –
Lieber
Rahm Emanuel:
Happy
Fuckin' Labor Day – Einen Schönen Fuckin' Tag der Arbeit! Ich lese
hier gerade in dieser Woche, daß ... laut einem neuen Buch von Steven
Rattner, dem einstigen „Auto-Zar“ Deiner Verwaltung ... in Gesprächen
im Weißen Haus darüber, wie die Zehntausenden Arbeitsplätze gerettet
werden sollen, die verloren wären, wenn General Motors und Chrysler
zusammenbrechen ... Deine Antwort lautete: „Fuck the UAW!“
Ich
kann jetzt gar nicht glauben, daß Du derzeit das gesagt hast. Möglicherweise
war Rattner verwirrt, weil Du eine Menge F-Bomben fallengelassen
hattest. Oder möglicherweise versuchte Deine Assistentin gerade, ein
Mittagessen zu bestellen, und Du sagtest (zu Rattner): „„A&W,
keine Fritten.“
Oder
möglicherweise hast Du gemeint Fuck the UAW. Wenn dem so ist, dann laß
mich Dir eine kleine fucking Lektion erteilen, eine Lektion, damit Dir
klar wird, daß mein fucking Onkel bei dem Sitzstreik dabei war, welcher
die fucking UAW gründete.
Einst
gab es da die Gewerkschaften, es gab da gar keine Mittelklasse. Arbeiter
schafften es nicht, ihre Kinder auf ein College zu schicken. Nur wenige
Arbeiter konnten ihr eigenes fucking Häuschen besitzen.Niemand von
ihnen konnte einen fucking arbeitsfreien Tag für ein Begräbnis oder
einen Krankentag nehmen, weil sie da sonst ihren fucking Job verloren hätten.
Dann
organisierten sich die Arbeiter selbst in Gewerkschaften. Die Bosse und
die Unternehmen hatten einen fucking Haß darauf. In der Tat wurden sie
oft überhört, wenn sie da sagten „Fuck the UAW!!!“. Dies geschah,
weil die UAW einen der weltweit größten Industriekonzerne geschlagen
hatte, als die UAW ihren Kampf am 11. Februar 1937 gewann. Das war 44
Tage nachdem sie die Werke von General Motors in Flint übernommen
hatten. Angeregt durch ihren Sieg, schlugen dann auch die Arbeiter fast
jeder anderen fucking Industrie zu. Und Gewerkschaft auf Gewerkschaft
wurde geboren. Hätte der 2. Weltkrieg nicht begonnen und wäre
Roosevelt nicht gestorben, dann wäre es zu einer wirtschaftlichen
Revolution gekommen, die jederman --- jederman --- ein fucking menschenwürdiges
Leben beschert hätte.
Bei
all dem schufen die Arbeitergewerkschaften eine Mittelklasse für die
Mehrheit. Sogar Unternehmen, die keine Gewerkschaften hatten, wurden
dazu gezwungen, nahezu Gewerkschaftslöhne zu zahlen, um an Arbeitskräfte
zu kommen. Und jene Mittelklasse erbaute ein großartiges Land und ein
gutes Leben. Da siehst Du mal, Rahm, wenn die Leute einen fucking guten
Lohn verdienen, geben sie ihn für Dinge aus, was dann wieder mehr
gutbezahlte Arbeitsplätze schafft, und dann nimmt die Mittelklasse
fucking-mäßig zu. Hast Du jemals gewußt, daß seinerzeit, als ich ein
Kind war, wenn man da einen bei den Eltern mit einem gewerkschaftlichen
Lohn hatte, daß dann nur einer von den Eltern arbeiten mußte?! Und die
Arbeiter kamen um 15 Uhr oder 16 Uhr von der Arbeit nach Hause. Die
letzten Arbeiter kamen um 17:30 Uhr nach Hause! Wir nahmen unser
Abendessen gemeinsam ein! Vater hatte vier Wochen bezahlten Urlaub. Wir
alle hatten kostenloses Gesundheitswesen und kostenlosen Zahnarzt. Und
jeder mit guten Noten ging auf's College. Und das hat sie nicht pleite
gemacht. (Und wenn Du da jemals das F-Wort benutzt hättest, dann hätten
die Nonnen Dich derart rausgeschmissen, daß Du es nicht mehr ertragen hättest,
auch nur mal davon zu hören.)
Dann
feuerte ein Republikaner alle Fluglotsen. Ein Demokrat verabreichte uns
das Freihandelsabkommen NAFTA, und Millionen Jobs wurden nach Übersee
verlagert ... sag mal, hast Du da nicht auch in jenem Weißen Haus
gearbeitet? „Fuck the UAW, baby!“ Die Gewerkschaften wurden ängstlich
und niedergeschlagen. Ein patziger Junge wurde Präsident. Und wie ein
außer Kontrolle geratener Betrunkener warf er all das fucking Geld und
das Geld unserer Kinder weg. Fuck!
Und
jetzt muß die Großmutter von Deiner Assistentin bei fucking McDonalds
schuften. Frag sie mal nach Fotos, wie die Mittelklasse gewöhnlich
ausgesehen hatte. Das war einst super cool! Ich wette, Großmutter sagt
nicht „Fuck the UAW!“.
Hey,
versteh' mich da nicht falsch, Rahm. I mag Dich ganz fucking. Du hast im
Alleingang das Weiße Haus 2006 wieder an die Demokraten gebracht. Aber
Du und Dein Boss tun besser was fucking schnelles, um die Leute wieder
in Arbeit zu bringen. Wie wäre es denn mal damit, es zu einem
Verbrechen werden zu lassen, einen US-amerikanischen Arbeitsplatz zu
nehmen und ihn aus dem Land zu verlagern? In anderen Worten, behandle
das mal, als ob es ein fucking nationaler Schatz wäre. Wie Du es tätest,
würde jemand die Unabhängigkeitserklärung aus den Archiven oder würde
irgendein Wilderer Eier aus dem Nest eines amerikanischen Weißkopfadlers
stehlen.
Oder
wie wäre es damit, ein paar von jenen Wall Street - Typen hinter
Gittern zu bringen, die fucking unser Geld gestohlen haben. Und zwar das
Geld, welches die US-amerikanische Wirtschaft am Laufen hielt. Das würde
jetzt etwas fucking Mut erfordern.
Und
möglicherweise, sehr möglicherweise wäre es so, daß ein Handeln mit
wahrem Mut Deinen Arsch am kommenden 2. November rettet.
Oh,
ich kann Dich jetzt schon hören: „Fuck Michael Moore!“ Kein
Problem. Aber Fuck the UAW? Wie wäre es, wenn ich da nur das „A“
und das „W“ weglasse?
Gruß,
Michael
Moore
P.S.
Ich gebe gerne noch mit, was der Republikaner Alan Grayson heute
schrieb:
Hier
steht, was Robert Kennedy am Tag der Arbeit vor 42 Jahren sagen mußte:
„Zu
oft und zu lange scheinen wir unseren Gemeinschaftssinn und unsere
gemeinsamen Werte für die reine Anhäufung von materiellen Dingen
aufgegeben zu haben. Unser Brutto-Inlands-Produkt ... wenn wir Amerika
danach beurteilen sollten ... dann zählt da die Luftverschmutzung und
die Zigarettenreklame, und die Rettungswagen zur Säuberung unserer
Autobahnen von dem Gemetzel.
Es
zählen die speziellen Schlösser für unsere Türen und die Gefängnisse
für jene, die sie aufbrechen. Es zählt die Zerstörung unserer roten Wälder
und der Verlust unserer Naturwunder in dem chaotischen Wildwuchs. Es zählt
das Napalm und der Kostenbetrag für einen nuklearen Sprengkopf, und die
gepanzerten Fahrzeuge für die Polizei, die die Unruhen auf unseren Straßen
bekämpft. Es zählt Whitmans Gewehr und Specks Messer und die
Fernsehprogramme, die die Gewalt verherrlichen, um Spielzeug an unsere
Kinder zu verkaufen.
Doch
das Brutto-Inlands-Produkt läßt nicht die Gesundheit unserer Kinder,
die Qualität ihrer Bildung, oder die Freude an ihrem Spiel zu. Es erfaßt
nicht die Schönheit unserer Dichtung oder die Stärke unserer ehelichen
Gemeinschaften, die Intelligenz unserer öffentlichen Aussprache oder
die Integrität unserer Amtsträger. Es mißt weder unseren Verstand
noch unseren Mut., weder unsere Weisheit noch unser Lernen, weder unsere
Mitgefühl noch unsere Hingabe gegenüber unserem Land. Es mißt alles,
kurz gesagt, außer jenem, was das Leben menschenwürdig macht. Und es
sagt uns alles über Amerika, außer, warum wir stolz sind, daß wir
Amerikaner sind.“
Als
Robert Kennedy diese Worte sagte, betrug die Arbeitslosenrate in Amerika
3,7%. Heute ist sie fast dreimal so hoch. Viel zuviele unserer
arbeitenden Brüder und Schwestern haben keine Arbeit, dies dank mehr
als einem Jahrzehnt der Mißwirtschaft. 10% von uns sind arbeitslos. Und
die anderen 90% schuften wie die Hunde, nur um zu vermeiden, zu den
Arbeitslosen noch hinzuzukommen. Was genau das ist, was die Bosse
wollen.
Aber
das muß nicht so sein. Ich freue mich auf einen Tag der Arbeit, an
welchem jeder Arbeiter einen Arbeitsplatz hat, jeder Arbeiter eine Rente
hat, jeder Arbeiter bezahlten Urlaub hat, und jeder Arbeiter eine
Krankenversicherung hat, um sein Leben zu genießen.
Unsere
republikanischen Gegenspieler nennen das Frankreich. Ich nenne es
Amerika, und zwar ein Amerika, welches die Nummer Eins ist.
Nicht Nr. 1 in verschwendeten Militärausgaben.
Nicht Nr. 1 bei der Zahl besetzter Länder in Übersee.
Sondern:
Nummer
Eins bei Arbeitsplätzen.
Nummer
Eins beim Gesundheitswesen.
Nummer
Eins beim Bildungswesen.
Nummer
Eins beim Glück.
Wie
einst Robert Kennedy sagte: „Ich träume von Dingen, die es nie gab.
Und ich frage, 'warum nicht?'„
Warum
nicht? Laßt uns das machen.
Und
alle von uns, die Amerikaner sind, einschließlich derer, die heute
arbeitslos, obdachlos, krank und notleidend sind, - wir alle können
dann sagen: „Ich bin stolz darauf, ein Amerikaner zu sein.“
Quelle:
http://www.michaelmoore.com
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