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USA:
MASSENPROTESTE
IN DEN USA WEITEN SICH AUS
USA:
MASSENPROTESTE
IN DEN USA WEITEN SICH AUS
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Havanna,
8. Oktober 2011, Cubadebate. Auf Kommunisten-online am 1p. Oktober 2011)
– Nach 21 Tagen Protestwelle von Besetzt Wallstreet sind
Massenproteste gegen die soziale Ungleichheit und die Macht des
Finanzkapitals in 45 der 50 US-Bundesstaaten ausgelöst worden. Dies ist
mittlerweile auch zum alltäglichen Thema in der Berichterstattung der
Medien geworden, wird unter den Kuppeln und auf den Fluren der
Machtzentralen der USA diskutiert und beherrscht auch viele Straßengespräche
in Dutzenden von Städten in den USA.
„Wir
sind 99%“, so hört man es rufen und sieht es auf Losungen zwischen
Tampa in Florida und Portland in Oregon. Laut Medienberichten
marschierten dort am Donnerstag jeweils Zehntausende Menschen
protestierend durch die Innenstädte. Und heute errichteten sie
Protestlager und/oder demonstrierten in San Diego, San Francisco,
Minneapolis (wo ein Platz des Volkes gegenüber der Bürgermeisterei
errichtet wurde), Tampa und Atlanta.
Derweil
veranstaltete Besetzt Wallstreet seinen zweiten Aktionstag mit ca. 300
Menschen, die Teilnehmer einer Generalversammlung sind, um eine
Tagesordnung und Aktionen zu beschließen, nachdem gestern demonstriert
worden war. Laut den Organisatoren gibt es Initiativen, Versammlungen
und andere Veranstaltungen diesbezüglich in 900 Städten und
Ortschaften der USA.
Hier
auf dem Freiheitsplatz, nur ein paar Querstraßen von der Wallstreet
entfernt, löst das am 17. September errichtete Zeltlager weiterhin
Reaktionen im US- und Weltmaßstab aus. Heute überquerten ca. 200
Vertreter der haitianischen Gemeinschaft von New York die Brooklyn-Brücke.
Sie demonstrierten zum Freiheitsplatz mit Sprechchören „Besetzt Wall
Street, nicht Haiti“. Sie wurden von einer gleichstarken Gruppe der
Besetzer empfangen. Und gemeinsam kamen dann beide Gruppen beim
Protestlager an.
„Dieselben
Bankiers und Kapitalisten, die derzeit die US-Amerikaner in die Armut,
in die Verschuldung und in die Obdachlosigkeit treiben, haben die
Haitianer seit Jahrzehnten ins Elend gestürzt (...) die haitianische
Gemeinschaft demonstriert ihre Solidarität mit den Tausenden Menschen,
die sich gegen die Gier und gegen die kapitalistische Krise derzeit
erheben“, so erklärten die Haitianer in ihrer öffentlichen
Verlautbarung.
An
diesem Nachmittag hörten die Kundgebungsteilnehmer und Sympathisierende
zwei griechischen Gelehrten zu, welche einen Vortrag über die
Widerstandsbewegung gegen die Kürzungspolitik in Griechenland hielten.
Im Publikum sieht man weiterhin vor allem die Studenten, allerdings
jetzt begleitet von Gewerkschaftern, Arbeitslosen, Freiberuflern,
Umweltschützern, Kriegsveteranen, einer Brigade aus Großmüttern für
den Frieden, Geistlichen. Also ein Mosaik, welches jeden Tag
vielgesichtiger wird. Es wird von einer Vielzahl von Forderungen und
Problemen geredet. Und zu Kritiken, dass derzeit noch kein Programm mit
konkreten Vorschlägen vorgelegt worden ist, heißt es, dass es viele
Vorstellungen gibt, aber im Wesenskern der Punkt ist aufzuzeigen, dass
„sich hier eine Demokratie zeigt“, an der alle teilhaben. Jemand
bekräftigt: „Wir sind dabei, einen demokratischen Raum im Bauch der
Bestie Wall Street aufzumachen.“
ES
SAMMELN SICH IMMER MEHR MENSCHEN
Mit
der Vervielfachung der Aktionen im US-Maßstab und der Unterstützung
aus diversen gesellschaftlichen Bereichen geht die dramatische Wandlung
dieser Initiative weiter. Bei ihrer Geburt wurde sie fast ausschließlich
von privilegierten weißen Jugendlichen gebildet. Jetzt nennen einige
sie bereits eine „Bewegung“, weil diese Initiative begonnen hat,
auch die großen Gewerkschaften und Massenorganisationen aller Art zu
erfassen, was ihr ein stärkeres Profil als Ausdruck der Gesellschaft in
der politischen Szene der USA verleiht.
„Diese
Protestbewegung Besetzt Wall Street gegen die wirtschaftliche und
soziale Ungleichheit ist bereits in ca. 45 Bundesstaaten der USA
vorhanden“, meldete heute die Nachrichtensendung von NBC News. „Auf
dem Freiheitsplatz gibt es nicht nur täglich mehr Organisierung,
sondern die Organisatoren haben Spenden in Höhe von Zehntausenden
Dollars erhalten. Außerdem kamen hier Kleidung, Lebensmittel und
weiteres an.“
Für
andere Nachrichtensendungen ist die ganze Sache sehr ernst zu nehmen.
Aber dies entbehrt dann wiederum nicht einer gewissen Komik. In seiner
Schlagzeile vermeldet beispielsweise CNN: „Wall Street - Proteste
brechen aus; sie bringen Wut gegen die politischen und Finanzsysteme zum
Ausdruck“. Derweil fasst eine Moderatorin zusammen: „Es sind viele wütende
Menschen da draußen.“ Die Frage an die Reporterin, die am
Freiheitsplatz steht, lautet, ob es da so etwas wie auf dem Tahrirplatz
in Kairo gäbe. Die Reporterin antwortet, dass dies durchaus zu sehen
ist und so sein könnte.
Offenkundig
ist man sich jedoch dabei nicht klar darüber, dass dies heißen würde,
dass diese Bewegung es bis zum Sturz der US-Regierung bringen würde.
Einige
bekannteste Beobachter, Kommentatoren, Wissenschaftler und politische
Strategen diskutieren, ob dies der Beginn einer fortschrittlichen
Volksbewegung als Gegenpol zur ultrakonservativen Tea Party ist, ob dies
nun den Wahlaussichten für Barack Obama helfen oder ihnen schaden würde,
ob dies sich überhaupt effektiv auswirken würde, oder ob da gar eine
Revolution detonieren könnte. Auf der anderen Seite prangern die
Vorkandidaten für die Präsidentschaft unter den Republikanern Besetzt
Wall Street als „gefährlich“ an, weil dies den „Klassenkampf“ fördern
würde und „antikapitalistisch“ und daher „antiamerikanisch“
sei.
Der
Nobelpreisinhaber und Wirtschaftsfachmann Paul Krugman schrieb heute in
seinem Leitartikel in der New York Times: „Irgend etwas geht hier
vonstatten. Was es ist, ist noch nicht ganz klar. Aber wir können
letztlich gerade das Entstehen einer Volksbewegung sehen, die im
Unterschied zur Tea Party auf die richtigen Leute wütend ist.“ Er
hebt hervor: „Die Anschuldigung der Demonstrierenden, Wall Street sei
eine zerstörerische wirtschaftliche und politische Kraft, ist völlig
richtig.“
Krugman warnt: „Jetzt, mit Gewerkschaften und einer zunehmenden Zahl
von Demokraten, die zumindest eine qualifizierte Unterstützung der
Demonstrierenden darstellen, beginnt man, Besetzt Wall Street als eine
Großveranstaltung zu sehen, die schließlich als Wendepunkt aufgefasst
werden könnte.“
In
New York beklagen sich einige über die „allgemeine
Unzivilisiertheit“ auf dem Platz und den ständigen Lärm der
Trommeln, wie ein Bürger es in der Live-Radiosendung gegenüber Bürgermeister
Michael Bloomberg äußerte.
Bloomberg
ist ein prominentes Mitglied jenes 1 % an Schwerreichen des Landes. Er
meinte: „Wir sind bemüht, dies so anzugehen, dass das Problem nicht
größer wird und schützen die Rechte aller. Es gibt da keine einfachen
Lösungen. Und ich kann nur sagen, dass wir derzeit daran arbeiten.“
Auch wenn er dann von der „physischen Belästigung“ sprach, die das
Protestlager verursacht.
Aber
es scheint bereits zu spät geworden zu sein. „Das Problem“ ist
bereits größer geworden.
(Entnommen
aus La Jornada, Mexiko)
Quellen:
http://www.cubadebate.cu
http://www.jornada.unam.mx/ultimas/
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