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Maßregelung bei Opel in Bochum

Die Folge des Verrats?

von Günter Ackermann

Dass vorige Woche die Arbeiter von Opel in Bochum streikten, konnten wir in allen Medien sehen und lesen. Ich muss nicht wiederholen, warum es ging.

Die bürgerlichen Medien überschlugen sich darin, der Öffentlichkeit weis zu machen, dieser Streik sei schädlich und bringe die von Arbeitsplatzvernichtung bedrohten Kollegen in eine schlechte Position. GM/Opel verhandele erst, sagte man, wenn wieder gearbeitet werde.

So sah es auch die IG-Metall, Teile des Gesamtbetriebsrates und des Betriebsrates in Rüsselsheim.

Es wurde also den Kollegen eingeredet, dass sie wieder arbeiten müssten, wenn verhandelt werden solle. Trotzdem streikten die Bochumer Opel-Arbeiter weiter. Und der Streik begann Wirkung zu zeigen. In Rüsselsheim und Antwerpen mussten die Bänder stillgelegt werden, es fehlten die Teile aus Bochum.

In der Situation verstärkte sich der psychologische Druck auf die Opel-Kollegen. Opel verhandele nicht, solange gestreikt würde, wurde verkündet. In einer Belegschaftsversammlung sollte dann darüber abgestimmt werden, ob der Streik weitergeführt oder abgebrochen werde.

Wer aber glaubte, es sei heiß und kontrovers auf der Versammlung diskutiert worden sei, der irrte. Nicht, dass die Kollegen meinten, es bestünde kein Diskussionsbedarf. Der bestand schon, aber es durfte nicht kontrovers diskutiert werden. Der Betriebsratsvorsitzende und die IG-Metall wollten kein Risiko eingehen. Also sprachen nur der BR-Vorsitzende Hahn, dessen Stellvertreter Rainer Einenkel und der örtliche IG-Metall-Bevollmächtigte Ludger Hinse. Sonst keiner. Dass alle drei Befürworter der Arbeitsaufnahme sind, sei nur am Rande vermerkt.

Die Kollegen sollten, so stand auf den Stimmzettel, folgende Frage mit ja oder nein beantworten:

Soll der Betriebsrat die Verhandlungen mit der Geschäftsleitung weiterführen und die Arbeit wieder aufgenommen werden?“(siehe Faksimile des Stimmzettels)

Wer für Verhandlungen war – dafür waren sicherlich alle – musste nach dieser Formulierung gegen den Streik sein und umgekehrt.

Trotzdem stimmten von den 6447 anwesenden Opel-Arbeitern noch 1757 dagegen. Das ist mehr als ein Drittel, was natürlich zu wenig ist.

Der Vize-Vorsitzer des Betriebsrates in Bochum Einenkel, sagte dann auch treudoof zur Presse, es stimme nicht, dass die Formulierung auf dem Stimmzettel von der Konzernleitung stamme. Mag sein, dass der Opel-Vorstand das nicht formulierte, es hätte von ihm auch nicht besser formuliert werden können.

Es ist eine alte gewerkschaftliche Regel, dass, wenn gestreikt wird, die Gewerkschaften die bessere Verhandlungsposition haben. Unter dem Druck des Streiks sind die Unternehmer leichter bereit, nachzugeben.

Ebenso alt ist auch eine alte Unternehmerregel, dass man behaupten müsse, man verhandele nicht unter Streikdruck. Lässt sich die Gewerkschaft dann auf dieses Spiel ein, dann haben die Unternehmer gewonnen. Ein Streik lässt sich nicht einfach mal so anzetteln. Es müssen die verschiedenen Faktoren zusammen kommen, dann ist ein Streik, speziell ein spontaner, möglch. Wenn die nicht stimmen, gibt es auch keinen Streik. Ich habe selbst an unterschiedlichen spontanen Streiks teilgenommen und führend daran mitgewirkt. Ich weiß, wovon ich rede.

Dass bei solch einen abgebrochenen, oder sagen wir: abgewürgten Streik – von der IG-Metall abgewürgt – die Wiederaufnahme des Streiks sehr schwer ist, wissen die IGM-Führung, die des Betriebsrates und auch die Konzernchefs. Genau das wollen sie ja erreichen.

Gestern, am ersten Montag nach dem Streik kams dann: Opel feuerte zwei der Streikenden. Der Vorwand: die beiden hätten werksöffentlich die Namen von Streikbrechern bekannt gegeben.

Das zeigt, dass die Bosse von Opel sich sicher fühlen. Indem wir Öffentlichkeit herstellen und uns mit den beiden gemaßregelten Kollegen solidarisieren, können wir die Machenschaften der Konzernbosse durchkreuzen.

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Der Stimmzettel von Opel

So verarschte die Betriebsratsspitze im trautem Verein mit der IG-Metall die Opel-Kollegen

"Es stimmt nicht, dass dieser Stimmzettel von der Geschäftsleitung geschrieben wurde."

So die treudoofe Richtigstellung des Stellvertreters des Betriebsratsvorsitzenden Opel-Bochum, Rainer Einenkel

Solidaritätskreis Opel fordert auf:

Solidarität mit den zwei gemaßregelten Gewerkschafter von Opel in Bochum

26.10.2004

Liebe Freundinnen und Freunde,

heute um 20 Uhr hat sich unser Solidaritätskreis kurzfristig getroffen. Es sind zwei Kollegen bei Opel fristlos gekündigt worden, ein Betriebsrat und ein Kollege aus der Endmontage. Wir vom Solidaritätskreis für die kämpfenden Opelaner weisen diese Kündigungen empört zurück und erklären den Kollegen unsere uneingeschränkte Solidarität und Unterstützung.

Der Kampf der Opelaner gegen die Vernichtung von 12.000 Arbeitsplätzen europaweit ist gerechtfertigt und wurde von einer grenzenlosen Solidarität der Bochumer Bürger sowie von Menschen aus zahlreichen anderen Städten und Ländern getragen.

Wir haben beschlossen:

Diese Maßregelung der kämpferischen Belegschaft überall bekannt zu machen - wer einen von euch angreift, greift auch uns an! Die Solidarität weiter zu organisieren und zu verbreitern - jetzt erst recht! Wir bereiten eine bundesweite Unterschriftensammlung vor und werden unsere Spendensammlung verstärken.

Die fristlosen Kündigungen müssen sofort vom Tisch!

Wir bitten euch, dies bekannt zumachen und die Solidarität zu entwickeln.

Im Auftrag des Solidaritätskreises

Anne Fuchs

In der Schuttenbeck 12

44892 Bochum

Tel.: 0234-3259065

Anne.Zorro@arcor.de

Spendenkonto \"Solidaritätskreis Opel\", Sparkasse Bochum, BLZ: 430 500 01, Konto-Nr.: 741 63 40

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Spenden für die Homepage: Günter Ackermann, Konto-Nr.: 433 407 436,
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