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Die (die
Betriebsräte von Opel, Red. K-online) haben uns während des
Streiks völlig im Stich gelassen. Seit Streikende haben sie
sieben Wochen lang die Möglichkeit gehabt, in den Verhandlungen
etwas Vernünftiges rauszuholen. Sie haben versprochen, daß es
keine betriebsbedingten Kündigungen geben würde. Wie eben
beschrieben, gibt es die ja durch die Hintertür nun doch. |
jungeWelt
vom 14.12.2004
Interview
Interview: Daniel Behruzi
»Ich
würde es immer wieder so machen«
Der »Verhandlungserfolg«
bei Opel ist keiner. Aber der Ausstand der Bochumer Belegschaft im
Oktober war nicht umsonst. Ein Gespräch mit Jürgen Rosenthal
* Jürgen Rosenthal
arbeitet bei Bochum und war einer der führenden Aktivisten beim einwöchigen
Ausstand im Bochumer Opelwerk im Oktober
F: Wie beurteilen Sie die kürzlich beim Autobauer
Opel gefundene »Teillösung«?
Im Grunde wurde nichts Neues
offeriert. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht vom Tisch. Die
Auffanggesellschaft bedeutet nichts anderes als betriebsbedingte Kündigungen
auf Raten. Nach einem Jahr sind die Kollegen dann doch arbeitslos.
Letztlich hat sich gegenüber der Situation vor sieben Wochen, als wir
vorm Tor standen, nichts geändert.
F: IG-Metall-Vize Berthold Huber und der
Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Opel, Klaus Franz, sprechen aber
ebenso wie Politiker und Medien von einem großen Erfolg.
Wenn das so ist, dann sollen
die uns mal erzählen, was mit den Kollegen, die in die
Auffanggesellschaft wechseln, in einem Jahr passieren soll. Wer soll die
nach einer Umschulung denn anstellen, wenn Opel als größter
Arbeitgeber in der Region nicht mehr da ist? Die meisten Kollegen werden
nach einem Jahr definitiv arbeitslos sein.
F: War der Arbeitskampf im Oktober demnach umsonst?
Nein, auf gar keinen Fall.
Erst einmal müssen wir sicherlich feststellen, daß wir Opelaner in
Bochum nicht das erreichen konnten, wofür wir gekämpft haben. Aber wir
haben sehr viele Kolleginnen und Kollegen im ganzen Bundesgebiet endlich
aufgeweckt. Die Menschen haben gemerkt, daß man überhaupt kämpfen
kann. Denn wer nicht kämpft, der hat schon verloren. Der Ausstand im
Oktober war keinesfalls ein Fehler. Ich würde es jedenfalls immer
wieder so machen. Vielleicht nehmen sich andere ein Beispiel an uns. Möglicherweise
ist auch in Bochum das letzte Wort noch nicht gesprochen.
F: Was hat für einen unmittelbaren Erfolg gefehlt?
Die anderen Belegschaften von
Opel und General Motors in Rüsselsheim, Kaiserslautern, Eisenach,
Antwerpen usw. hätten auch streiken müssen. Damit hätten wir der
Geschäftsleitung gezeigt: Wir sind alle solidarisch, greift ihr einen
von uns an, greift ihr alle an. Das hat gefehlt. Wir haben alleine
geblutet. Die Kollegen haben dann langsam um ihre Existenzen gefürchtet.
Sie haben jeden Streiktag 100 Euro netto verloren. Und manche sind nun
mal Familienväter, haben mehrere Kinder oder haben sich Häuser
gekauft. Die konnten nicht mehr. Über diese Existenzängste hat der
Konzern die Kollegen wieder an die Arbeit gebracht.
F: Wie beurteilen Sie die Rolle der Betriebsrats-
und Gewerkschaftsspitze in dieser Auseinandersetzung?
Die haben uns während des
Streiks völlig im Stich gelassen. Seit Streikende haben sie sieben
Wochen lang die Möglichkeit gehabt, in den Verhandlungen etwas Vernünftiges
rauszuholen. Sie haben versprochen, daß es keine betriebsbedingten Kündigungen
geben würde. Wie eben beschrieben, gibt es die ja durch die Hintertür
nun doch. Während dieser Zeit hat uns der Betriebsrat kein einziges Mal
über den Stand der Verhandlungen informiert. Sie haben uns so lange im
Ungewissen gelassen und uns verängstigt, damit wir, wenn sie uns das
Ergebnis mitteilen, nicht wieder auf die Straße gehen. Für mich sind
das alles Komanager von Opel. Deswegen wollen sie auch, daß wir nicht
mehr rausgehen.
F: Welche Schlußfolgerungen ziehen Sie aus dieser
Rolle der Betriebsrats- und Gewerkschaftsspitzen? Wie weit ist die
Selbstorganisation und die Vernetzung an der Basis vorangeschritten?
Die Aktivität und Vernetzung der Kollegen an der
Basis war im Oktober sehr groß. Das bröckelt jetzt aber. Die
Vertrauensleute, die beim Ausstand eine aktive und kämpferische Rolle
gespielt haben, sind nach dem Streik bei den Vertrauensleuten abgewählt
worden. Geschäftsleitung und Betriebsrat haben sich auf einige, wie
mich persönlich, eingeschossen. Ich kann aber versichern, daß wir
weitermachen, auch wenn wir diese Auseinandersetzung erst einmal
verloren haben. Unser Ziel ist, uns jetzt mit anderen Belegschaften zu
vernetzen und uns so eine größere Basis für zukünftige
Auseinandersetzungen aufzubauen.
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