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„Wer
im Stich lässt seinesgleichen – lässt ja nur
sich selbst im Stich…“
Deutsche
Gewerkschaftsführer verraten und verkaufen deutsche und ausländische
Opel-Kollegen
Von
Günter Ackermann
Kommunisten-online
vom 24. September 2009 – General Motors, die „Mutter“ von
Opel, war pleite. Nur fette Summen der USA-Steuerzahler retteten den
Konzern. Es hieß, GM werde/müsse den deutschen Autokonzern Opel
verkaufen oder still legen.
Die
Suche nach einen „Investor“, also einen, der meint, wenn er Opel
kauft, mache er gute Profite, war eröffnet. Fiat war schon bald aus dem
Rennen, den mochte die IGM nicht, man hatte sich in Magna International
Inc. verliebt. Warum? Ich weiß es nicht. Angeblich plane Magna
den geringsten Stellenabbau von allen Bewerbern um den Opel Deal.
Die
IG-Metall bot Magna an, die Opel-Kollegen dazu zu bringen, dem Käufer
1,5 Milliarden Euro Lohnkosten zu schenken, wenn sie, die IG-Metall
mittels einer eigenen Gesellschaft – die natürlich von den
Gewerkschaftsführern kontrolliert wird, am Geschäft beteiligt werde.
Die IG-Metall-Führung wählte die schräge Konstruktion einer
Vorratsgesellschaft
für die Arbeitergroschen als Rechtsform. Die Opel-Beschaftigten zahlen
das Geld mittels Lohnverzicht – die Gewerkschaftsführer haben die
Finger drauf. Die Aktionäre dieser ominösen Gesellschaft sind auch
nicht die, die das Geld her geben – die Opel-Kollegen – sondern Betriebsratsvorsitzenden
der vier Opel-Standorte in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und
Eisenach. Ist das nicht nett? Die also sind Treuhänder des Geldes, das
sie Arbeiter dem Konzern in den Rachen werfen.
Wie
treu sind die Hände der Gewerkschaftsführer?
Sibd
eigentlich die Schweinereien um die gewerkschaftseigene Neue
Heimat und Coop aus den 80er Jahren schon vergessen? Die Neue Heimat
als Wohnungsbaugesellschaft besaß insgesamt 420.000 Wohnungen, meist
Großsiedlungen. Die Wohnungen waren keineswegs besonders billig, eher
zu teuer. Mir sagte damals ein hoher Gewerkschaftsfunktionär der
IG-Chemie, man bezeichne den Konzern als „Teure Heimat“.
1982
wurde nachgewiesen, dass sich der NH-Chef Albert Vietor persönlich an
den Mietern bereichert hatte. Die Schiebereien des „Kollegen“ Vietor
hatte keineswegs der Aufsichtsrat der NH heraus gefunden –
Vorsitzender war der damalige DGB-Vorsitzende Vetter, sondern der
„Spiegel“ Das alles war erst1982.
Das
Geld, das die Neue Heimat groß gemacht hatten und das Vietor verzockte,
waren Gewerkschaftsgelder, also Arbeitergroschen und Mieteinnahmen, also
wieder Arbeitergroschen, denn die Neue Heimat baute Betonsiedlungen, in
denen Arbeiter wohnten.
Und
COOP? Das waren einst die Konsumgenossenschaften aus der
Genossenschaftsbewegung der Arbeiter in Deutschland. Die wurden in den
70ern zusammengeschlossen zur Coop-AG. Über Briefkastenfirmen waren die
DGB-Gewerkschaften Eigentümer der Coop-AG.
Coop-Chef
Otto verschob die Gewinne über komplizierte Manipulationen nach
Liechtenstein und die Schweiz, manipulierte die Bilanzen und erschlich
sich Gelder in Millionenhöhe. Die Coop ging pleite und wurde billig
verscherbelt – die „treuhänderischen“ Groschen der Arbeiter waren
futsch, Gewinner war der Metro-Konzern, der alles billig kaufte.
Das
sind nur zwei Beispiele der treuen Hände der Gewerkschaftsführer,
Auch
zu erwähnen sei ihr das Wirken des Peter Hartz bei VW. Der schickte
Betriebsräte auf Luxusreisen mit Puffbesuchen und erkaufte sie so
Lohnverzicht der Kollegen.
IGM-Führung
ist bereit, mit Magna gemeinsame Sache zu machen
Jetzt,
wo der Deal um Opel so gut wie perfekt ist, sickerte durch, dass Magna
keineswegs so lieb und nett ist. Man hatte vorher von den Betriebsräten
und der IG-Metall die stillschweigende Zustimmung am Stellenabbau
bekommen. Aber jetzt kommt heraus, dass es bei den zugestandenen
Entlassungen nicht bleiben wird. Sie Zahl der verlorenen Arbeitsplätze
soll weitaus höher werden. Magna ist eben kein karitatives Unternehmen,
das Segnungen ausschüttet, sondern es wirtschaftet knallhart
kapitalistisch.
Ob
es Magna darauf ankommt, das Geld bei Opel mittels verkaufter Autos zu
verdienen oder, ob man einfach nur den Opel-Konzern – gleich
Heuschrecken – ausweiden will, ist unklar.
Ich
meine, genau das ist der Grund des Kaufs von Opel durch Magna. Opel verfügt
über eine Menge Forschungsergebnisse im Bereich des Kfz-Baus. Der
bisherige Besitzer GM hat sich bereits den Zugriff hierauf zusichern
lassen. Das aber kann Magna noch weiter betreiben.
Ist
dann alles verkauft und zu Profit gemacht, wird die Bude einfach in den
Konkurs (Insolvenz) geschickt. Die Opel-Kollegen stehen europaweit auf
der Straße.
Die
IGM schert aus der Front der Solidarität aus
Abstelle
die Opel-Kollegen zum entschlossenen Kampf um ihren Job zu bringen,
wiegelt die IGM-Führung ab, täuscht die Kollegen und will deren Geld für
die ominöse Gesellschaft haben, die dann zu 10% von Opel hält. Wird
Opel in die Pleite getrieben, ist das Geld der Kollegen dann futsch, ihr
Lohnverzicht hat dazu beigetragen, ihren Arbeitsplatz zu vernichten und
den Vernichter, Magna, 1,5 Milliarden € zu schenken.
Die
Taktik von Magna besteht darin, die Kollegen der verschiedenen
Opel-Werke gegeneinander auszuspielen. Einmal natürlich die deutschen
Kollegen, aber vor allem die deutschen Kollegen von ihren ausländischen
Kollegen in den verschiedenen Ländern Europas (z.B. Polen, England,
Spanien, Belgien) gegeneinander auszuspielen. Anstelle den gemeinsamen
Kampf zu organisieren, spiel die IGM-Führung mit.
In
der Solidarität der Arbeiter liegt deren Stärke, nicht im Kratzbuckeln
vor dem Kapital und schon gar nicht im Lohnverzicht. Die IG-Matall-Dührung
weiß bereits jetzt, dass sie ihre Mitglieder bei Opel verraten wird.
G.A.
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Replik
zum Artikel „Deutsche Gewerkschaftsführer verraten und verkaufen
deutsche und ausländische Opel-Kollegen“
von
Günter Ackermann
WIE
SÄHE EIN „OPEL-DEAL“ IM SOZIALISMUS AUS?
von
Jens-Torsten Bohlke, Redaktionsmitglied vom 26. September 2009
Lieber
roter Webmaster,
mir
stank das auch sehr mit Opel. Zumal nur wenige hundert „Opelaner“
aus Deutschland nach Antwerpen kamen, als vorgestern dort der
Massenprotest der Autowerker ablief. Die belgischen Kollegen hatten auf
mehr Solidarität gehofft, wie mir übrigens auch der türkische Fahrer
den Shuttle-Bus sagte, der auch mich täglich zur Arbeitsstelle fährt....
Die Deutschen würden „nur ihr Ding machen“, so der verbreitete
Eindruck bei den Belgiern. Nach außen tun die deutschen
Gewerkschaftsbosse so, als ob sie „alle Standorte, auch Antwerpen“
im Auge hätten. Aber die Mobilisierung für Antwerpen, welche jetzt am
stärksten sein muss, fällt in Deutschland eher mäßig wie ein kleines
Alibi-Feigenblättchen aus.
Und
morgens im Frühprogramm von ARD und ZDF haute der Reporter an den
Bussen mit den 200 Rüsselsheimern vor ihrer Abfahrt nach Antwerpen
auch genau in die opportunistische Kerbe: Schadet Ihr Euch nicht
selbst, wenn Ihr angesichts notwendiger Massenentlassungen auch das
belgische Werk in Antwerpen halten wollt? So nur eine von etlichen üblen
Fragen, auf die es als Antwort keinesfalls den unsereins da etwa
erwarteten Begriff Solidarität gab. Stattdessen das verhalten klingende
Eingeständnis, dass der gesamteuropäische Betriebsrat von Opel sich
hinter alle Standorte gestellt hatte. Was nun eben umgesetzt werden
musste ... ziemlich halbherzig! Die Busse waren also ein Feigenblatt.
Denn: Wo Tausende für Opel schuften, hätten auch Tausende nach
Antwerpen fahren müssen. Mit Sonderzügen, nicht mit Bussen... . Und
aus Solidarität im Geiste des proletarischen Internationalismus, „Die
Internationale“ singend. Und nicht im Grübeln über konservative
Denke von „Standortpolitik“ und durch irgendein offenbar höheres
Naturgesetz vorgeblich unvermeidlich gewordene Massenentlassungen.
Ich
habe 2,60 Euro geopfert und mir am 24. September die „Financial Times
Deutschland“ für die Bahnfahrt am Feierabend geleistet. Denn auf der
Titelseite dieses Herzblatts für das
Finanzkapital prangte „Opel-Deal gerät ins Wanken“, von
Marco Hucke (Hamburg), Timo Pache (Berlin) und Reinhard Hönighaus (Brüssel).
Von den Zahlen im genannten Artikel war interessant, wie die Verteilung
der Lasten aus den Folgen des „Opel-Deals“ mit Magna aus Sicht der
Belegschaften der Opel-Werke und geordnet nach Ländern aussehen:
Deutschland:
Verlust von 4116 Arbeitsplätzen = 16,7% Opelaner in Entlassung.
Belgien:
Verlust von 2517 Arbeitsplätzen = 100% aller Opelaner in Entlassung.
Spanien:
Verlust von 2090 Arbeitsplätzen = 32,7% der Opelaner in Entlassung.
Großbritannien:
Verlust von 1373 Jobs = 30,7% der Opelaner in Entlassung.
Dies
dürfte erklären, warum vor allem Belgien, Großbritannien und Spanien
den „Opel-Deal“ mit Magna nicht dermaßen euphorisch begrüßen wie
gerade Deutschlands Medienimperialismus und Politikmanagement. Lt. og.
Artikel der „Financial Times Deutschland“ schickten die Briten gar
„einen Brandbrief nach Brüssel“.
Bemerkenswert
ist auch beim „Opel-Deal“, wie sehr die US-Konzernherren von General
Motors darauf bedacht sind, aus den US-Patentrechten für sich weiterhin
Profite bei jedem von Opel in Europa produzierten Auto noch bis weit in
die Zukunft hinein herauszuschlagen. Dies erinnert mich an den auf
K-Online publizierten Artikel von Fidel Castro über den Philips-Konzern
und dessen Deal mit Venezuela und Kuba, wo es um modernste medizinische
Apparaturen ging und die USA letztlich zwei Jahre lang die
Ersatzteillieferungen zum Schaden hunderttausender lateinamerikanischer
Patienten blockierten. Nur um letztlich unter Obama 100.000 Dollar
„Abfindung“ für sich von Philips herauszuschlagen.
Wissenschaftlich-technologische
Abhängigkeit ist neben finanzieller Abhängigkeit die Hauptgeißel des
Imperialismus, des Kapitalismus in seinem monopolistischen Stadium, wo
es sogar das Monopol auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Entdeckungen
gibt. Nur um sie nicht in den Dienst der Menschheit zu stellen, sondern
den Profitinteressen weniger Clans der Hochfinanz unterzuordnen. Da wird
auf offene und weniger offene Art tagtäglich Profit auf tagtäglich
neuen Leichenbergen und mit Massenentlassungen bei gleichzeitigem
Lohndumping gemacht.
In
Belgien ist Lohndumping noch nicht drin. Wohl daher ist dieser Opel-
„Standort“ am gefährdetsten. Keinem Beschäftigten darf in Belgien
der Lohn gemindert werden. Was nicht heißt, dass die Herren der
Produktionsmittel nicht versuchen würden, durch manches Hintertürchen
doch Lohnsenkungen einleiten zu wollen. Zuletzt geschah dies durch ihren
Versuch, die Einstiegslöhne in etlichen Branchen um 200 Euro brutto
absenken zu wollen, was die Berufsanfänger sowie Neueinstellungen
betroffen hätte. Da war jedoch die Arbeiterklasse rasch mobilisiert
durch die Gewerkschaften. Und es gab ein paar Massenproteste, bis dieser
Angriff auf die Löhne abgewehrt war. Selbst Leih- und Zeitarbeiter
erhalten in Belgien die jeweiligen branchenüblichen Löhne und Zuschläge.
Raubtierkapitalismus
in seiner extremeren Form ist vor allem in Deutschland seit Jahrzehnten
gängige Praxis geworden, eben weil sich die gewerkschaftlich
organisierte Arbeiterklasse unzureichend bis gar nicht gegen den
Klassenkampf „von oben“ durch Klassenkampf „von unten“ zur Wehr
setzt. Generalstreik ist in Deutschland ein Tabuthema, während es in
Belgien alle paar Jahre mal einen Generalstreik gibt. Zuletzt war dies
der Fall, als vor zwei Jahren das gesetzliche Eintrittsalter für den
Vorruhestand von 58 auf 60 Jahre hoch gesetzt wurde.
In
Großbritannien wurden die Gewerkschaften insbesondere in der
Thatcher-Periode weitgehend finanziell ruiniert und somit als
Kampforganisationen erdrosselt, indem veränderte Gesetze es zuließen,
sie für „der Wirtschaft zugefügte Schäden“ finanziell haftbar zu
machen. Weshalb es dem britischen Imperialismus in seinem og.
„Brandbrief nach Brüssel“ wegen dem „Opel-Deal“ mit Magna auch
nicht um die britischen Opel-Werke und deren Erhalt geht, sondern um
weniger Subventionen für den Erhalt von Opel.
Und
wir Kommunisten? Wie würden wir denn „Opel retten“ und „die
Banken retten“, so könnten uns etliche Menschen ja gerne mal fragen.
Unsere Antwort darauf könnte folgendermaßen lauten: Wir würden nicht
„Opel retten.“ In einem sozialistischen Staat jedoch, wie die DDR es
war, wurden wegrationalisierte Arbeiter kurzerhand ihren Fähigkeiten
und den wirtschaftlichen Erfordernissen gemäß bei voller
Lohnfortzahlung umgeschult. Anschließend traten sie ihre neue Arbeit
an. Es ist für uns selbstverständlich, dass durch solche
sozialistische Rationalisierung keine Lohnkürzungen eintreten, keine
Massenentlassungen mit dem Ergebnis von Massenarbeitslosigkeit
eintreten, sondern den arbeitenden Menschen ein menschenwürdiges Leben
und das Recht auf Arbeit garantiert bleibt. In der DDR stand dies nicht
nur in der Verfassung als Grundrecht, sondern das Arbeitsrecht der DDR
war seinerzeit in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts das
fortschrittlichste Arbeitsrecht weltweit.
Oder
denken wir mal an Venezuela, wo es noch gar keine sozialistische
Gesellschaft gibt. Wohl aber gibt es dort den höchsten gesetzlichen
Mindestlohns ganz Lateinamerikas, Kündigungsschutz für alle jene im
Lohnbereich von bis zur Summe von drei Mindestlöhnen monatlich. Ab Mai
2010 soll der 8-Stunden-Vollzeitarbeitstag gesetzlich durch den
6-Stunden-Vollzeitarbeitstag in Venezuela ersetzt werden, natürlich in
den unteren und mittleren Lohngruppen mit vollem Lohnausgleich! So verhält
sich eine Regierung, die ihre solide Zweidrittelmehrheit im Volke bei
jeder Wahl zu verteidigen
schafft und sich den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft zumindest
zum Ziel gesetzt hat. Wo der Präsident nicht Kommunist, wohl aber
revolutionärer Demokrat ist.
Höchste
Zeit, dass wir Kommunisten uns auch in Deutschland wieder organisieren.
Schließlich sind wir die einzige Kraft, die dem Volk eine Alternative für
seine gesicherte Zukunft in Frieden und Wohlstand bieten kann. Gerade
angesichts der gegenwärtig immer stärker um sich greifenden
Zukunftsangst bei vielen hart schuftenden ausgebeuteten Menschen braucht
es die kommunistische Kampf- und Massenpartei der Arbeiterklasse, die
auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus der Arbeiter- und
Volksbewegung die richtige Orientierung im Klassenkampf gibt.
Hände
weg von unseren Arbeitsplätzen!
Hände
weg von unseren Löhnen!
Es
lebe der proletarische Internationalismus!
Jens-Torsten
Bohlke
Redaktionsmitglied
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Opel
und kein Ende
Von
whs
Arbeiterkorrespondenz
auf Kommunisten-online vom 23. Januar 2010 – Da
hat die Politik das getan, was von ihr erwartet wurde:
Die Arbeiter wurden hingehalten mit schönen Parolen, während
die Eigentümer Nägel mit Köpfen machten. Nachdem man sich absolut
vergaloppiert hatte, ließen die GM-Eigner MAGNA ein Konzept vorlegen,
nach dem wohl nun GM selbst vorgehen will.
Wie
hatten unsere Politiker getönt, alle möglichen Hebel sollten in
Bewegung gesetzt werden, um „Arbeitsplätze zu retten“. Es wurden
auch alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt, aber nicht, um den Beschäftigten
bei Opel die Arbeitsplätze zu erhalten, sondern, um den GM-Aktionären
die Dividenden zu erhöhen. Da ist es dann auch schon mal völlig egal,
was schon alles erzählt wurde. Frei nach Adenauers Maxime „was
interessiert mich mein Geschwätz von gestern“, werden neue Parolen
unter die Leute gehauen, die genau so hilfreich sind wie die bisher geäußerten.
Auch
ein Herr Koch, der erst wieder durch seine Äußerung gegenüber
HARTZ-IV-Empfängern unangenehm auffiel, muss sich natürlich zu Wort
melden. Schließlich kennt er sich in Gelddingen bestens aus. Vollmundig
verspricht er, dass Zahlungen an GM erst erfolgen, wenn ein
detailliertes Konzept für Deutschland vorliegt. Was von diesen Aussagen
zu halten ist, haben uns unsere Politiker im letzten Jahr mehr als ein
Mal deutlich unter die Nase gerieben. Sie sind nicht die Luft wert, mit
der sie gesprochen werden.
Ob
die Gewerkschaften die Hilfe sind, die sie zu sein vorgeben, wird die
Zeit erweisen. Bisher kommt auch hier nur blauer Dunst. Die Beschäftigten
bei Opel stehen ziemlich belämmert allein da. Wenigstens auf ihren
Betriebsrat können sie zählen. Da bleibt nur zu hoffen, dass er so
bleibt, wie er ist. Wenn allerdings auch GM die VW-Option in Bezug auf
den Betriebsrat zieht, sehe ich für die Arbeiter dunkelschwarz.
Wichtig
in dieser Situation ist die Solidarität zwischen den einzelnen
Opel-Betrieben. Hoffentlich lassen sich die Opelaner nicht auseinander
dividieren und fallen sich gegenseitig in den Rücken. Wenn eine Lücke
in der Front entsteht, wird sofort nachgestoßen. Das bedeutet aber
auch, dass sich deutsche Arbeiter für ihre belgischen Kollegen stark
machen müssen. Wenn die deutschen Kollegen Antwerpen opfern, um auf den
Erhalt der eigenen Arbeitsplätze zu spekulieren, gehen sie ein sehr großes
Risiko ein.
Mit
ihrem Slogan „Wir sind Opel“ treten die Arbeiter stark auf. Stehen
sie zusammen, dann können sie diese Stärke auch weiter ausspielen.
Sobald aber auch nur ein Standort aus dieser Phalanx ausbricht, werden
die einzelnen Belegschaften wie Strohhalme geknickt.
Die
Opel-Arbeiter haben die große Chance zu zeigen, dass die deutsche
Arbeiterklasse noch nicht in der Versenkung verschwunden ist. Sie ist
noch da, um für ihre Interessen zu kämpfen. Sie ist zwar nicht mehr so
stark wie früher, aber auf dem Wege der Genesung. Die Hoffnung der
deutschen Arbeiter ruht auf den Opelanern. Werdet dieser Hoffnung
gerecht. Kämpft Kollegen! Kämpft um Euer und aller Werktätigen Recht!
Unsere Solidarität ist mit Euch!
Rot
Front
W.
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Weitere
Opfer nicht ausgeschlossen
RÜSSELSHEIM/WIEN/MOSKAU
german-foreign-policy.com
von 23.09.2009
– Begleitet von massiven Protesten bereitet der Opel-Konzern die
weitere Konzentration der europäischen Automobilindustrie in
Deutschland vor. Wie jüngste Berichte bestätigen, werden die Werke des
Unternehmens und seiner Schwesterfirma Vauxhall in Großbritannien und
Spanien um jeweils ein Drittel reduziert. Das Opel-Werk in Belgien wird
komplett stillgelegt. Zugleich bleiben die Stellenstreichungen in
Deutschland deutlich unter dem Durchschnitt. Ein beträchtlicher Teil
der wegfallenden Industriekapazitäten wird vom ökonomisch eng
angebundenen Österreich übernommen. Gegen die Maßnahmen laufen die
Beschäftigten in Spanien und in Belgien Sturm, während deutsche
Gewerkschafter die Pläne verteidigen: Wer „nicht wettbewerbsfähig
aufgestellt“ sei, müsse dem Abbau von Arbeitsplätzen „ins Gesicht
schauen“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz. Deutsche
Gewerkschafter gehören zu den Hauptprofiteuren des Deals: Mit Hilfe
eines milliardenschweren Lohnverzichts des Opel-Personals streben sie
nach der Kontrolle über einen Zehn-Prozent-Anteil am Konzern;
erhebliche Machtgewinne sind damit verbunden.
Wie
jüngste Berichte bestätigen, treffen die Stellenstreichungen, die der
neue Eigentümer Magna bei Opel durchführen will, insbesondere Belgien,
Spanien und Großbritannien. Das belgische Werk in Antwerpen soll vollständig
stillgelegt werden; für das spanische Werk in Zaragoza sowie die
britischen Werke (Ellesmere Port und Luton) ist der Abbau von jeweils
fast einem Drittel des Personals geplant. In Deutschland steht die Kürzung
von einem Sechstel der Arbeitsplätze bevor, deutlich weniger als im
konkurrierenden Ausland. Politisch von Bedeutung ist, dass ein spürbarer
Teil der deutschen Kapazitätsverluste durch Verlagerung nach Österreich
zustande kommt; die österreichische Wirtschaft ist der deutschen
besonders eng verbunden (german-foreign-policy.com berichtete [1]). Mit
den Plänen setzt sich die Konzentration der europäischen
Automobilindustrie bei der EU-Hegemonialmacht Deutschland fort.
Proteste
Massive
Proteste werden in den betroffenen Ländern laut. So werden für den
heutigen Mittwoch mehrere Tausend Demonstranten in Antwerpen erwartet;
eine symbolische Menschenkette um das dortige Werk, das vollständig
stillgelegt werden soll, ist geplant. Beobachter schätzen, dass eine
Stilllegung nicht nur die 2.500 Antwerpener Opel-Arbeiter, sondern
mindestens ebensoviele Beschäftigte aus Zulieferbetrieben arbeitslos
machen wird - ein schwerer Schlag für die belgische Industrie.
Ein
abgekartetes Spiel
Auch
in Großbritannien regt sich Widerstand gegen die Streichungspläne. Die
Gewerkschaft Unite, die größte des Landes, verlangt sofortige Gespräche
und eine vollständige Neuverhandlung des Magna-Deals. Laut
Erkenntnissen des Unite-Generalsekretärs sind mindestens 1.830
Arbeitsstellen der Opel-Schwester Vauxhall von den Kürzungen
unmittelbar bedroht – mehr, als offiziell zugegeben wird. Der
Stellenabbau wäre demnach der Einstieg in die Schließung des 1857 gegründeten
britischen Traditionsunternehmens.[2] Der Unite-Generalsekretär ruft
die EU zum Einschreiten auf: Die Einigung zwischen GM und Magna sei ein
mit der deutschen Regierung „abgekartetes Spiel“.
Mit
allen Mitteln
Auch
in Spanien kommt es zu kämpferischen Protesten gegen die Magna-Pläne.
In Zaragoza demonstrierten am Samstag bis zu 40.000 Menschen, darunter
namhafte Politiker, angeführt und unterstützt von verschiedenen
Gewerkschaften. Weitere Demonstrationen und ein Streik, der den
Forderungen nach geringeren Lasten für Spanien „mit allen Mitteln“
Nachdruck verleihen soll, sind geplant.[3] Auch der Ton zwischen Spanien
und Deutschland verschärft sich. So konstatiert die Vorsitzende der
konservativen Partei Spaniens (PP) in der betroffenen Region Aragón, es
komme bei Streitigkeiten wie dieser auf das „Gewicht eines Landes“
an.[4] Die Äußerung entspricht dem Unverständnis der
Regionalregierung Aragóns, die Corsa-Produktion von dort nach Eisenach
zu verlagern - in Eisenach fielen, heißt es, die Produktionskosten höher
aus als in Zaragoza. Die spanische Regierung plant die EU einzuschalten,
der Wirtschaftsminister erhebt schwere Vorwürfe gegen Berlin: Er sei
nie über den Magna-Plan selbst informiert, sondern nur zur finanziellen
Beteiligung an dem Milliardenkredit aufgefordert worden.
Nicht
so dramatisch
Auf
die Solidarität der deutschen Gewerkschaften können die belgischen,
britischen und spanischen Beschäftigten nicht hoffen. Tatsächlich
haben die IG Metall und der deutsche Betriebsrat stets offensiv für den
Opel-Verkauf an Magna gekämpft [5] - in Kenntnis der Pläne, überdurchschnittlich
Jobs außerhalb Deutschlands abzubauen. Wer „nicht wettbewerbsfähig
aufgestellt“ sei, müsse einer Stellenstreichung „ins Gesicht
schauen“, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz schon in
der vergangenen Woche. Zudem müssten die Opel-Arbeiter in Belgien, Großbritannien
und Polen der Bundesregierung für ihren Einsatz für den Magna-Deal
dankbar sein, denn „ansonsten wären diese Standorte insolvent“
geworden. Franz sagte über die Stellenstreichungen im europäischen
Ausland: „Ich sehe das nicht so dramatisch“. Der Mann steht auch dem
europäischen Betriebsrat von Opel vor [6], der die Interessen der
nichtdeutschen Opel-Beschäftigten mitzuvertreten vorgibt und am
heutigen Mittwoch Krisengespräche führt.
Freiwillig
Der
hartnäckige Kampf deutscher Gewerkschafter für den Magna-Deal, der die
innereuropäische Vormacht der deutschen Automobilindustrie stärkt, ist
eng mit ihrem Streben nach einer neuen Machtposition im Konzern
verflochten. Unter dem Schlagwort „Mitarbeiterbeteiligung“ sollen
zehn Prozent der Opel-Aktien verbal an die Beschäftigten ausgegeben
werden; Gewerkschaftskreise wollen diese Aktien de facto einer
Gesellschaft übertragen, in der Gewerkschafts- und Betriebsratsfunktionäre
die Entscheidungsgewalt innehaben.[7] Ihre neue Machtposition erkaufen
sie sich mit Lohneinbußen der Beschäftigten, die in den nächsten fünf
Jahren auf 1,5 Milliarden Euro verzichten sollen - als „freiwillige“
Bezahlung für den Zehn-Prozent-Anteil. Die von den Arbeitern gewählten
Repräsentanten werden damit zu Co-Aktionären, die den „Standort
Deutschland“ nicht nur gegen Beschäftigte aus Belgien, Großbritannien
und Spanien verteidigen, sondern auch Arbeiter aus der Bundesrepublik in
ihre Schranken weisen. Dies belegen jüngste Äußerungen von Berthold
Huber, des Vorsitzenden der IG Metall. Huber zufolge sind - zusätzlich
zu den aktuellen Stellenstreichungen und dem Lohnverzicht - weitere
„Opfer“ in Zukunft „nicht ausgeschlossen“.[8]
[1]
s. dazu Unheimlicher
Anschluss (II), Krise
und Konzentration und Mafiotische
Züge
[2] Union Fury At Huge Vauxhall Job Cull Plan; Sky News 22.09.2009
[3] Los sindicatos auguran, tras el éxito de la protesta, un otoño 'caliente';
El periódico de Aragón 20.09.2009
[4] Rudi califica de „éxito“ la manifestación contra el plan
industrial de Magna en Opel; Europa Press 21.09.2009
[5] s. dazu Stürzende
Giganten (II) und Die
Automacht
[6] Jobabbau? Aber klar doch!; Süddeutsche Zeitung 16.09.2009
[7] „Wie die WirtschaftsWoche aus Kreisen der Beteiligten erfuhr, wird
sich der Vorstand dieser Aktiengesellschaft aus dem
Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Klaus Franz, Rechtsanwalt Apitzsch
und dem Lovells-Anwalt und Mergers und Akquisitions-Experten Michael
Witzel zusammensetzen. Den Aufsichtsrat bilden die
Lovells-Steuerrechtsexpertin Ruth Zehetmeier-Müller, ein Vertreter der
IG Metall und vier Vertreter des Opel-Betriebsrats. Als Aktionäre
fungieren die Betriebsratsvorsitzenden der vier Opel-Standorte in Rüsselsheim,
Bochum, Kaiserslautern und Eisenach. Dabei haben sich Apitzsch und die
anderen Anwälte eine besondere Rechtskonstruktion einfallen lassen. Die
Opelaner erwerben ihre Anteile an ihrem Arbeitgeber nämlich nicht
selbst. Rechtlicher Eigentümer wird vielmehr die gegenwärtige
'Vorratsgesellschaft 4', die die Anteile der Mitarbeiter an Opel
zugleich treuhänderisch hält. Die Opel-Mitarbeiter selbst erhalten
keine Aktien, sondern nur einen Anspruch auf diese Aktien, sprich: das
Recht, den Gegenwert in Geld zu erhalten.“ wiwo.de 27.06.2009
[8] „Wir lassen uns nicht mehr erpressen“; Frankfurter Allgemeine
Zeitung 19.09.2009 |
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