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Quelle: iungeWelt
vom 21. Oktober 2004
21.10.2004
Daniel Behruzi
Opel-Werker ausgetrickst
Belegschaftsversammlung in
Bochum beschloß Wiederaufnahme der Arbeit. Aktivisten
empört über Winkelzüge des Betriebsrats
»Das war Verarschung.« Mit
diesen Worten drückte Vertrauensmann Uli Schreyer im Anschluß an die
Versammlung der Bochumer Opel-Belegschaft am Mittwoch nachmittag die
Stimmung vieler seiner Kollegen aus. Zuvor hatten sich 4647 der 6404
anwesenden Beschäftigten in einer schriftlichen Abstimmung für die
Wiederaufnahme der Arbeit in dem seit vergangenen Donnerstag bestreikten
Opelwerk ausgesprochen. Der Haken war die Formulierung. Auf dem
Abstimmungszettel war folgende Frage mit Ja oder Nein anzukreuzen: »Soll
der Betriebsrat die Verhandlungen mit der Geschäftsleitung weiterführen
und die Arbeit wieder aufgenommen werden?«
Damit habe der Betriebsrat
die Frage nach einer Fortsetzung der Verhandlungen, die von allen Beschäftigten
befürwortet würden, mit der umstrittenen Wiederaufnahme der Arbeit
verknüpft, kritisierte Andreas Felder, stellvertretender Vertrauenskörperleiter
der IG Metall für zwei der betroffenen Werksteile. »Beschäftigte und
Vertrauensleute haben sich auf den Betriebsrat verlassen, aber die
Belegschaft ist irregeführt worden«, so Felder gegenüber junge Welt.
Er forderte den Betriebsratsvorsitzenden Dietmar Hahn zum Rücktritt
auf. Dieser habe »von Beginn an darauf hingearbeitet, daß wir wieder
an die Arbeit gehen«, meinte Walter Kwiatskowski, der ebenfalls
gewerkschaftlicher Vertrauensmann ist. »Mit dieser Betriebsratsspitze
ist Hopfen und Malz verloren«, ergänzte ein anderer Arbeiter. Laut
Kwiatskowski seien bei einer Abstimmung in seinem Werksteil kurz vor der
Betriebsversammlung noch fast alle für eine Fortsetzung des Ausstandes
gewesen. Der Betriebsrat war erst nach massivem Druck überhaupt dazu
bereit gewesen, eine Versammlung der Gesamtbelegschaft einzuberufen.
Auf dieser durften dann
jedoch lediglich Betriebsratschef Hahn und sein Vize Rainer Einenkel
sowie der lokale Bevollmächtigte der IG Metall, Ludger Hinse, ihre
Meinung kundtun. Kritiker der Arbeitsaufnahme kamen nicht zu Wort. »Wir
haben erwartet, daß vor der Abstimmung eine breite Diskussion unter den
Kollegen stattfindet, aber Saalmikrofone gab es gar nicht«, berichtete
Schreyer auf jW-Nachfrage. Einenkel, der die Versammlung leitete, sagte
dazu auf der anschließenden Pressekonferenz, man habe »seit
vergangenen Donnerstag täglich 24 Stunden Zeit« für Diskussionen
gehabt. Hinse meinte, ȟber Formulierungen so oder so kann lange
diskutiert werden«, entscheidend sei aber das Ergebnis, und das heiße,
daß die Arbeit wiederaufgenommen werde. Hahn erklärte vorsichtshalber,
daß der Stimmzettel vom Betriebsrat und nicht von der Geschäftsleitung
formuliert worden sei. Die Gespräche mit dem Unternehmen würden am
heutigen Donnerstag wieder aufgenommen, kündigte er an.
»Die Auseinandersetzung ist
nicht zu Ende«, stellte Vertrauensmann Steffen Reichelt im jW-Gespräch
fest. »Wir haben in den letzten sechs Tagen sehr viel gelernt«, sagte
er und kündigte an: »GM wird noch ein erhebliches Problem mit uns
haben.«
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