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Offener
Brief an die Mitglieder der IG Metall.
Sehr
geehrte Mitglieder der IG Metall,
Um
es vorweg zu nehmen:
Wir
verstehen Ihr Anliegen, die Ost-West-Lücke bei den Arbeits- und
Lebensverhältnissen zu schließen.
Wir
akzeptieren jedoch nicht den Zeitpunkt und die Art und Weise wie dies
erfolgen soll.
Wir
sind der Auffassung, dass Ihr Verhalten unsere Region zutiefst schädigt.
Ihr Verhalten richtet sich letztlich gegen Ihre eigenen Interessen, da
Sie die Städte und Gemeinden und die Unternehmen - und damit alle
Menschen in unserer Region - in eine äußert schwierige Lage bringen,
die so schon schlimm genug ist.
Wir
meinen, dass Sie uns mit Ihrem kurzfristigen Denken in der Entwicklung
zurückwerfen und uns allen großen Schaden zufügen.
Warum?
Der
Streik löst Arbeitslosigkeit aus. Arbeitsplätze werden hier abgebaut
und woanders wieder aufgebaut. Unsere Unternehmen sind gefährdet.
Sie
“verstreiken” die Wettbewerbsvorteile der Industrie-Standorte im
Osten und fördern z.B. die Umorientierung von Unternehmen und Arbeitsplätzen
in die künftigen EU-Nachbarländer.
Die
Belastungen mit Steuern, Gebühren und Abgaben sind für uns alle an
einem Punkt angekommen, der die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt.
Und nun setzten Sie mit Streik für eine Verkürzung der Arbeitszeit
eine weitere Belastung obendrauf. Diagnose: Herzinfarkt. Die Region
stirbt.
Produktivität,
Arbeitsmarktlage und Kapitalausstattung sind auch Maßstab für die
Regelungen der Arbeitszeit. Die Position des Arbeitgeberverbandes
Gesamtmetall, die wirtschaftlichen Vorraussetzungen für eine veränderte
Arbeitszeitgestaltung halbjährlich unter diesen Gesichtspunkten zu prüfen,
ist vernünftig und richtig.
Wir
arbeiten jeden Tag mit ganzer Kraft, um das Schiff “Region
Westsachsen” auf Kurs zu halten. Wenn uns - durch Ihre Aktion - die
Unternehmen wegbrechen, kommen wir in stürmische See. Wir appellieren
an Sie ALLE, das Augenmaß für das Mögliche zu wahren. Widerstehen Sie
bitte der Versuchung, mehr haben zu wollen, als Ihre und unsere
Leistungen hergeben.
Die
Unternehmer unserer Region sind wesentliche Beschaffer von Arbeits- und
Ausbildungsplätzen. Ihre Leistungsfähigkeit zu unterstützen, ist eine
wesentliche Aufgabe.
Mit
Bitternis gratulieren wir Ihnen zu Ihrer “großartigen wirtschafts-
und industriepolitischen Leistung” die zeigt, dass Ihnen die
Interessen der Allgemeinheit vollkommen egal sind. Das Soziale, die
Solidarität bleibt auf der Strecke.
Kehren
Sie bitte dahin zurück, wo Sie gebraucht werden: an Ihren Arbeitsplatz
in Ihrem Unternehmen, in Ihrer Gemeinde oder Stadt.
Die
(richtige) Zeit wird kommen, wo Antworten auf die Frage einer
Arbeitszeitverkürzung gegeben sind.
Lassen
Sie die Zeit für sich arbeiten. Bekanntlich wächst das Gras auch nicht
schneller, wenn man daran zieht.
Crimmitschau,
den 20.06.2003
Dietmar Vettermann
Oberbürgermeister, Stadt
Zwickau
Prof. Lothar Ungerer
Bürgermeister, Stadt Meerane
Volkmar
Dietrich
Oberbürgermeister, Stadt Werdau
(PDS)
Karl-Otto Stetter
Oberbürgermeister, Stadt
Glauchau
Ulrich Wolf
Bürgermeister, Stadt
Crimmitschau
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