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Ursache der MG Rover-Pleite:

Raffgierige Manager, sozialdemokratische Gewerkschaften und neoliberale Politik

Von Gerd Höhne/18. April 2005

BMW verschenkte eine komplette Autofabrik an dubiose Typen, die vorgaben, die Arbeitsplätze zu retten. Nicht nur das: BMW gab den Beschenkten auch noch ein Darlehn von 420 Millionen Pfund. Wie edel, denn von dem Geld bekommen die blauweißen Herren im Nadelstreifen keinen Penny wieder – oder doch nicht so edel?

Warum sollte BMW einem potentiellen Konkurrenten nicht nur eine komplette Autofabrik schenken („Kaufpreis“ 10 Pfund) und dann noch einige Millionen nachschieben? Warum sollte BMW diesen potentiellen Konkurrenten auf die Sprünge helfen? Das unternehmerisch logischere ist: Marktbereinigung, also platt machen!

So kam es dann ja auch. Mitgemacht haben die von BMW Beschenkten, die sich maßlos bereichert haben - sie genehmigten sich fürstliche Gehälter - , mitgemacht haben die sozialdemokratischen Gewerkschaften, die gegen das alles nichts unternahmen und mitgemacht haben die neoliberalen Strategen in der Regierung in London, allen voran der Hausherr von Downingstreet Nr. 10. Auch das Münchner Management von BMW dürfte nicht so edel gedacht haben, wie sie sich geben.

Rover eine britische Besonderheit und ein Einzelfall?

Keineswegs! Im Osten gab es zu Zeiten der Treuhand unter Frau Birgit Breuel, die die DDR-Betriebe zu Billigpreisen verscherbelte – plus Billigkredite – so etwas zu Duzenten.

So die Kaligrube im thüringischen Bischofferode. Die profitable Kaligrube verkaufte die Treuhand an die BASF-Tochter Kali und Salz (K+S Gruppe)  Die K+S Gruppe besitzt nämlich im benachbarten Hessen Kaligruben, die sie in den Jahren davor modernisiert hatte. Bischofferode .zu erhalten, hätte bedeutet, dass diese Modernisierungen sich nicht mehr rechneten. Also "Marktbereinigung" auf Kosten der Kalikumpels von Bischofferode.. Die K+S Gruppe machte Bischofferode einfach platt. Dass in der Gegend die Kaligrube die einzige Möglichkeit war, Arbeit zu finden, interessierte die Manager der K+S Gruppe nicht. Die Arbeiter streikten damals wochenlang, es gab einen Hungerstreik der Kollegen. Auch hier spielte die Gewerkschaft eine sehr zwielichtige Rolle.

Oder wie war es mit Mannesmann und Vodafon? Das Mannesmann-Management ließ sich den Verkauf des Konzerns gut bezahlen. Der Aufsichtsrat missbilligte es nicht, schritt nicht ein und segnete alles ab. Aufsichtsratschef war der Deutsche Bank-Boss Josef Ackermann, sein Stellvertreter der Vorsitzende der IG-Metall Zwickel. Ein ähnliches Muster wie bei MG Rover.

Oder die Firma Babcock in Oberhausen: Der Vorstandsvorsitzende verscherbelt zum Niedrigpreis den profitabelsten Geschäftszweig, bringt damit Babcock an den Rand der Pleite. Dann kündigt er und wird Chef genau des Konzens, an den er den profitablen Teil von Babcock verkauft hat.

Die Zeche für diese kriminellen Machenschaften zahlen die Kollegen. Dabei ist die Chance für die Kriminellen im Nadelstreifen, straflos davon zu kommen, sehr hoch. Der Kredit von BMW war legal, die überhöhten Gehalter der neuen MG Rover-Bosse auch. Auch muss man jeden Manager das Recht zubilligen, sich zu irren und unternehmerische Fehlentscheidungen zu treffen - meinen die bürgerlichen Medien und so ist es auch Rechtslage.

Jetzt, wo MG Rover Pleite ist, sind diese Herren ihren Job zwar auch los, aber auf ihren Konten sich die Millionen, in den Wohnungen der Arbeiter grassiert aber die blanke Angst um die Zukunft. Das jedoch steht auf einem anderen Blatt und interessiert weder die Betrüger, die Gewerkschaftsführer, noch Tony Blair in der Downingstreet.. Die Zeche für die Betrüger und den Verrat der Gewerkschaftsführer zahlen die Kollegen – in England, bei uns und überall dort, wo das Kapital herrscht.

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Geier im Phoenix-Kostüm

Christian Bunke, Birmingham

Quelle: jungeWelt vom  19.04.2005

Das Ende von MG Rover kam auf Raten. 6 000 Beschäftigte verloren ihren Job, doch die letzten Besitzer sahnten noch kräftig ab

In Coventry, einer Nachbarstadt Birminghams und Wohnort für viele Arbeiter des MG-Rover-Konzerns, will Stadtrat Dave Nellist am heutigen Dienstag den Antrag stellen, Rover zu verstaatlichen und der demokratischen Kontrolle der Mitarbeiter zu überantworten. Erfolg wird dem Vorstoß allerdings kaum beschieden sein. Unternehmerlobby und Medien sind sowieso dagegen, aber auch die Gewerkschaften halten sich bisher erstaunlich zurück.

Alle Hoffnung dahin

Am Freitag, 12 Uhr mittags Greenwich Mean Time, hatte die chinesische Shanghai Automotive Industry Corp. (SAIC) bekanntgegeben, daß sie den britischen Automobilkonzern MG Rover definitiv nicht übernehmen werde. Dies markierte den Schlußpunkt einer jahrelangen Tragödie um den letzten großen selbständigen Autobauer des Vereinigten Königreiches. Alle Hoffnungen auf eine Rettung des Konzerns waren dahin, auch wenn sie seit langem nicht besonders groß waren.

Denn die Geschichte von Rover ist eine Geschichte systematischer Plünderung, von Profitgier, gewerkschaftlicher Untätigkeit und politischer Heuchelei. Bis zum Jahr 2000 gehörte der in Birmingham ansässige Autobauer zu BMW. Dann wurde das Unternehmen für zehn Pfund an eine als »Phoenix« bezeichnete Gruppe britischer Geschäftsleute verschenkt. Diese hatten seinerzeit die Übernahme mit nationalistischen Phrasen begründet und den Zuschlag bekommen – wohl auch deshalb, weil es sonst keinen ernsthaften Interessenten gab.

BMW hielt Rover nicht für profitabel. »Phoenix« hingegen behauptete, sie wollte britische Arbeitsplätze sichern. Mittlerweile werden immer mehr Details über die wahren Motive der Gruppe bekannt: Ihnen ging es offenbar einzig und allein um die systematische Ausplünderung von Rover und um Selbstbereicherung. Die Beschäftigten des Traditionsbetriebes interessierten die Herren in Nadelstreif nicht die Bohne. Nach Berichten der Financial Times vom 8. April nutzten die Mitglieder der »Phoenix«-Gruppe ihre neue Position als Rover-Manager, um für sich aus der Substanz des Unternehmens einen 16,5 Millionen Pfund schweren Rentenfonds aufzulegen. Sie setzten ihre Jahresgehälter auf zehn Millionen Pfund herauf, und um dies zu bezahlen, liehen sie im Namen des Konzerns Geld. Doch damit nicht genug. Von BMW erhielt »Phoenix« ein Darlehen von 420 Millionen Pfund. Vollmundig verkündete die neue Rover-Chefetage, dieses Geld in die Entwicklung neuer Modelle einfließen zu lassen, doch dies wurde nicht in die Tat umgesetzt.

Erkennbarer Abstieg

Die Zahlen der vergangenen Jahre sprechen eine deutliche Sprache über die Krise bei Rover. Zwischen den Jahren 2000 bis 2004 sank die Zahl der produzierten Autos von 200 000 auf 73 000. Nach Angaben der britischen Society of Motor Manufacturers and Traders wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres lediglich 20 055 Autos der Rover Marke verkauft. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 24 370, ein Minus von gut 18 Prozent.

Nachdem sich die Mitglieder der »Phoenix«-Gruppe soweit bereichert hatten wie sie nur konnten, versuchten sie ihrerseits MG Rover loszuwerden. Das wahre Ausmaß dieser Bereicherung ist noch nicht bekannt. Am Freitag schrieb die britische Tageszeitung The Guardian, es gebe in den Bilanzen des Konzerns ein unerklärliches Finanzloch von 400 Millionen Pfund. Wohin diese Gelder verschwunden sind, sei unbekannt. Verdächtigt werden aber die Mitglieder von »Phoenix«. Der Versuch der Gruppe, MG Rover an den chinesischen Staatskonzern SAIC zu verscherbeln, scheiterte. Selbst falls dies gelungen wäre, hätten vermutliche Tausende Arbeiter und Angestellte ihren Arbeitsplatz verloren. Nun jedoch werden alle 6 000 MG-Rover-Beschäftigte ihren Job verlieren. Zusätzlich sind 18 000 Beschäftigte von 300 Zulieferfirmen betroffen. Birmingham verliert damit seinen größten Arbeitsplatz, Großbritannien verliert den letzten einheimischen Automobilkonzern. Damit ist ein weiterer Meilenstein im mittlerweile fast 30 Jahre andauernden Deindustrialisierungsprozeß im Vereinigten Königreich erreicht.

Dave Nellist dürfte mit seinem Verstaatlichungsvorschlag zwar Aufmerksamkeit erregen, den Beschäftigten von MG Rover wird es wenig helfen. Aus dem Pressebüro der für das Unternehmen verantwortlichen Gewerkschaft TGWU wurde jW bereits mitgeteilt, daß man die Verstaatlichung Rovers nicht fordern würde. Dies sei schon aus EU-rechtlichen Gründen nicht möglich. Die TGWU werde von sich aus auch keine Proteste oder Demonstrationen organisieren, schließlich würden in Großbritannien die Parlamentswahlen anstehen, hieß es. Da bestünde Friedenspflicht.

Gewerkschaft ohne Biß

Die TGWU ist nach wie vor an die Labour Partei angeschlossen. Dies erklärt nicht nur die Passivität der Gewerkschaft, sondern auch, weshalb deren Generalsekretär, Tony Woodley, Birmingham am Tag der entgültigen Bekanntgabe der Rover-Schließung fernblieb und lieber vom fernen Liverpool aus erklärte: »Dies ist ein schwarzer Tag für die Automobilindustrie.«

Rovers Ende fällt in eine Zeit düsterer Aussichten für die britische Gesamtwirtschaft. Die Handelskammer gab am Freitag bekannt, daß die Verkaufszahlen der britischen Industrie im ersten Quartal 2005 gesunken seien. Nach einer Umfrage bei 5 000 Unternehmen wertete sie das Ergebnis als »enttäuschend und besorgniserregend«.Auch im Handel gibt es ernste Probleme. Das British Retail Consortium (BRC) erklärte ebenfalls am Freitag, die Lage für viele Händler sei »schwierig«. Die Rover-Krise ist offenbar nur die Spitze des Eisberges, und die Untätigkeit der Gewerkschaftsspitzen spielt dazu die Begleitmusik.

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