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Russland:
Die zweifelhaften
Errungenschaften des Kapitalismus
von Günter Ackermann
Russland, so die kapitalistische Propaganda,
leidet an den Überresten des Sozialismus, nicht am Kapitalismus. Da
greift der Staat in die Marktwirtschaft ein und steckt mal einen
Steuerbetrüger, der Milliarden dem Fiskus entzogen hat, in den Knast.
Welch ein Graus. Bei uns bekommen sie das Bundesverdienstkreuz oder
werden Unternehmer des Jahres.
Und dann die Russen-Mafia. Das sind die Seilschaften
der früheren KPdSU – so tönt die Propaganda.
Auch die maroden Ölpipelines, das
Verschwinden ganzer Industriezweige, der Niedergang der Landwirtschaft
usw. liegt nur daran, dass da der Sozialismus durch die Hintertür
reinkommt. So die Propaganda!
Die Realität aber sieht anders aus:
- Die Lebenserwartung in Russland sinkt
rapide ab. Die Ursachen: Das staatliche Gesundheitswesen, einst
vorbildlich für die ganze Welt, ist abgeschafft. es wird nun
privatkapitalistisch, also profitorientiert, betrieben.
Die Folge: Wer arm ist, kann sich keinen Arzt
leisten und stirbt früher. Und arm sind die meisten.
Das Existenzminimum liegt bei 2 500 Rubel (68 Euro) im Monat. Aber ein Großteil der Arbeiter verdienen
nur 600 Rubel im Monat, also weit unter dem offiziellen Existenzminimum.
Da bleibt kein Geld für den Arzt übrig.
Aber auch nicht für Kultur und Bildung. Die
Sowjetunion war ein Land, in dem Bücherlesen – vom Lesen der
Zeitungen ganz zu schweigen – eine Selbstverständlichkeit war.
Bücher waren billig zu kaufen, die Schriftsteller waren beliebte
Menschen.
Und jetzt: Noch
eben mal 23 Prozent der Russen lesen heute Zeitung und nur 10% ein Buch.
Bücher und Zeitungen sind zu teuer geworden.
Aber, tönt die Propaganda, die Menschen sind
heute frei, werden nicht mehr von einer allgewaltigen Partei
geschuriegelt.
Freiheit? Kann jemand frei sein, der die Wahl
hat zwischen verhungern oder an einer Krankheit früh zu versterben? Ist
jemand frei, der sich die meisten kulturellen Güter, mangels Geld,
nicht leisten kann?
Ist jemand frei, der zu Hungerlöhnen
schuften „darf“ – wenn überhaupt bezahlte Arbeit vorhanden ist?
Daneben
gibt es Superreiche, wie jener Ölmilliardär, der sich einen
staatlichen Posten ergaunert und einen ganzen englischen Fußballclub
gekauft hat.
Selbst die ganz normalen Rechte werden
im Zuge der Einführung des Kapitalismus auf ein Minimum reduziert.
Das gibt es eine Gewerkschaft, die FNPR, die
ist nach dem Muster das faschistischen Deutschen Arbeitsfront
organisiert: Lohnabhängige und Kapital Seite an Seite.
Die kämpferischen Gewerkschaften, die es
auch gibt, versucht der Staat an die Kandare zu nehmen. Es gibt nämlich
in Russland nur ein sehr eingeschränktes Streikrecht. Branchen- oder Flächenstreiks
sind verboten.
Das Land Lenins und Stalins wurde von der
revisionistischen Führung systematisch in den Ruin getrieben, jetzt
sind auch die letzten Reste der sozialistischen
Errungenschaften beseitigt. Russland ist eines der reichsten Länder der
Welt, es hat ungeheuere Bodenschätze. Aber den Menschen geht es immer
schlechter.
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