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Block
5 von Auschwitz

Haare
von Ermordeten -
Reste
aus
der Schaeffler-Fabrik? |
Reichtum
durch Arisierung, Rüstung, Häftlingsausbeutung und Verwertung
von Resten Ermordeter
Die
Verantwortung für die Menschen, die Schaefflers Reichtum
schufen und ihn mehren ist grenzenlos – über den Tod hinaus
Von
Gerd Höhne |
Sie
wurden reich durch Arisierung, Rüstung, Häftlingsausbeutung und
Verwertung von Resten Ermordeter
Die
Verantwortung für die Menschen, die Schaefflers Reichtum schufen und
ihn mehren ist grenzenlos – über den Tod hinaus
Von
Gerd Höhne
Kommunisten-online
vom 4. April 2009 – Maria-Elisabeth Schaeffler (68) ist
Deutschland reichste Frau – und leidet Not. Keine Sprge, zum Sozialamt
muss sie nicht, es reichte auch noh für einen oder mehrere Mercedes und
BMW, für Porsche natürlich auch und einen Urlaub auf der Privatjacht
mit Privatinsel reicht es auch noch.
Trotzdem,
sie braucht Geld – viel Geld, Und die natürlich aus der Staatskasse,
Datin unterstützten sie auch rechte Gewerkschafter, denn – ginge ihre
Firma Pleite – würden gnadenlos die beim Konzern Beschäftigten auf
die Straße fliegen. Und, so sagte die Regierung, sagt die IG-Metall und
sagen die Betriebsräte, lässt sich nur durch kräftige Geldinjektionen
aus dem Topf des Staates. Frau Schaeffler ist dann so gerührt, ihr
tropfen die Augen vor Rührung.
Ihr
Eingemachtes, also das Privatvermögen, will sie nicht angreifen. Das
bleibt auf den Konten – soweit es nicht eh schon auf Nummernkonten
gebunkert ist.
Frau
Schaeffler kam in Bedrängnis, als sie ihren Hals nicht voll kriegen
konnte und unbedingt Conti-Gummi in Hannover ihr Eigen nennen wollte.
Dabei stellte sich heraus, dass der Happen so groß und deftig war, dass
sie sich verschluckte und sie ihn nicht herunter würgen vermochte. Ihre
Firmenkonten – wie gesagt, privates Geld setzte sie nicht ein – nur
noch ein großes Loch, ihr ging das Firmengeld aus.
Klar,
dass hier Vater Staat eingreifen muss. Immerhin hilft der ja auch den
Arbeitslosen mit Hartz IV. Was dem einen seine 500 Euro im Monat sind,
ist der anderen (Frau Schaeffler). Es ist die Rede, dass die Länder
Bayern und Niedersachsen zusammen eine Milliarde Euro spendieren, was
der Bund noch zuschießt,
weiß ich nicht. Also: Für einen Arbeitslosen gibt der Staat in 2
Monaten 1000 Euro, für die Schaeffler-Gruppe auch tauschend, nur eben
tausend Millionen Euro. Wir sind ja ein Staat der sozialen
Gerechtigkeit. Und Frau Schaeffler hat ja Verantwortungsbewusstsein für
die Menschen, die ihren Reichtum schufen und ihn mehren.
Das
ist Tradition in der Familie. Der verstobene Ehemann Georg Schaeffler
und dessen Bruder produzierten im Krieg Textilien für die Wehrmacht.
Klar, man musste ja dafür sorgen, dass die Soldaten nicht frieren.
Dabei, so kam inzwischen heraus, benutzte man als Rohstoff auch Haare
– Menschenhaar, offenbar Überreste ermordeter Menschen in
Auschwitz-Birkenau. Die Sorge um die Menschen, die den Schäfflers den
Reichtum schufen und mehrten, war endlos, bis über den Tod hinaus.
Nachtrag:
Frau Schaeffler weinte, als sie erfuhr, dass „ihre“ Betriebsräte
sich für sie einsetzten, damit sie Staatsknete bekommt. Aber sie zahlte
keinen Cent für die Entschädigung der Zwangsarbeiter in den Betrieben,
aus denen ihre Firma hervor ging. Von ein paar Tränchen im Gedenken an
jene, die als Lagerinsassen für ihren Mann schufteten und dabei zu Tode
geschunden wurden, ist nicht berichtet worden.
G.H.
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Vom
Ursprung deutschen Reichtums (III)
Quelle:
german-foreign-policy
vom 03.04.2009
HERZOGENAURACH/KIETRZ
(Eigener
Bericht) – Berichte über ein NS-Lager im ehemaligen deutschen
Katscher (heute Kietrz/Südpolen) liefern neue Erkenntnisse über die
NS-Vergangenheit der Schaeffler Gruppe. Wie aus den Berichten
hervorgeht, bediente sich die damalige Schaeffler AG in den letzten
Kriegsjahren der Arbeitskraft von Gefangenen, die im „Polenlager Nr.
92“ in Katscher interniert waren. In „Polenlagern“ wurden vor
allem Menschen festgehalten, die den Behörden wegen passiven oder
aktiven Widerstands gegen die deutschen NS-Besatzer bekannt waren. Dabei
wurden auch sechsjährige Kinder von ihren Eltern getrennt und in
Katscher interniert. Überlebende des „Polenlagers“, die in der
Schaeffler AG Zwangsarbeit leisten mussten, berichten, dort sei „auch
Menschenhaar verarbeitet“ worden. Dies deckt sich mit Erkenntnissen
polnischer Wissenschaftler, denen zufolge Menschenhaar aus dem
Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in Katscher verwertet wurde. Die
Auseinandersetzung um eventuelle Geschäftskontakte der Schaeffler AG
zum Lager Auschwitz findet weiterhin fast gänzlich unter Ausschluss der
Öffentlichkeit statt.
Die
NS-Vergangenheit der Schaeffler Gruppe, die ihre Gründung offiziell
immer noch auf das Jahr 1946 datiert [1], ist mittlerweile in Umrissen
bekannt. Demnach übernahm Wilhelm Schaeffler 1940 im damals
schlesischen Katscher (heute: Kietrz/Südpolen) eine Textilfabrik, deren
jüdischer Vorbesitzer im Jahr 1933 hatte fliehen müssen. Schaeffler
stieg bald in die Rüstungsproduktion ein und verdiente Geld mit der
Produktion für die Wehrmacht und den deutschen Vernichtungskrieg in
Osteuropa. Dies wird inzwischen von niemandem mehr bezweifelt.
Umstritten ist immer noch die Frage, ob Schaeffler Geschäftskontakte
zum Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau unterhielt. Hinweise darauf
hatte german-foreign-policy.com Anfang Februar veröffentlicht.[2]
Polenlager
Neue
Details ergeben sich aus Berichten über das „Polenlager“, das die
NS-Machthaber damals in Katscher unterhielten. Bei den „Polenlagern“
handelte es sich generell um Lager, die nur im ehemaligen Schlesien
errichtet wurden. In ihnen wurden Personen interniert, die die deutschen
Behörden als „unzuverlässig“ einstuften - weil sie nach dem Ersten
Weltkrieg für die Zugehörigkeit Schlesiens zu Polen eingetreten waren,
weil sie sich als Antifaschisten einen Namen gemacht hatten oder weil
sie es ablehnten, sich durch Eintragung in die „deutsche Volksliste“
zum „Deutschtum“ zu bekennen. Die meisten „Polenlager“ befanden
sich an der Südgrenze des damaligen Oberschlesien. Die Haftbedingungen
in den „Polenlagern“ galten als außerordentlich hart, die
Gefangenen wurden gewöhnlich zu Zwangsarbeit herangezogen.
200
Kinder
Ein
solches „Polenlager“ wurde im August 1942 auch in Katscher
errichtet. Das Verzeichnis des „Polenlagers Nr. 92“ liste allein für
den Zeitraum vom August 1942 bis zum April 1944 1.762 Internierte auf,
erklärt die Journalistin Grażyna Gintner, die die NS-Hintergründe
der Schaeffler Gruppe untersucht hat, im Gespräch mit dieser Redaktion.
Demnach wurden in Katscher auch Kinder festgehalten. Frau Gintner
zufolge wurden etwa im Rahmen einer Repressionsmaßnahme im August 1943
(„Aktion Oderberg“) zahlreiche Familien festgenommen und getrennt;
die Deutschen verschleppten die Eltern in Konzentrationslager und
deportierten ihre rund 200 Kinder in ein Lager in Pogrzebien.[3] Von
dort aus wurden sie in andere Lager verschoben - darunter das
„Polenlager Nr. 92“ in Katscher. Dorthin gelangte auch die damals
sechsjährige Józefa Posch-Kotyrba, die überlebte und kürzlich
geschildert hat, wie Jugendliche und Erwachsene aus dem Lager in der großen
Fabrik in Katscher - der Schaeffler AG - Zwangsarbeit leisten mussten.
Menschenhaar
Etwas
später, im Februar 1943, wurde die damals 20-jährige Halina Stanko in
das „Polenlager“ in Katscher verschleppt - mit der Reichsbahn.[4]
Zunächst wurden ihre Eltern zur Arbeit bei Schaeffler gezwungen, ab dem
Sommer 1944 musste auch Halina Stanko in die Fabrik. Gemeinsam „mit
Dutzenden anderer Häftlinge“ und „unter bewaffneter Begleitung“
deutscher Bewacher sei sie an jedem Morgen in die Firma verbracht
worden, berichtete sie einem Nachrichtenmagazin.[5] Frau Stanko erinnert
sich an einen gesonderten Eingang zur Teppich- und Garnproduktion:
„Wir haben damals gehört, dass dort Menschenhaar verarbeitet worden
ist.“ Dass bei Schaeffler Menschenhaar verwertet worden sei, haben in
Kietrz manche in Erinnerung. Eine Anwohnerin der Fabrik etwa berichtet,
ihr Schwiegervater sei nach dem Krieg zum Betriebsleiter der Textilfirma
ernannt worden. 1946 habe er in einem Magazin Haarballen entdeckt. Es
sei Menschenhaar gewesen.[6]
Zu
Garn verarbeitet
Dem
entspricht der Bericht des ehemaligen Technischen Leiters der
Schaeffler'schen Textilfabrik. Im Mai 1946 sagte Heinrich Linkwitz vor
der Staatsanwaltschaft in Gliwice aus, 1943 seien zwei Eisenbahnwaggons
mit Menschenhaaren in Katscher angekommen - Ladegewicht: jeweils 1,5
Tonnen. Man habe bei Schaeffler die Haare zu Garn verarbeitet. Wie
Linkwitz schilderte, konnte man sie jedoch bis Kriegsende nicht in
vollem Umfang verwerten.[7]
Herausgeschnitten
Warum
es womöglich schwierig sein wird, über Zeugenaussagen und Indizien
hinaus einen Sachbeweis für die mutmaßlichen Geschäftsverbindungen
der Schaefflers nach Auschwitz zu finden, lässt eine Beobachtung der
Journalistin Grażyna Gintner erahnen. Wie Frau Gintner dieser
Redaktion berichtet, konnte sie im Archiv der polnischen Stadt Opole
Einsicht in Firmenakten der Schaeffler AG nehmen, musste jedoch
feststellen, dass über die in Frage stehende Zeit nichts zu lesen war -
alle entsprechenden Seiten waren säuberlich aus dem Band
herausgeschnitten worden.[8] Angesichts der immer zahlreicher werdenden
Belege für Kontakte zum Vernichtungslager Auschwitz nimmt allerdings
mittlerweile sogar der Historiker Gregor Schöllgen, der im Auftrag der
Unternehmerfamilie die Firmengeschichte untersucht hat, seine dezidierte
Leugnung solcher Hinweise zurück. Nach den Erkenntnissen seiner
polnischen Kollegen „gibt es eine Spur nach Katscher, und es spricht
einiges dafür, dass sie zur Schaeffler-Fabrik führt“, räumt Schöllgen
ein.[9] Dennoch findet die Auseinandersetzung um die Herkunft der Haare,
die in Block 4 im ehemaligen Lager Auschwitz-Birkenau zu sehen sind,
weiterhin fast vollständig unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Eine Stellungnahme der Schaeffler Gruppe, die über reines Abstreiten
jeglicher Kontakte hinausginge, liegt bis heute nicht vor.
Bitte
lesen Sie auch unser Interview
mit Grażyna Gintner sowie weitere Informationen zum
Thema: Vom
Ursprung deutschen Reichtums, Vom
Ursprung deutschen Reichtums (II), Indizien
und Konsequent
beschwiegen.
[1]
Unternehmensgeschichte; www.ina.de
[2] s. dazu Vom
Ursprung deutschen Reichtums und Vom
Ursprung deutschen Reichtums (II)
[3] s. dazu Polenlager
[4] s. auch unser EXTRA-Dossier Elftausend
Kinder
[5], [6], [7] Spur nach Auschwitz?; Der Spiegel 12/2009
[8] s. dazu Polenlager
[9] Spur nach Auschwitz?; Der Spiegel 12/2009 |
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