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...schrieben
wir bereits vor zwei Jahren:
„Meine
Empfehlung an alle Linken: Geht nicht in die Falle von Attac! Verschwendet
nicht eure Kräfte für Attac! Sinnvoller ist es, da für eine konsequente
Politik für die Arbeiterklasse zu kämpfen, wo sich der Kampf lohnt: in
den Gewerkschaften und den politischen Organisationen der Linken,
Sozialisten und Kommunisten.
Nicht
Attac wird den Widerstand gegen die globalen Unterdrückungen und das
Profitstreben organisieren. Es führt kein Weg an der Mühe vorbei, die
traditionellen Organisationen der Arbeiterbewegung, die Gewerkschaften, zu
stärken und sie wieder dahin zu bringen, dass sie ihre eigentlichen
Aufgaben, Kampf für soziale Verbesserungen für die Arbeiterklasse, gegen
die Willkür des Kapitals, wieder aufnehmen und führen. Diese Ochsentour
ist erfolgversprechender als die scheinbare Patentlösung Attac.“
Die
Einschätzung von damals gilt noch heute, auch wenn eine ganze Reihe
Gewerkschaften und Gewerkschaftsmitglieder selbst Mitglied von Attac sind
– vielleicht vor allem auch deshalb.
Attac-Fürsten
Peter Wahl und Werner Rätz outeten Attac als Streikbrecherorganisation
In
Frankfurt am Main fand am 17. und 18. Januar 2004 eine „Aktionskonferenz
»Alle gemeinsam gegen Sozialkahlschlag« statt. Aktivisten
unterschiedlicher Teile der sozialen Bewegung, Gewerkschafter und
Globalisierungskritiker nahmen an dieser Konferenz teil, u.a. auch Attac.
Der
Konferenz lag eine Schlusserklärung vor, in der es u.a. hieß es:
„Für
diese Ziele kämpfen wir auch bei den Europäischen Aktionstagen am 2. und
3. April 2004. Diese müssen durch vielfältige regionale und betriebliche
Aktivitäten bis hin zu Streiks vorbereitet werden.“
Die
Vertreter von Attac, Peter Wahl
und Werner Rätz stellten sich gegen diese Formulierung.
Wenn im Text zum Streik aufgefordert werde, mache Attac nicht mit und
zahle auch kein Geld.
„Konsensprinzip“
öffnet Despotismus Tür und Tor
Ein
klarer Versuch der Erpressung. Die Attac-Fürsten beriefen sich bei ihrer
Haltung auf das Konsens-Prinzip. In der Praxis bedeutet das, dass
letztlich jeder machen kann was er will, denn bestimmte Entscheidungen müssen
gefällt werden, so oder so. Dieses Prinzip führt letztlich zur Willkür
der Gremien.
Und
so wunderte sich auch ein anwesender Ver.di-Funktionär und sagte, das sei
bei Attac überhaupt nicht ausdiskutiert. Offensichtlich doch –
jedenfalls im KoKreis,
dem unkontrollierbaren Rat der Unfehlbaren von Attac. Der hatte
offensichtlich das Thema beraten. Sabine Leidig, Geschäftsführerin von
Attac, sagte dazu, dass Konsens so gemeint
sei, dass es nicht viele gegeben hätte, die anderer Meinung wären.
Die
Mitglieder müssen überhaupt nicht einverstanden sein – die werden bei
Attac nicht gefragt. Es reicht, wenn der KoKreis sich einig ist oder
weniger als 10% widersprechen. Hier, bei der Frage, ggf. zum Streik
aufzurufen, waren im Attac-Rat der Götter, dem koKreis, „nicht viele
dagegen“
Konsensprinzip a la Attac
Attac
ist offensichtlich stolz auf sein angeblich demokratisches Prinzip. Wenn
alle einverstanden sind, gilt es als beschlossen, wenn 10% und mehr
dagegen, wird „wird ein "Mediationsverfahren" in Gang gesetzt“
Wie das
funktioniert, schweigt sich Herr Rätz aus. Er erklärt dieses sonderbare
Prinzip wie folgt:
„Dort
haben wir eine formale Abstimmungsregelung vereinbart, die folgendermaßen
funktioniert: Inhaltliche Vorschläge sind dann Konsens, wenn ihnen auf
ausdrückliche Nachfrage niemand widerspricht. Konsens ist also nicht,
dass jeder aktiv zustimmen muss, sondern das keiner widerspricht. Gibt es
eine Minderheit von mehr als 10 %, die sagt: "Damit sind wir nicht
einverstanden!", wird ein Mediationsverfahren in Gang gesetzt, an
dessen Ende der erneute Versuch steht, einen Konsens herzustellen. Im Rat
und Koordinierungskreis entscheiden wir nur einstimmig.“
Das
klingt doch demokratisch, oder? O-Ton Rätz: „Wir machen die Dinge,
über die wir uns einig sind, gemeinsam. Die anderen, über die wir uns
nicht einig sind, machen wir jeweils in unserem eigenen Namen.“
Also
Unverbindlichkeit als Prinzip. Es gibt einige allgemeingültige Sätze in
einer Grundsatzerklärung. Da stehen so geistreiche Sätze wie: „Die
Globalisierung ist ein Umbruch von historischen Dimensionen.“ Oder „Die neoliberale Globalisierung ist keineswegs
schicksalhaft und alternativlos.“
Die
Alternative: „Wir setzen uns ein für eine ökologische und
solidarische Weltwirtschaftsordnung.“ Na schön, möchte man sagen,
aber wie soll die aussehen, die Weltwirtschaftsordnung, und wie erreichen
wir sie?
Die
Antwort: „Diese Ziele sind nur durchsetzbar, wenn es eine starke,
international handelnde gesellschaftliche Bewegung gibt.“ Attac in
seiner grenzenlosen Bescheidenheit schreibt daher: „Attac ist
Teil dieser Bewegung...“ Liest man aber die Texte – auch diese
Erklärung – genauer, ist immer nur von Attac die Rede.
Also
Allgemeinplätze, sich an Bewegungen dranhängen, sie zu majorisieren
versuchen, nach außen so zu tun, als seien diese Aktionen auf Attac-Mist
gewachsen usw. Da kann es keine Verbindlichkeiten, kein Programm und keine
theoretische Grundlage geben, wenn es das gäbe, bräche Attac
auseinander. Das Ziel ist es auch nicht, die sozialen Bewegungen in
antikapitalistische Bahnen zu lenken. Attac tut ein Bisschen so, als sei
Attac antikapitalistisch, aber eben nur ein Bisschen. Tatsächlich drischt Attac leeres
Stroh, lenkt die Bewegung in systemstabilisierende Bahnen und das alles
mit lautem Geschrei.
Jeder
muss bei oberflächiger Betrachtung sich wieder erkennen in Attac. Die
vielen Schönheitsfehler übersieht man gern, denn Attac gibt sich jung
und dynamisch, nonkonformistisch, modern usw. Bei genauer Betrachtung aber
bestimmen hier einige Gurus unkontrolliert.
Die
Mitglieder, oft aktive Menschen mit gesellschaftlichem und politischem
kritischen Engagement, werden mit solchen Allgemeinplätzen bei der Stange
gehalten. Sie sind letztlich selbst Opfer des Images von Ayttac.
Vetorecht? Oder „Verpisst euch, Attac!“
An
der Veranstaltung in Frankfurt am Main nahmen an die 500 Menschen teil.
Die attac-Fürsten Wahl und Rätz waren total isoliert. Beim Eklat zum
Schluss mussten sich Wahl und Rätz Rufe wie „Verpisst euch, Attac“
gefallen lassen. Die Konferenz stimmte für die Formulierung,
„Für
diese Ziele kämpfen wir auch bei den Europäischen Aktionstagen am 2. und
3. April 2004. Diese müssen durch vielfältige regionale und betriebliche
Aktivitäten bis hin zu Streiks vorbereitet werden.“
Allein die
Attac-Gurus waren dagegen.
Aber
diese paar Hanseln erdreisteten sich, von knapp 500 Menschen zu verlangen,
dass ihre Formulierungen nur gelten solle. Das aber duldete die
Versammlung nicht. Die Abstimmung war eine vernichtende Niederlage für
Attac.
Rätz
fraß in einer Attac-Erklärung scheinbar kiloweise Kreide und erklärte: „Im
letzten Teil der Konferenz gab es Streit über die Frage, wie (nicht ob)
das Streikthema in der Abschlusserklärung angesprochen werden solle. In
einer AG hatten wir uns im Konsens auf eine "weiche"
Formulierung ("Aktionen während der Arbeitszeit" geeinigt. Im
Plenum wurde ausdrücklich das Wort "Streik" eingefordert. Peter
Wahl und ich haben darauf hingewiesen, dass
es in attac umstritten sei, ob solche Formulierungen zum jetzigen
Zeitpunkt in einen Text gehörten, und dass attac deshalb dem nicht
zustimmen könne. Die daraufhin für eine Viertelstunde hoch
gehenden Emotionen (auch auf unserer Seite hätte das durchaus ruhiger
sein können) werden das gute Konferenzergebnis nicht zerstören. Es
werden weiter alle zusammenarbeiten und die Gemeinsamkeiten, nicht die
Differenzen, in den Vordergrund stellen.“
Aber
wieder heißt es großkotzig, wie bei Attac üblich: „2./3.4.
Europäischer Aktionstag von sozialen Bewegungen und Gewerkschaften gegen
Sozialabbau. Attac schlägt eine oder mehrere Großdemonstrationen vor.“
Attac
schlägt vor? Nichts schlägt Attac vor, günstigstenfalls hat sich Attac an
eine Bewegung drangehangen und versucht eine Linkswendung zu verhindern.
Das gelang nicht und nun geht Attac nach dem Prinzip vor: „Was ich nicht
verhindern kann, muss ich unterstützen.“
Natürlich
nicht wirklich.
Es geht Attac darum, der Bewegung die Spitze zu nehmen und
eine antikapitalistische Formierung zu verhindern. Das hat Attac vor einer
größeren Öffentlichkeit auf der Konferenz in Frankfurt versucht, indem die
Attac-Bosse eine linke Formulierung zu verhindern versuchten - zum Teil
sogar mit Erpressung. Sie scheiterten.
Das
dürfte der Beginn der Entzauberung von Attac sein. Attac hat seinen
Zenit überschritten. Je mehr die Bewegung gegen den Sozialraub
antikapitalistische Positionen einnimmt, umso mehr wird Attac sich als
Bremser und Verhinderer, letztlich also als Streikbrecher, betätigen müssen.
Attac wird schließlich ausgestoßen werden, der Kropf wird
amputiert werden – und das ist gut so.
Gerd
Höhne
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