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Telekom will Löhne bis zu 40% kürzen um noch mehr international zu expandieren

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Quelle: german-foreign-policy vom  24.04.2007

BONN/BERLIN

(Eigener Bericht) - Mit Lohnkürzungen in Milliardenhöhe bereitet die Deutsche Telekom neue Expansionsschritte im Ausland vor. Wie der größte europäische Telekommunikationskonzern vor der heute beginnenden Verhandlungsrunde mit Gewerkschaftsvertretern mitteilt, besteht er darauf, zum 1. Juli fast ein Drittel seines deutschen Personals in einen neuen Unternehmensbereich auszugliedern; die in Aussicht genommenen Einkommenseinbußen belaufen sich auf bis zu 40 Prozent. Als Expansionsschwerpunkt nennt das Unternehmen ausländische Mobilfunkmärkte; dort sollen neue Zukäufe erfolgen. Die Mobilfunksparte der Deutschen Telekom profitiert dabei von den gestern bekannt gewordenen Bemühungen des Bundeswirtschaftministers, die von der EU-Kommission verlangte Beschränkung der Gewinnspanne bei Handy-Telefonaten ins Ausland zu verhindern. Wirtschaftsstrategen drängen auf eine rasche Expansion des Konzerns und plädieren für ein Bündnis des ehemaligen Staatsbetriebs mit russischen Konkurrenten.

900 Millionen

Wie die Deutsche Telekom vor der für heute anberaumten neuen Verhandlungsrunde mit der Gewerkschaft ver.di mitteilt, besteht sie auf der Ausgliederung von rund 50.000 ihrer insgesamt 160.000 Mitarbeiter in Deutschland in einen neuen Unternehmensbereich ("T-Service"). Die Konzernspitze verlangt von ihnen längere Arbeitszeiten bei gleichzeitigem Verzicht auf zwölf Prozent ihres Gehalts. ver.di beziffert die tatsächlichen Einkommenseinbußen sogar auf bis zu 40 Prozent. Die Personalkosten des Unternehmens sollen auf diese Weise um 900 Millionen Euro gesenkt werden. Warnstreiks mit bis zu 12.000 Teilnehmern hatten die vorige Verhandlungsrunde begleitet, auch für diese Woche sind Protestmaßnahmen angekündigt. Ein längerer Streik wird nicht ausgeschlossen.

Nummer eins in Europa

Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von 61,3 Milliarden Euro (2006) der umsatzstärkste europäische Telekommunikationskonzern. Das Bonner Unternehmen ist weltweit in rund 50 Ländern tätig, sein Schwerpunkt liegt bislang in Europa. Die Deutsche Telekom besitzt Mehrheiten an den ehemals staatlichen Telekommunikationsfirmen in Kroatien (Hrvatski Telekom), der Slowakei (Slovak Telekom) und Ungarn (Magyar Telekom) und kontrolliert über ihre ungarische Tochtergesellschaft zudem die privatisierten Telekommunikationsfirmen Mazedoniens (MakTel) und Montenegros (Crnogorski Telekom). Über ihre Geschäftskundensparte T-Systems (Jahresumsatz: 12,6 Milliarden Euro) ist sie auch in fast allen westlichen EU-Staaten, in Nordamerika (USA, Kanada), Afrika (Südafrika) und den wichtigsten Ländern Asiens präsent (Japan, Volksrepublik China, Indien). Der Konzern erwirtschaftet fast die Hälfte seines Umsatzes im Ausland. Expansionsschwerpunkt ist die Mobilfunksparte der Telekom, T-Mobile.[1]

Konzentrationsschub

T-Mobile, derzeit die sechstgrößte Mobilfunkfirma der Welt, setzt gegenwärtig vor allem auf Wachstum in den USA. Das Unternehmen hat dort im vergangenen Jahr mehrere Milliarden US-Dollar investiert [2], zählte Ende 2006 rund 25 Millionen Kunden und hofft auf weitere fünf Millionen Neukunden bis 2008. Zudem will T-Mobile seine Position in Europa ausbauen. In Mittel- und Osteuropa ist die Firma längst Marktführer [3], in Großbritannien, dem bedeutendsten Handy-Markt der EU, liegt sie mit rund 17 Millionen Kunden bereits an dritter Stelle. Noch verschlossen sind T-Mobile die Märkte Frankreichs sowie der südeuropäischen Konkurrenten (Spanien, Italien). Ein Einstieg der Deutschen Telekom bei der Telecom Italia, mit dem der Zugriff auf den lukrativen italienischen Mobilfunkmarkt gelänge, ist seit Wochen im Gespräch.[4] Die Telecom Italia ist der erste große Ex-Monopolist Westeuropas, der zum Verkauf steht; ihr bevorstehender Übergang in den Besitz eines unmittelbaren Konkurrenten läutet den nächsten Konzentrationsschub in der globalen Telekommunikationsindustrie ein.

Friedliche Beteiligung

Wie deutsche Wirtschaftsstrategen meinen, ist die Deutsche Telekom trotz ihrer Expansionserfolge gegen die globale Konkurrenz nicht genügend abgesichert. Der Konzern sei nach Börsenwert "mit mickrigen 56 Mrd. Euro nur noch der neuntgrößte Telekommunikationsanbieter der Welt", beschweren sich deutsche Fachorgane über den angeblichen Bedeutungsverlust des Unternehmens und beschwören feindliche Übernehmen. Wie es heißt, hat der US-Telekommunikationsriese ATandT bereits Übernahmen im Umfang von 150 Milliarden US-Dollar getätigt und will nun nach Europa expandieren; auch europäische Zukäufe der Konkurrenten Verizon (USA, Börsenwert: 82 Milliarden Euro) und China Mobile (Börsenwert: 136 Milliarden Euro) werden nicht ausgeschlossen. Die Deutsche Telekom müsse sich einen starken Partner ins Boot holen, spornen deutsche Experten das Unternehmen an und plädieren für ein Bündnis mit dem russischen Mischkonzern Sistema.[5] Sistema besitzt den führenden Mobilfunkanbieter Russlands, MTS (60 Millionen Kunden), und sucht, wie zahlreiche russische Unternehmen, seit geraumer Zeit einen deutschen Partner. Gemeinsam mit MTS stiege T-Mobile zum Marktführer "vom Atlantik bis zum Ural" auf, schreibt die deutsche Ausgabe der Financial Times: Eine "freundliche Beteiligung der Russen" sei viel besser als "eine feindliche Attacke der Amerikaner oder Chinesen".[6]

Zusatzgewinne

Welcher Expansionsstrategie die Deutsche Telekom auch folgen wird – auf Zusatzgewinne kann die Mobilfunksparte des Konzerns, T-Mobile, auch in Zukunft mit hohen Sondergebühren bei grenzübergreifenden Handy-Telefonaten hoffen. Wie das Bundeswirtschaftsministerium am gestrigen Montag bestätigte, will Minister Glos in der EU durchsetzen, die geplante Preisobergrenze für sogenanntes Roaming zu verdoppeln. Brüssel hat vorgeschlagen, die Gebühren für Mobilfunkgespräche ins Ausland auf 30 Cent (abgehende Telefonate) bzw. 15 Cent (empfangene Anrufe) zu beschränken. Die für die Unternehmen entstehenden Kosten liegen tatsächlich bei rund 12 Cent, die Gewinnspanne bei abgehenden Telefonaten beträgt also 18 Cent bzw. 150 Prozent der Firmenausgaben. Glos verlangt, die Höchstgrenzen auf 60 Cent (abgehende Telefonate) bzw. 30 Cent (empfangene Anrufe) zu verdoppeln. So werden "de facto die derzeit bestehenden Preise in den großen EU-Ländern verteuert", berechnen Kritiker.[7] Die europäischen Handy-Kunden sollen der Deutschen Telekom mit außergewöhnlichen Gewinnspannen den Konkurrenzkampf um globale Führungspositionen finanzieren - ebenso wie die Telekom-Angestellten durch umfassenden Lohnverzicht.

[1] Strategie; www.telekom.de/
[2] s. dazu Aggressiv
[3] s. dazu Wachstumsprobleme
[4] Telefónica füllt die Kriegskasse; Handelsblatt 20.04.2007
[5], [6] Leichte Beute Telekom; Financial Times Deutschland 11.04.2007. S. auch Stürmische Entwicklung
[7] EU-Politik und die Roaming-Preise: Zerplatzt die Hoffnung auf billigere Preise?; Pressemitteilung der teltarif.de Onlineverlag GmbH 23.04.2007

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