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Ver.di
und Telekom-Führung freuen sich über ein prima
Verhandlungsergebnis –
Herbe
Niederlage für die Streikenden
Von
Uwe Müller/20.6.07
Quelle:
Neue Einheit
Das
heute, nach über 5-wöchigem Streik, erzielte Verhandlungsergebnis
zwischen Ver.di und der deutschen Telekom bedeutet nach Betrachtung der
bisher veröffentlichten Kernpunkte für die betroffenen Beschäftigten
der Telekom-Servicebereiche eine deutliche Niederlage.
Für
die Telekom-Führung ist es ein klarer Erfolg. Sie freut sich darüber, daß
die damit erzielten Einsparungen bis 2010 im vorab geplanten Korridor zw.
500 und 900 Millionen Euro liegen.
Hier
einige der Kernpunkte des Verhandlungsergebnisses, das 40 Seiten umfassen
soll:
Arbeitszeiterhöhung
um 4 auf 38 Stunden – natürlich unbezahlt!
Samstag
wird zum Regelarbeitstag!
-
Ein Fakt, den die Ver.di-Presseerklärung noch nicht einmal erwähnt.
Entgeltreduzierung
um 6,5%
Diese
Lohnabsenkung wird für 42 Monate „sozialverträglich“ stufenweise
abgefedert. Diese Entgeltsicherung wird mit einem arbeitgeberseitigen
„Rucksack“, der Gegenrechnung von Teilen künftiger Tarifrunden und
mit Abschlagszahlungen realisiert – also finanziert aus Abschlägen
der zu erwartenden Lohnerhöhungen der nächsten Jahre, d.h.
Lohnstillstand für eine längere Zeit- also Reallohnkürzung!
Nullrunde
der Mitarbeiter der DTAG bis Dez 2008
Auslagerungsschutz
bis Ende 2010 und Kündigungsschutz bis 2012 für Mitarbeiter der
geplanten 3 Service-Gesellschaften - d.h. nach 2,5 Jahren kann die
Telekom die 3 Service-Bereiche dann verkaufen! Ein sehr kleines Bonbon ist
das.
Geplanter
Personalabbau wird auf freiwillige Maßnahmen beschränkt –
Personalabbau ist also nicht ausgeschlossen und kann von der Telekom
durchgeführt werden
Beide
Seiten verständigten sich auf eine so genannte «Beschäftigungsbrücke»
für Nachwuchskräfte. Diese sieht die Einstellungen von mehr als 4000
Auszubildenden vor. Die Einstiegsgehälter werden um mehr als 30 Prozent
auf 21 400 bis 23 200 Euro abgesenkt. Nettogehälter wenig über 1000
Euro pro Monat werden in vielen Fällen die Folge sein, das geht schon in
Richtung Armutslöhne, die sich im Lande immer mehr ausbreiten.
Unterm
Strich: Einsparungen in 2010 im Zielkorridor der geplanten 0,5 bis 0,9
Mrd. Euro - bezahlt durch die Beschäftigten!!
…
Angesichts
der großen Zahl (50.000) der von den Telekom-Streichplänen betroffenen
MitarbeiterInnen, die einen wirksamen und breiten Widerstand ermöglicht,
und angesichts der Streikbereitschaft und des Streikwillens der
Betroffenen wäre bei entsprechender Streikführung durch Ver.di ein
Erfolg sehr wohl möglich gewesen. Hinzu kommt auch noch die sehr breite
Solidarität für den Streik in der Bevölkerung, ungeachtet mancher
Vorbehalte wegen schlechter Erfahrungen mit dem Telekom-Service und den
Praktiken der Telekom gegenüber ihren Kunden. In diesem Streik war
richtig Potential drin.
Doch
schon der Verlauf des Streikes - das nur zeitweise Heraustreten der
Streikenden in die Öffentlichkeit durch Demos und Kundgebungen, die
Nichteinbeziehung der Beschäftigten der ganzen Telekom, überhaupt die
gezielte Begrenzung des Streikes durch Ver.di - haben solch ein Ergebnis
schon erahnen lassen. Nichts, aber auch gar nichts, wurde auch von Ver.di
unternommen, um die Streikenden durch Solidaritätsstreiks der
Belegschaften aus der ganzen Branche, geschweige denn über die Branche
hinaus, zu unterstützen. Von vornherein wurde der Streik begrenzt
gehalten und über 5 lange Wochen im gleichen Stiefel so fortgesetzt. Daß
bei einer solchen Streiktaktik die Streikmoral sinken muß, dürfte wohl
klar sein. Die letzten zwei Wochen war der Streik in der Öffentlichkeit
schon kaum mehr präsent.
Diese
Begrenzung des Streiks durch die Ver.di-Streikführung ist aber weder ein
Zufall noch ein Fehler. Sie wissen, was sie tun. Für sie war der Streik
von vornherein nur darauf angelegt, Druck auf die Telekom-Führung auszuüben,
gleichzeitig aber ihn begrenzt zu halten, aus Furcht, er könne sich
ausweiten und dann nicht mehr kontrollieren lassen. Streiks ja, aber nur
unter der vollen Kontrolle der Gewerkschaftsführung, und ohne daß die
Kapitalseite wirklich erschüttert wird. Das ist nicht nur bei Ver.di so.
Das ist generell so in der Bundesrepublik. Die massive Anzahl der
Betroffenen und Streikenden ließ Ver.di allerdings um so vorsichtiger und
behutsamer zu Werke gehen.
Die
Streikunerfahrenheit der Telekom-KollegInnen kam ihnen dabei entgegen.
Aber nicht nur das. Von den Streikenden selbst kamen keine hörbaren
Forderungen nach Ausweitung des Streiks. Sie blieben ganz im Schlepptau
der Streikführung. Und sie teilen mit dieser auch solche Forderungen wie
die an den Staat, er solle doch bitteschön seinen Einfluß bei der
Telekom geltend machen, um deren Streich- und Ausgliederungspläne zu
mildern. Und eine Bereitschaft, sich mit den Beschäftigten in den
Konkurrenzgesellschaften, die teils weit weniger verdienen, oder den
Leiharbeitern zu solidarisieren, spielte weder bei Ver.di noch bei den
Streikenden mehr als eine kleine Randrolle, mit null praktischer
Konsequenz.
Kaum
überraschend hat die Große Tarifkommission heute schon dem Ergebnis
zugestimmt. Die Urabstimmung unter den Streikenden soll erst gegen Ende
der nächsten Woche stattfinden. Genug Zeit also für die Ver.di-Führung,
für Medien und Politiker, um die berechtigte Wut, die bei vielen
KollegInnen aufgrund dieses negativen Ergebnisses wohl aufkochen wird,
wieder zu dämpfen. Vor allem gilt wie z.B. bei der IG Metall auch bei
Ver.di, daß zum Abbruch des Streiks lediglich 25% der abgegebenen Stimmen
benötigt werden, wohingegen zum Beginn des Streiks 75% vonnöten sind.
Solche undemokratischen Klauseln ermöglichen es der Ver.di-Führung im
Grunde, jeden Streik, sollte er mal wider ihr Erwarten sich ausweiten und
ihrer Kontrolle zu entgleiten drohen, auch gegen die Mehrheit der
KollegInnen abzubrechen. Und wenn es bei der Abstimmung mal knapp wird,
dann wird mit allen üblen Tricks bis hin zur Manipulation gearbeitet, wie
z.B. beim Abbruch des Streiks bei AEG in Nürnberg oder der BSH in Berlin.
Wenn
Obermann und Co. heute verlautbaren, dieses prima Ergebnis würde nun die
Wettbewerbsfähigkeit der Telekom stärken, so ist das lächerlich. Die
wahren Ursachen, die Unfähigkeit des Telekom-Managements, das Chaos in
allen oberen Etagen, die dubiosen und arroganten Praktiken der Telekom
gegenüber den Kunden usw. werden durch dieses Ergebnis ja überhaupt
nicht angekratzt, es ermuntert eher zum Weitermachen.
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