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Zu
den wichtigsten Fähigkeiten deutscher Gewerkschaftsführer gehört es,
eigenes Versagen als geschickte Taktik und deftige Niederlagen als Siege
zu verkaufen. Maßstäbe setzte dabei vor einigen Monaten ver.di-Chef
Frank Bsirske, als er Lohnsenkungen für Zehntausende Telekom-Kollegen
nach einem halbherzigen Streik als »Teilerfolg« bezeichnete. Seiner
ebenbürtig erweist sicht jetzt Transnet-Chef Norbert Hansen. Der glühende
Verfechter eines Börsengangs der Bahn AG hatte bekanntlich jahrelang
Reallohnverluste für die Konzernbeschäftigten toleriert. Als der
Fahrpersonalgewerkschaft GDL dann der Kragen platzte, und sie sich
anschickte auf eigene Faust kräftige Lohnerhöhungen durchzusetzen,
verbündete er sich mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn in dem Bemühen, die
Lokführer auszubremsen.
Die
Sache ist bekanntlich schiefgegangen. Die GDL hat sich einen eigenständigen
Tarifvertrag, ein zweistelliges Lohnplus und die Verkürzung der
Wochenarbeitszeit erkämpft, während Transnet bis vor kurzem über eine
dem Konzern »abgetrotzte« Erhöhung von 4,5 Prozent jubelte. Um ihren
treuesten Mitstreiter nicht völlig im Regen stehen zu lassen, will die
Bahn AG der Transnet nunmehr einen Nachschlag im Rahmen von
Entgeltstrukturverhandlungen gewähren. Doch statt der GDL einen großen
Blumenstrauß zu schicken, und ihr für das von den Lokführern indirekt
erstreikte Lohnplus für alle zu danken, gibt Hansen schon wieder den
Großkotz. Der Abschluß der Lokführer sei nicht höher als der eigene,
wird der Transnet-Chef von mehreren Medien zitiert.
Auch
die Basis »seiner« Gewerkschaft wird wohl gemerkt haben, wer auf Börsengänge
und Rekordgewinne des Konzerns pfeift und statt dessen dafür gesorgt
hat, daß es auch bei ihnen etwas kräftiger im Portemonnaie klingeln
wird. Ihr Chef Hansen jedenfalls nicht. (balc |