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Sieger des Tages: Norbert Hansen

Quelle: jungeWelt vom 23.01.2008

Zu den wichtigsten Fähigkeiten deutscher Gewerkschaftsführer gehört es, eigenes Versagen als geschickte Taktik und deftige Niederlagen als Siege zu verkaufen. Maßstäbe setzte dabei vor einigen Monaten ver.di-Chef Frank Bsirske, als er Lohnsenkungen für Zehntausende Telekom-Kollegen nach einem halbherzigen Streik als »Teilerfolg« bezeichnete. Seiner ebenbürtig erweist sicht jetzt Transnet-Chef Norbert Hansen. Der glühende Verfechter eines Börsengangs der Bahn AG hatte bekanntlich jahrelang Reallohnverluste für die Konzernbeschäftigten toleriert. Als der Fahrpersonalgewerkschaft GDL dann der Kragen platzte, und sie sich anschickte auf eigene Faust kräftige Lohnerhöhungen durchzusetzen, verbündete er sich mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn in dem Bemühen, die Lokführer auszubremsen.

Die Sache ist bekanntlich schiefgegangen. Die GDL hat sich einen eigenständigen Tarifvertrag, ein zweistelliges Lohnplus und die Verkürzung der Wochenarbeitszeit erkämpft, während Transnet bis vor kurzem über eine dem Konzern »abgetrotzte« Erhöhung von 4,5 Prozent jubelte. Um ihren treuesten Mitstreiter nicht völlig im Regen stehen zu lassen, will die Bahn AG der Transnet nunmehr einen Nachschlag im Rahmen von Entgeltstrukturverhandlungen gewähren. Doch statt der GDL einen großen Blumenstrauß zu schicken, und ihr für das von den Lokführern indirekt erstreikte Lohnplus für alle zu danken, gibt Hansen schon wieder den Großkotz. Der Abschluß der Lokführer sei nicht höher als der eigene, wird der Transnet-Chef von mehreren Medien zitiert.

Auch die Basis »seiner« Gewerkschaft wird wohl gemerkt haben, wer auf Börsengänge und Rekordgewinne des Konzerns pfeift und statt dessen dafür gesorgt hat, daß es auch bei ihnen etwas kräftiger im Portemonnaie klingeln wird. Ihr Chef Hansen jedenfalls nicht. (balc

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