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Schlappe
für venezuelanische Opposition vor der ILO
Internationale
Organisation für Arbeit erkennt Putschgewerkschaft nicht an
Von
Dario Azzellini
aus:
http://www.labournet.de/internationales/ve/iloerfolg.html
Die
venezolanische Gewerkschaftsdelegation konnte auf der vergangene Woche in
Genf zu Ende gegangenen 92. Internationalen Arbeitskonferenz der
International Labor Organization (ILO) einen wichtigen Erfolg erringen.
Der bisher von der ILO gedeckte rechte Dachverband CTV (Confederación de
Trabajadores de Venezuela) versuchte gemeinsam mit dem venezolanischen
Unternehmerverband Fedecámaras die Verabschiedung einer Verurteilung
Venezuelas zu erreichen, wegen angeblicher Verletzung der Arbeitsrechte.
Der
Unternehmerverband behauptete vor der ILO es existiere in Venezuela eine
Diktatur, welche die Gewerkschaftsfreiheit bedrohe, während durch die
Regierung geschaffene Paramilitärs Gewerkschaftsführer und
Oppositionelle ermorden würden.
Die
Zurückweisung dieser Behauptungen nahmen die verschiedenen Delegierten
Venezuelas vor. Dabei wurden sie von Gewerkschaftsrednern aus Frankreich,
Indien, Kuba und Brasilien sowie von der Mehrheit der
Gewerkschaftsdelegierten unterstützt. Auch die anwesenden
Regierungsvertreter aus Schweden, Dänemark, Finnland und Kuba
widersprachen den Ausführungen der venezolanischen Opposition.
Die
venezolanische Delegation bestand aus Vertretern des im April 2003 gegründeten
Gewerkschaftsdachverbandes Unión Nacional de Trabajadores (UNT), der den
Reformprozess im Land unterstützt, sowie die kleineren
Gewerkschaftsorganisationen Cutv, Codesa und CGT. Die Delegation war in
Gesprächen zwischen den verschiedenen Gewerkschaften im Land zusammen
gestellt worden, die die CTV boykottierte.
Die
venezolanische Delegation machte deutlich, wie die CTV und Fedecamaras die
Realität auf den Kopf stellten, da die Gewalt von der Opposition ausgehe
und sich im Putschversuch im April 2002, im Erdölstreik, den
Ausschreitungen von Februar/März diesen Jahres und zu weiteren
Gelegenheiten manifestiert habe. Dies schließe die Verbindungen der
Opposition zum Paramilitärismus mit ein.
Die
ILO lehnte auch eine offizielle Anerkennung als Gewerkschaft der
Organisation "Gente de Petrolio” ab, die Organisation in der vor
allem höhere Angestellte des staatlichen Erdölbetriebs PDVSA organisiert
waren, hatte 2002/2003 eine Arbeitsniederlegung und eine breit angelegte
Sabotage in dem Erdölunternehmen angeführt. Die einzige Forderung war
damals der Rücktritt des Präsidenten. Arbeitsrechtliche Forderungen
vertrat die Organisation nicht.
In
einem Telefongespräch bezeichnete der Gewerkschaftsvertreter und
Abgeordnete der Chávez-Wahlallianz MVR, José Khan, das Ergebnis als „einen
Triumph der venezolanischen Gewerkschaftsbewegung, die gezeigt hat, dass
es ihr um Arbeitsfragen geht, während die politisch-putschistischen
Vorhaben der CTV und des Unternehmerverbandes offensichtlich wurden“.
Vereinbart wurde auch eine Mission von ILO-Vertretern nach Venezuela,
die dort von der Arbeitsministerin empfangen werden soll. Das Verhältnis
zwischen venezolanischer Regierung und ILO war in der Vergangenheit nicht
besonders gut gewesen, da die ILO wiederholt ungeprüft die verzerrte
Sichtweise der rechten Opposition übernommen hatte.
Tatsächlich
sind in den vergangenen Jahre im Arbeitsrecht und im
Sozialversicherungssystem zahlreiche Fortschritte erzielt worden. Diese
beinhalten unter anderem die Wiedereinführung gewisser Rechte die 1997
von der Regierung vor Chávez ausgerechnet gemeinsam mit der CTV
abgeschafft worden waren.
Der
einst mächtige und mit den ehemaligen Regierungsparteien in einem
korporativen System verbundene Gewerkschaftsverband CTV verliert zunehmend
an Unterstützung. Die meisten Mitgliedsgewerkschaften wechselten im Lauf
des vergangenen Jahres zur UNT. Gemäß einer am 2. Juni veröffentlichten
Mitteilung des Arbeitsministeriums betrafen die in den vergangenen zwölf
Monaten im Land abgeschlossenen kollektiven Verträge aufgeschlüsselt
nach Gewerkschaftszugehörigkeit in 77 Prozent der Fälle Beschäftigte
aus UNT-Gewerkschaften, insgesamt 1,16 Millionen Personen. 20,36 Prozent
oder 306.000 Betroffene waren hingegen in der CTV organisiert während
CODESA 0,33 Prozent oder 5000 Beschäftigte vertrat, die CUTV 0,15 Prozent
oder 2.500 Beschäftigte (trabajadores amparados). 2,11 Prozent hingegen
waren hingegen von Gewerkschaften, die zu keinem der genannten Verbände
gehören. |