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Volkshaus
in Leipzig:
DGB-Spitze
will es verhökern – an Heuschrecken?
Von Günter Ackermann/22. November 2006
Mit Arbeitergroschen wurde bezahlt, der Bau
des Gewerkschaftshauses, genannt Volkshaus, in Leipzig, als es 1905 erbaut
wurde. Hier trafen sich die organisierten Arbeiter. Diskutierten,
besprachen ihre Lage, planten ihre Kämpfe, hier feierten sie auch. Hier
schlug das rote Herz Leipzigs, der Arbeiterbewegung.
Das wusste auch die Reaktion. 1920, beim Putsch durch den General
des Reichswehrgruppenkommandos
I in Berlin, Freiherr Walther von Lüttwitz und dem
Generallandschaftsdirektor von Königsberg,
Wolfgang Kapp, putschte die schwärzeste Reaktion gegen die
Reichsregierung unter Reichspräsident Friedrich Ebert. Offene und
heimliche Unterstützung erhielten die Putschisten durch den
Reichswehrchef von Seeckt („Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr“)
Die Ebert-Regierung flieht aus Berlin. Kapp wird zum Reichpräsidenten
durch die Putschisten ernannt. Die Weimarer Republik schien, zwei Jahre
noch ihrer Gründung, am Ende.
Aber da stand die organisierte Arbeiterschaft
auf. Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten und christliche
Arbeiter begannen einen Generalstreik und griffen auch zu den Waffen. Im
Ruhrgebiet gab es eine regelrechte Roter Arbeiterarmee, die Rote
Ruhrarmee.
Am 17. März 1920 verschwindet Putschist Kapp
nach Schweden. Seine Herrlichkeit dauerte eben mal vier Tage.
In diesen vier Tagen zündeten die Putschisten
das Leipziger Volkshaus an. Wieder waren es die Groschen der Proletarier,
die es wieder aufbauten. Im März 1923 war es wieder aufgebaut.
Zehn Jahre später, im März 1933, durchsuchte
zuerst die Polizei das Volkshaus und verhaftete Gewerkschafter, dann
besetzten die Nazis, das Haus, das den Werktätigen gehörte. Eine
Augenzeugin berichtet:
„Dann
war Musik zu hören – sie kamen. Eine Kolonne SA-Männer marschierte die
Braustraße herauf, voran eine Kapelle und die Hakenkreuzfahne. Zögerlich
hoben wir den Arm zum Deutschen Gruße, als sie vorüber getragen wurde.
Das hatten wir in den wenigen Wochen nach dem 30. Januar schon gelernt.
Die
Formation schwenkte in die Zeitzer Straße ein und verschwand nach
nochmaligem Schwenk im Volkshaus. Langsam zerstreute sich die Menge, die
Absperrungen wurden aufgehoben und der Verkehr begann wieder zu rollen.
Ich hatte an diesem Tag ein Refugium
verloren, wo ich mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten zusammenkam, wo
wir uns die Köpfe heiß geredet hatten um das politische Geschehen, doch
das wurde mir erst später bewusst.“
Im
Krieg brannte das Gewerkschaftshaus erneut ab. Nach dem Krieg wurde es ein
zweiter Wiederaufbau.
Nach
dem DDR-Anschluss riss sich die Treuhand das traditionsreiche Gebäude
unter den Nagel. Anstatt auf Rückerstattung ihrer Vermögens zu drängen,
bezahlte der DGB für das Volkshaus, das in der DDR dem FDGB (Freier
Deutscher Gewerkschaftsbund) gehörte. Sie verzichtete sogar auf
gerichtsverwertbare Unterlagen über ihr Eigentumsrecht am Volkshaus.
Und
nun will der DGB-Vorstand das Haus verscherbeln. An wen ist nicht bekannt.
Es ist aber zu befürchten, dass es internationale
Investmentgesellschaften, also Heuschrecken, sein werden. Nur sie verfügen
über ausreichend Geld.
In
Leipzig regt sic h Widerstand gegen die DGB-Pläne. Sogar eine
Demonstration nach Berlin ist geplant.
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