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Als Kommentar
zum Bildbericht von der VW-Werker-Solidaritätsdemonstration in Brüssel,
Samstag 2.12.2006
zitiert aus einem typisch deutschen Internetforum:
„Wäre eine Zeitungskarikatur wert: Die
belgische Gewerkschaft demonstriert für den Erhalt der Produktion, die
deutsche Gewerkschaft demonstriert für die Verlegung nach Wolfsburg.
Im Zeitalter der Globalisierung könnte es den
Gewerkschafte(r)n eigentlich gleich sein, denn die Arbeitsplätze bleiben
ja erhalten, nur der Ort ist eventuell ein anderer.“
Die Antwort in
jenem Internetforum:
„Moin Stringer,
habe ich gestern mal wieder völlig anders auf der
Demonstration von 20.000 bis 30.000 vorwiegend belgischen Gewerkschaftern
hier in Brüssel erlebt. Da machten Gewerkschaften von den belgischen bis
hin zu den deutschen, italienischen und spanischen ganz klar Front
dagegen, dass die Standorte des VW-Konzerns gegeneinander ausgespielt
werden sollen. In Stuttgart wollen sich die europäischen
Automobilarbeitergewerkschaften demnächst treffe, in Kassel haben die
VW-Werker einen europäischen Ratschlag aller VW-Beschäftigten Europas
geplant und auch sonst wurde das einheitliche Handeln der Gewerkschaften
beschworen.
Wobei es natürlich auch harschen und deutlichen
Protest dagegen gab, dass die IG Metall sich zu einer
Arbeitszeitausdehnung ohne Lohnausgleich bei VW hat hinreissen lassen und
dadurch die jetzigen Probleme mitverursacht worden sind. So konnte ich
eine recht gelungene Karikatur im Demonstrationszug sehen und filmen, wo
„Topman Germany“ drüber stand. Darunter zu sehen eine Chef-Figur mit
jovialem Lächeln, entspannt am Tisch sitzend. Unter dem Chef eine in
ihren Handlungen an jenem Chef sehr obszön und pornografisch wirkende
weibliche Figur. Und vor dem Tisch ein irre grinsender „Kollege“ mit
einem Papier „C6“ (C4 ist das belgische Arbeitslosenformular). Auch
ein weiteres selbstgebasteltes für die Deutschen wenig schmeichelhaftes
Poster konnte ich filmen. Aber insgesamt waren diese Parolen in einer
kleinen Minderheit.
„United we're strong, devided we fall“ war
eine Hauptparole („vereint sind wir stark, gespalten fallen wir“). Auf
90 min Video ist mindestens 5 x „Die Internationale“ zu hören. Zum
Auftakt erklang anhaltend mehrmals nahe Brüssel-Südbahnhof das
„Che-Guevara-Lied“. Es gab 1-2 Handvoll Kapellen im Demonstrationszug,
dazu 3 grosse Bühnen der belgischen Gewerkschaften. Natürlich wurde auch
mal „Rosamunde“ oder „Adelheid“ gespielt, ein im Unterschied zu
vergleichbaren Veranstaltungen in Deutschland völlig unbeachteter
Discomusikwagen war auch mit von der Partie. Bis auf die mitgeführten
Megafone gab es keine Ansprachen, die Transparente sprachen für sich, die
Sprechchöre taten ein übriges. Auch die IG-Metall sah ich mit 3
Transparenten aus verschiedenen deutschen VW-Standorten, sie forderte
eindeutig den Erhalt des VW-Standortes in Brüssel ... also nichts mit dem
von Dir da unterstellten grossen Zank und Streit zwischen den
Gewerkschaften der einzelnen Länder um die Arbeitsplätze! Dafür klarer
Protest gegen Lohndumping.
Der VW-Konzern kassiert von der belgischen
Regierung steuerliche Zuwendungen in einer jährlichen Höhe, die den
Steuerzahlungen von 100.000 belgischen Arbeitern entspricht. Ein flyer
forderte die belgische Regierung auf, dieses seit Jahren von VW
eingestrichene Geld zurückzufordern. Es ist schon unverfroren dreist,
angesichts solcher Tatsachen von „überteuerten Arbeitsplätzen“ zu
fabulieren... .“
(aus dem Philippinenforum Deutschland, off topic, VW
Golf zurück nach Wolfsburg ... dieser Tage diskutiert)
Jens-Torsten Bohlke |