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Klassenjustiz
pur:
Peter
Hartz muss nicht in den Knast
Er
gesteht und deckt die Hintermänner in der VW-Spitze.
Von
Günter Ackermann/26. Januar 2007
Gestern
ist der Schöpfer der Schröderschen Hartz-Reformen zu 2 Jahren Knast auf
Bewährung und 576 000 Euro Geldbuße verurteilt.
Nein,
nicht weil er unzählige Menschen durch seine Reformen ins Elend stürzte,
das war legal und rechtens. Sein Schmieren von Betriebsräten des
VW-Konzerns waren die Straftat.
Was
Hartz tat, geschieht in allen deutschen Konzernen. Kleine Geschenke
erhalten die Freundschaft. Allerdings hat es Hartz etwas zu dreist
getrieben, Auf Kosten von VW flossen Millionen an den damaligen
Vorsitzenden des VW-Betriebsrates. Teure Reisen wurden den
„Arbeitervertretern“ (sprich: Arbeiterverrätern) ebenso bezahlt, die
Zweitfrauen und auch Bordellbesuche. Hartz in Geberlaune hielt seine
Kollegen aus den Betriebsratbüro bei Laune. Zum Wohle des Konzerns.
Da
wurden betriebsinterne Dumpiglöhne eingeführt – alles allerdings als
soziale Großtat gegen die Arbeitslosigkeit medienwirksam verkauft –,
die Arbeitszeiten zwar verkürzt, aber ohne Lohnausgleich usw. Das Geld
war gut angelegt für den Konzern. Die paar Millionen für den
Betriebsratsvorsitzenden Volkert waren gut angelegt und kamen mit Gewinn
zurück. Die Belegschaft jedenfalls hielt still – dank
der Beschwichtigungen Volkerts.
Das
hätte so noch lange weiter gehen können, denn, wie gesagt, dass
Arbeitsdirektoren die Betriebsräte „begünstigen“ ist gängige
Praxis, wenn auch nicht so dreist.
Aber
das war Volkert und seiner Gefolgschaft zu wenig. Sie gründeten
Zulieferfirmen, die an VW zu überhöhten Preisen lieferten. Andere
Anbieter hatten – mangels solch
guter Beziehung – keine Chance.
Das
weckt Neider. So kam es zum Skandal. Volkert und Hartz mussten gehen –
am System der Korrumpierung hat sich wenig geändert.
Hartz
flog aber nicht raus und bekam keinen Tritt in den Arsch wie ein räudiger
Hund. Er ging in Ehren und mit fast 27.000 € monatlich und einer
Barabfindung von 2 Millionen € in Pension. Er betätigt sich im Saarland
bereits wieder als Ehrenmann.
Wir
schrieben damals, als das mit der Abfindung bekannt wurde ironisch:
„Frage
der Redaktion K-online: Warum bekommt Hartz (Peter) von VW zwei
Millionen Euro Abfindung? Antwort: Das
soziale Gewissen des VW-Konzerns verbietet es, einen eigentlich verdienten
Mitarbeiter wie Peter Hartz ins soziale Loch fallen zu lassen. Hartz
(Peter) hat nämlich, weil er wegen Korruptionsvorwürfen gehen musste,
seine Arbeitslosigkeit selbst verschuldet und somit keinen Anspruch auf
Hartz IV“
Hartz
ist ein geständiger Sünder und erntet die Milde des bürgerlichen
Gerichts. Zwar weiß jeder – sicher auch der Richter – warum: Wenn
alle Details auf offener Bühne des Gerichts verhandelt worden wären,
wenn die bestochenen Betriebsräte und die Nutten ausgesagt hätten, wenn
gar die graue VW-Eminenz Ferdinand Piëch und andere im Zeugenstand
gestanden hätten oder Zeugen deren Mitwisserschaft bestätigt hätten
(wovon auszugehen ist), wäre der Hartz-Skandal ein Skandal des Großkonzerns
geworden.
Es
gab Forderungen von Hartz IV-Opfern, Peter Harzt in den Knast zu stecken.
Ich finde das sehr sympathisch, wenn auch etwas naiv. Nach dem
Mannesmann-Prozess, mit den Einstellungen des Verfahrens und Geldbußen,
die für meinen Namensvetter (nicht Verwandten) und Deutsche Bank-Chef, Josef
Ackermann, nicht einmal ein kleines Loch in dessen Portokasse reißen
dürfte, wäre
es verwunderlich gewesen, wenn Peter Harzt gesiebt Luft hätte atmen müssen.
Peter Hartz verließ das Gericht, zwar nun vorbestraft, aber frei, stieg
in seine Luxuskarosse und entschwebt Richtung saarländische Heimat.
Harzt
hat sich nicht nur Verdienste für den VW-Konzern erworben, sondern für
das gesamte deutsche Großkapital. Ihre Gewinne werden nicht mehr – Dank
Hartz-Reformen – mit für sie unnötigen Soziallasten geschmälert.
Solch ein verdienter Bürger darf doch nicht im Knast schmoren. Auch wenn
er eigentlich da rein gehört. Wir haben einen kapitalistischen
Klassenstaat und somit eine kapitalistische Klassenjustiz. Bekanntlich
hackt eine Krähe der anderen kein Auge aus.
G.A. |