| Historisch
seit dem 20. Jahrhundert erwiesen: Vollbeschäftigung und Recht
auf Arbeit für jedermann gibt es nur in der sozialistischen
Gesellschaft nach politischer und wirtschaftlicher Entmachtung
der Bourgeoisie, Zerschlagung ihres Staats- und
Herrschaftsapparates und Errichtung der Diktatur des
Proletariats |
Zum
Artikel Wahlk(r)ampf „Arbeit für alle“ und zur Realität der
Arbeitslöhne... von Reinhold Schramm
von
Jens-Torsten Bohlke
Kommunissten-online
vom 18. August 2009 – Gutbezahlte Lohnarbeit ist einfach ein ganz
elementares soziales Menschenrecht. Denn nur mit gutbezahlter Lohnarbeit
kann sich eine Familie aus der Masse der Bevölkerung solche weiteren
elementaren Menschenrechte wie menschenwürdiges Wohnen, gesunde Ernährung,
wetterfeste angemessene Kleidung, bestmögliche moderne medizinische
Versorgung, Zugang zu Bildung und Kultur sowie Sporteinrichtungen
verwirklichen. Hier geht es also ganz grundsätzlich um das, was wir
alle als ein Leben in Menschenwürde bezeichnen. Was keinesfalls
revolutionär ist.
Es
reicht die Lektüre des wirklich nicht mal dicken und dazu noch sehr
allgemeinverständlichen wissenschaftlichen Standardwerkes von Karl Marx
mit dem Namen „Manifest der Kommunistischen Partei“ dafür aus, sich
anhand der in Klassenkämpfen ablaufenden Geschichtsprozesse der
Menschheit herzuleiten, dass die elementaren sozialen Menschenrechte
niemals in der Geschichte der menschlichen Zivilisation als Gnadenakte
einfach von den Herrschenden gewährt wurden, sondern in aller Regel
hart und oft blutig von den unterdrückten und ausgebeuteten Klassen
erstritten werden mussten. Karl Marx führt in diesem Zusammenhang die
Weberaufstände in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an. Aus der
Geschichte meiner Großeltern
weiß ich auch von den harten und blutigen Kämpfen der Bergarbeiter in
der Mitte des 19. Jahrhunderts, welche sich als bestorganisierter und
geschlossenster Teil des Industrieproletariats die Sozialversicherungen
(Krankheitsvorsorge, Arbeitsunfallvorsorge, Altersvorsorge) für alle
Bergarbeiter in Deutschland erkämpften. Die Grubenbesitzer und
Bergbaukapitalisten kümmerte es grundsätzlich einen feuchten Kehricht,
ob da ihre Arbeiter mit Staublunge verreckten oder nach Arbeitsunfall
ganze Familien in der Gosse landeten. Die Klasseninteressen des Kapitals
sind grundsätzlich nicht auf das Wohl der Allgemeinheit bzw. des
gesamten Volkes ausgerichtet.
Den
kapitalistischen Ausbeutern kann es naturgemäß in einer bürgerlichen
Gesellschaft nur ganz allein um das Erzielen von Maximalprofiten gehen,
wofür sie letztlich auch nicht davor zurückscheuen, über die Leichen
des eigenen von ihren Bütteln zusammengeschossenen Volkes zu gehen.
Insbesondere
Lenin analysierte den Monopolkapitalismus, während Marx ja im 19.
Jahrhundert vor allem den „Kapitalismus der freien Konkurrenz“
miterlebte. Lenin erkannte und verbreitete in seinen Schriften über den
Imperialismus, dass die Kapitalistenklasse Teile des Extraprofites dafür
aufwendet, gewisse Elemente auch aus der Arbeiterbewegung zu
korrumpieren, zu bestechen, wenn es denn der Erhaltung und
Stabilisierung der imperialistischen Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnisse
dient. Es kostet das Finanzkapital ganz erheblich weniger, mit einem
kleinen Teil der Extraprofite aus kämpferischen Gewerkschaftsführungen
eine unterwürfige und erpressbare Arbeiterverräterclique in der
Funktion der „Arbeiteraristokratie“ zu etablieren, als wenn das
Finanzkapital der Masse der Proletarier höhere menschenwürdige Löhne
zugestehen müsste. Die „Arbeiteraristokratie“, wie sie aus der SPD
und den DGB-Gewerkschaften in Deutschland besteht, erfüllt dann noch so
einen sehr erwünschten Nebeneffekt für die Bourgeoisie wie die Lähmung
des proletarischen Internationalismus, was den Imperialisten enorm
erleichtert hat, die vielen von den Gewerkschafts- und SPD-Bonzen
irregeleiteten Arbeiter in Uniformen zu stecken, damit sie sich als
Kanonenfutter höchst profitabel für das Finanzkapital und den militärisch-industriellen
Komplex (Rüstungskonzernherren) gegenseitig massakrieren. Dies macht
den verbrecherischen Charakter deutlich, welchen Opportunisten und
Revisionisten und die ganze korrupte Vetternwirtschaft von
Gewerkschafts- und Parteibonzen innehaben.
Was
nicht heißen kann, dass nun Gewerkschaften abzulehnen sind. Ich erlebe
hier in Belgien die beiden großen Gewerkschaften sehr viel kämpferischer,
als ich es jemals beim DGB erlebt hatte. Was sicherlich sehr auch daran
liegt, dass hier seitens der Arbeiter den Gewerkschaftsfunktionären
sehr viel genauer auf die Finger gesehen wird als in Deutschland, wo die
Knechtsmentalität mit all ihren Negativfolgen wie ellbogig
ausgetragener Konkurrenz um die Jobs, Anbiedern bei den Bossen und
vorauseilendem Gehorsam schon beim Lohnverzicht bis zum absoluten Überdruss
ausgeprägt sind. Während solidarischer Zusammenhalt fehlt, welcher
aber allein in einheitlichen und geschlossenen Klassenkampf der
Arbeiterklasse münden könnte, um dann wirklich die Menschenwürde der
unterdrückten und ausgebeuteten Klassen mit anständig zu nennenden Löhnen
wiederherzustellen. Aber ebenso wenig wie in Deutschland gibt es in
Belgien oder den Niederlanden populäre Führer der Arbeiterbewegung,
wie wir sie aus der Geschichte z.B. in der Person Ernst Thälmanns
kennen. Was Ursachen hat.
In
Belgien und in den Niederlanden liegen die gesetzlichen Mindestlöhne
derzeit bei ca. 1300 Euro brutto pro Monat für einen Vollzeitjob.
Eingeschlossen sind da auch alle Zeitvertragsarbeiter. Hinzu kommt
jedoch, dass auch Zeitarbeiter je nach Branche die branchenüblichen von
den Gewerkschaften erkämpften Mindestlöhne gezahlt bekommen, welche
dann über den gesetzlichen Mindestlöhnen liegen. In Belgien gibt es
vielfach noch „Mahlzeitgutscheine“ pro gearbeiteten Arbeitstag, was
die hohen Lebensmittelpreise ganz gut ausgleicht. Und viele Branchen
zahlen den Arbeitskräften auch die Aufwendungen für die Fahrt zur
Arbeit, zuweilen bis zu 100%.
Wie viel
Mindest-Stundenlohn erhält ein Arbeiter, um 1300 Euro brutto pro Monat
zu verdienen? 1300 Euro dividiert durch 22 Arbeitstage dividiert durch 8
Stunden = 7,40 Euro.
Wie viel
Mindest-Stundenlohn erhält ein Arbeiter mit 1500 Euro brutto pro Monat,
also im realen Branchen-Mindestlohn etlicher Wirtschaftszweige Belgien?
Antwort: 8,52 Euro.
Ich
kenne keinen vollzeitbeschäftigten Kollegen in Belgien, dessen
Lohn/Gehalt unter 1500 Euro brutto liegen würde. Dagegen kommen hier
immer mal Kollegen aus ostdeutschen Call Centern an, die für 900 Euro
brutto pro Monat in Vollzeit-Schichten übelst ausgebeutet worden waren.
Oder
spanische Kollegen erzählen, dass in Spanien oft nur ca. ein halber
Branchenlohn für den Vollzeitschichtjob berechnet wird, während die
andere Hälfte des Lohnes „schwarz“ draufgelegt wird, so dass netto
der (ohnehin niedrige) Branchenlohn für den Arbeiter / Angestellten
erreicht wird. Aber im Alter steht so ein Arbeiter / Angestellter dann
sehr arm aus, logisch!
In
Aachen erlebte ich „Langzeitstudierende“ (mit 16 oder gar 22 Semestern
hinter sich), welche als Kellnerinnen ein sehr auskömmliches Leben führen
können. Hübsche Frauen bekommen da nun mal viel Trinkgeld. Junge
studierende Männer leisteten gar Doppelschichten, die eine Schicht in
der einen Firma und dann noch eine weitere am Arbeitstag in einer
anderen Firma. Freiwillig 16 Arbeitsstunden täglich nur für
„schnelle Kohle“? Höchst fahrlässig schüttelten sie alle
allerdings beim Thema Rentenversicherung den Kopf: „Da gibt es doch in
ein paar Jahren sowieso kaum noch was raus.“ Vermutlich spekulieren
sie darauf, mal irgendwann das Geld zu heiraten, um später zumindest
mit Witwenrente und Erbe im Alter über die Runden zu kommen. Was aber,
wenn es mit dem Einheiraten in begüterte Kreise nicht klappt? Wenn sie
mal schwer erkranken? Daran denken sie nicht. Dies verdrängen sie
einfach. Zu einfach, meine ich mal.
Hier
in Belgien werden auch Studentenjobs normal besteuert, genau wie
sonstige Teilzeit- und Vollzeitjobs. Da sind die Gewerkschaften wachsam.
Studierende bekommen steuerlich stark vergünstigt Privatzimmer
vermietet und werden auch sonstig subventioniert, ähnlich Arbeitslosen
und Sozialfällen. Aber dem Familienvater kann ein Student hier keinen
Arbeitsplatz dadurch wegschnappen, dass der Kapitalist ihn nur für lau
auszahlt. Darüber wachen die Gewerkschaften.
Die
DGB-Spitze hingegen steigert den bürgerlichen Pluralismus auf immer
neue Höhepunkte. Ganz stolz wird verkündet, dass es keine
Wahlempfehlung mehr für die SPD dort gibt, was ja zumindest noch
irgendwie der Stimmung der Arbeiter Rechnung zu tragen versucht. Und so lässt
die DGB-Spitze nun auch das Bundesengelchen und die CDU-Schwätzer auf
DGB-Veranstaltungen auftreten, – eben super pluralistisch!
Für
Auftritte von alten kampfgestählten Kommunisten ist im bürgerlichen
Pluralismus naturgemäß kein Platz. Da sind nur Vertreter der bürgerlichen
„Volksparteien“ zugelassen, die eine angeblich vorhandene „Mitte
der Gesellschaft“ zu vertreten vorgaukeln und beim Thema Kampf für höhere
Löhne und Sicherung der Arbeitsplätze vor Maßhalte-Appellen und
Mahnung zu Besonnenheit nur so strotzen. Fragen nach ihren Diäten und
all den einträglichen Nebenbeschäftigungen in ihren Familienklüngeln
würden als lästig empfunden werden und gelten als unanständig und
somit weg zensierbar. So verkommt der DGB zur müden Michel-Show und
sollte endlich Zipfelmützen austeilen.
Wie
dem auch sei, – eine Gewerkschaft ist immer nur so gut und so stark
wie die Summe ihrer Mitglieder! Ohne Streikbereitschaft kann es keinen
Streik geben. Massive Proteste im Betrieb können sich jedoch rasch mal
eben spontan entwickeln, ob mit oder ohne Gewerkschaft. Ich erlebte dies
mal selbst, als ein neuer Boss in seiner Antrittsrede vor der
versammelten Belegschaft ganz arrogant verkündete: „Die Tür ist
offen, für jeden!“
Da
kannte der Franzose allerdings unsere französischen und wallonischen
Kollegen nicht, die dies nicht als Spaß auffassten, sondern als
Provokation. Dementsprechend reagierten sie sofort und trommelten laut
los: „Die Tür ist offen? Dann gehen wir eben.“ Deutsche, Niederländer,
Italiener, Spanier … alle schlossen sich an. Vor der Tür postierten
sich die Gruppenleiter: „Er hat das nicht so gemeint. Bitte geht zurück.“
Die Unruhe hörte jedoch nicht auf. Die Antrittsrede jenes Bosses war
geplatzt, niemand wollte ihm weiter zuhören. Und noch monatelang
schlugen ihm Kollegen demonstrativ die Türe vor der Nase zu, wenn sie
ihn hinter sich wussten... .
Aber
gut, so respektlos behandelt kein Michel seine Obrigkeit. Nur eben, auch
in Deutschland hat die Volksverarsche bei Arbeitern ihre Grenzen, denn
auch Deutschland ist keinesfalls eine klassenkampffreie Zone. Und wenn
Oscar Lafontaine öffentlich Generalstreik wünscht und Schäuble den
Bundeswehreinsatz bei inneren Unruhen fordert, wird doch rasch klar, auf
welche Zukunft sich der Imperialismus in Deutschland einstellt.
Die
herrschende Klasse der Bourgeoisie setzt erhebliche Teile des
Extraprofite dafür ein, die ausgebeuteten und unterdrückten Massen zu
manipulieren und zu desorientieren. Mit Einsatz von Geld und Diversanten
aller möglichen „Dienste“ wurde nicht nur „attac“ als einst mächtig
werdende Protestbewegung zerschlagen, sondern steuern State Department
und CIA usw. einen Großteil von angeblich unabhängigen
Nichtregierungsorganisationen. Siehe dazu auch hier http://www.kommunisten-online.de/International/konterrevolution1.htm.
Die
Kölner Politrockband „Floh de Cologne“ sang einst in einem schönes
Kampflied in ihrem Programm „Profitgeier“:
„Die
Herren der Wirtschaft sind sehr stark
doch
nicht so stark wie wir.
Wir
sind Millionen mal so stark,
Millionen
mal so stark wie sie,
wenn
wir zusammensteh'n.“
Und
eines ist historisch seit dem 20. Jahrhundert erwiesen: Vollbeschäftigung
und somit Gewährleistung des Rechts auf Arbeit für jedermann gibt es
nur in der sozialistischen Gesellschaft nach politischer und
wirtschaftlicher Entmachtung der Bourgeoisie, Zerschlagung ihres Staats-
und Herrschaftsapparates und Errichtung der Diktatur des Proletariats.
Rotfront!
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