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„Die
Herren der Wirtschaft sind sehr
stark,
doch
nicht so stark wie wir...“
(Floh
de Cologne)
Dank
für die Einladung
Klassenkämpfe
in Europa heute
Einleitung:
„Arbeiter aller Länder, vereinigt Euch!“
Kommunisten-online
vom 25. Oktober 2010 - Warum so aktuell? Weil unser Klassengegner,
die Bourgeoisie mit dem aggressiven und reaktionären Finanzkapital an
der Spitze, längst seit etlichen Jahrzehnten konkret dann vereint
auftritt, wenn das Finanzkapital zur Sicherung seiner Herrschaft kämpferische
Arbeiter- und Volksbewegungen unterdrückt oder im Profitinteresse
Rohstoffe raubt bzw. diesen Raub sichert. Organisatorisch haben sich die
maßgeblichen Kreise des internationalen Finanzkapitals in solchen
halboffiziellen elitären Clubs wie dem Club Bilderberg
zusammengeschlossen. Daneben unterhalten die Finanzkapitalisten etliche
Klüngelvereine wie z.B. Amerika-Brücke e.V. in Berlin, wozu
Vereinsmitglied und Milliardär Oetker sagt, dass es immer gut ist, über
Kontakte zu jenen 200 Familien zu verfügen, die die USA in Wirklichkeit
beherrschen. Arbeiter oder von der Arbeiterklasse dort eingeschleuste
Agenten finden sich in diesen Klüngelvereinen des Finanzkapitals nicht.
Ich
frage: Wo haben wir als Proletariat solche internationalen Gremien und
Zusammenschlüsse? Wer vereint uns als Proletariat EU-weit oder weltweit
beim Kampf für unsere Klasseninteressen?
Dem
neuen IGB gehörten im Juni 2007 lt. Wikipedia 305 Gewerkschaften aus
153 Ländern mit rund 167,6 Millionen Mitgliedern an. Darunter ist auch
der Deutsche Gewerkschaftsbund mit 6,5 Millionen Mitgliedern, der Österreichische
Gewerkschaftsbund mit ca. 1 Mio. Mitgliedern, der Schweizerische
Gewerkschaftsbund mit 315.000 Mitgliedern, die beiden großen belgischen
Gewerkschaften mit ca. 3 Millionen Mitgliedern. Seit 2010 ist z.B. der
DGB-Vorsitzende Michael Sommer Präsident dieses IGB.
Von
einer sonderlich kämpferischen oder gar revolutionären Kraft können
wir Kommunisten da also nicht sprechen, wenn wir uns diese
opportunistischen „Arbeiteraristokraten“ und Bonzen in der Führungsspitze
des IGB anschauen. Wohl aber können wir davon sprechen, wenn wir an die
167,6 Millionen Gewerkschaftsmitglieder weltweit denken, die in Bewegung
gekommen sind.
Zehntausende
aktive kämpferische Gewerkschafter wie unsereins üben Druck innerhalb
der Gewerkschaftsbewegung auf die Gewerkschaftsspitzen aus, von denen
wir eine kämpferische Antwort auf z.B. die Abwälzung der Krisenlasten
in diesen Zeiten lautstark einfordern. Nur daher kam es zum EU-weiten
Aktionstag des EGB im Mai 2009 und vor kurzem am 29. September 2010 und
wird es zu Folge-Aktionen auf EU-Ebene kommen.
„Arbeiter
aller Länder, vereinigt euch!“
Es
wird wohl kaum einen Arbeiter in der EU geben, welcher den Geldsegen von
milliardenschweren üppigsten „Rettungspaketen“ an die ach so
notleidenden Banken nicht mitbekommen hat und darüber immer wieder in
Wut gerät. Das Vertrauen in bürgerliche Politiker, bürgerliche
Parteien und die bürgerliche Gesellschaft sinkt derzeit rapide unter
den Arbeitern in der EU.
Bürgerliche
führende Ökonomen der EZB wie Trichet und Starke geben in der
Finanzpresse gerne zu, dass mit einer Billion Euro an Zuschüssen aus
Steuergeldern bestenfalls eine kurze Atempause für die „Krisenbewältigung“
rausgeholt werden konnte. Denn, „die Märkte“ würden „weiterhin
verrückt spielen“ (1).
Die
Märkte? Es ist die unersättliche Gier jener 200 Familien, die die USA
wirklich beherrschen, lt. Herrn Multimilliardär Oetker. Die Aneignung
von immer wieder hunderten Milliarden Euro und Dollar durch die paar
hundert Clans des international agierenden Finanzkapitals, welches seine
Handlanger in Gestalt bürgerlicher Regierungen und Parlamentarier und
Beamter bestens zu benutzen versteht, um den Völkern was von
„Geldverbrennung“ und „Naturschicksal Krise“ vorzugaukeln, wo
dann letztlich gar die Völker „über ihre Verhältnisse gelebt“
haben sollen.
Dem
einzelnen Arbeiter, der immer mehr um Arbeit und Lohn bangen muss,
entgeht auch ganz und gar nicht, dass z.B. das Opelwerk in Antwerpen
nicht mal eben durch Milliarden Euro aus der Steuerkasse gerettet wird.
Und der Arbeiter liest dann auf unsereins T-Shirt die Worte des
revolutionären Demokraten Hugo Chávez „Wäre das Klima eine Bank,
dann hätten sie es längst gerettet“.
-1-
Bossnapping / Betriebsbesetzungen / Belegschaftsaktionen
Beispiel
New Fabris / Frankreich macht Schule
Liebe
Genossen und Freunde, verehrte Anwesende,
nicht
erst seit im letzten Frühjahr von der Akropolis, der Wiege der
Demokratie aus per Spruchband aufgerufen wurde „Völker Europas,
erhebt Euch!“, wächst die politische Massenaktivität der Völker
Europas immer spürbarer an. Neu ist in diesem Jahr 2010 lediglich, dass
besonders militante Formen des Klassenkampfes sich zu einer Art Normalität
etabliert haben. So zum Beispiel das „Bossnapping“, wo aufgebrachte
Arbeiter den Betrieb besetzen und die Bosse kurzerhand mal eine Nacht
hinter Schloss und Riegeln nachdenken lassen, ob es nicht doch einen
Rettungsplan für die Arbeitsplätze gibt.
Beispiel:
Die Firma New Fabris nahe Poitiers in Frankreich im April 2009. New
Fabris ging im April 2009 in die Insolvenz. Dies bedeutete für die
Arbeiter der Firma, dass sie keinerlei Abfindungen bekommen sollen.
Ihr
Protest wurde zu einem der Höhepunkte radikaler werdender Reaktionen
auf die Folgen der kapitalistischen Weltwirtschafts- und Finanzkrise.
Zuvor in 2009 nahmen in mindestens acht Betrieben die Belegschaften ihre
Manager in Geiselhaft, um die Forderungen nach sicheren Arbeitsplätzen,
besserer Bezahlung und weniger Entlassungen durchzusetzen. (2)
Frankreich
hat mittlerweile eine Geschichte des „
Bossnappings“,
welche auf den Mai 1968 und die Klassenkämpfe der 70er Jahre des
vorigen Jahrhunderts zurückgeht. Bereits damals wurden Manager im Kampf
um Arbeiterrechte immer wieder in Geiselhaft genommen. (3)
Konkret
stellten die Arbeiter von New Fabris der Betriebsleitung ein Ultimatum,
bis zum 31. Juli 2009, um die geforderten Abfindungssummen zu
bewilligen. Andernfalls würden sie handeln und das Werk in die Luft
sprengen. Guy Eyermann (CGT) angesichts der Gasflaschen: „Alles ist
bereit, damit sie explodieren.“
Der
Gewerkschafter sagte weiter, die Autokonzerne hätten New Fabris und
seine 366 Mitarbeiter „fallengelassen“. Anfang 2008 hätten die
Konzerne noch große Aufträge für Verteilerkappen und Auspuffe erteilt
und New Fabris habe Zeitarbeiter eingestellt. „Seit September plötzlich
nichts mehr“, sagte Eyermann der Zeitung „Le Parisien“. Tausende
Teile lägen unbezahlt im Lager. Jetzt müssten die Konzerne zahlen.
„Die Leute hier sind im Schnitt 49 Jahre alt und seit 25 Jahren
dabei“, sagte Eyermann. „Wie sollen sie neue Arbeit finden?“ (4)
Der
Druck war erfolgreich! Vor die Entscheidung gestellt, zusätzlich zu den
zugesagten Abfindungen von 16.000 Euro noch weitere 14.000 Euro pro
Entlassung zu zahlen oder 2-5 Millionen Euro an Kapital in Form von
Maschinen zu verlieren, gaben die Bosse nach.
Und
weiter: Diese drastische Form des Klassenkampfes machte Schule. Nach
drei ergebnislosen Streikwochen stellten mittlerweile auch 163 Beschäftigte
der Firma JLG in Tonneins (Frankreich) Gasflaschen in der besetzten
Fabrik auf und drohten damit, das Hebebühnen-Werk explodieren zu
lassen. Die 53 von JLG entlassenen Arbeiter bekommen nun 30.000 Euro
Abfindung.
Die
Arbeiter gingen bei ihren Aktionen stets verhältnismäßig vor. Eine
starke Abordnung der Belegschaft von New Fabris demonstrierte vor der
Renault-Firmenzentrale in Boulogne-Billancourt, wo Gespräche zwischen
Gewerkschaftsvertretern und dem Renault-Management geführt wurden. Als
am 17. Juli 2009 bekannt wurde, dass diese Gespräche kein Ergebnis
brachten, zündeten die Arbeiter von New Fabris eine 1,2 Tonnen schwere
Fertigungsmaschine an und erklärten der Presse: „Diese Aktion wurde
beschlossen, um unseren Ärger und unsere Entschlossenheit zu
unterstreichen. Wir werden das bis zum Ende durchziehen“, so
Betriebsratschef Guy Eyermann, Mitglied der kommunistischen Gewerkschaft
CGT.
Nicht
nur bei New Fabris und JLG, auch beim kanadischen Netzwerkausrüster
Nortel in Châteaufort bei Versailles besetzten die streikenden Arbeiter
den Betrieb, stellten am 15. Juli dort Gasflaschen auf und drohen mit
Sprengung. Auch in diesem Fall geht es um Massenentlassungen und
Abfindungen.
Sehr
erwähnenswert ist auch der bekannte Reifenhersteller Continental. 1120
Mitarbeiter der Reifenfabrik in Clairoix (Frankreich) verloren ihren
Arbeitsplatz wegen der Schließung des Betriebes. Auch in ihrem Fall
brachten allein Arbeitsniederlegungen und Gespräche zwischen
Gewerkschaften und Unernehmensleitung nichts bis viel zuwenig. Im April
2009 verwüsteten die aufgebrachten Conti-Arbeiter das Gebäude einer
Unterpräfektur in Compiègne und erhöhten mit der Betriebsbesetzung
und eskalierenden Aktionen vor Ort gegen das Management immer stärker
und wirksamer den Druck auf die Unternehmensleitung. Letztlich wurde
ihnen eine Abfindung von 50.000 Euro zugesagt, was diesen Konflikt
beendete.
Wie
verzweifelt müssen Arbeiter sein, wenn sie Hand anlegen und Manager als
Geiseln nehmen, Büros und Arbeitsstellen verwüsten, Maschinen anzünden,
den besetzten Betrieb mit Barrikaden abriegeln und mit der Sprengung
ganzer Industriekomplexe drohen? Die französische Zeitung „Libération“
erhält pro Woche derzeit rund zehn Benachrichtigungen von neuen
eskalierenden Klassenkämpfen vor Ort in dieser Art.
Das
Schema ist immer dasselbe: Schließung eines Werkes wegen Insolvenz der
betreffenden Firma auf Entscheidung der Firmenleitung. Womit die
Kapitalisten sich ihre Profite sichern, denn sie stoßen die weniger
rentablen Teile ihres Eigentums an Produktionsmitteln einfach ab. Auf
den um Lohn und Brot gebrachten entlassenen Arbeitern soll „die
Allgemeinheit“ sitzenbleiben, dies soll sich mit Leistungen der
Arbeitslosenversicherung aus Sicht der Kapitalistenklasse erledigt
haben.
Dass
dies funktionieren kann, zeigt das Beispiel Deutschland bestens. Denn wo
sich niemand bis viel zu wenige wehren, jeder Kampf schon von vornherein
als aussichtslos aufgegeben wird, geht es den Bossen und Konzernherren
allerbestens auch in jeder Krise. Da brüstet sich öffentlich ein in
China gescheiterter deutscher Trampolinbau-Kapitalist im ARD/ZDF-Frühprogramm
schon mal mit seinen staatlich finanzierten über 50 Ein-Euro-Kräften
aus einstigen in Autowerken tätigen Metallfacharbeitern in Stuttgart,
die ihm „dank deutscher Wertarbeit“ und eingesparten Transportkosten
zum auskömmlichen Profit verhelfen (3).
Anders
sieht es aus, wenn ganze Belegschaften den organisierten Klassenkampf
aktiv aufnehmen. Wenn die Betriebsversammlung der Arbeiter und
Angestellten klarstellt, dass sie nun im für bankrott erklärten
Betrieb das Sagen hat. Wenn die Gespräche im Betriebsrat und ggf. die
weiteren Verhandlungen unter staatlicher Vermittlung mit eskalierendem
Streik und Betriebsbesetzung begleitet werden und so die organisierten
Belegschaften immer mehr und immer wirksamer Druck auf „die
Abwickler“ ausüben. Jenen „Abwicklern“ schwinden die Bonussummen
in dem Maße, in welchem die Abfindungen an die Entlassenen steigen.
Freiwillig mit nur etwas Verhandlungsgeschick seitens der Gewerkschaften
ist da auf der Unternehmerseite kein Maximum für die Arbeiter
rauszuholen. So lange sie kein Risiko eingehen, werden die Unternehmer
also nichts bis wenig zahlen wollen. Ihr Gesichtsverlust kümmert sie
recht wenig, die klingelnde Kasse kümmert sie umso mehr!
Droht
der Verlust von Millionen Euro an verwertbarem Kapital, kommt es seitens
„der Abwickler“ zur Güte-Abwägung. Nur wenn sie das verwertbare
Kapital retten, geht ihre Rechnung überhaupt auf, Abfindungen zu zahlen
und den Löwenanteil des Betriebes dennoch der profitgierigen
Kapitalseite zuzuschanzen.
Natürlich
steht die Drohung der Vernichtung fremden Eigentums in keinerlei
Einklang mit dem bürgerlichen Recht. Sollte in Deutschland eine
einzelne kleine Belegschaft Gasflaschen aufstellen und der
Betriebsleitung die Sprengung des Betriebes androhen, wären binnen
Stunden neben Polizei und GSG-9 und Sondereinsatzkommandos auch die bürgerliche
Justiz sowie die arbeiterfeindliche Hetzpresse mobilisiert. Die Handys
der beteiligten Kollegen würden kaum noch ruhen, weil ihre verängstigten
Frauen pausenlos wegen künftiger Haftstrafen der Männer denen was
vorheulen würden. Und die Nation der Michels würde Schäuble
nachplappern, dass derartige Anarchie im ordentlichen Rechts-Staat
Deutschland nicht geduldet werden könne und schon im Keim zu ersticken
ist. Koste es, was es wolle!
Was
aber, wenn wie in Frankreich solche Aktionsformen ganz massiv die Runde
machen? Ab 10 Belegschaften pro Woche, welche sich infolge
Massenentlassung und Unternehmerwillkür der Betriebsbesetzung anschließen
und ihre Betriebe besetzt halten? Hunderte bis tausende Hubschrauber im
Lande über besetzten Betrieben kreisen lassen? Soviel GSG-9 und SEK hat
keine Bundesrepublik, um mit rein polizeilichen Mitteln einer aktiv kämpfenden
großen Arbeiterbewegung Herr zu werden.
Auch
braucht den französischen Arbeiterfrauen niemand mit der Androhung von
Haftstrafen zu kommen. Die entlassenen Männer würden sich freiwillig
in den Knast melden, denn mit der Abfindung können sie ihre Familien
nicht all zu lange durchfüttern. Und im Gefängnis haben sie wenigstens
das Essen frei! Im Ernst: Alle Leute in Frankreich vor Ort würden
diejenigen auslachen, die da Haftstrafen androhen und einzuschüchtern
versuchen. Und vom Richter bis zum Staatspräsidenten haben die
Franzosen Verständnis für die Verzweiflungstaten der Arbeiter, auch
wenn Erpressung mit Brandstiftung und Explosion nach bürgerlichem Recht
sehr strafbar ist.
Im
französischen Nortel-Werk will die Regierung nun Forschungsmittel
bereitstellen, um dort eine friedliche und zivile Lösung zu
zelebrieren. In vielen anderen kleinen und mittleren und großen Firmen
geht derweil die Massenentlassungswelle weiter. Denn die Lasten der
Weltwirtschaftskrise sollen ja auch weiterhin der Arbeiterklasse aufgebürdet
werden. Dabei muss die Rechnung allerdings mit dem Wirt gemacht werden,
zumindest in Frankreich demonstriert das Volk genau dies. Und wir
Kommunisten erinnern uns der Worte Lenins von der Vielfalt der Formen
des Klassenkampfes. Und wir erinnern alle Welt auch im deutschsprachigen
Teil der EU daran, dass Vielfalt der Formen des Klassenkampfes nicht heißt,
alles immer juristisch brav und richtig zu machen, die Rasenflächen
nicht zu betreten und nur mit zuvor gelöster Fahrkarte auf den Zug der
Revolution aufzuspringen. (5)
Und
übrigens: vor einem guten halben Jahr gab es sogar ein erstes „Bossnapping“
in Deutschland, bei der Cabrios produzierenden Firma Karmann in der
biederen Beamtenstadt Münster.
2.
Das Beispiel Fiat in Belgien, keine bürgerliche Zeitung berichtete ...
Wie
alle Welt weiß und alltäglich mitbekommt, schließen die großen
transnationalen Konzerne unentwegt Werke und Niederlassungen, um sich
mit Massenentlassungen zugunsten der Profitsicherung und ganz allein im
Interesse der Monopolkapitalisten aus der Weltwirtschaftskrise
hinauszumanövrieren. Auch in Belgien greift das Management dieser
transnationalen Konzerne zu teils drakonischen Maßnahmen und in einigen
Fällen zu übelsten juristischen Tricks, um sich auf billigste Art und
Weise von Teilen der Belegschaft zu trennen. Was in Jahrzehnten harten
Klassenkampfes durch die Arbeiterklasse und kämpferische Gewerkschaften
an Sozialstandards in den Betriebskollektiv- und Branchenkollektivverträgen
den Arbeitern und Angestellten zugestanden werden musste, soll auf ein
Mal „unbezahlbar“ sein, den betroffenen kalt geschassten Kolleginnen
und Kollegen vorenthalten werden oder mit juristischen Tricks und
Winkelzügen umgangen und ausgehebelt werden. So jedenfalls sieht
derzeit das Verhalten von immer mehr Konzernleitungen gegenüber den
Belegschaften aus.
FIAT
im Brüsseler Stadtteil Evere lieferte dafür ein Beispiel der ganz
besonderen Art. Das große dortige Werk wird auf eifriges Betreiben der
Konzernleitung seit Monaten „filetiert“, d.h. aus einem Werk
strukturiert die Konzernleitung kurzerhand per „Umstrukturierung“
etliche kleine „selbständige Betriebseinheiten“. Infolge dessen
werden dann die Mandate der Gewerkschaftsdelegierten nicht mehr
anerkannt, Betriebsräte zerschlagen, Sozialpläne mit ausgehandelten
Abfindungen im Falle von Massenentlassungen abgeschafft. All dies ist
der Inhalt der Kapitaloffensive namens „Krisenmanagement“ gegen die
Arbeiterklasse vor Ort im Betrieb.
Die
belgische Arbeiterklasse weiß jedoch zu gut, dass Rechte nicht von Gott
oder Kaiser oder Tribun als Gnadenakt zugestanden werden, sondern erkämpft
und anschließend verteidigt werden müssen. So herrscht weitverbreitet
tiefes Misstrauen gegenüber den Bossen und der Regierung. Bei FIAT in
Brüssel-Evere organisierten die rote Gewerkschaft sowie der frankophone
Flügel der grünen Gewerkschaft eine Aktion nach der anderen, um gegen
diese „Umstrukturierung“ anzukämpfen. Die Aktionen eskalierten bis
hin zu einem Fall von Bossnapping bei FIAT, denn die Arbeiter wurden
immer wütender über die Entscheidungen der Konzernführung.
Die
FIAT-Konzernleitung betrachtete jedoch die Zerstückelung des Werks in
mehrere Einzelbetriebe nach ein paar Federstrichen auf Papier als
hinreichend abgeschlossen und ging nun vor wenigen Wochen daran,
Gewerkschaftsdelegierte und aktive Gewerkschafter in einer ersten
Entlassungswelle kalt rauszuschmeißen. Dies führte unmittelbar zu
einer spontanen Protestdemonstration von hunderten Gewerkschaftern der
roten und grünen Gewerkschaft vor den von der Polizei abgeriegelten und
gesicherten Zugängen zum FIAT-Werk in Brüssel-Evere. Lautstark
forderten die Protestierenden, dass jener FIAT-Manager rauskommen solle
und sich stellen solle, der da Gewerkschaftsdelegierte und
Gewerkschafter kalt geschasst hatte. Doch jener FIAT-Manager ließ sich
nicht blicken.
Die
protestierenden Gewerkschafter wurden immer wütender. Sie ließen sich
aber nicht durch die Polizeiverstärkungen provozieren, sondern äußerten
lediglich laut und friedlich ihren Protest. Sie wollten einfach nicht
aufgeben. Darum fuhren sie dann in einem Autokorso und in einem öffentlichen
Bus in einer Stärke von gut 150 Gewerkschaftern in das 40 km entfernte
Dorf zum privaten Wohnhaus jenes FIAT-Managers.
Die
belgische Polizei hatte diesen Verlauf der Protestaktion mitbekommen und
kam den im Dorf eintreffenden Gewerkschaftern mit einem Aufgebot von
bewaffneten Polizisten zuvor. Diese Polizisten sicherten das private
Haus jenes FIAT-Managers vor den aufgebrachten Gewerkschaftern, welche
sich jedoch nicht zu strafrechtlich relevanten Handlungen provozieren
ließen. Lautstark machten sie sich bemerkbar. Dies genau dort, wo jener
FIAT-Manager wohnte.
Wie
in Siedlungen der Wohlhabenden üblich, fühlen sich die Einwohner dort
sehr wohl in ihrer Ruhe und Beschaulichkeit. Wie in Belgien üblich,
haben sie aber auch offene Ohren und Augen für berechtigten Protest
einer nennenswert großen Masse von noch dazu organisiert auftretenden
Protestierenden. Somit konnte die Polizei nicht verhindern, dass die
Ortsansässigen eine sehr schlechte Meinung von jenem FIAT-Manager
bekamen. Was in aller Regel zu Versammlungen in der Wohnsiedlung führt,
wo dann so einem unliebsam gewordenen Nachbarn deutlich erklärt wird,
dass sich die Gemeinschaft solche Ruhestörungen nicht wünscht.
Es
begab sich bei jenem lauten Protest im Dorfe auch, dass eine Anwohnerin
einige Kästen Bier aus ihrem Auto entlud. Eine Gruppe roter
Gewerkschafter hatte daraufhin ihren Spaß daran, einen bekannten französischsprachigen
Sprechchor aus kommunistischer Tradition zu veranstalten, in welchem
gefordert wird, dass es kein Eigentum mehr gibt und alles in der
Gemeinschaft aufzuteilen ist. Die Frau in jener gutbürgerlichen
Siedlung sah sich bemüßigt, die Gemüter dadurch zu beruhigen, dass
sie Kästen Bier an die Protestierenden abgab. Was nun auch wieder
typisch für die Mentalität in Belgien ist: der Kompromiss aus gesundem
Menschenverstand gepaart mit auch viel Herzlichkeit bis hin zu einem
guten Schuss von Humor!
Die
hier geschilderten Vorfälle standen in keiner Zeitung. Kein Fernseh-
oder Radiosender berichtete darüber. Die bürgerlichen Medien sehen
Werksschließungen, Umstrukturierungen und Massenentlassungen
mittlerweile als völlig normal angesichts der Weltwirtschaftskrise an.
Anders
ist dies bei unsereins, die wir zur Arbeiterklasse gehören. Als
Kommunisten schauen wir sehr genau hin, zu welchen Mitteln beide große
Klassen im Klassenkampf unmittelbar vor Ort im Betrieb greifen. Und auch
wenn die Kapitalisten und ihr Anhang aus Bossen und Managern die Macht
in dieser heute hier bestehenden Gesellschaft haben, so sammelt die
Arbeiterklasse immer wieder neue und mehr Erfahrungen im Klassenkampf,
die wir Kommunisten gerne dokumentieren und weitergeben. (6)
3.
Generalstreiks und Massendemonstrationen in EU-Ländern 2009
Zehntausende
Menschen haben bereits im Mai 2009 auf zahlreichen Kundgebungen in ganz
Europa für mehr Arbeitsplatzsicherheit und gegen die Sparprogramme
ihrer Regierungen demonstriert.
So
kamen in Madrid bis zu 150.000 Demonstranten auf die Straße. Die
Kundgebung in Spanien war der Auftakt einer dreitägigen Protestserie in
europäischen Hauptstädten.
„Gegen
die Krise, Beschäftigung zuerst“ lautete der Slogan auf zahlreichen
Plakaten. Und immer mehr Menschen bezeichnen den Kapitalismus als krank
auf ihren Transparenten bei der Kampfdemonstration.
In
Brüssel hielten die Demonstranten unter anderem auch ein Plakat mit
„A social Europe? , yes we can! „ in Anlehnung an Obamas Wahlshow
hoch.
Die
Großdemonstrationen in Madrid, Brüssel, Berlin, Prag usw. fanden im
Rahmen der Aktionstage des Europäischen Gewerkschaftsbundes (ETUC) für
ein soziales Europa statt. Aus allen Landesteilen Belgiens und aus den
Nachbarländern nahmen insgesamt bis zu 60.000 Werktätige an der
Kundgebung in Brüssel teil. Zur selben Zeit waren z.B. nur 55 Prozent
der Busse der wallonischen Nahverkehrsgesellschaft TEC im Einsatz. Die
Störungen im Busverkehr waren enorm, während die belgische Bahn
Sonderzüge einsetzte.
Bei
der Kundgebung im Zentrum der belgischen Hauptstadt verlangten Sprecher
der Gewerkschaften einen europäischen Sozialpakt mit mehr sozialer
Gerechtigkeit, mehr Solidarität, mehr und bessere Jobs und weniger
sozialer Ausgrenzung. Außerdem forderten sie von der EU, mehr für den
Erhalt der Arbeitsplätze zu tun.
Die
Demonstranten zogen friedlich, aber lautstark vom Nordbahnhof bis zum Südbahnhof.
Dabei erklärten sie, dass sie nicht für die derzeitige Wirtschafts-
und Finanzkrise zahlen wollen. Das sei eine weltweite Krise des
Kapitalismus. Zahlen sollen die Reichen, darin waren sich alle einig.
Zu
der Großkundgebung hatte der Europäische Gewerkschaftsbund aufgerufen.
Stark beteiligt waren alle zwei großen belgischen Gewerkschaften.
Gewerkschafter meinten übereinstimmend, dass dies die größte
Demonstration Belgiens in den letzten Jahren gewesen ist.
Weitere
Kundgebungen wurden in Berlin und Prag veranstaltet, allerdings an einem
arbeitsfreien Sonnabend.
(7)
4.
EU-weiter Klassenkampf 2010
Last
not least:
Griechenland
wurde im Frühjahr 2010 von anhaltenden Streiks und
Massendemonstrationen der Arbeiter in etlichen griechischen Städten
erschüttert, wobei die klassenkämpferische Gewerkschaft PAME und die
KKE an der Spitze standen. Wir Kommunisten verfolgen dies mit großer
Anteilnahme. Die Politik der Entrechtung und Verelendung gegen die
Arbeiterklasse hat in Griechenland unter IWF- und EU-Diktat extreme
Ausmaße angenommen. Unsereins muss klar sein, dass Griechenland ein
Testfall der EU-Agenda 2020 ist.
In
Griechenland hat die Radikalisierung der protestierenden Arbeitermassen
sehr zugenommen, wenn wir es mal im EU-Maßstab betrachten. Mittlerweile
ist dort folgende Parole ständig dabei, wenn die ständig weiter
erstarkende Gewerkschaft PAME die Arbeitermassen auf den Straßen zum
Protest versammelt: „„Keine Spielchen mehr, Kapitalismus kann nicht
menschlich werden”. Auch in Belgien demonstriert die
linksopportunistische rote sozialistische Gewerkschaft mittlerweile ständig
mit dem Spruchband „Der Kapitalismus macht krank“.
Spanien
meldete kürzlich den größten Generalstreik der letzten Jahrzehnte mit
einer Rekordbeteiligung von mehr als 71% aller Arbeiter des Landes. Dies
alles bei zwei großen Gewerkschaften, die bis in die Knochen
opportunistisch sind. Portugal meldete die größten
Massendemonstrationen der letzten Jahrzehnte, wesentlich organisiert von
der kommunistischen Gewerkschaft CGTP in Lissabon und Porto.
In
Irland haben rechtsopportunistische Gewerkschaftsführungen die
Arbeitermassen noch so weit unter Kontrolle, dass Proteste gegen die
Krisenzeche bisher nur kurz aufflammten. In Großbritannien zeigt sich
die große Gewerkschaft TUC zumindest streik- und kampfbereit angesichts
angekündigter „Sparmaßnahmen“ der Regierung.
Der
Sozialabbau der Regierung Rumäniens zur Erfüllung der Forderungen des
Internationalen Währungsfonds (IWF) trieb Rumäniens Arbeiter auf die
Straßen. So protestierten seit Mai 2010 immer wieder mindestens 50.000
Menschen in der Innenstadt von Bukarest. Die Gewerkschaften
organisierten am 31. Mai 2010 einen Generalstreik. Der 31. Mai war der
Vortag der Parlamentsabstimmung über das rigide Sozialkahlschlagspaket.
20.000 protestierende Arbeiter setzten kürzlich zum Sturm auf das
Parlament in Bukarest an, weil dem IWF- und EU-Diktat folgend die Gehälter
im öffentlichen Dienst und die Renten drastisch gesenkt werden sollen.
Man spricht in Rumänien von den größten Massenprotesten seit 1989.
(8)
In
Lettland gab es 2009 etliche Straßenschlachten mit der Polizei und
Massenproteste gegen die drastischen Sparmaßnahmen des korrupten
Kompradorenbourgeoisie-Regimes und gibt es 2010 weitere andauernde
Streiks z.B. bei den Hafenarbeitern.
In
Polen im September 2010 führten die beiden wichtigsten polnischen
Gewerkschaften – Solidarność und der polnische
Gewerkschaftsverband OPZZ – die Arbeiter zur Demonstration vor dem
Regierungssitz.
In
Brüssel demonstrierten ca. 100.000 Arbeiter aus 30 EU-Ländern am 29.
September 2010. Ich war dabei. (Fotoschau oder Videoschau / parallel zum
Vortrag).
WAS
KÖNNEN UND MÜSSEN WIR KOMMUNISTEN TUN
Die
Arbeiterklasse auch in der EU nutzt immer schöpferischer die Vielfalt
der Formen des Klassenkampfes in vollem Umfang. Der Klassenkampf hat
alle Ebenen vom Betrieb bis zum Generalstreik ganzer Völker erreicht.
Er lässt nicht nach, sondern nimmt an Schärfe und Intensität ständig
weiter zu.
Mittlerweile
koordinieren die Gewerkschaften EU-weit Protestaktionen. Nur so sind für
sie überhaupt noch Erfolge bei der Abwehr der forcierten Großoffensive
des Finanzkapitals auf alle sozialen Rechte und Sozialstandards der
Arbeiter in der EU vorstellbar. Das Grundrecht auf Streik konnte
einstweilen gehalten werden. Die Massenentlassungen, das Lohndumping,
die Prekarisierung geht unvermindert weiter.
Daneben
muss durch die antiimperialistisch-demokratischen Kräfte massiv unter
den Volksmassen Aufklärungsarbeit geleistet werden, damit der
Klassenkampf seitens der Arbeiterklasse und Volksmassen sich nicht auf
rein ökonomistische Abwehrschlachten erschöpft, sondern zunehmend auch
in den weltweiten revolutionären Kampf für die Überwindung des
Kapitalismus einmündet.
Wir
Kommunisten befinden uns derzeit in immer heißeren zugespitzten
Klassenkämpfen in der EU und weltweit. Wir Kommunisten nehmen an diesen
Klassenkämpfen sehr aktiv teil. Wir Kommunisten werden nicht zulassen,
dass kommunistische Parteien und Organisationen verboten werden und zu
verschwinden haben. Wir Kommunisten führen die revolutionäre
politische Massenarbeit durch. Wir Kommunisten sind die kommunistische
Partei, welche die Arbeiterklasse und die Völker Europas und der Welt
dringend nötig hat. (9)
Ohne
uns, ohne kommunistische Partei, kann weder die bürgerliche Ordnung
endgültig und konsequent zerschlagen werden, noch die Diktatur des
Proletariats durch die Arbeiterklasse errichtet werden. Es ist an der
Zeit, dass wir uns an die Spitze der Klassenkämpfe in der EU und
weltweit stellen.
Dazu
gehört, dass wir Kommunisten als bestens organisierte
marxistisch-leninistische Partei existieren, wie es in Ländern wie
Griechenland oder Portugal der Fall ist. Im deutschsprachigen Gebiet der
EU werden leider nur an wenigen Orten aktive Kommunisten überhaupt
wahrgenommen, was wir Kommunisten ändern müssen. Dies geht aber nicht
über ein im Hinterstübchen mal eben rasch zusammengeschriebenes Papier
zur Gründung einer kommunistisch sich nennenden Initiativgruppe aus
Personen fernab aller betrieblichen Klassenkämpfe. Erfolgversprechender
sieht der in Frankreich, Italien und hier in Österreich beschrittene
Weg aus, wo am Klassenkampf aktiv beteiligte Marxisten-Leninisten aus
einer ideologisch verfaulenden einst kommunistischen Partei sich in
Neugründungen sammeln.
In
diesem Sinne ist der KOMintern in der Wiener Arbeiterkammer nur viel
Zulauf und Erfolg zu wünschen.
Quellen:
(1)
http://www.kommunisten-online.de/blackchanel/krise3.htm#Kapitalismus
http://(2)
http://www.kommunisten-online.de/BetrGwer/bossnapping.htm#Frankreich
(3)
http://www.guardian.co.uk/world/2009/...ar-factory
(4)
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,635803,00.html
(5)
http://www.kommunisten-online.de/BetrGwer/klassenkampf.htm#Zeiten
(6)
http://www.kommunisten-online.de/BetrGwer/dorfaktion.htm#Rache
(7)
http://www.kommunisten-online.de/BetrGwer/belgien3.htm#EU
(8)
http://www.tribuna-popular.org/
(9)
http://www.kommunisten-online.de/BetrGwer/ausquetschen.htm#WIR
Anhang:
Wirtschaftsstrategie
EU-Kommission legt Agenda 2020 vor
Mit
einer neuen Wirtschaftsstrategie will die Europäische Union die
gravierendste ökonomische Krise seit ihrer Gründung überwinden.
Brüssel
- EU-Kommissionschef José Manuel Barroso präsentierte der Öffentlichkeit
am Dienstag die Agenda „EU 2020“, die noch in diesem Halbjahr von
den 27 Staats- und Regierungschefs abgesegnet werden soll.
An
den Beginn seiner Ausführungen stellte Barroso eine pessimistische
Lagebeschreibung: Die Finanzkrise hat die Arbeitslosenzahl europaweit
auf 23 Millionen hochschnellen lassen, die Quote liegt bei zehn Prozent.
Die durchschnittlichen Haushaltsdefizite liegen bei sieben Prozent des
Bruttoinlandsprodukts, die Staatsverschuldung insgesamt bei
durchschnittlich 80 Prozent. „Unser Wachstumspotenzial wurde durch die
Krise halbiert“, heißt es in einer Mitteilung der Brüsseler
Kommission.
Barroso
sagte zudem, dass die Krise die strukturellen Schwächen Europas
offenbart habe. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung lägen unter
zwei Prozent, in den USA und Japan sei der Anteil deutlich höher.
Weniger als ein Drittel der Europäer zwischen 25 und 34 Jahren hätten
einen Hochschulabschluss; in den beiden Vergleichsländern lägen die
Quoten bei 40 und 50 Prozent. Von den weltweit 20 besten Hochschulen befänden
sich nur zwei in Europa. Von dem Zwei-Billionen-Euro-Markt im IT-Bereich
profitierten EU–Unternehmen nur zu einem Viertel. „Wenn wir jetzt
nicht handeln“, sagte Barroso, „droht die Zweitrangigkeit und die
relative Bedeutungslosigkeit Europas auf der Weltbühne.“
Die
EU-Kommission schlägt deshalb eine Strategie vor, die „Europa ein
intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum“ ermöglichen
soll, das Barroso zufolge dann bei zwei Prozent oder mehr liegen könnte.
Die
Strategie hat fünf Ziele: Die Beschäftigungsquote soll von derzeit 69
auf 75 Prozent steigen. Die Vereinbarung aus dem Jahr 2000, dass drei
Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung fließen
sollen, wird erneuert. Teil der Agenda ist auch das 2007 verabschiedete
Klimapaket, das vorsieht, die CO2-Emissionen bis 2020 um 20 Prozent zu
senken und den Anteil erneuerbarer Energien auf 20 Prozent zu erhöhen.
Die Quote der Schulabbrecher soll von derzeit 15 auf unter zehn Prozent
gedrückt werden, der Akademikeranteil soll auf 40 Prozent steigen. Der
fünfte Punkt betrifft die Armut: Die Zahl der Menschen, die weniger als
60 Prozent des Durchschnittseinkommens ihres Landes zur Verfügung haben
und damit nach EU-Definition armutsgefährdet sind, soll um 20 Millionen
sinken.
Bis
zum EU-Gipfel im Juni will die EU-Kommission Vorschläge vorlegen, wie
die Agenda auf nationaler Ebene umgesetzt werden soll. Wenn die 27
EU-Staaten die Ziele nicht erreichen, drohen keine Sanktionen, sondern
lediglich Verwarnungen der Kommission. Wohl aber könnten für die Erfüllung
der Ziele Anreize gesetzt werden, sagte Barroso.
Aus
dem EU-Parlament kam scharfe Kritik an den Plänen. Der Vorsitzende der
deutschen Unionsabgeordneten, Werner Langen, nannte die Agenda den „nächsten
utopischen Zehnjahresplan“, der lediglich große Berge an Papier
erzeuge. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe bei Barroso bereits
Widerstand gegen eine zu zentralistische Formulierung der Zielvorgaben
angemeldet. Die grüne Fraktionschefin Rebecca Harms sprach von einem
„Rezept für einen neuerlichen Fehlschlag“. Wirtschaftswachstum
schaffe nicht automatisch mehr soziale Gerechtigkeit, eine saubere
Umwelt oder ein glücklicheres Leben.
Christopher
Ziedler
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/eu-kommission-legt-agenda-2020-vor/1712184.html
+++
Das
„Sparpaket“ der griechischen Regierung:
The
updated memorandum promoted in Greece by the Pasok government, IMF, EU
and Greek plutocracy includes new anti-people measures with the aim to
reduce further the price of the labour power:
Working
relations
*
Law that provides that firm-level agreements will prevail over sectoral
agreements.
*
Law that enables enterprises which are not members of the employers’
unions that sign the collective labour agreement not to implement it.
Till now they were obliged to implement it after its validation by the
Ministry of Labour.
*
Regulation that adapts the arbitration system for the signing of
collective labour agreements to the demands of the capitalists as it
specifies that the function of arbitration „should serve
competitiveness on the basis of labour cost and job creation”.
*
The abolition of any restrictions on the time of part-time work and
temporary contracts provided by law 3846/2010 passed by the government
last May.
*
The extension on the so-called probationary period for new jobs to one
year (two months until nowadays). During that period employers can
dismiss without any warning and without paying any dismissal pay.
*
The implementation of the Bolkenstein Directive providing the
elimination of the restriction of the minimum wage in order to boost
investments.
*
Drastic cuts on the already low unemployment benefits aiming at savings
of 500 million EUR.
Social
security
*
„Reform of main parameters of the pension system as provided by the
law 3836/2010”. The recent anti-social security law is merely the
beginning. The vehicle for the new offensive is the requirement included
in the „updated” memorandum, according to which the increase of the
public pension expenditure should not exceed the 2,5 percentage point of
GDP over 2010-60. In case that the limit of 2,5 percentage is exceeded
the law will change by means of new anti-social security measures.
*
Abolition of any guarantee granted by the state for auxiliary pensions.
According to the „updated” memorandum „the government implements
an in-depth revision of the functioning of auxiliary public pension
funds”. The goal of the government is not to pay a single euro from
the state budget for the auxiliary pension funds. In practice, this
means that the auxiliary funds, which grant 1 million pensions and
already run a big deficit due to the policies of PASOK and ND, will not
be able to grant pensions and even if they do, those will be extremely
low. In addition, the „updated” memorandum provides that the pension
expenditure will remain stable even in case that the number of
beneficiaries increases (nowadays 2,8 million workers pay contributions
to auxiliary pension funds). This will lead to the drastic reduction of
pensions.
*
Revision of the list of heavy and arduous professions so as to reduce
its coverage to no more than 10% of the labour force. The retirement
ages in the sectors and professions that will be excluded from the list
will increase from 5 to 7 years. The new list shall apply with effect
from 1 July 2011 to all current and future workers.
*
Introduction of strict requirements for disability pensions and
re-examination of thousands of disability pensions leading to cuts in
pension wages even to abolition of several pensions.
Plundering
of peoples wages through tax increases
*
Further increase of VAT through the increase of VAT rate from 11% to 23%
for a considerable amount of goods and services (more than 30%).
*
Broadening of the base of the real estate tax by updating asset values,
which means that the working people will have to pay 400 million EUR.
*
„Green tax“ on CO2 emissions.
*
Freeze in the indexation of pensions, which means that pensioners will
loose more than 100 million EUR.
*
Presumptive taxation of professionals, with a yield of at least 400
million.
Further
privatization of strategic sectors
*
railway: new dismissals by means of reducing personnel by 35%. Rise in
tariffs in order increase the revenues of the company by 55%. Reduction
of the minimum wage by 20%. Sale of the assets of the railway and
assignment of profitable lines to private companies that will increase
tariffs. Closing of the so-called „loss-making lines” leaving many
regions of the country without train service.
*
transport: mass dismissals, wage reduction and abolition of labour
rights. Rise in ticket prices by 30-50%. Cuts even closing of lines.
*
energy: liberalization of energy market and assignment of Public Power
Corporation infrastructure (DEI) and energy resources (lignite,
water-supplies) to business groups. Drastic increase in regulated
tariffs for households and farmers by 40-100%.
*
about the so-called regulated professions: the „opening” of those
professions creates new fields for capitalists’ profit-making enabling
them to invest their accumulated capital. Under the pressure of the
business groups the self-employed in these sectors will be thrown out of
the market.
People’s
plundering
*
Further reduction of allowances and overtime remuneration in state-owned
enterprises. This goal will be achieved through the bill on the „unified
payments in public sector” that will impose cuts in allowances.
*
The enforcement of a general 3 euro fee for regular outpatient services
in public hospitals as well as „all day” functioning of hospitals
and Health Centres (afternoon shift).
*
20-30% increase of the hospital tariffs for medical services and
examinations.
*
Reevaluation of all remaining social programmes aiming at their
abolition.
On
3rd March and on 3rd May 2010 the government promoted the first severe
package of austerity measures since the 1950s while at the same time it
promoted a series of anti people reforms:
*
It abolished the Christmas, Easter and holiday allowance for civil
servants and all pensioners both in the private and public sectors.
*
It cut salary allowances for the civil servants by 20%.
*
It froze wages and pensions in private and public sectors for the next
three years.
*
It reduced the wages of the workers in public utility enterprises, who
do not receive any allowances, by 10%.
*
It imposed 3-10% cuts on pensions over 1400 EUR.
*
It canceled the payment of the second installment of „solidarity
allowance” that addressed to the poorest segments of the population.
*
It increased the VAT rates two times in 2010.
*
It increased three times in 2010 the excise tax on fuels. As a result
the price of unleaded petrol increased by 63%.
*
It increased three times in 2010 the excise tax on alcoholic beverages
and tobacco. After the implementation of the measures the price of
cigarettes will rise by 40% compared to the beginning of 2010. As
regards beverages the rise amounts to 3 euro per bottle.
*
It imposed extra taxation on professionals on the basis of their
revenues in 2009.
*
It increased the retirement age to 40 years of contributions. It
abolished retirement with 37 years of contributions irrespective of age
as well as retirement with 35 of contributions and set retirement age.
*
It imposed drastic cuts on pensions (more than 35%) by means of
lengthening the years over which the pensionable earnings base is
calculated from the top 5 out of the last 10 years of earnings to
lifetime earnings.
*
It abolished retirement before the age 60, by means of abolishing early
retirement, affecting above all mothers of infant children and those who
have more than 3 children.
*
It reduced pension earnings by 6% per year for those who have 40 years
of contributions and „dare” to retire without being at the age of
65.
*
It demolished the pension system of civil servants by transforming
public social security to professional.
*
It imposed women to work 5-17 years more in the name of their equation
with men.
*
It introduced the institution for the „adjustment of pensions to life
expectancy” that paves the way for work until the age of 70.
*
It introduced the institution of „means-tested pension” that is
equal to a welfare allowance and is not granted before the age of 65.
*
It reduced drastically the state expenditure for pensions which from now
on will cover merely the means-tested pension. Thus, it abolished the
three-part financing of social security system.
*
It merged pension funds in three funds.
*
It abolished Collective Labour Agreements and minimum salary. It passed
legislation for minimum entry level wages for young and long-term
unemployed. Under the pretext of the employment of youth and long-term
unemployed it abolishes the minimum wage which nowadays amounts to 740
EUR and creates the generation of 500 EUR.
*
It abolished the 8-hour working day and reduced overtime remuneration.
It passed the introduction of „annual limits for the arrangement of
working time”. Thus, the workers are obliged to work overtime in a
period and then be underemployed or take compulsory holiday. For the
period of the overtime work workers will not receive the additional
payment that applies nowadays.
*
It increased the redundancy threshold for enterprises employing 21-200
employees.
*
They imposed drastic cuts on redundancy payments that amount to 50%.
(http://inter.kke.gr/News/2010news/2010-09-15)
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