Kampf den ideologischen Diversanten

Wichtige Rubriken und Beiträge

+++Neu+++

Newsletter bestellen

zur Homepage

Der Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk

Kampf den ideologischen Diversanten

Für den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands

Gegen den imperialistischen Krieg

Black Channel

Betrieb&Gewerkschaft

Bildung, Kultur & Wissen

Wider den Block der
Rechten und Trotzkisten

zur Geschichte
der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung

Wissenschaftlicher Sozialismus

Aus den Ländern

Links

Impressum

Archiv

Intern

Proletarischer Internationalismus

zurück

»Die zionistische Ideologie widerspricht jüdischer Kultur«

Antisemitismus hat sozialen Charakter und beruht auf Konkurrenzdenken. 

Ein Gespräch mit Alfredo Bauer

Quelle: jungeWelt vom 5. Oktober 2006

Der Schriftsteller Alfredo Bauer, geboren 1924, lebt in Argentinien, kommt ursprünglich aus Österreich und hat jüdische Vorfahren. Seine Familie floh vor den Nazis ins südamerikanische Exil. 1946 wurde Bauer Mitglied der Kommunistischen Partei Argentiniens. Auf einer Lesereise durch die BRD hat er nun seine zweibändige »Kritische Geschichte der Juden« (Neue Impulse Versand, NeueImpulse@aol.com, www.marxistische-blaetter.de) vorgestellt.

Sie haben eine zweibändige »Kritische Geschichte der Juden« herausgegeben. Das klingt, als wären Juden eine homogene Gruppe mit spezifischen Eigenschaften.

Es muß geklärt werden, warum die Juden im Gegensatz zu anderen Zuwanderern in der europäischen Gesellschaft bis weit in die Neuzeit als Fremde galten und auch ideologisch abgesondert blieben. Das hat keinen rassischen Ursprung, sondern kommt daher, daß im Mittelalter fast die gesamte Wirtschaft auf Eigenverbrauch gegründet war. Das dennoch nötige Minimum an Handel und Kreditwesen steuerten die Juden bei. Es diente dem Import von Luxusgütern für den Adel.

Erst als ein städtisches Bürgertum ein eigenes produktionsbezogenes Kreditwesen entwickelte, kam es zur Verdrängung der Juden im zweifachen Sinn. Einerseits in den Osten, wo noch Feudalismus herrschte, andererseits in die Poren der Gesellschaft, wie der marxistische Theoretiker Abraham Léon es beschrieb, wo sie ein entsprechend angenehmes Dasein führten und dafür gehaßt wurden. Damals, im sich zersetzenden Feudalismus, kam überall der Judenhaß auf. Nur wo das Bürgertum rasch dominierte, kam es zur Integration der Juden in die Gesellschaft. In Deutschland geschah das unvollständig. Karl Marx hat in »Zur Judenfrage« nur die westeuropäischen Juden berücksichtigt. Im Osten hat sich eine jüdische Nationalität entwickelt. Das entscheidende Moment war die Sprache. Im Westen sprachen die Juden die jeweilige Landessprache, im Osten entwickelten sich eine eigene Sprache und Literatur.Die zionistische Logik lautet »Wir sind eine Nation, weil wir von den anderen gehaßt werden«. Ein Emanzipationsprozeß geht in Richtung Integration, aber in der Krise des Kapitalismus wurde der Judenhaß auf der Basis der Konkurrenz im Kleinbürgertum erneuert und durch eine Tendenz zur Selbstabsonderung verstärkt.

Welche Kriterien machen Ihrer Ansicht nach einen Menschen zu einem Juden?

Ich habe da gar kein Kriterium. Ich würde ihn fragen »Bist Du ein Jude?« und wenn er bejaht, dann ist er einer. Es gibt nichts Gemeinsames der Juden der Welt. Alle religiösen oder nationalen Gründe, am Judentum zu hängen, sind rein subjektiv. Aber einer ist sicher nicht stichhaltig, nämlich die Abstammung. Weder zur Aufgabe noch zur Beibehaltung dieser Identität darf jemand mit Gewalt gezwungen werden.

Ist Israel legitimiert, namens der Gesamtheit der Juden zu handeln?

Nein, Israel hat kulturelle Merkmale aus dem Judentum der Welt mitbekommen, aber das sind natürlich keine nationalen Eigenheiten. Außerdem hat Israel auch Merkmale seiner augenblicklichen Umwelt aufgenommen. Gleichzeitig ist wie bei anderen jungen Nationen ein Prozeß der Nationenbildung im Gange, aber das ist eine israelische Nation und keine Nation der Juden der Welt mit Israel als Zentrum. Wie alle Staaten der Welt sollte und kann Israel nur ein Staat seiner Bürger sein, auch seiner palästinensischen Bürger.

Kann Antisemitismus bekämpft werden? In welchem Verhältnis steht er zum Zionismus?

Vor allem halte ich die Zurückdrängung des Antisemitismus überhaupt für möglich, während er für die sogenannten bewußten Juden aus der bloßen Existenz der Juden in der Welt resultiert und ewig ist. Der Judenhaß aller Epochen trägt einen sozialen Charakter. Der moderne Antisemitismus beruht wie der Zionismus auf Konkurrenzdenken. Abraham Léon sagte, der christliche Kleinbürger schimpft weidlich auf den jüdischen Bankier, aber er meint doch nur den jüdischen Schuster an der nächsten Ecke, der sein Konkurrent ist. Natürlich ist der christliche Schuster ebenso ein Konkurrent, aber um global eine Gemeinschaft zu hassen, müssen unterschiedliche Kulturmerkmale vorhanden sein.

Ein Zionist wird den Antisemitismus nicht bekämpfen. Im Gegenteil, der Zionismus käme ohne Antisemitismus in die größte Verlegenheit. Das ist heute schon der Fall, wo wirklich der Antisemitismus in der Welt zumindest keine unmittelbare Gefahr darstellt. Zionisten suchen verzweifelt nach Anzeichen von Antisemitismus, und vor allem suchen sie nach Haß auf Israel. Und wenn jemand an Israel etwas kritisiert, so sei das, weil man alles Jüdische sowieso haßt. Es besteht meines Erachtens ein grundsätzlicher Widerspruch zwischen der israelisch-nationalistischen und der traditionellen jüdischen Kultur und Ethik mit ihrer Friedensliebe. Ich halte die zionistische Ideologie für etwas grundsätzlich der jüdischen Kultur Entgegengesetztes.

Interview: Carsten Schiefer

zurück

Spenden für die Homepage: Günter Ackermann, Konto-Nr.: 433 407 436,
IBAN DE62 3601 0043 0433 4074 36., BIC PBNKDEFF, BLZ: 360 100 43
Postbank Essen. Verwendungszweck: Homepage 
(Bitte eMail-Adresse und Verwendungszweck immer angeben!)

  Bitte immer angeben!