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22.12.2004
Erklärung
zu den Aktivitäten gegen den Neonaziaufmarsch am 27.11.04 in Duisburg
Für
die demokratisch-antifaschistische Einheit gegen Neonazis!
Gegen
Vereinnahmungsversuche der neoliberalen Parteien!
Antiislamische
Hetze stoppen!
Nachdem
es im Zuge der Proteste gegen den Neonazi-Aufmarsch am 27.11.04 aufgrund
zweier Bündnisse zu Kritik an uns und unseren Bündnispartnern sowie zu
zahlreichen Fragen gekommen ist, möchten wir im Folgenden kurz die
Geschehnisse um den 27.11. nachzeichnen.
Bereits
vor dem 15.09.04, als Neonazis kurzfristig eine Kundgebung in Duisburg
abgehalten haben, hatte es ein Bündnis aus verschiedenen Organisationen
und Einzelpersonen gegeben, das kurzfristig eine Gegendemonstration
organisiert hat.
Wir
haben uns an diesem Bündnis nach Kräften beteiligt und einen guten
Teil der Arbeit übernommen. Letztlich ist es der Duisburger Linken
gelungen, in 4 Tagen 400 Menschen gegen die Neonazis zu mobilisieren,
was wir als absoluten Erfolg werten.
Kurz
darauf kündigte Axel Reitz vom „Kampfbund deutscher Sozialisten“
einen weiteren Aufmarsch an. Aufgrund
der längeren Vorlaufzeit lag es in unserem Interesse, ein breites Bündnis
auf demokratisch-antifaschistischer Grundlage zu schaffen, um den
Neonazis effektiven und vielfältigen Widerstand entgegen halten zu können.
Ausgeschlossen hiervon sind unserer Meinung lediglich Parteien und
Organisationen, die chauvinistische Inhalte vertreten oder die
etablierten neoliberalen Parteien, die mit ihrer Politik des staatlichen
Rassismus, der Militarisierung und des Sozialkahlschlags der rechten
Entwicklung Vorschub leisten. Darüber hinaus sind es oftmals gerade
diese Parteien, die Proteste gegen Neonazis vereinnahmen und als den
ihren ausgeben, was von bürgerlichen Medien in vielen Fällen dankend
angenommen wird.
Wir
haben uns bemüht, dieses Bündnis zu verbreitern und alle Bündnispartnerinnen
zur Mitarbeit einzuladen. Dies beinhaltete selbstverständlich auch
verschiedene fortschrittliche religiöse Kräfte wie Pax Christi oder
den Menschenrechtsverein HDR mit muslimischem Hintergrund. Während es
keine Frage war, dass christliche Vertreterinnen und Vertreter an der
Vorbereitung beteiligt werden, wendete sich eine knappe Mehrheit der
derzeitigen beteiligten Gruppen und Einzelpersonen gegen die Beteiligung
des HDR. Zahlreiche Verleumdungen wurden benutzt, um den HDR zu
diskreditieren. Behauptet wurde – mit Verweis ausgerechnet auf den VS
– die Nähe zur türkischen Organisation Mili Görus und die Übernahme
von Artikeln aus der DVU – Zeitung „Nationalzeitung“. Die
konsequente Verteidigung der Rechte des palästinensischen Volkes auf
Selbstbestimmung wurden ebenfalls kritisiert. Insbesondere
Einzelpersonen, FAU, JD/JL aus dem antinationalen Spektrum und Teile der
AL stellten sich hier gegen uns und verhinderten durch Polemik bis hin
zu verbalen Ausfällen eine sachliche Debatte. Auch die Möglichkeit,
den HDR, der ein Büro in Duisburg hat, nach ihren politischen
Positionen zu fragen, wurde nicht in Anspruch genommen. Flankiert wurde
diese Spaltung der antifaschistischen Kräfte von Antinationalen wie
Alfred Schobert (DISS), der für seine Hetzartikel gegen
antiimperialistische Organisationen in Zeitungen wie der
anarchistisch-pazifistischen „Graswurzelrevolution“ bekannt ist.
Auch die TAZ NRW ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, gegen uns und
den HDR zu wettern. JungdemokratInnen/Junge Linke NRW ließen uns eine
Woche vor der Demonstration gegen den Frauenabschiebeknast in Neuss gar
demonstrativ von der Liste der unterstützenden Organisationen
streichen. Alle diese Manöver hatten nur Ziel: uns und den HDR zu
diskreditieren, um eine Teilnahme an der Demo am Dellplatz, die wir
mitorganisiert haben, zu verhindern.
Das
Verhalten der erwähnten Organisationen veranlasste uns, die
Zusammenarbeit zum 27.11.04 einzustellen und ohne sie weiterhin zum
Dellplatz zu mobilisieren, während eine weitere Kundgebung am Burgplatz
angemeldet wurde. Die überwiegende Mehrheit der Duisburger Linken
beteiligte sich weiterhin mit uns und dem HDR am Bündnis gegen den
Neonaziaufmarsch, insgesamt 28 Organisationen riefen zur Demonstration
am Dellplatz auf. Die gemeinsame Demonstration der beiden Kundgebungen
mit etwa 1500 Menschen, die kooperationsbereiten Organisationen wie der
Duisburger PDS, dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt und unserem Bündnis
zu verdanken ist, sowie zahlreiche andere Aktionen an diesem Tag waren
ein klarer Schritt gegen die Organisierungsversuche der Neonazis in
Duisburg. Ein breites Netzwerk, das nach dem 27.11.04 von einem Teil der
Organisationen, die zum Dellpatz aufgerufen hatten, gegründet wurde,
wird sich auch in Zukunft Provokationen neofaschistischer Gruppierungen
entgegenstellen.
Für
uns hat das Verhalten von FAU, JD/JL, Teilen der AL und Einzelpersonen
gezeigt, dass die reaktionäre, antiislamische Stimmung in diesem Land
weiter verbreitet ist, als dies allgemein wahrgenommen wird. Der
kleinste Verdacht genügt, um Muslime als antidemokratisch darstellen zu
können. Spätestens wenn sie sich politisch äußern, hagelt es von
allen Seiten Kritik. Doch während ein guter Teil der Duisburger Linken
zum Massaker in Falludscha keine Stellungnahme verbreitet hat oder auf
die Strasse gegangen ist, stellte der HDR die Hälfte der Kundgebung am
20.11.04 in Duisburg, auf dem ebenfalls gegen den Neonaziaufmarsch
mobilisiert wurde.
Man
kann den HDR für den Verweis auf das Buch „DAS NETZ. Israels Lobby in
Deutschland“ aus dem Verlag des Neonazis Gerhard Frey kritisieren. Ein
Hinweis an den Verein hätte sicherlich genügt, Fehler können
passieren und müssen korrigiert werden.
Das
Lostreten einer derartigen Hetzkampagne sagt jedoch mehr über die
Zeitungen und Organisationen und ihre antiislamischen Reflexe aus, als
über den HDR, der mit seiner Beteiligung an der Anti-Nazi Demo trotz
der Hetze weiterhin seine Gegnerschaft zu neofaschistischen Parteien
bewiesen hat.
Wir
kritisieren die FAU, JD/JL, Teile der AL und Einzelpersonen für ihre
Abspaltung von der Demonstration gegen die Neonazis und die Versuche,
den HDR auszugrenzen. Gerade Muslime als Betroffene des Neonazi-Terrors
von einer Demonstration gegen einen Aufmarsch dieser Gruppierungen
fernhalten zu wollen ist absurd. Eine nötige Abgrenzung gegenüber
Vertretern neoliberaler Parteien wie den OB Adolf Sauerland, der in der
Lokalpresse seine Teilnahme an der Kundgebung am Burgplatz ankündigte,
ist unseres Wissens nach nicht erfolgt. Es war darüber hinaus die
Duisburger FAU, die die Webseite einer sog. Antideutschen Gruppe
verlinkt hat, die offen für den Besatzungsterror der israelischen
Regierung in Palästina und der US-Armee und ihren Verbündeten im Irak
Partei ergreift. Als Internationalisten verteidigen wir das Recht auf
Selbstbestimmung des palästinensischen und irakischen Volkes und
verurteilen die Kooperation mit reaktionären Gruppierungen wie den sog
Antideutschen.
Wir
fordern daher von den genannten Organisationen und Einzelpersonen eine
klare Selbstkritik, um in Zukunft wieder mit ihnen zusammenarbeiten zu können.
Für
uns als linken Verein ist die Verteidigung und der Ausbau demokratischer
Rechte ein Grundprinzip. Dazu gehört aktuell, sich der rassistisch und
kulturchauvinistisch motivierten Stimmungsmache gegen Muslime
entgegenzustellen
Initiativ
e.V., 15.12.04 |