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Wie
dem Faschismus unserer Zeit begegnen?
Leserbrief
von Anna Heinzberger (6. Aug. 2006)
zum Aufsatz „Alte Feinde, neue Feinde“ von Jürgen Elsässer in der
jungen Welt.
Elsässer
legt in seinem Aufsatz den Kern imperialistischer Kriege wieder frei.
Das ist ein überfälliger Schritt um die Bewegungen des Imperialismus
richtig einordnen und verstehen zu können. Die Veröffentlichung in der
jungen Welt sorgt dafür, dass er Verbreitung findet und hoffentlich der
„Linken“ mehr Orientierung beschert.
Mehr
als die Hälfte des Aufsatzes (2½ DIN A4 Seiten) muss man jedoch lesen,
um zum Kern der Aussagen vorzudringen. Sie sind versteckt in einer
Auseinandersetzung mit den ideologischen Inhalten der
„Antideutschen“. Die Aussagen sind so formuliert, dass es für
Nichtakademiker schwierig ist sie zu verstehen.
Der
Leserbrief will in Form von Thesen die Kernaussagen herausstellen, verständlich
formulieren und darf auch ruhig als Aufforderung zur Diskussion
verstanden werden.
Die
„Linke“ befürchtet die Wiederkehr des Faschismus bei einer Verschärfung
der kapitalistischen Krise. Darum definiert sie den Antifaschismus als
eine Hauptachse ihrer Politik.
Die
„Linke“ definiert den Faschismus in der Regel falsch. Sie versteht
ihn als ideologische Erscheinung.
Richtig
ist ihn ökonomisch zu definieren. Der Faschismus ist die „Diktatur
der am meisten reaktionären, chauvinistischen [nationalistisch,
kriegshetzerisch] und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“.
Das
US-Kapital ist auf dem freien Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig. Der
Wert des Dollars ist nicht mehr gedeckt durch die wirkliche Produktion
in den USA. Sein Wert hängt ausschließlich an der Fähigkeit des US-Militärs,
den Weltmarkt (besonders die Energiereserven) zu kontrollieren.
Der
Hauptexpansionsraum des US-Imperialismus ist der Nahe und Mittlere
Osten.
Der
zionistische Staat ist sein treuester Verbündeter in dieser Region.
Die
arabischen und moslemischen Staaten sind es, die dem totalen Zugriff des
US-Imperialismus auf die Energiereserven im Wege stehen.
Deswegen
ist der Antiislamismus die wichtigste Hassideologie der Imperialisten.
Die
Neocons sind die Faschisten unserer Zeit. Sie sind gefährlicher als die
Altnazis.
Die
Altnazis stahlen den Begriff Sozialismus. Ebenso stehlen die Faschisten
unserer Zeit den Begriff Antifaschismus. Sie lackieren damit ihren
Faschismus.
Die
Antideutschen sind Faschisten, die sich als Antifaschisten verkleiden.
Mit
Faschisten, gleichgültig in welcher Verkleidung sie auftreten, darf es
keine Bündnisse geben.
Damit
ist die Frage von Bündnissen und Zweckbündnissen für die „Linken“
aufgeworfen.
Leider
endet der Aufsatz von Jürgen Elsässer an dieser Stelle und bleibt sehr
vage mit seinem historischen Beispiel.
Die
Thesen vereinfachen sehr und übergehen viele Feinheiten und Zusammenhänge
im Aufsatz. Die Lektüre des
Aufsatzes bleibt also ein muss. Den Aufsatz und die Thesen sehe ich als
den Versuch eine Diskussion darüber anzustoßen, wie die „Linke“
dem Faschismus unserer Zeit begegnen will – organisatorisch und
inhaltlich.
Anna
Heinzberger |