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Dealerparanoia
- Staatliche Repression und der Haß des Mobs
In
der Hetze gegen DrogendealerInnen kulminieren Antisemitismus und Rassismus in
kollektiver Paranoia.
von
Danny Jung*
Kaum
eine Person dieser Gesellschaft ist derart verfemt wie der Dealer. Kaum eine
unterliegt mehr dem gesellschaftlichen Verdikt und der moralischen Verdammung
als die HändlerInnen illegaler psychoaktiver Substanzen, denen mittlerweile von
fast allen gesellschaftlichen Kreisen gewünscht wird, was jene angeblich immer
brächten - den Tod. Die StaatsbürgerInnen wissen Bescheid, wenn es um
DealerInnen geht: Sie seien rücksichtslos, geldgierig und verschlagen. Sie
mutieren zu Erscheinungsformen der "Organisierten Kriminalität", die
sich hinter allem Übel dieser Gesellschaft verberge und aus den geheimen
Schaltzentralen der Macht operiere, um sich alles, was Menschenantlitz trägt,
Untertan zu machen. Im Ressentiment gegen DealerInnen kulminieren Rassismus und
Antisemitismus zum allgegenwärtigen Wahn, und wieder mal dürsten die ihrer
Subjektivität beraubten Subjekte nach Blut.
Sinnentleerte
Herrschaftssicherung
Als zu Beginn dieses Jahrhunderts mit den Opiumkonferenzen die modernen
Drogenverbote auf den Weg gebracht wurden, waren noch handfeste ökonomische
Interessen der Motor. So sollte beispielsweise Deutschland, Hauptproduzent
chemischer Drogen, quasi innerimperialistischer Konkurrenzausschaltung
niedergehalten werden. Mit der Verbannung vieler psychoaktiver Substanzen aus
der legalen Produktion und dem Aufschwingen des ehemals liberalen Staates zum
autoritären Wächter über den Lebensstil seiner Untertanen wurde staatliche
Drogenpolitik jedoch zum selbstzweckhaften, herrschaftssichernden Instrument.
Selbstzweckhaft, weil sich am Verfolgten kaum erkennen läßt, was an ihm sein
soll, das die Herrschaft ins Wanken bringen könnte.
Der Dealer wird seit Beginn der 90er Jahre als Teil der "Organisierten
Kriminalität" halluziniert, welche selbst nur eine wahnhafte Konstruktion
darstellt. Doch die Tatsache, daß es sich beim Drogenhandel in aller Regel um
Organisationen handelt, die sich in ihrer Größe, was von fast jedem
kriminalistischen Experten der Polizei bestätigt wird, von mittelständischen
Unternehmen nicht sehr unterscheiden, hinderte die neuere europäische Politik
nicht daran, so manches "Meisterwerk" staatlicher Repression ins Werk
zu setzen. Die offizielle Beschreibung dessen, was hier unter dem großen
Begriff "Organisierte Kriminalität" verfolgt wird, regt zum Spott an.
Leider ist dieser völlig fehl am Platz, verursacht die Verfolgungspraxis doch
enormes Leid. Die staatliche Bekämpfung etwas Nichtexistierenden, vom Mob
vehement eingefordert, verweist auf den objektiven Wahn der Zeit: "Staatsbürger
aller Parteien und Publikationen, die immerhin genau Bescheid wissen, mit
welchen Techniken ihre Feinde so umgehen, haben bis dato noch nicht einmal
angeben können, was die Organisierte Kriminalität von der herkömmlichen
unterscheide, außer daß sie sehr mächtig sei, mehr als zwei Leute umfasse und
mit brachialen Mitteln nach Gewinn strebe - sich mit anderen Worten also gerade
mal von der unorganisierten Kriminalität in Dick-und-Doof-Filmen unterscheidet.
(...) Eine der Bedrohungen der westlichen Nationen, die vielköpfige Hydra der
Drogenmafia, umfaßte 1989 nach polizeilicher Kriminalstatistik exakt 20
Personen, die nach § 30.1.1. des Betäubungsmittelgesetzes (Anbau, Herstellung
und Handel als Mitglied einer Bande) verurteilt wurden, und ihre Verstöße
gegen das BtmG machten 0,2% aller registrierten Drogendelikte aus. Inzwischen
soll sich der Anteil bei knapp 0,4% bewegen, also immerhin verdoppelt
haben."1
Weitere Konsequenz des wahnhaften Feldzugs gegen die "Organisierte
Kriminalität" ist der Boom geheimdienstlicher Kontrollmaßnahmen und
Datensammlungen auf gesamteuropäischer Ebene. Um nach Öffnung der EU-Grenzen
den freien Grenzübertritt derer zu verhindern, welche die größte
Gefahrenquelle für die europäischen Nationen darstellen sollen -
ImmigrantInnen, WaffenschmugglerInnen und allen voran DrogenhändlerInnen -
schrieb man im Schengener Vertrag die Einrichtung des Schengener
Informationssystems (SIS) fest. Dieses soll alle nötigen Daten über die
bereits erwähnten Feinde speichern. Der Eifer, mit dem die europäischen
Sicherheitsstrategen dann auch gleich ans Werk gingen, drückt sich in der Zahl
von zwei Millionen Datenpaketen aus, die bereits kurz nach Inbetriebnahme 1993
gespeichert gewesen sind.
Dealer
und Killerdroge
Wo so viel gewarnt, gemahnt und verfolgt wird, mag einer vermuten, da muß es
doch zumindest eine reale Basis geben. Doch das Bild, das sich die pathisch
Projezierenden vom zu bekämpfenden Objekt machen, ist nicht mehr als eine
Halluzination. Der dämonisierende Blick auf die Drogen, notwendiger Kern der
Dealerhatz, verdrängt den wahren Grund des Drogenelends. Denn beispielsweise
der "Killerdroge" Heroin ist mitnichten immanent, was dem
durchschnittlichen Junkie von heute wiederfährt. Schlechte Stoffqualität, überhöhte
Preise und miese hygienische Bedingungen auf der Scene sind verbotsinduziert,
der Glücksbringer Heroin avanciert durch die staatliche Ächtung real zum
Todesengel. Erst das Spritzentauschverbot im Knast zwingt die Inhaftierten, sich
durch den Gebrauch verdreckter Spritzen dem Risiko von Aids und Hepatitis
auszusetzen.
Der Drogendiskurs der letzten Jahre hat sich gewandelt. Immer weniger zielt er
auf die Verfolgung der KonsumentInnen. Sie sind nicht mehr die Kriminellen von
damals, sondern gelten heute als krank und werden der Kontrolle von
Methadonprogramm und Zwangstherapie unterstellt. Von der Kriminalisierung der
KonsumentInnen ist man zur immer hemmungsloseren Verfolgung derer übergegangen,
die mit Drogen handeln. Auch hier entpuppt sich die Ausmalung der grausamsten
Gefahren, welche vom Dealer ausgehen sollen, als pures Hirngespinst.
Beliebter Mythos, zum Beweis der Perfidie und Verschlagenheit von DealerInnen
ersonnen, ist die Praxis des Anfixens: Ahnungslosen DiscobesucherInnen werde
heimlich LSD ins Getränk geträufelt und Schulkinder zwänge man unter der
Androhung von Gewalt zum Heroindruck. Wie das Ressentiment gegen DealerInnen in
seiner Gesamtheit, entbehrt auch diese Teilbehauptung jeglicher Plausibilität:
Weder könnte es sich jemand leisten, Drogen zu solchen Werbezwecken massenhaft
zu verschenken, noch haben Drogen die Wirkungsmacht, die ihnen hier unterstellt
wird, nämlich nach einmaligem Konsum das Verlangen in der Konsumentin nach ständig
neuer Einnahme zu produzieren.
Genauso ist die Vorstellung der monopolartigen Drogenmafia als Zentrum der
"Organisierten Kriminalität", wie schon angedeutet, reine Paranoia,
findet sie doch keinerlei Entsprechung in der Realität: "Auch jene,
realiter wohl mächtigsten illegalen Drogenhändler (gemeit sind hier die südamerikanischen
Kokainproduzenten, Anm. d. Verf.), verfügen nicht über hierachisch
strukturierte Großunternehmen (...) Der Handel mit Opiaten und
Cannabisprodukten ist noch unkonzentrierter, sogar Polizeiberichte bestätigen,
daß der größte Teil des Heroins über den‚ Ameisenhandel' in die Metropolen
kommt... ."2 Der illegale Drogenmarkt wird "eher von einzelnen
Unternehmen und kleinen Organisationen bevölkert als von großen bürokratisch-organisierten
Konzeren."3
Trotzdem steht fest: Weder die Tatsache, daß die Differenz zwischen Alkoholhändler
und Drogenhändler lediglich in der fehlenden Deckung durch das staatliche
Gewaltmonopol für letztere besteht, noch die Realität der Organisierung des
Drogenhandels, können der Hatz Grenzen setzen.
"Jüdische
Weltverschwörung" und "Organisierte Kriminalität"
Die Terminologie von
Dealerressentiment und "OK"Hysterie weisen erhebliche Parallelen zur
antisemitischen Hetze des nationalsozialistischen Deutschlands auf. Man
vergleiche nur die Ausführungen Hitlers mit heutigen Vorstellungen über Drogen
und Dealer: "Weiter aber ist seine (gemeint ist der Jude, Anm.d.Verf.)
geldliche Beherrschung der gesamten Wirtschaft schon so fortgeschritten, daß er
ohne den Besitz aller ‚staatsbürgerlichen' Rechte das ganz ungeheure Gebäude
nicht mehr länger zu stützen vermag, auf alle Fälle keine weitere Steigerung
seines Einflusses mehr stattfinden kann. Beides aber wünscht er; denn je höher
er klimmt, um so lockender steigt aus dem Schleier der Vergangenheit sein altes,
ihm einst verheißenes Ziel heraus, und mit fiebernder Gier sehen seine hellsten
Köpfe den Traum der Weltherrschaft schon wieder in faßbare Nähe rücken."4
"Rauschgift war und ist eine Waffe, die von einer machthungrigen Clique rücksichtslos
eingesetzt wird, um die Zivilisation zu zerstören. Menschen aus allen sozialen
Schichten wurden bei dem Jahrhunderte währenden Aufbau des weltumspannenden
Kartells, das unter dem Namen Drogen AG zweifelhafte Berühmtheit erlangt hat,
in das weitverzweigte und wohlorganisierte Netzwerk einbezogen: Auf der
untersten Stufe rangieren die vielen armen Bauern und unwissenden Schulkinder,
die das Gift anbauen bzw. konsumieren; darüber die Hierachie des organisierten
Verbrechens und ihre Terroristen."5 Was
einstmal der Jude war, ist heute der "Dealer"; die "jüdische
Weltverschwörung" wird zur "Organisierten Kriminalität".
Im Volkskollektiv verbinden sich Staatsbürger und Staat zur symbiotischen
Einheit. Dieser wird von jenem als Sicherheit gebender Vater glorifiziert, und
der Geborgenheit gebende Mutterschoß ist das herbeihalluzinierte eigene Volk.
Wird diese harmonische Ordnung gestört, wie etwa durch massenhafte
Arbeitslosigkeit oder Drogenelend, so muß die Bedrohung von außen kommen und
es müssen dämonische Kräfte am Werke sein, die mächtiger sind als der starke
Staat. Wie sonst sollten sie wirken können ohne von seiner strafenden Hand erfaßt
zu werden.
Die projektive Schaffung
dieser äußeren Bedrohung, das Bild von der weltumspannenden Drogenmafia, ist
strukturell antisemitisch.6 Im Kernvorwurf gegen DealerInnen, sie strebten mit
brachialen Mitteln nach Profit, drückt sich derselbe spontan
antikapitalistische Reflex aus wie im Bild des modernen Antisemitismus vom
raffenden jüdischen Handels- und Finanzkapital.
Die erkenntnistheoretische Erklärung hierfür hat Moishe Postone geliefert, der
den Antisemitismus als besonders gefährliche Form des Fetischs
charakterisierte. Grundlage für diese Erklärung ist die Marxsche Analyse der
Warenform und des Warenfetischs. Der Warenfetischismus bezeichnet eine
Denkweise, die, blind gegenüber dem Wesen kapitalistischer Vergesellschaftung,
in ihren Erscheinungsformen verhangen bleibt. In der Ware tritt die Antinomie
von Konkretem und Abstraktem in dialektischer Einheit zusammen, ist sie doch
sowohl stoffliches, verwendbares Ding, also Gebrauchswert, als auch Wert und
damit Produkt gesellschaftlicher Vermittlung. Der Wert, größenmäßig bestimmt
als gesellschaftlich durchschnittlich notwendige Arbeitszeit zur Produktion
einer Ware, macht diese erst mit anderen vergleichbar und somit ihren Austausch
möglich. Sowohl Ware als auch Arbeit haben also einen Doppelcharakter.7
"Die dialektische Einheit von Wert und Gebrauchswert in der Ware erfordert,
daß dieser ‚Doppelcharakter' sich in der Wertform entäußert, in der er
‚doppelt' erscheint: als Geld (die Erscheinungsform des Werts) und als Ware
(die Erscheinungsform des Gebrauchswerts). Diese Entäußerung erweckt den
Schein, als enthalte die Ware, die eigentlich sowohl Wert wie Gebrauchswert
ausdrückt, nur letzteren, das heißt, sie erscheint als rein stofflich und
‚dinglich'. (...) Die dem Kapitalismus eigene Form vergegenständlichter
gesellschaftlicher Beziehungen erscheint so auf der Ebene der Warenanalyse als
Gegensatz zwischen Geld als abstraktem einerseits und stofflicher Natur
andererseits."8
Unterm fetischisierten Blick der antisemitischen Ideologie nimmt das auf der
Erscheinungsebene gerade nur scheinbare Auseinandertreten von Konkretem, in Form
des stofflichen Guts, und Abstraktem, verkörpert im Geld, die Form
gesellschaftlicher Realität an. Seine Manifestation findet diese illegetime
Spaltung im antisemitischen Arbeitsbegriff, welcher zwischen "raffender
Arbeit", die keinen Gebrauchswert schaffe und eben nur die pure Profitsucht
zum Gegenstand habe, und "schaffender Arbeit", die im Gegensatz nun
die Produktion von nützlichen Gütern impliziere, unterscheidet. Ihren Ausdruck
findet diese Antinomie in den Personifizierungen des bodenständigen, arischen
Industriearbeiters, der für wahre Arbeit wahren Lohn erhalte, einerseits, und
dem verschlagenen, geldgeilen, jüdischen Händler und Bankier andererseits.9
In antisemitischen Beschreibungen des Juden als Abbild des bösen, zu
beseitigenden abstrakten Prinzips, finden sich die Charakteristika des Werts -
Abstraktheit, Universalität und Unfaßbarkeit. Der Antisemit, selbst Repräsentant
des Konkreten, phantasiert sich sein Volk als ewige organische Einheit von Blut
und Boden, als die gute, natürliche Seite der Dichotomie. Wie
damals das wurzellose, nach Weltherrschaft strebende Weltjudentum, steht heute
die weltumspannende Drogenmafia und ihr Einzelelement, der raffgierige Dealer,
im Bilde der verfolgenden Volksgenossen für die ganze unverstandene Bewegung
des Kapitals, die ebenso keine Grenze kennt, wie die sich über alle Grenzen
hinwegsetzende "Organisierte Kriminalität" in der Vorstellung der
AntisemitInnen.
Der Antisemitismus ist eine konformistische Revolte. Die Unterdrückten,
"die weder ökonomisch noch sexuell auf ihre Kosten kommen",10 ordnen
sich der Herrschaft blind unter und machen jene für ihr Leiden verantwortlich,
die es gar nicht seien können: die Juden oder den Dealer. Im Ressentiment der AntisemitInnen,
der projektiven Konstruktion des Opfers, drückt sich ihr eigenes Wesen aus. Die
auf Kosten der Herrschaftsunterwerfung unterdrückten Wünsche und Sehnsüchte
erscheinen im Objekt der pathischen Projektion.11 Der unermeßliche Haß,
welchen der Dealer auf sich zieht, entspringt aus der Verheißung der Droge, mit
der er handelt. Ihre verführerische Wirkung liegt in der Verlockung des
ungehemmten Genießens, die sie verspricht und welche sich die Menschen unter
der Herrschaft des Kapitals nicht leisten dürfen. Reduziert sind jene auf rein
automatisiertes Funktionieren, der rastlosen Selbstverwertung des Werts
unterworfen. Im Haß auf den Dealer und in der Dämonisierung der Droge, wird
das eigene verdrängte Verlangen pathisch in den Dealer projiziert, und so
erscheint er als verschlagener Verführer. Ebenso sagt der Vorwurf der
Profitsucht wie die paranoide Vorstellung der Weltverschwörung wenig über die
realen DrogenhändlerInnen aus, sondern verweist auf die Wünsche der
AntisemitInnen: Reichtum, letzendlich Ausdruck der ersehnten Befreiung vom Joch
der Arbeit, und unumschränkte Macht.
Die ohnmächtige Wut der der Herrschaft Unterworfenen ist Motor des
Antisemitismus. Jeglicher versprochene ökonomische Vorteil sowie Zuwachs an
subjektiver Sicherheit sind bloße Rationalisierungen dessen, was eigentlich
Kern des Wahns ist: Drang nach Vernichtung. "Der eigentliche Gewinn auf den
der Volksgenosse rechnet, ist die Sanktionierung seiner Wut durchs Kollektiv. Je
weniger sonst herauskommt, um so verstockter hält man sich an die Bewegung.
Gegen das Argument mangelnder Rentabilität hat sich der Antisemitismus immun
gezeigt."12
Folgendes Beispiel verdeutlicht diesen auch im Haß auf den Dealer
wiederkehrenden Vernichtungsdrang: "Und wenn der Vater den Dealer seiner
Tochter" tötet, dann fragt die Bild-Zeitung (30./31.3.1997, Titelseite)
ganz im Sinne der herrschenden Politik: "Wie groß ist die Schuld diese
Mannes? Hat er nicht getan, was sich unsere Abgeordneten, unsere Regierung und
unsere Polizei nur nicht zu tun trauen - nämlich einfach jeden, der es wagt,
anderen Menschen Drogen zu verkaufen, aus der Gesellschaft zu entfernen -
radikal, unnachsichtig und effizient."13
1
Quadfasel, Lars: Organisierte Kriminalität. in: bahamas 24/97, S. 42
2
Bundesarbeitskreis Drogen JungdemokratInnen/Junge Linke: Dealer, anständige Bürger
und die dirty work, Flugschrift, S. 2
3
Hess, Henner: Der illegale Drogenhandel. in: Scheerer /Vogt ( Hg.): Drogen und
Drogenpolitik. Frankfurt a.M.
- New York, 1989
4
Hitler, Adolf: Mein Kampf. Leipzig 1942, S. 343
5
Mirak-Weißbach, Muriel: Der gerechte Krieg. Wiesbaden 1990, Klappentext
6
Der Ursprung des Antisemitismus ist der christliche Antijudaismus, welcher den
Haß auf die Juden als Christusmörder zum Inhalt hatte. Mitte des letzten
Jahrhunderts wandelte sich der Antijudaismus zum modernen Antisemitismus, die
Juden wurden zur zu bekämpfenden Rasse. Im strukturellen Antisemitismus nun
bleibt einzig die ideologische Struktur erhalten. Er löst sich von den Juden
und heftet sich quasi beliebig an andere Objekte. Neben dem "OK"-
Diskurs weist beispielsweise auch die "Scientology-Hysterie" eindeutig
antisemitische Strukturen auf. Auch dort wird eine Verschwörung, die das Ziel
verfolgt, die Weltherrschaft zu erlangen halluziniert und unermeßliche
Profitgier kritisiert.
7
Der Doppelcharakter der Arbeit, die Antinomie von konkreter und abstrakter
Arbeit, ist folgender: Die besondere Tätigkeit, welche zur Produktion eines
bestimmten Gebrauchswerts erforderlich ist, Schlossern etwa zur Herstellung
einer Bohrmaschine, ist die konkrete Arbeit, die Reduktion auf die reine
Verausgabung menschlicher Arbeitskraft unter Absehung von der besonderen Tätigkeit
stellt die abstrakte Arbeit dar. Somit ist Arbeit immer beides: konkret und
abstrakt.
8
Postone, Moishe: Nationalsozialismus und Antisemitismus. in: Diner, Dan:
Zivilisationsbruch. Frankfurt a. M. 1988, S. 247 f.
9
Bei Adorno und Horkheimer findet sich in den "Elementen des
Antisemitismus" eine ähnliche Erklärung, die jedoch nicht soweit geht, in
der antisemitischen Ideologie die Identifikation der Juden mit der gesamten
abstrakten Seite des Kapitals zu erkennen, sondern von der Vorstellung ausgeht,
die Juden wären als Repräsentanten der Zirkulationsspähre betrachtet worden.
Als diese zogen sie den Haß auf sich, da Ausbeutung in der Zirkulationsspähre
und nicht auf der Produktionsebene, wo sie tatsächlich stattfindet, verortet
wurde: "Im Verhältnis des Lohns zu den Preisen erst drückt sich aus, was
das Kapital den Arbeitern vorenthält. Mit ihrem Lohn nahmen sie zugleich das
Prinzip der Entlohnung an. Der Kaufmann präsentiert ihnen den Wechsel, den sie
dem Fabrikanten unterschrieben haben. Jener ist der Gerichtsvollzieher fürs
ganze System und nimmt das Odium für die anderen auf sich. Die
Verantwortlichkeit der Zirkulationsspähre für die Ausbeutung ist
gesellschaftlich notwendiger Schein." (Adorno, Theodor W./ Horkheime
r,
Max: Dialektik der Aufklärung. Frankfurt a. M. 1997, S. 198)
10
Adorno/ Horkheimer, S. 195
11
Die menschliche Wahrnehmung ist immer eine Form von Projektion: "Die
Projektion von Eindrücken der Sinne ist ein Vermächtnis der tierischen
Vorzeit, ein Mechanismus für die Zwecke von Schutz und Fraß, verlängertes
Organ der Kampfbereitschaft, mit der die höheren Tierarten (...) auf Bewegung
reagierten, unabhängig von der Absicht des Objekts. (...) Das System der Dinge,
das feste Universum, von dem die Wissenschaft bloß den abstrakten Ausdruck
bildet, ist (...) das bewußtlos zustandekommende Erzeugnis des tierischen
Werkzeugs im Lebenskapf, jener selbsttätigen Projektion." (Adorno/
Horkheimer, S. 213) Die pathische Projektion nun ist "blinde"
Projektion, sie geschieht ohne Reflexion auf das Objekt und richtet sich die Außenwelt
nach dem eigenen Bilde zu. "Die psychoanalytische Theorie der pathischen
Projektion hat als deren Substanz die Übertragung gesellschaftlich tabuierter
Regungen des Subjekts auf das Objekt erkannt."(Adorno/ Horkheimer S. 214)
12
Adorno/ Horkheimer, S. 194
13
Mach, Holger/ Scheerer, Sebastian: Vom "ehrbaren Kaufmann" zum
"gewissenlosen Dealer". in: Schmidt-Semisch, Henning/Paul, Bettina:
Drogendealer. Freiburg 1998, S. 75
*)
Danny Jung ist Mitglied der Jungen Linken in Bremen
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