|
Wie
neokonservativ ist die Partei Die Linke?
Von
Thomas Immanuel Steinberg
Quelle:
Steinberg-Recherche
vom 28. November 2011
Auf
Kommunisten-online am 29, November 2011 – Vor 45 schweigsamen Zuhörern
beschwerte sich Klaus Lederer
am 25. November 2011 im Berliner Karl-Liebknecht-Haus Der Linken über
die junge Welt: Er habe während des israelischen Massakers an den
Gaza-Bewohnern Anfang 2009 auf der Kundgebung „Solidarität mit Israel
– Operation Gegossenes Blei“ keine Kriegsrede gehalten.
Stimmt. Er hat eine Massakerrede gehalten.
Daß
die Eisenbahn von Jerusalem nach Tel Aviv durchs besetzte Westjordanland
führen werde und Palästinenser sie nicht würden benutzen dürfen,
fand Lederers Mitstreiterin Katharina König unerheblich. „Da wird,
mein Gott, eine Eisenbahn gebaut“, eine „Kleinigkeit“, befand die
Völkerrechtsverächterin. Der „jüdischen Bevölkerung“ – sie
meinte die mörderischen Kolonisatoren, deren Polizei und deren Armee
– denen also habe niemand zu sagen, wo sie sein und wo sie nicht sein
dürften.
Die
Vertreibung der Palästinenser aus ihrer Heimat um 1948 nannte König
eine „infame Lüge“. Einige Palästinenser seien vertrieben, die übrigen
aber von arabischen Führern zum Wegzug bewegt worden mit der Ankündigung,
die Juden würden ins Meer geworfen werden, und dann könnten die Palästinenser
alle zurückkehren.
Niemand
auf dem Podium, niemand im Saal widersprach, obwohl bekannt ist: Nicht
Juden, sondern die palästinensiche Bevölkerung von Jaffa wurde 1948
ins Meer geworfen; und obwohl ebenfalls bekannt ist: Kein einziger
arabischer Führer hat je gedroht, die Juden ins Meer zu werfen. Die das
Gegenteil behaupten, wie nun wieder Katharina König von Der Linken,
haben ihre Behauptung nie belegen können.
Königs
Gelüge ist nicht nur infam, es ist auch noch dämlich obendrein: Benny
Morris, einer ihrer israelischen Gesinnungsgenossen, hat die Fakten rund
um das Jahr 1948 sorgfältig recherchiert und nahezu sämtliche palästinensischen
Angaben über die zionistischen Vertreibungsverbrechen bestätigt. (2)
Nur fand er nicht, daß es sich dabei um Kriegsverbrechen handelte. In
Ha'aretz erklärte Morris 2004:
„Ich glaube nicht, dass die 1948er Vertreibungen Kriegsverbrechen
waren. Man kann kein Omelett machen, ohne Eier zu zerbrechen. Man muss
sich die Hände dreckig machen.“
Lüge,
Infamie und Dummheit sind in der Partei Die Linke kein Grund für einen
Parteiausschluß – im Gegenteil. NeoCons sind gern gesehen in der
Linkspartei. Der landesweit berüchtigte Denunziant und Lügner Benjamin
Krüger, Fraktionsangestellter im Bundestag mit Karriere, sekundierte
dem Podium aus dem Publikum, indem er verkündete, gegen einzelne Gegner
der israelischen Staats- und Regierungspolitik in Der Linken liefen
Ausschlußverfahren.
Die
haben Aussicht auf Erfolg: Lena Kreck, Moderatorin der Lederer-König-Veranstaltung,
sitzt in der Partei-Schiedskommission.
Anmerkungen
(1)
Podiumsdiskussion: DIE LINKE ein halbes Jahr nach der
Antisemitismusdebatte – Ist das Glas halb leer oder halb voll? Mit
Dr. Klaus Lederer – Landesvorsitzender DIE LINKE
Berlin, Mitglied im Abgeordnetenhaus; Prof.
Dr. Mario Keßler – Historiker aus Berlin und Potsdam;
Katharina König
– Sprecherin für Jugendpolitik, Netzpolitik & Antifaschismus DIE
LINKE im Thüringer Landtag. Moderation: Lena
Kreck und Stefan
Gerbing – beide Redaktion prager frühling. 25.
November 2011, Berlin, Karl-Liebknecht-Haus. Die
Veranstaltung fand im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus der
Amadeu Antonio Stiftung statt.
(2)
Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited. Cambridge
Middle East Studies 2004
T:I:S,
28. November 2011
|