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Antikapitalistischer Kampf und der Knüppel des Antisemitismus

Anmerkung Roter Webmaster/29. Mai 2005

Man muss kein großer Analytiker sein um zu wissen, dass die „Antideutschen“ Kreaturen des Finanzkapitals sind. Es geht nicht nur um die aggressive zionistische Politik. Die Kritik an ihr wird als antisemitisch denunziert. Diese „klassische“ Form „antideutschem“ Gewäschs hat, vor allem bei einfach gestickten Geistern, schon zum Verkleben des Hirns geführt. Wir haben als Beispiel den ehemals stellvertretenden Chefredakteur der DKP-Zeitung UZ und Landesvorsitzenden der VVN, Ulrich Sander, genannt[1],[2].

Aber jetzt nehmen sie sich mehr vor. Jede Kritik am internationalen Finanzkapital wird als antiamerikanisch und damit auch als antisemitisch diffamiert. Voriges Jahr fand in Berlin eine Konferenz statt, die sich mit dem Kampf gegen den Antisemitismus beschäftigen sollte. Die amerikanische Außenministerin hat den Kurs damals vorgegeben, der jetzt gefahren wird:

Jegliche Kritik am Finanzkapital ist antisemitisch.

Eine sehr bösartige Sache. Denn der Kampf gegen Rassismus jeglicher Art – dazu gehört auch der Antijudaismus – wird damit mit den Interessen von international tätigen finanzstarken Gruppen und internationalen Konzernen vermischt.

Das mag kurzfristig für diese Leute ihren Zweck erfüllen und Kritikern am Kapitalismus den Mund stopfen. Aber langfristig wird das Gegenteil der Fall sein. Der antirassistischer Kampf ist zu wichtig, als dass wir es zulassen dürfen, dass Geschäftemacher mit jüdischen Menschen auf eine Stufe gestellt werden.

Aber die Antideutschen und ihre imperialistischen Ideologen ficht das nicht an. Da ist der Herr Westerwelle von der FDP. Der sagte im Bundestag:

Wir Liberale sind gegen jede Form von Ausländerfeindlichkeit, auch wenn sie von links kommt, meine sehr geehrten Damen und Herren! Das schadet unseren wirtschaftlichen Interessen massiv; auch darauf muss hingewiesen werden. Das ist keine Petitesse, das ist ein kapitaler Vorgang, der Arbeitsplätze in Deutschland kostet, weil Investoren wegbleiben.“

Mal abgesehen, dass Investitionen nicht zwangsläufig Arbeitsplätze schaffen, sind diese Investitionen, wie sie hier von „Metall“ aufgeführt werden, nur rentabel, wenn Arbeitsplätze vernichtet werden.

Das „Christ und Welt“-Wochenblatt „Rheinischer Merkur“ verkündet: Julius Streicher hätte seine Freude daran gehabt und sie sicher gerne in seinem 'Stürmer' veröffentlicht. Da ist es wieder: das gefährliche Klischee vom Kapital als Blutsauger mit langem Rüssel und Uncle-Sam-Zylinder: Antiamerikanismus und Antisemitismus feiern fröhliche Urständ.“

Die zionistische Propaganda-Internet-Seite haGalil.com, darf natürlich auch nicht fehlen:

„Jüdisch konnotiertes, 'raffendes' US-Finanzkapital, welches das ehrliche 'schaffende' deutsche Kapital aussaugt und ruiniert. So lautet die Botschaft von Bild und Text dieser jüngsten Ausgabe der Gewerkschaftszeitschrift.“

Das „antideutsche Propagandablatt „Jungle World“ darf hier natürlich nicht fehlen: „Und dazu die grinsende Mücke mit Zylinder, der mit der amerikanischen Nationalfahne umwickelt ist. Das könnte in dieser Form wirklich auch in einem rechtsextremen Blatt stehen. Der Vorstand der IG Metall, der für das Blatt verantwortlich ist, hat natürlich nichts mit den Rechtsextremen zu tun. Aber es herrscht offensichtlich eine völlige Unsensibilität in dieser Frage."

So geht es weiter im Blätterwald und so tönt es aus dem Mäuler der Politiker, die von den Geldern ihrer Herrn und Meister dicke Konten angesammelt haben. Man haut mit den Knüppel des Antisemitismus um sich und hofft, dass damit jegliche Kritik an den Machenschaften mit totgeschlagen werden.

Dass diese Art von Machenschaften von eben jenen Politikern auch noch unterstützt werden, ist kaum bekannt. Die berühmt-berüchtigte Steuerreform hat nicht nur die Reichen und Superreichen noch reicher gemacht, sondern ihre Geschäfte auch noch gefördert. Denn Firmenverkäufe sind seitdem steuerfrei.

Man sollte aber jetzt nicht in Euphorie verfallen. Die IG-Metall-Zeitschrift hat eine brauchbare Analyse gebracht über das Geschäftsgebaren eines Teils des Finanzkapitals. Aber der andere Teil, der „Gute“ ist auch nicht besser. Aber deren Geschäfte bewegen sich im traditionellen Rahmen. Auch sie „schaffen“ keine Arbeitsplätze, sondern vernichten sie im Interesse der Profitmaximierung.

Im Übrigen ist es keineswegs eine soziale Großtat „Arbeitsplätze zu schaffen“. Kein Kapitalist „schafft“ Arbeitsplätze. Er will sein Produkt vermarkten, dazu braucht er Menschen, die es für ihn durch ihre Arbeit machen. Und genau die Menge Arbeitsplätze „schafft“ er – keinen einzigen mehr, um die entsprechende Menge in der notwendigen Qualität herzustellen.


[1]  Böswillig oder beschränkt? Kritik am zionistischen Rassismus wird als antisemitisch diffamiert,  siehe

[2]  Auslassungen des zweifelhaften Friedensfreundes Ulrich Sander in der UZ [2][1][2]: „Irakischer  Widerstand führt grausamen Feldzug gegen die USA“, von Gerd Höhne/07.12.2004 siehe

Sozialraub - Analysen zur Politik des globalen Kapitals

Wie Kritik am Kapitalismus als Antisemitismus gebrandmarkt wird

Quelle:  arbeiterfotografie

Über die Reaktionen auf den Artikel 'Die Plünderer sind da' 
von Werner Rügemer in der Ausgabe von Mai 2005 der Mitgliederzeitung der IG Metall, 19.5.2005 (ergänzt am 24.5.2005) mehr

Die Plünderer sind da

Titelseite der IG-Metall-Mitgliederzeitung 'metall', Mai 2005

Die Plünderer sind da

(unten) Doppelseiten des Artikels 'Die Plünderer sind da' in 'metall', Mai 2005

Die Plünderer sind da

Über die Reaktionen auf den Artikel 'Die Plünderer sind da' von Werner Rügemer in der Ausgabe von Mai 2005 der Mitgliederzeitung der IG Metall, 19.5.2005 (ergänzt am 24.5.2005)

In der Mai-Ausgabe 2005 erscheint ein aufsehenerregender Artikel von Werner Rügemer über typische Erscheinungen des Kapitalismus in der Epoche des Neoliberalismus. Zwei so genannte Finanzinvestoren stehen im Zentrum seines Artikels. Der eine ist die im arabischen Bahrein gegründete 'Investcorp', in der der deutsche Wirtschaftsmanager Thomas Middelhoff, zur Zeit auch Vorstandsvorsitzender des Karstadt-Quelle-Konzerns, eine wichtige Rolle spielt. Zum anderen geht es um den US-amerikanischen Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) mit Sitz in New York, Menlo Park und London. Dieser Fall ist auf der Titelseite der Metall-Ausgabe und auf den Seiten des Artikels illustriert. Werner Rügemer beschreibt die Machenschaften der so genannten Finanzinvestoren mit großer Klarheit, und das in einer Zeitung mit extrem hoher Auflage. Das kann nicht einfach hingenommen werden. Hier reicht die Strategie des Ignorierens nicht. Hier muß gegengesteuert werden. Ein immer wieder verwendetes Mittel ist der Vorwurf des Antisemitismus. Das hilft vielfach. Wer einmal als Antisemit abgestempelt ist, ist in die Ecke gestellt und mundtod gemacht. Das ist die Strategie, nach der verfahren wird.

Guido Westerwelle, Bundesvorsitzender der FDP, der die Gewerkschaften als 'Plage' betrachtet, sagt in einer Rede am 12.5.2005 vor dem Bundestag:

"Das ist die Realität heute: Diese IG-Metall-Zeitschrift, die ich Ihnen hier zeige, wird von Herrn Peters offiziell herausgegeben; Herr Müntefering ist Mitglied der IG Metall; die Ausgabe ist von diesem Monat, vom Mai. Investoren werden als Aussauger und Blutsauger, mit Goldzahn und mit einem Hut in den Farben der amerikanischen Flagge dargestellt.

Wir Liberale sind gegen jede Form von Ausländerfeindlichkeit, auch wenn sie von links kommt, meine sehr geehrten Damen und Herren! Das schadet unseren wirtschaftlichen Interessen massiv; auch darauf muss hingewiesen werden. Das ist keine Petitesse, das ist ein kapitaler Vorgang, der Arbeitsplätze in Deutschland kostet, weil Investoren wegbleiben. Denn dieses Bild ist nicht nur in Deutschland erschienen, sondern es ist millionenfach in der Weltpresse verbreitet worden."

'Rheinischer Merkur' vom 12.5.2005 in einem Artikel mit dem Titel 'Das gefährliche Klischee vom Kapital als Blutsauger mit langem Rüssel lebt!':

Der 'Rheinische Merkur' spricht von NS-Terminologie und führt dann aus: "Von Heuschrecken spricht Müntefering und rückt deutsche Global Player in die Nähe von Ungeziefer... die SPD-Vizeparteivorsitzende Ute Vogt ruft zum Boykott von Arbeitsplatzvernichtern auf, was die geschichtsbewussteren Menschen unter uns unweigerlich an den 'Kauft nicht bei Juden'-Boykott der Nazis denken lässt...

Den Vogel schoss nun die IG Metall ab, die in ihrer Zeitschrift 'Metall' unter dem Titel 'Die Plünderer sind da' Kapitalisten als Stechmücken darstellen ließ. Julius Streicher hätte seine Freude daran gehabt und sie sicher gerne in seinem 'Stürmer' veröffentlicht. Da ist es wieder: das gefährliche Klischee vom Kapital als Blutsauger mit langem Rüssel und Uncle-Sam-Zylinder: Antiamerikanismus und Antisemitismus feiern fröhliche Urständ. Man muss geschichtsblind sein, wenn man da nicht den langnasigen Juden im Mäntelchen der US-Flagge erkennen möchte. Aber ehrliche Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen verbietet, mit historisch belasteter NS-Ikonografie dermaßen fahrlässig umzugehen."

haGalil.com - ein Internet-Angebot, das sich als größter jüdischer Onlinedienst in Europa bezeichnet - schreibt am 9.5.2005 in einem Artikel mit dem Titel 'Müntefering, Metall und Co.: Völkischer Antikapitalismus von Links':

"Seinen Widerhall findet ein so gearteter Antikapitalismus auch in der aktuellen Ausgabe von 'Metall' dem publizistischen Organ der gleichnamigen Industriegewerkschaft. Deren Titelblatt und den Leitartikel mit 'Die Plünderer sind da' betitelt, illustrieren Zeichnungen von Silvan Wegmann. Diese Zeichnungen stellen amerikanische Investoren als gierige Fliegen, mit gerade noch menschlichem Antlitz, dar. Ihre Nasen erscheinen als maskenhafte, krumme Verlängerungen. Als Kopfbedeckung tragen sie Zylinder mit der Flagge der USA, eine Zigarre im Mund, sowie in den Händen Koffer aus denen Geldscheine quellen. Das US-amerikanische Finanzkapital erscheint so als antisemitische Karikatur; wie eine moderne Variante völkischer und nationalsozialistischer Demagogie. In der Internetausgabe bewegen sich diese so dargestellten 'Fliegen' zu Dutzenden auf eine Fabrik zu, deren Schornstein am Wanken ist. Zu dieser antisemitischen Darstellung gesellt sich der passende Text des Lehrbeauftragten und Publizisten an der Kölner Universität Werner Rügemer...

Jüdisch konnotiertes, 'raffendes' US-Finanzkapital, welches das ehrliche 'schaffende' deutsche Kapital aussaugt und ruiniert. So lautet die Botschaft von Bild und Text dieser jüngsten Ausgabe der Gewerkschaftszeitschrift. Als ließen deutsche Firmen nur irgendeine Gelegenheit zur Steigerung des Profits aus. Und als ob nicht erst jüngst Gerhard Schröder die arabische Halbinsel bereist hätte, Dutzende von Wirtschaftsvertreter im Troß, um gute Geschäfte mit reaktionären und Juden hassenden Regimes zu tätigen. Plastisch zeigt sich an diesem antiaufklärerischen und demagogischen Exempel wie eng Antiamerikanismus und Antisemitismus verbunden sind. Wobei hervorzuheben ist, dass wohl Antisemitismus ohne den pathischen Hass auf die Vereinigten Staaten existiert, dies umgekehrt jedoch nicht gilt.

Es ist symptomatisch für den Zustand Deutschlands, wenn Regierungsparteien und die ihr nahestehenden Gewerkschaften zu solcher Demagogie im Zeichen eines völkischen 'Antikapitalismus' greifen. Dabei ist es nebensächlich, ob Münteferings Vergleiche wahltaktisch motiviert sein mögen oder seiner Überzeugung entspringen."

Die Wochenzeitung 'Jungle World' vom 11.5.2005 läßt Jochen Gester, Mitglied des Arbeitskreises Internationalismus der IG Metall Berlin, im Rahmen eines Interviews zu Wort kommen:

'Jungle World': "Die so genannte Kapitalismusdebatte hat die IG Metall erreicht... Das Monatsmagazin der IG Metall hat sich in die Debatte eingemischt und meint, dass Finanzinvestoren deutsche Unternehmen ausschlachteten."

Jochen Gester: "'Die Aussauger'. Und dazu die grinsende Mücke mit Zylinder, der mit der amerikanischen Nationalfahne umwickelt ist. Das könnte in dieser Form wirklich auch in einem rechtsextremen Blatt stehen. Der Vorstand der IG Metall, der für das Blatt verantwortlich ist, hat natürlich nichts mit den Rechtsextremen zu tun. Aber es herrscht offensichtlich eine völlige Unsensibilität in dieser Frage."

'Jungle World': "Warum argumentiert die IG Metall gerade jetzt auf diese Art und Weise?"

Jochen Gester: "Man kann darüber spekulieren. Jedenfalls wird sichtbar, wohin man gerät, wenn man verzweifelt nach Bündnispartnern im 'rheinischen Kapitalismus' sucht und den Kapitalismus nicht grundsätzlich kritisieren möchte. Plötzlich landet man auf Positionen, bei denen es keine Trennungslinie zur völkischen Rechten mehr gibt."

Im 'Handelsblatt' vom 13./14./15.5.2005 steigt Chefredakteur Bernd Ziesemer in einem ganzseitigen Artikel mit dem Titel 'Antikapitalismus und Antisemitismus' in die Geschichte ein:

"Antikapitalismus und Antisemitismus fallen nach dem Ende des 1. Weltkriegs in immer neuen rhetorischen Formeln und agitatorischen Sprachbildern zusammen, auf der extremen Rechten wie auf der extremen Linken. Den 'kapitalistischen Blutsauger', dieses Urbild des antisemitischen Antikapitalismus, bemühen Nazis und Kommunisten gleichermaßen... Hitlers Nationalsozialisten entwickeln schon in ihrem ersten '25-Punkte-Programm' einen ganzen Forderungskatalog des antisemitischen Antikapitalismus...

Der Unterschied zwischen 'schaffendem' und 'raffendem' Kapital, also erdverbundenem 'arischem' und ausbeuterisch-flüchtigem 'jüdischem' Kapital gehört von nun an zum Grundbestand der nationalsozialistischen Propaganda... Auf das Hassbild des jüdischen Bankiers und Börsianers lassen sich in den zwanziger und dreißiger Jahren alle linken und rechten Ressentiments gegen die kapitalistische Moderne und gegen den Siegeszug des 'Amerikanischen' in der Welt projizieren... Der deutsche Hochschullehrer Dan Diner schreibt in seinem Buch 'Feindbild Amerika', die Vorstellung von 'weltumfassender Geldherrschaft' gehöre zu einer 'paranoiden Ideologie', in deren Zentrum Amerika und die Juden stehen...

Jeder sollte wissen, was er mit seinen Metaphern anrichtet. Die Gewerkschaftszeitschrift 'Metall' führt Münteferings Antikapitalismusdebatte mit einer eigenen Titelgeschichte gegen amerikanische Finanzinvestoren weiter. 'Wie Mücken saugen sie aus den Betrieben das Geld', schreiben die Gewerkschaftslinken. Wieso fiel ihnen gerade diese metaphorische Wendung ein? Wissen die Gewerkschaftler eigentlich, dass sie mit optischen 'Stürmer'-Zitaten hantieren?

Die Metapher von den alles verzehrenden Heuschrecken betrat mit 2. Mose, 10, 4 die Geisteswelt, als Sinnbild für die biblischen Plagen. Seit Jahrhunderten wird sie aber auch in immer neuen antisemitischen Pamphleten gegen die Juden gewendet. Die britische Zeitschrift 'Economist' schreibt in ihrer jüngsten Ausgabe: Wenn deutsche Politiker heute die Metapher der Heuschrecken benutzen, um Finanzinvestoren zu kritisieren, falle es schwer, sich NICHT an die Nazi-Propaganda zurückzuerinnern. Genauso ist es."

Soweit die Reaktionen - ihnen allen ist gemeinsam, daß sie sich mit dem Artikel von Werner Rügemer so gut wie nicht befassen. Keine der Stellungnahmen interessiert sich z.B. für den Deutschen Thomas Middelhoff und dessen Rolle bei 'Investcorp'. Und niemand interessiert sich für die Erkenntnis, daß es die am 6.7.2000 vom Bundestag verabschiedete 'Steuerreform 2000' ist, die das Treiben der Finanzinvestoren in Deutschland erst ermöglicht hat. Bundesministerium der Finanzen: "Das... erleichtert die Finanzierung von Investitionen."

Alle verengen ihren Blick auf die USA. Das wird Werner Rügemer in keiner Weise gerecht. Und auch ein Eingeständnis, daß die Realität dem, was Werner Rügemer beschreibt, sehr nahe kommt, ist von den Kommentatoren nicht zu hören oder zu lesen. Ihnen allen geht es um Diffamierung eines Autors, der die Verhältnisse nur zu treffend geschildert hat. Und es geht um die Schaffung einer ablenkenden Ebene, einer Art Schutzschild, das den Blick auf wesentliche Erkenntnisse verstellen soll.

Und es ist erstaunlich, wie Nicht-Angegriffene sich als angegriffen darstellen und ihrerseits angreifen. Werner Rügemer formuliert Kritik an wesentlichen Erscheinungen des Kapitalismus. So zu tun, als ginge es ihm um eine Kritik an 'den Juden', ist absurd. Aber der Versuch, ihm das nachzuweisen, soll über das trickreiche Verweben von Begriffen wie Antikapitalismus, Antiamerikanismus und Antisemitismus gelingen. Aber es gelingt nicht. Das Vorhaben ist zu durchsichtig.

Ein Satz hat es in sich: "Plastisch zeigt sich an diesem antiaufklärerischen und demagogischen Exempel wie eng Antiamerikanismus und Antisemitismus verbunden sind." Schreibt haGalil und stellt damit die Verbindung zwischen Antiamerikanismus und Antisemitismus erst her - mit dem Ziel zu suggerieren, dieses Begriffspaar gebe die dem Artikel zugrunde liegende Haltung wieder. 'Haltet den Dieb' ruft der Dieb. Von Demagogie sprechen hier diejenigen, die sie betreiben. Es entsteht der Verdacht, daß diejenigen, die vorgeben Antisemitismus zu bekämpfen, tatsächlich Macht-Interessen verfolgen - mit unfairen Mitteln. Nicht zu vergessen: haGalil hat sich kürzlich schon einmal an einer Verleumdungskampagne gegen einen kritischen Journalisten beteiligt - gegen den in Sachen 11. September ermittelnden Gerhard Wisnewski - mit dem Ergebnis eines Beschäftigungsverbots beim WDR.

Auch der längste der hier aufgeführten Artikel schafft es, auf das, was Werner Rügemer ausführt, mit keiner Silbe einzugehen - und das in einem ganzseitigen Artikel. Dem 'Handelsblatt' gelingt es im Essay von Chefredakteur Bernd Ziesemer, die Rolle von Thomas Middelhoff zu ignorieren, und in der gleichen Zeitungsausgabe Middelhoffs Job bei 'Investcorp' zu erwähnen, aber in einem anderen Artikel in ganz anderem - positivem - Kontext. Und was Bernd Ziesemer schafft, ist, das bei haGalil formulierte Gegensatzpaar des 'schaffenden' und des 'raffenden' Kapitals aufzugreifen, um von daher auf 'Amerika und die Juden' und das 'Feindbild Amerika' überzuleiten und die Kritik am Kapitalismus, speziell am US-amerikanischen, als paranoid hinzustellen. 'metall' und Werner Rügemer sollen als geisteskrank gebrandmarkt werden. Darum geht es.

Dem Artikel von Werner Rügemer, der nachfolgend in seiner grafischen Aufbereitung wiedergegeben ist, ist folgende - zugegeben für den gesamten Inhalt nicht ganz repräsentative - Einleitung vorangestellt: "Blackstone, KKR, Investcorp - Finanzinvestoren aus Amerika schlachten deutsche Unternehmen aus. Sie kaufen die Firmen, um sie kurz darauf mit Gewinn weiter zu veräußern. Rücksicht auf Menschen, Regionen oder Traditionen nehmen die amerikanischen Finanziers nicht. Wie Mücken saugen sie aus den Betrieben das Geld, um dann nach dem gleichen Muster weiter zu schwärmen. Leidtragende sind die Menschen."

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Was hat Werner Rügemer nun tatsächlich geschrieben? Das interessiert uns - deswegen hier sein Artikel - unkommentiert:

Die Plünderer sind da

von Werner Rügemer

Quelle: Metall

Sie haben unscheinbare Namen: Blackstone, KKR, Carlyle, Lone Star, Terra Firma, Apax, Cinven, Investcorp, Permira. So nennen sich "Finanzinvestoren" in New York, Houston und London. Man kennt sie kaum, aber sie haben eines gemeinsam: viel, viel Geld. Und mit diesem Geld krempeln sie die deutsche Wirtschaft um. Sie kaufen Unternehmen auf, "verschlanken" sie und verkaufen sie nach kurzer Zeit wieder oder verwandeln sie in Aktiengesellschaften - mit hohem Gewinn. Siemens-Nixdorf, Telenorma, MTU, Gerresheimer Glas, Dynamit Nobel, Rodenstock, Celanese, Minimax, Demag, ATU Autoteile Unger, Debitel, Tank & Rast, Duales System Deutschland: Diese und viele andere Unternehmen in Deutschland wurden in den letzten Jahren von solchen Finanzinvestoren aufgekauft und teilweise schon wieder verkauft. Tausende von Arbeitsplätzen gehen verloren. Bundestagsparteien, Medien und Arbeitgeberverbände scheinen keine größere Sorge zu haben als in Deutschland neue Arbeitsplätze zu schaffen. Trotzdem geht das Treiben der Finanzinvestoren bisher unkommentiert und problemlos über die Bühne.

Kurzer Verwertungszyklus und sehr hohe Renditen

Die Finanzinvestoren beschaffen sich Kapital von Anlegerfonds, Unternehmensstiftungen und reichen Individuen. Thomas Middelhoff, ehemaliger Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender, heute Aufsichtsratsvorsitzender von Karstadt-Quelle, kennt sich in dem Geschäft bestens aus. Er ist auch Mitinhaber und Europa-Chef des Finanzinvestors Investcorp. Der wurde 1982 in Bahrein gegründet und hat seinen Sitz in London. In den Golfstaaten gibt es viele Leute, die viel Geld mit Öl verdient haben. Sie kaufen sich über einen Fonds von Middelhoffs Investcorp in die Unternehmen ein: "Jeder der 20 bis 40 Investoren beteiligt sich mit fünf bis zehn Millionen Euro." Für den Kauf sind nur Top-Unternehmen des gehobenen Mittelstands interessant: Sie sind nicht börsennotiert, haben einen Wert ab 100 Millionen Euro und sind bereits profitabel. Sie sollen das Potential haben, zur Spitzengruppe ihrer Branche aufzuschließen oder zum Marktführer zu werden. Die Finanzinvestoren wollen eine Rendite, die höher ist als bei anderen Formen der Kapitalverwertung. Dazu soll auch die "Steueroptimierung" beitragen: Regelmäßig wird in der Finanzoase Luxemburg eine Holding gegründet. Die bisher öffentlich genannten Renditen liegen zwischen 15 Prozent und 40 Prozent pro Jahr. Hier wird also kein Gürtel enger geschnallt, im Gegenteil. Middelhoff nennt als bisherigen Erfahrungswert bei Investcorp eine "durchschnittliche jährliche Rendite von 25 Prozent". Die Investoren unterwerfen das Unternehmen einem kurzen "Verwertungszyklus" von drei bis fünf Jahren. Dabei geht es vor allem um "Kostensenkung": Entlassungen, Lohnsenkung, Mehrarbeit bei gleichem Lohn, vermehrter Einsatz von Leiharbeitern. Ende 2002 verzichteten Beschäftigte von Tenovis - das ist das ehemalige Unternehmen Telenorma, kurz zuvor vom Finanzinvestor KKR aufgekauft - auf 12,5 Prozent Lohn. Im Gegenzug versprach die Geschäftsleitung, die Arbeitsplätze mindestens für das Jahr 2003 zu erhalten. Sieben Monate später, nach der Rückkehr aus dem Sommerurlaub, fand sich ein Teil der Beschäftigten entlassen. Von ehemals 8000 Beschäftigten arbeiteten im Frühjahr 2004 noch etwa 4500 bei Tenovis.

Das Topmanagement zu Miteigentümern machen

Für seinen rabiaten "Verwertungszyklus" braucht der Finanzinvestor Verbündete. Die bisherigen Geschäftsführer und Bereichsleiter werden mit etwa fünf Prozent am Unternehmen beteiligt. Bei Tenovis beteiligte der Finanzinvestor KKR 70 Manager als Anteilseigner. Sie gelten als "Unternehmer im Unternehmen". Wenn sie zum Kauf der Gesellschaftsanteile nicht genügend Geld haben, erhalten sie vom Finanzinvestor günstige Kredite. Hohe Gehälter und Erfolgsprämien für die Umsetzung der sozialen Grausamkeiten gibt es sowieso. Eine einfache Faustregel lautet: Der Kaufpreis muss möglichst unter dem Firmenwert liegen und sich somit letztlich selbst finanzieren. Es werden nur Unternehmen gekauft, die keine Aktiengesellschaften sind. Deshalb kann der Firmenwert leicht manipuliert werden. Veröffentlichte Bilanz, Börsenaufsicht, Aktionäre, Kartellbehörden - alles nicht vorhanden. Wenn das Topmanagement schon mal geködert ist, kann der Finanzinvestor den Kaufpreis schön niedrig aushandeln. So zahlte KKR für das Entsorgungsunternehmen Duales System Deutschland (DSD) 807 Millionen Euro, während der Wert bei mindestens 836 Millionen Euro lag, wahrscheinlich sogar mehr als 100 Millionen Euro über diesem Wert.

Mit Tricks das Kapital herausziehen

Dazu kommen weitere Tricks, um das aufgekaufte Unternehmen finanziell auszusaugen. Nachdem KKR Bosch Telecom/Telenorma gekauft und in Tenovis umbenannt hatte, gründete der Investor auf der Kanalinsel Jersey die Tenovis Finance Limited. Bei dieser nahm die Tenovis GmbH & Co KG, Frankfurt, einen Kredit über 300 Millionen Euro auf. Das Geld stammte aus der Platzierung einer Anleihe der Tenovis Finance. Für den Kredit verpfändete die Tenovis GmbH 50.000 Miet- und Wartungsverträge. Den Kredit wiederum lieh die Tenovis GmbH ihrem rechtlichen Eigentümer, der Tenovis Germany GmbH. Diese Briefkastenfirma gehört dem Finanzinvestor KKR. Sie löst damit die Bankschulden ab. Durch die Tilgungspflicht bis 2007 werden der Tenovis GmbH gewaltige Mittel entzogen. Für den 300-Millionen-Kredit sah die Tenovis bisher keinen Cent Zinsen. Auch 50 Millionen Euro, die KKR für den Verkauf des Erbbaurechts am Frankfurter Firmengrundstück erhielt, flossen nicht an die Tenovis. Stattdessen zahlt Tenovis nun statt eines jährlichen Erbbauzinses von zwei Millionen Euro etwa sechs Millionen Euro Miete an die Tenovis Germany, also an KKR. Des weiteren schickte KKR eigene Berater, die zweistellige Millionen-Honorare erhielten. Für Bank- und Kreditprovisionen sicherte sich KKR über die Jersey-Tochter Tenovis Finance weitere elf Millionen Euro. Schon während des Verwertungszyklus wird ein möglichst hoher Gewinn auch direkt abgeschöpft. KKR und Goldman Sachs kauften 1999 insgesamt 90 Prozent der Anteile an Siemens Nixdorf. Im Frühjahr 2004 ließen sich die beiden Finanzinvestoren 160 Millionen Euro auszahlen "als eine Art Dividende für die vergangenen vier Jahre." Nach drei bis fünf Jahren hat der Finanzinvestor zwei Möglichkeiten für sein Ausscheiden ("Exit"): Entweder er verkauft das Unternehmen zu einem wesentlich höheren Preis als den Kaufpreis. Oder er bringt es an die Börse. Beim Börsengang bleibt der Finanzinvestor zunächst oft selbst Hauptaktionär, zum Beispiel mit 30 bis 40 Prozent der Aktien. Bei Wincor Nixdorf sah der Börsengang so aus: Für die sieben Millionen Aktien wurden etwa 350 Millionen Euro eingenommen. Davon flossen nur 125 Millionen an Wincor Nixdorf selbst. Der "Rest" von 225 Millionen ging an die Investoren. Das war aber noch nicht der Gesamtgewinn. Denn die Investoren behielten zunächst 36 Prozent der Anteile. Diese 5,56 Millionen Aktien brachten beim Verkauf im Januar 2005 noch einmal etwa 300 Millionen Euro.

Investitionen ohne Arbeitsplätze

Die Finanzinvestoren sind seit der "Steuerreform 2000" aktiv: Seitdem sind die Erlöse aus Firmenverkäufen steuerfrei. Die Finanzinvestoren zielen auf den schnellen Superprofit. Sie zehren die vorhandene betriebliche Substanz aus, insbesondere in guten mittelständischen Unternehmen. Sie vernichten Arbeitsplätze. Sie senken die Einkommen der verbleibenden Beschäftigten. Sie entziehen dem Staat Steuern. Unter den Beschäftigten herrscht ein Angstregime. Betriebsräte, die sich Medien gegenüber kritisch äußern, werden wegen Geschäftsschädigung gnadenlos verfolgt. Die Wirtschaftslobby behauptet öffentlich, dass Investitionen neue Arbeitsplätze schaffen. Doch der immer mehr geförderte Investitionstyp bewirkt das Gegenteil. Intern weiß man das natürlich. "Die Statistik trügt", stellte das "Handelsblatt" fest. "Der steile Anstieg der Investitionen ist durch Fusionen und Firmenübernahmen geprägt. Und die haben unterm Strich mehr Arbeitsplätze vernichtet als neue geschaffen."

Linde Kältetechnik - Billigere Arbeit in Tschechien (Kasten)

Am 1. Oktober 2004 verkaufte die Linde AG in Wiesbaden ihre Tochter Linde Kältetechnik in Mainz-Kostheim und Köln an den amerikanischen UTC-Konzern. Kaufpreis 330 Millionen Euro. Im Februar dieses Jahres wurden Aufsichtsrat und Gesamtbetriebsratsausschuss von »umfangreichen Restrukturierungsmaßnahmen in Deutschland« unterrichtet. Dies würde in den kommenden zwei Jahren zu einem Verlust von 13oo Arbeitsplätzen führen. Die Lindekältetechnik ist seit Jahren in Europa Marktführer. Aber in Tschechien ist die Arbeit billiger als in Mainz-Kostheim und Köln. Deswgegen können die Amerikaner ihr Geld nicht schnell genug wieder reinbekommen. Selbst eine 42-Stunden-Woche, der Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und weiteres würden nicht reichen, um die Arbeitsplätze in Deutschland zu halten. IG Metall und Betriebsrat wollen den Kahlschlag verhindern und für den Erhalt der Standorte kämpfen.

Denison-Hydraulics - Das Muster ist immer gleich (Kasten)

Mitte 2003 kaufte der Parker-Hannifin-Konzern mit Sitz in den USA die Hildener Firma Denison Hydraulics (ehemals Hildener Maschinenfabrik) für 200 Millionen Dollar. Eine gesunde Firma, die volle Auftragsbücher hat und jedes Jahr schwarze Zahlen schreibt. Die 194 Beschäftigten bekamen im vergangenen Jahr noch eine zusätzliche Prämie von 260 Euro, weil das Geschäftsjahr so gut verlaufen war. Doch im Februar 2005 war davon keine Rede mehr. Die Geschäftsführung teilte mit, zum Jahresende 2006 werde der Betrieb geschlossen. Von mangelnder Produktivität wurde geredet und davon, dass das Werk unrentabel sei. Das ist immer das gleiche Muster. Für den Betriebstratsvorsitzenden Horst Tefke ist diese Entscheidung aus heiterem Himmel »eine soziale Kahlschlagpolitik«, die Belegschaft und IG Metall nicht hinnehmen wollen. Die IG Metall Remscheid-Solingen forderte den US-Konzern auf, diese »asoziale und menschenverachtende Entscheidung « zurückzunehmen und eine Lösung für die Zukunft zu finden.

Quelle: http://www.igmetall.de/metall/

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